25.01.2023

Valutico: Millioneninvest für Wiener Fintech – Erste Group, Push Ventures, aws steigen ein

Das Wiener Fintech Valutico hat sich auf Unternehmensbewertungen spezialisiert. Nun schloss es seine erste Finanzierungsrunde ab. An dem Investment im mittleren siebenstelligen Bereich beteiligten sich unter anderem Push Ventures, der aws Gründerfonds und die Erste Group.
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Valutico-CEO Paul Resch | Foto: Valutico

Wie viel ein Unternehmen wert ist, ist nicht immer so einfach zu ermitteln. Klar ist aber eines: Um zu einer fundierten Bewertung zu kommen, braucht es Daten. Hier setzt das Wiener Fintech Valutico an: Mit seiner cloudbasierten Plattform für Unternehmensbewertungen richtet sich das Startup rund um CEO und Mitgründer Paul Resch vor allem an Firmen im Finanzdienstleistungs- und Investment-Sektor. Diesen stellt Valutico präzise Bewertungen in einem Bruchteil der bisher benötigten Zeit in Aussicht.

Nun hat das 2017 gegründete Startup erstmals eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Das Investment beläuft sich auf einen „mittleren siebenstelligen“ Euro-Betrag, gab Valutico in einer Aussendung bekannt. Neben bestehenden Investoren beteiligten sich Push Ventures, der aws Gründerfonds sowie die Erste Group an der Runde.

Das nun aufgenommen Kapital will Valutico für weiteres Wachstum, die Umsetzung der Produkt-Roadmap sowie zum Ausbau des Entwicklungsteams einsetzen. „Die neue Finanzierungsrunde ist der krönende Abschluss eines weiteren großartigen Geschäftsjahres für unser Unternehmen“, kommentiert Valutico-CEO Paul Resch das Investment. „Mit unseren neuen Partnern können wir das Wachstum beschleunigen und weitere innovative Produkte rund um die Frage des gesamtheitlichen Unternehmenswertes entwickeln.“

Auch strategische Partnerschaft mit Erste Group geplant

Mit der Erste Group ist außerdem eine strategische Partnerschaft angedacht. Valutico soll im Zuge dessen die Bank bei der weiteren Digitalisierung ihrer Prozesse im Bereich Unternehmenbewertung und Kreditvergabe unterstützen. „Wir erkunden, wie die innovative Plattform von Valutico uns dabei helfen kann, einen Teil unserer Prozesse im Bereich der Firmenbewertung und -kreditvergabe weiter zu digitalisieren“, sagt Ingo Bleier, der im Vorstand der Erste Group für Corporate Banking & Markets zuständig ist.

Valutico hat seinen Sitz in Wien und weitere Niederlassungen in den USA und in Großbritannien. Nach eigenen Angaben wird es von mehr 600 Unternehmen aus der Finanzbranche in 85 Ländern eingesetzt. Zuletzt hat das Unternehmen die Bewertungsmodelle auf seiner Plattform um die Ertragswertmethode sowie um die Venture-Capital-Methode erweitert. Zudem arbeitet Valutico, wie berichtet, an einem eigenen Modul für den Bereich Environment, Social, Governance (ESG).

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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