17.12.2025
FALTRAD IN CHINA

Vello: Wiener Faltradmarke gewinnt Rückenwind in China

Der Wiener Faltradhersteller Vello, 2017 gegründet, produziert Premium-Falträder für den urbanen Alltag. Nach dem Aufbau eines stabilen Händlernetzes in Europa expandiert das inhabergeführte Unternehmen nun nach China, einem der dynamischsten Märkte für Mikromobilität.
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Vello ist in China angekommen. (c) Vello

Was in den 70er und 80er Jahren als unbeliebtes Klapprad bekannt wurde, ist längst keine Randerscheinung der urbanen Mobilität mehr. Inzwischen spricht man von Falträdern, sie bilden ein eigenes Marktsegment mit starkem Wachstum, besonders in dicht besiedelten Städten. Der Wiener Hersteller Vello ist seit Mitte 2025 in China aktiv und stößt dort auf eine Dynamik, die selbst das Unternehmen überrascht hat.

„In China leben rund 1,4 Milliarden Menschen, mehr als 900 Millionen davon in Städten und der Platz wird überall knapper“, sagt Co-Gründerin Valerie Wolff im Gespräch mit brutkasten. Gerade deshalb habe der Faltradmarkt ein enormes Potenzial. In vielen urbanen Räumen gehe es nicht mehr um zusätzliche Mobilität, sondern um Alternativen innerhalb begrenzter Flächen.

Premiumpositionierung statt Preiswettbewerb

Vello ist im Premiumsegment angesiedelt und setzt bewusst nicht auf Massenproduktion. Das Unternehmen produziert weiterhin in Österreich (Wien) und positioniert seine Falträder als langlebige, hochwertige Alltagslösung. „Wir sehen, dass sich rund um Falträder eine sehr starke Community entwickelt“, sagt Wolff. In China gebe es zahlreiche spezialisierte Boutique-Händler, die gezielt nach besonderen Produkten suchen und sich klar vom Massenmarkt abgrenzen wollen.

Gerade in Städten werde Wohnraum kleiner, Abstellflächen verschwinden. Das spiele kompakte Mobilitätsformen in die Karten. Vello profitiert dabei auch davon, dass die Marke im europäischen Raum bereits etabliert ist. „Dass wir in Europa schon als Marke gewachsen und bekannt sind, hat den Markteintritt in Asien deutlich beschleunigt“, sagt Wolff.

Über die grundsätzliche Unternehmensstrategie berichtete brutkasten unter anderem in einem Interview 2023.

Unerwartete Nachfrage vor Ort

Der konkrete Einstieg in China erfolgte über die Eurobike-Messe, wo ein Distributor, der gezielt europäische Marken suchte, auf Vello aufmerksam geworden sein soll. Die Zusammenarbeit kam rasch zustande. Inzwischen ist Vello mit mehr als 20 Partner-Stores in China vertreten, unter anderem in Shanghai, Peking und Xi’an.

CEO und Chefdesigner Valentin Vodev beschreibt den ersten China-Besuch als prägend. Händler, die das Unternehmen gerade erst gewonnen hatte, wurden vor Ort besucht. In mehreren Städten bildeten sich Schlangen, Interessierte wollten Fotos und Autogramme. „Diese hohe Nachfrage und diese Leidenschaft haben wir nicht erwartet“, sagt Vodev. In vielen Städten habe es bereits eine Fan-Community gegeben, teils an Orten, die dem Team zuvor nicht einmal namentlich bekannt waren.

China erlebt derzeit einen starken Boom bei Fahrrädern und Mikromobilität. In großen Städten entstehen Sperrzonen, neue Radwege und kleinteiligere urbane Strukturen. „Man merkt, dass sich Städte verändern, neue Radwege werden gebaut und die Bedürfnisse sind andere geworden“, beobachtet Wolff. Weg vom reinen Großbau, hin zu neuen, urbaneren Vierteln.

Europäisches Mobilitätskonzept statt Notlösung

China verfügt über eigene Faltradhersteller und hohe Produktionskompetenz. Vello konkurriert daher nicht über technische Machbarkeit, sondern über Haltung. Verkauft werde nicht nur ein Fahrrad, sondern ein Konzept. „Es geht nicht darum, dass man sich kein Auto leisten kann“, sagt Vodev. „Es geht um eine europäische, urbane Mobilitätslösung, um ein Lebensgefühl.“

Der Unterschied zum Klapprad der 70/80er Jahre sei deutlich. Während diese Räder früher vor allem für Camping oder gelegentliche Nutzung gedacht waren, basieren heutige Falträder auf moderner Rennradtechnologie. Was früher als mühsame Notlösung galt, werde heute als moderner urbaner Luxus wahrgenommen.

Aktuell sind rund 300 Vello-Räder in China im Einsatz, weltweit etwa 15.000. Der Preis eines Faltrads liegt in China auf vergleichbarem Niveau wie in Europa (das Titanmodell bei etwa 3.000 Euro). Angeboten werden vorerst nur Falträder, die von Unternehmen ebenfalls entwickelten Lastenräder rollen vorerst nur auf Europas Straßen.

Finanzierung, Absicherung und Wachstum

Vello ist inhabergeführt und arbeitet bislang ohne klassische Investoren. Wachstum wurde vor allem aus dem laufenden Geschäft finanziert. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf Crowdinvesting über Genusscheine, etwa über eine eigene Conda-Kampagne. Doch auch für Investment sei man grundsätzlich offen, wichtig seien die richtigen Partner, nicht nur Kapital. Bereits 2019, also zwei Jahre nach Gründung, galt das Unternehmen als EBITDA-positiv.

Marken- und patentrechtlich ist Vello in China wie auch in den USA und natürlich Europa abgesichert. Die Marke ist eingetragen, mehrere Patente sind angemeldet. 

Sollte die Nachfrage in China weiter steigen, prüft Vello mittelfristig eine lokale Produktion, nicht aus Kostengründen, sondern aufgrund der Überzeugung einer urbanen Produktion, wie man versichert: „Wir glauben an urbane Produktion nahe am Markt“, sagt Vodev.

Weitere Expansionspläne und die Zukunft der Räder

Nach dem erfolgreichen Markteintritt in China richtet Vello den Blick nun noch stärker nach vorne. Der asiatische Markt gilt dabei nicht als singuläres Projekt, sondern als Ausgangspunkt für weitere internationale Schritte.

Kurzfristig steht die weitere Vertiefung des China-Geschäfts im Mittelpunkt. Parallel dazu denkt das Unternehmen den Ausbau in zusätzlichen Märkten an. In Asien gelten Japan und Südkorea als nächste logische Schritte, aber auch Australien wird intern als attraktiver Zielmarkt bewertet. In Nordamerika bestehen bereits erste Händlerkontakte, ein formeller Markteintritt in den USA und Kanada ist derzeit jedoch noch offen, unter anderem aufgrund handelspolitischer Rahmenbedingungen.

Langfristig, so sind sich Valerie Wolff und Valentin Vodev einig, werde sich die urbane Mobilität weiter verschieben. „Irgendwann werden auch die Fans der Verbrennermotoren beim Faltrad ankommen müssen, weil der Platz einfach nicht mehr da ist und die Nachfrage steigen wird“, sagt Vodev. Mobilität werde damit weniger zur ideologischen Frage, sondern zur praktischen Entscheidung im Alltag dicht gebauter Städte.

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Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Eugen Benedikt Russ, Nicola Szekely und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners
Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Eugen Benedikt Russ, Nicola Szekely und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners

Wie brutkasten zuletzt berichtete, wurde die vor rund zehn Jahren als Teil der Voralberger Russmedia-Gruppe gegründete Liechtensteiner Private-Equity-Gesellschaft RM Equity Partners (RMEP) mit rund 500 Millionen Euro Assets under Management von den drei Partnern Eugen Benedikt Russ, Chris Wittlinger und Nicola Szekely übernommen. Im Gespräch mit brutkasten erläuterten Russ und Wittlinger die Hintergründe.

Eugen B. Russ blickt dabei auf die Anfänge zurück: „Wir haben eigentlich schon sehr selbstständig begonnen. Schon damals haben wir vom Medienhaus weitgehende Freiheiten bekommen, und ich glaube, genau das hat uns erfolgreich gemacht: dass man uns dieses Vertrauen gegeben hat. Wir konnten in Themen investieren, während andere in der Gruppe Media-for-Equity machen mussten und in dem, was sie tun konnten, nicht immer frei waren.“

Und Wittlinger ergänzt: „Organisatorisch waren wir schon immer sehr unabhängig, mit wenig Vorgaben. Jetzt übersetzen wir einfach das, was gelebt wurde, in die Realität. Dazu kommt, dass es im Partnerkreis – Eugen, Nicola und ich – über die Jahre sehr gut funktioniert hat. Wir sind ein sehr komplementäres Team, und wir haben alle gesagt: Wir haben Lust, das noch einmal eigenständig anzupacken und weiterzumachen – mit dem Team, das es schon gibt.“

Die Gruppe sei über das vergangen Jahrzehnt stark gewachsen und erwirtschafte im laufenden Jahr ein EBITDA im dreistelligen Millionenbereich. Dabei entfielen nur fünf Prozent des Umsatzes auf Österreich, da das Portfolio komplett europäisch aufgestellt sei.

„Die volle Selbstständigkeit war im Endeffekt der logische Schritt“, erklärt Russ. Seine Schwester übernehme die Generationennachfolge im Verlag der Russmedia-Gruppe, wo zuletzt auch ein Merger mit der Tiroler Tageszeitung stattfand. Während Russmedia den Wachstumsweg im Mediengeschäft verfolge, setze RMEP den Wachstumsweg bei digitalen Plattformen fort.

Dieser Prozess sei über einen Zehnjahresplan angelegt und seit acht Jahren vereinbart gewesen. Im September des vergangenen Jahres habe die konkrete Umsetzung Fahrt aufgenommen. Nach der Umstrukturierung in Liechtenstein um den Jahreswechsel wurde die Management Company RM Consulting im Frühjahr übernommen. Mit der offiziellen Kommunikation sei die Nachfolge nun abgeschlossen. Die Management Company befindet sich nun zu gleichen Teilen im Besitz des Führungstrios.

Neues Vehikel für neue Investments

Das initiale Investment von Russmedia habe damals knapp unter 100 Millionen Euro betragen – eine Summe, die die Gruppe heute jährlich an EBITDA generiere. Für die künftige Ausrichtung gilt nun eine klare Trennung zwischen Altbestand und neuen Beteiligungen.

Russ beschreibt die Strukturierung: „Das Bestehende führen wir so weiter. Wir schaffen jetzt ein neues Investment-Vehikel, in das exklusiv wir drei und das Team investieren. Alle Investments ab jetzt machen wir alleine. Von den bestehenden Investments profitiert natürlich auch die Familie weiter – unter anderem Bergfex, Pure, calimoto und die übrigen Unternehmen im heutigen Portfolio.“ An den bisherigen Beteiligungen halte Russ im Rahmen der Nachfolgelösung weiterhin eine Mehrheit.

„Wir kaufen Anteile an profitablen Unternehmen, die Cash produzieren“

RMEP investiert pro Beteiligung bis zu 150 Millionen Euro Eigenkapital, während das Gesamtvolumen pro Transaktion bis zu 250 Millionen Euro betragen kann. Chris Wittlinger grenzt den Investmentansatz klar ab: „Wichtig ist: Wir sind kein VC. Wir machen keine Frühphasen-Investments und prinzipiell keine Kapitalerhöhungen, bei denen das Unternehmen Cash braucht. Wir kaufen Anteile an profitablen Unternehmen, die Cash produzieren.“

Das Modell ziele zwar auf eine langfristige Haltedauer ab, doch Exits wie jener der Plattform Alpy (brutkasten berichtete im August) seien bei passenden Rahmenbedingungen vorgesehen. Wittlinger führt dazu aus: „Wir wollen die Möglichkeit haben, das Unternehmen sehr lange zu halten. Aber wenn wie bei Alpy die Situation kommt, in der man sagt: Das ist bei einem Strategen besser aufgehoben, weil der mehr daraus machen kann als wir – dann verkaufen wir auch.“ Gleichzeitig mache man auch strategische Zukäufe kleinerer, profitabler Wettbewerber von portfolio-Unternehmen, wie das aktuelle Beispiel Digital Heaven in der Schweiz veranschauliche.

„Wir sprechen auf Augenhöhe, von Unternehmer zu Unternehmer“

Und es gebe auch einen zentralen Unterschied zwischen RMEP und klassischen Private-Equity-Gesellschaften, die fremdes Kapital verwalten, betont Russ: „Das Geld, das wir investieren, ist ausschließlich unser eigenes und das der Unternehmer-Partner, mit denen wir arbeiten. Viele wählen uns, weil sie nicht mit einem anonymen Private-Equity-Investor zusammenarbeiten wollen, der nicht sein eigenes Geld investiert. Sie spüren, dass wir unser eigenes Geld investieren – wir sind selbst Unternehmer. Das ist der riesige Unterschied: Wir sprechen auf Augenhöhe, von Unternehmer zu Unternehmer.“

Dieses Unternehmer-Setup spiegelt sich auch in der Anbahnung neuer Investments wider. Wittlinger erklärt das Sourcing: „Der Dealflow ist dreigeteilt. Erstens gibt es ein Netzwerk von Tausenden M&A-Beratern in Europa, mit denen wir in Kontakt sind, die wissen, was wir suchen, und sich regelmäßig bei uns melden. Zweitens unser aktiver Outreach, bei dem wir schon sehr stark mit KI arbeiten: Wir schreiben Unternehmen an, die aus unserer Sicht gut ins Raster passen, gehen auf Messen und Branchenveranstaltungen und stellen sicher, dass uns die Unternehmer in den Industrien kennen, die uns interessieren. Drittens gibt es Unternehmer, die auf uns zukommen, weil sie von uns gehört haben – zum Beispiel, weil sie jetzt diesen Artikel lesen.“

Am Fokus auf asset-light und digitale Geschäftsmodelle ändere sich durch die Eigenständigkeit nichts, wobei der technologische Wandel berücksichtigt werde. Wittlinger ergänzt zur Rolle von KI: „Natürlich muss man immer schauen, wie sich KI auf ein Geschäftsmodell auswirkt. Wir fokussieren uns darauf, Geschäftsmodelle zu finden, für die KI ein Enabler sein kann oder die sehr resilient dagegen sind.“

„Wir haben die Kriegskasse gefüllt“

Für die kommenden Jahre stehe nun der Ausbau des eigenen Netzwerks und das gemeinsame Wachstum mit Gründern im Vordergrund. Russ betont: „Unsere Story sind eigentlich individuelle Unternehmer-Erfolgsgeschichten.“ RMEP verstehe sich als langfristiger Partner für Unternehmer, um Potenziale zu heben und gemeinsam zu wachsen.

Wittlinger richtet den Blick auf die Zehn-Jahres-Perspektive: „Natürlich wollen wir nicht stillstehen. Wir wollen größer werden, weiterhin Deals machen, das Netzwerk erweitern und dafür sorgen, dass die Assets under Management in zehn Jahren deutlich höher sind als heute. Das ist der Anspruch.“

Der Wechsel in die Unabhängigkeit soll dabei als Ansporn für die nächste Phase dienen. „Wichtig ist: Das Team bleibt gleich, die Investmenthypothese bleibt gleich, und unsere Ambition und unser Hunger bleiben gleich. Wir sind noch lange nicht am Ende der Reise“, unterstreicht Wittlinger. Und Russ wird noch einmal deutlich: „Wir haben die Kriegskasse gefüllt und suchen nach den nächsten Deals.“

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