27.10.2025
FOTO-APP

Utiful: Eine App für „verzweifelte Ehemänner“, die im Wall Street Journal empfohlen wurde

Bei Utiful aus Wien handelt es sich um eine App mit Funktionen, die "Google und Apple vergessen haben zu bauen". Das zumindest sagt Entwickler und Gründer der Utiful GmbH Pavel Atanassov. Er erklärt u.a., was seine App mit Verzweiflung bei Ehemännern zu tun hatte, wie man mit plötzlichen 1-Sterne-Bewertungen umging und was ein "Wall Street Journal"-Artikel für Folgen hatte.
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© ZVg - Dominik Hofer (l.) und Pavel Atanassov von Utiful.

Man steht vor dem Supermarktregal. Auf der Liste, die von der Partnerin oder dem Partner geschrieben wurde, steht ‚Käse‚. Kein Hinweis, ob Frischkäse, würziger, Emmentaler, Gouda oder doch die kleinen Käsewürfel in der Frischhalteverpackung. Man weiß, dass die liebste Person daheim auch „liebste Produkte“ hat. Und welche, die nicht ganz so beliebt sind. Und hat eine Idee: Handy raus.

Utiful: Use-Case ein anderer

Aufgrund solcher oder ähnlicher Szenen ist die Wiener Foto-App Utiful entstanden. „Der ursprüngliche Use-Case war ‚ein verzweifelter Ehemann‘ wie ich, der im Laden Lebensmittel kaufen musste. Und wusste, dass meine Frau ganz bestimmte Sachen will. Und nicht will“, erklärt Utiful-Founder Pavel Atanassov.

So entstand die App, um leidenden Ehegatten im Geschäft zu helfen, damit diese Fotos machen konnten und um sie als „gute und schlechte Produkte“ zu markieren. Aber die Idee entpuppte sich als Flop.

„Wir haben dennoch spannendes Feedback bekommen“, erklärt Atanassov. „User meinten, sie könnten in dieser App Fotos aufnehmen, die sie nicht in ihrer Hauptbibliothek haben wollten. Also haben wir eine zweite Version davon gemacht, wo es darum ging, diese anderen Fotos speichern zu können. Mit Fokus auf ‚Reinigung der Hauptbibliothek‘.“

Eigentliche Geburt

Schritt für Schritt folgten weitere Wünsche der Community: Etwa Bilder wie „Öffnungszeiten von Geschäften“, „Screenshots von Artikeln“ oder „Kleidung in Läden“, besser zu organisieren, wo sie nicht die „Hauptkammer der Bilderspeicherung“, sprich Stores und Co., durcheinanderbringen würden. „Das war die eigentliche Geburt von Utiful“, sagt Atanassov.

Der Gründer lernte über einen Freund Dominik Hofer kennen und die Zusammenarbeit begann.

„Pavel hat mir erzählt, wie die Vorgänger-Versionen ausgesehen haben und wir haben uns ganz schnell darauf verständigt, eine erste Version zu machen, allerdings noch ohne Ordner-Struktur“, erklärt Hofer.

Anfänglich gab es jedoch wenig Downloads, doch das Duo erkannte, dass in der Idee Potential schlummerte. Utiful wurde um Foto-Ordner erweitert und gänzlich zur eigenständigen Fotoablage, die unabhängig von der Standard-Foto-App arbeitet.

Was Google und Apple vergaßen

„Unsere Kamera ist direkt in die App integriert – Nutzer:innen können also Fotos unmittelbar aus der iOS- oder Android-App heraus aufnehmen und speichern. Das klingt einfach, ist technisch aber ziemlich anspruchsvoll, da es viele systemseitige Restriktionen gibt. Besonders wichtig war uns, dass dabei alle Metadaten erhalten bleiben – und das gelingt nur wenigen. Wir sind aktuell die einzige App, die diese Funktionalität in dieser Form anbietet“, betont Hofer.

Somit konnte man in anderen Worten, das tun, was Google und Apple vergessen haben zu ermöglichen: Dokumente, Notizen, Arbeitsfotos usw. aus der eigenen iCloud- bzw. Google-Fotogalerie auslagern, aber trotzdem leicht wieder darauf zugreifen – Utiful kopiert Fotos in seinen eigenen geschützten Speicherbereich (Container), wo sie auch nach dem Löschen des Originals erhalten bleiben.

Utiful und die Scrapbooker

Diese Möglichkeit erregte plötzlich in Übersee bei einer bestimmten Gruppe Aufmerksamkeit: Scrapbooker sind Personen, die Scrapbooking betreiben, wo sie Erinnerungen in Form von schön dekorierten Sammelalben digital oder in Büchern festhalten und gestalten.

„Eine aus so einer Community hat unsere App entdeckt und sie in einer ‚closed‘ FB-Gruppe geteilt. Sie hat die anderen quasi ‚angesteckt'“, erinnert sich Atanassov. So begann der erste Download-Schwall der App.

Wiener im Wall Street Journal

Der zweite folgte vor rund eineinhalb Monaten. In der digitalen Ausgabe des Wall Street Journals wurde die Wiener App in einem Bericht mit dem Titel „How to Find, Sort and Actually Enjoy Your Thousands of Travel Photos“ erwähnt.

„Ich war im Urlaub und Dominik hat mir mitgeteilt, dass wir plötzlich sehr viele Downloads haben. Der Anstieg war ziemlich stark und wir mussten erst recherchieren, was der Grund dafür war“, erzählt Atanassov. „Jetzt sind die Downloads wieder auf normalem Niveau und wir haben 15.000 aktive User. Jedoch sehen wir mehr ‚Conversion‘, weil wir frecherweise den Artikel auf unserer Website erwähnen: ‚Featured im Wall Street Journal‘.“

Doch es war zwischenzeitlich nicht alles so rosig wie aktuell. Atanassov und Hofer haben eigentlich nicht daran geglaubt, dass ein Abo-Modell funktionieren würde und lange gezögert. Schlussendlich wollte der Founder „Geld in die App bringen“, damit es wirtschaftlich Sinn macht. Zuerst mit einem Online-Store, der von Hofers Freundin entwickelt wurde. Der Plan scheiterte, da der zugehörige Antrag auf Förderung von der Wirtschaftsagentur abgelehnt wurde.

Negative Rezensionen

„Das war sehr schlecht für uns, also mussten wir zwangsweise das Subscriptions-Modell starten. Im September gingen wir ‚live‘ damit und hatten plötzlich ‚1-Sterne-Bewertungen‘ von bestehenden Usern.“

Das Spannende jedoch war, dass sämtliche Negativ-Rezensionen betonten, dass die App toll sei; der Entwickler nur ein „Abzocker“. „Eigentlich eine tolle Werbung für die App“, so Atanassov. „Aber wir fielen in den USA von 4,1 auf eine 3,0-Bewertung.“

Beide Männer hatten folglich die Möglichkeit, die Bewertungen zu ‚resetten‘, haben sich aber dagegen entschieden.

„Wir haben bewusst die ganze Historie unserer Bewertungen beibehalten – auch die Ein-Stern-Bewertungen. Denn sie erzählen letztlich viel über unsere Entwicklung und zeigen, wie wir an Qualität gewonnen haben. Die Herausforderung war allerdings: Wie kommen wir wieder nach oben?“, fragten sich beide.

Gezielt zielstrebig ausgesucht

Atanassov und Hofer haben in weiterer Folge untersucht, welche Suchkriterien für Nutzer:innen bei einer App wichtig sind – kein Abo-Modell und mindestens vier Sterne im Rating war die Antwort. Also haben sie gezielt definiert, bei welchen Usergruppen sie Bewertungs-Prompts (Anm.: kleines Fenster, das sich öffnet und nach Zufriedenheit fragt) anzeigen: „Also nur bei jenen, die die App aktiv nutzen, sie regelmäßig synchronisieren und insgesamt positive Erfahrungen gemacht haben. Nutzerinnen und Nutzer mit Problemen erhalten hingegen kein Bewertungs-Prompt, um Frustration zu vermeiden“, erklärt Atanassov.

Und ergänzt: „Seit wir dieses neue Bewertungssystem vor rund zwei Jahren eingeführt haben, konnten wir unser Rating wieder deutlich steigern – aktuell liegen wir in den USA bei 4,1-Sternen. Zudem können User unsere App inzwischen auch bewerten, ohne explizit dazu aufgefordert zu werden.“

Utiful plant neue Features

Bislang betreibt Utiful keine eigene Cloud-Infrastruktur. Fotos auf iOS-Geräten werden im iCloud-Backup gesichert, wo man auch die Synchronisation implementiert hat. Der nächste große Meilenstein sei jedoch, eine eigene Cross-Plattform-Synchronisation zu entwickeln – ein System, das unabhängig von iCloud oder Google Drive funktioniere.

„Dieses Feature wird uns viele neue Möglichkeiten eröffnen: Nutzer:innen sollen künftig Ordner mit anderen Personen teilen können – auch wenn diese nicht selbst die App nutzen. Diese Funktion wurde verstärkt von unserer Community gefordert, sowohl für private als auch berufliche Zwecke: etwa um mit Kolleg:innen an Projekten zusammenzuarbeiten oder Fotos direkt über den Firmencomputer zu teilen“, erklärt Atanassov.

Ein großer Teil der Nutzer:innenbasis bestehe aus Selbstständigen und kleinen Unternehmen, die einen klaren Bedarf hätten, berufliche und private Fotos sauber voneinander zu trennen. „Auch im B2B-Bereich sehen wir enormes Potenzial, das wir bereits intern besprochen haben. Die geplante Synchronisations-Plattform wird hier ein zentraler Hebel sein, um neue Geschäftskund:innen zu gewinnen und das Produkt nachhaltig zu skalieren.“

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Combyn, Biogena
© zVg - Der BioCore Loop von Combyn.

Die Combyn Health Care GmbH mit Sitz in Graz entwickelt medizintechnische Lösungen für Prävention und Gesundheitsanalyse. Mit dem BioCore Loop hat das Unternehmen einen Health Kiosk entwickelt, der eigenen Angaben nach mehrere Untersuchungsmethoden in einem Gerät vereint und die erhobenen Gesundheitsdaten unmittelbar nach der Messung aufbereitet.

Dafür gab es (bereits im August) ein Investment von Biogena. Über die Höhe und die Beteiligungsverhältnisse wurde Stillschweigen vereinbart – laut wirtschaft.at ist aber öffentlich ersichtlich, dass sich Biogena laut Letztstand 5,68 Prozent der Anteile gesichert hat.

Combyn: BioCore Loop im Zentrum

Im Zentrum der Zusammenarbeit steht der erwähnte BioCore Loop. Das System ermöglicht nach Angaben des Unternehmens eine vollautomatisierte Gesundheitsmessung in weniger als fünf Minuten. Die Messung könne selbstständig und ohne unmittelbare Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt werden.

Der BioCore Loop erfasst unter anderem Gesundheitsparameter zu Herz und Kreislauf, autonomem Nervensystem, Gefäßsteifigkeit, Flüssigkeitshaushalt, Muskelmasse und Körperfett. Die Ergebnisse werden aufbereitet und sollen medizinisches Fachpersonal bei der Einschätzung ausgewählter gesundheitlicher Risiken unterstützen. Darüber hinaus unterstützt das System die Einschätzung gesundheitlicher Risiken wie Osteoporose, Diabetes, Sarkopenie oder Herzinsuffizienz, wie es heißt.

BioCore Loop wurde in Österreich entwickelt und die Technologie wurde laut Unternehmensangaben an mehr als 6.000 Patienten validiert. Das System wird heute unter anderem in österreichischen Schwerpunktkrankenhäusern sowie in Forschungseinrichtungen in den USA und Finnland eingesetzt.

Früherkennung als Credo

„Die Zukunft der Medizin beginnt nicht erst dann, wenn ein Mensch krank ist. Sie beginnt damit, gesundheitliche Veränderungen und Risiken frühzeitig zu erkennen und daraus die richtigen Maßnahmen abzuleiten“, sagt Albert Schmidbauer, Gründer und CEO der Biogena Group. „Combyn hat eine Technologie entwickelt, die komplexe Gesundheitsdaten innerhalb weniger Minuten verfügbar und für die weitere Einordnung nutzbar macht. Diese Verbindung aus Wissenschaft, Prävention, Effizienz und einfacher Anwendung hat uns überzeugt.“

Für Biogena ist die Beteiligung ein weiterer Schritt in der Entwicklung vom Mikronährstoffunternehmen zu einem umfassenden Gesundheitsökosystem, wie auch Schmidbauer brutkasten gegenüber im Juli erklärte: Dieses umfasst neben Premium-Mikronährstoffen auch Diagnostik, Biohacking, Longevity-Anwendungen, Gesundheitswissen und personalisierte Präventionskonzepte.

„Wir stellen nicht nur Kapital zur Verfügung. Wir wollen Combyn mit unserer Erfahrung, unserem Netzwerk von mehr als 30.000 Ärztinnen, Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten und unserem Zugang zu gesundheitsbewussten Kundinnen und Kunden bei der weiteren Entwicklung und der Marktexpansion unterstützen“, präzisiert Schmidbauer. „Unser gemeinsames Ziel ist es, fundierte Gesundheitsanalysen und personalisierte Prävention einfacher, schneller und für deutlich mehr Menschen zugänglich zu machen.“

Combyn tritt in neue Phase

Mit dem Abschluss der Finanzierungsrunde sieht Combyn die Grundlage geschaffen, in die nächste Phase seiner Unternehmensentwicklung zu treten. Im Fokus stehen die Weiterentwicklung der Technologie, die Skalierung des Vertriebs und die stärkere Integration des BioCore Loops in medizinische und präventive Versorgungsmodelle.

„Mit Albert Schmidbauer und der Biogena Group gewinnen wir Partner, die den Gesundheitsmarkt seit vielen Jahren kennen und unsere Vision einer modernen, zugänglichen Präventionsmedizin teilen“, sagt Christoph Grimmer, CEO von Combyn Health Care. „Biogena bringt neben großer unternehmerischer Erfahrung ein außergewöhnlich starkes Netzwerk im medizinischen Bereich mit. Diese Kombination eröffnet uns wertvolle Möglichkeiten, unsere Technologie schneller in die breite Anwendung zu bringen.“

Falko Skrabal, Gründer und Medical Advisor von Combyn Health Care, ergänzt: „Der modernen Medizin stehen immer mehr Daten und diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. Entscheidend ist, diese Informationen so zusammenzuführen, dass sie im Alltag einfach, schnell und sinnvoll nutzbar werden. Genau dafür haben wir den BioCore Loop entwickelt.“

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