02.04.2021

Warum das Vergaberecht der perfekte Innovationstreiber ist

Gemeinsam Neues schaffen - Rechtsanwalt Martin Schiefer erklärt im Gastkommentar die Chancen von Innovationspartnerschaften, die das Vergaberecht seit kurzem ermöglicht.
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Martin Schiefer ist Rechtsanwalt und Experte für Vergaberecht - für den brutkasten erklärt er innovationspartnerschaften
(c) Medwed People: Martin Schiefer
kooperation

Wenn die Zeiten fordernd und die Budgets knapp sind, muss das Geld gut investiert werden. Investieren heißt auch, immer den Blick Richtung Zukunft ausrichten und Innovationen ermöglichen, vorantreiben und initiieren. 

Um Österreich zu einem Land der Innovationen zu machen, ist Forschungsförderung allein zu wenig. Denn Forschung passiert oft weit weg vom Markt und den derzeitigen Bedürfnissen. Das bedeutet, dass zwar die Entwicklung einer Idee unterstützt wird, aber der Unternehmer wird dennoch alleine gelassen. Er muss die Innovation vorantreiben und gleichzeitig einen Markt dafür schaffen. Sonst hat er eine Innovation ohne Absatzmarkt. Vergaben und Ausschreibungen sind dazu eine perfekte Ergänzung, denn Vergaben zeigen einen aktuellen Bedarf.

Vergabeverfahren können Innovationen auf zwei Ebenen erfolgreich vorantreiben: Zum einen besteht die Option, die Kriterien forschungsaffin zu definieren. Das beginnt bei Forschungsquoten, erstreckt sich über Investitionen in F&E und geht bis hin zu Startup-Engagements. Es gibt viele Möglichkeiten, die zukunftsgerichtete und forschungsfreundliche Ausrichtung eines Unternehmens abzufragen.

Innovationspartnerschaften: Neuerung im Vergaberecht als Win-Win-Situation

Zum anderen gibt es im Vergaberecht seit Kurzem sogenannte Innovationspartnerschaften. Innovationspartnerschaften sind ein eigenes Vergabeverfahren, das sich doch wesentlich von klassischen Verfahren unterscheidet. Es ist ein Tool, das als perfekte Ergänzung zu klassischen Förderprogrammen den Ideenfindungsprozess unterstützt, eine Kostenteilung ermöglicht und mit dem Entwicklungsprozess gemeinsam einen Absatzmarkt bietet. Der Auftraggeber und der Auftragnehmer committen sich zu einer Idee, zu einem Projekt. Gemeinsam wird etwas Neues geschaffen.

Dies deckt zum einen den Bedarf des Auftraggebers, und der Auftragnehmer kann etwas Neues entwickeln, das sofort umgesetzt wird. Der Markt für die Innovationsentwicklung ist vorhanden und das Unternehmen arbeitet gleichzeitig am ersten Referenzprojekt. Das ist Win-Win für beide, fordert allerdings Fairplay und Weitblick. Wenn man sich darauf einlässt, kann das Vergaberecht zum perfekten Innovationstreiber werden.


Zum Autor

Martin Schiefer ist Rechtsanwalt und Top-Speaker. Der Experte für Vergaberecht, Digitalisierung, Sozial- und Gesundheitsbereich, Infrastrukturprojekte (Smart City) und komplexe Bauprojekte ist Partner in der Kanzlei Schiefer Rechtsanwälte mit Niederlassungen in Wien, Salzburg und Graz.

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Reploid, Biogena, Herosan
© Reploid - Philip Pauer, CEO und Gründer von Reploid.

Mit dem Einstieg beim steirischen Petfood-Unternehmen Herosan Healthcare setzte das Welser Scaleup Reploid bereits im Oktober 2025 einen Schritt im Bereich Heimtierfutter (wie brutkasten berichtete). Nun, konkret mit Ende Juni 2026, hat das Unternehmen die Beteiligung an dem steirischen Tiergesundheits- und Haustiernahrungs-Unternehmen von 34 % auf über 50 % aufgestockt.

Reploid treibt vertikale Integration voran

„Wir treiben die vertikale Integration konsequent voran und steigern damit die Effizienz der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig können wir den Konsumenten mehr und mehr innovative Produkte anbieten – vom Hundefutter über Dünger bis hin zu Bio-Edelpilzen aus Österreich“, sagt Philip Pauer, CEO und Gründer von Reploid.

Seit dem Einstieg von Reploid im Herbst 2025 und der anschließenden Vertiefung der Zusammenarbeit hat sich Herosan in der Geschäftsentwicklung gesteigert, wie es heißt. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp zwei Drittel auf 2,3 Mio. Euro. Mit Unterstützung der Reploid-Strukturen baute Herosan zudem die Vertriebsaktivitäten in der Schweiz und in Italien aus.

Der Zugang zu Insektenlarven von Reploid sowie zu Pilzmyzel der Reploid-Tochter Vitus GmbH, einem österreichischen Produzenten von Bio-Edelpilzen, habe die Lieferkette erweitert und stabilisiert. Mit dem Ausscheiden eines Altgesellschafters und der mehrheitlichen Übernahme durch Reploid verfüge Herosan nun über die Voraussetzungen für die weitere Geschäftsentwicklung, liest man in der Aussendung.

Auch Biogena steigt ein

Nach der Anteilsaufstockung von Reploid steigt auch die Biogena Management Holding GmbH mit 13,7 % bei Herosan ein. Die Gruppe ist unter der Marke Biogena Pets bereits im Bereich Tiergesundheit tätig, konkret mit Premium-Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde. Die restlichen 33,0 % der Gesellschaftsanteile an Herosan hält die PT26 Holding GmbH der beiden Gründer und Geschäftsführer Cornelia Pint und Daniel Taurer.

„Die ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit war für mich einer der zentralen Beweggründe, Biogena und in weiterer Folge Biogena Pets zu gründen. Da auch Herosan diesen Ansatz verfolgt, freue ich mich über den gelungenen Einstieg bei diesem innovativen Unternehmen aus der Steiermark“, sagt Albert Schmidbauer, Founder und CEO der Biogena Group.

Daniel Taurer, Geschäftsführer und Mitbegründer von Herosan, ergänzt: „Bei Herosan haben wir in den letzten Jahren ein hochwertiges Produktsortiment rund um das Tierwohl entwickelt – nun gehen wir den nächsten Schritt. Mit Reploid und Biogena stehen starke Partner an unserer Seite, die unseren Wachstumskurs nicht nur unterstützen, sondern aktiv beschleunigen.“

Auf Basis von Reploid-Rohstoffen

Zudem wurde Alimentastic von Biogena-Gründer Albert Schmidbauer als Vertriebsplattform für Food- und Konsumgüter aufgebaut und soll als Schnittstelle zwischen Herstellern und Lebensmittel-, Fach- und Großhandel fungieren. Im Juli 2026 übernahm Reploid von der Schmidbauer zuzurechnenden Akira Management Holding 25,1 % an Alimentastic und erhielt eine Option, die Beteiligung innerhalb von drei Jahren auf über 51 % zu erhöhen.

Zusätzlich hält bereits die Addendum Holding von Reploid-Gründer Philip Pauer 25,5 %, womit sich laut Firmenbuch 51 % der Anteile in dessen Einflusssphäre befinden. Alimentastic übernimmt unter anderem Produktentwicklung, Distribution und Vertrieb und soll künftig mehrere neue Produktlinien auf Basis von Reploid-Rohstoffen in Deutschland und Österreich in den Handel bringen; erste Listungen bei großen Supermarktketten sind bereits vereinbart.

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