20.08.2021

USA: Sorge wegen zuviel Spätphasenfinanzierung

Während sich die österreichische Startup-Szene über neue Sphären in der Anschlussfinanzierung freut, kommen in den USA Bedenken auf, ob die Richtung noch stimmt.
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Sieben der zehn höchsten Investments der heimischen Startup-Geschichte wurden 2021 abgeschlossen – und es bleiben noch ein paar Monate, um die Statistik weiter aufzubessern. Das Land hat seine ersten zwei Unicorns und weitere Scaleups haben sich mit ihren letzten Kapitalrunden bereits in Postion gebracht, ihnen zu folgen. Zu verdanken ist das gewiss der Coronakrise, die Investoren zusätzliche Motivation verschaffte. Ob es nun auf Dauer so bleibt ist also ungewiss. Für den Moment ist aber jedenfalls klar: Anschluss- und Spätphasenfinanzierung, das leidige Dauerthema der vergangenen Jahre, scheint endlich gelöst zu sein.

Doch während man sich hierzulande mit einer gewissen Genugtuung an die neuen Sphären in der Höhe der Finanzierungsrunden gewöhnt, kommen in Übersee Zweifel auf, ob der auch dort deutliche Schub in der Spätphasenfinanzierung so positiv ist. Kritisch äußert sich in einem Gastkommentar für das US-Magazin TechCrunch mit Navin Chaddha zuletzt jemand, der etwas vom Fach versteht. Als Managing Partner des Silicon Valley VC Mayfield hat er einen beeindruckenden Track Record und ist seit Jahren in den oberen Rängen der „Midas-Liste“ der besten Tech-Investoren von Forbes zu finden.

Shift von der Früh- zur Spätphasenfinanzierung

Ausgangspunkte für Chaddhas Kritik sind zwei Entwicklungen im Valley. Erstens würden neue, bislang im Feld nicht aktive Player wie Hedge-Fonds mit enormen Geldmengen den Markt für Spätphasenfinanzierungen fluten. Das bringe die vorhandenen „kleinen Fische“ in eine schwierige Situation. Zweitens würde sich laut Statistiken das investierte Kapital schon seit Jahren tendenziell von der frühen zur späten Phase bewegen. Nach Angaben von PitchBook und der National Venture Capital Association sei der prozentuelle Anteil von Angel- und Seedinvestments am gesamten investierten Risikokapital in den vergangenen drei Jahren von 10,6 Prozent auf 4,9 Prozent gesunken. Der Anteil von Seed-Investments sei von 36,5 Prozent auf 26,1 Prozent gesunken. Gleichzeitig sei der Anteil der Spätphasenfinanzierung drastisch von 52,9 Prozent auf 69 Prozent gestiegen – getrieben von den zuvor erwähnten neuen Playern. Und das alles passiere zu einer Zeit mit Rekorden bei der Zahl der Neugründungen: In den vergangenen Monaten sei die Zahl in den USA im Durchschnitt bei ca. 500.000 pro Monat gelegen – vor der Pandemie waren es noch rund 300.000.

„Diese Daten sollten bei uns die Alarmglocken läuten lassen. Bei Risikokapital geht es darum, in Risiken zu investieren, um den innovativsten, disruptivsten Ideen zu helfen, vom Konzept zu einem florierenden Unternehmen zu gelangen. Aber die VC-Branche insgesamt investiert stattdessen in Unternehmen in einem späteren Stadium, in dem sich das Konzept bereits bewährt hat und die Unternehmen in Schwung gekommen sind, anstatt bei der Gründung und in der Anfangsphase Risiken einzugehen“, schreibt der Investor. Investitionen in der Spätphase seien zwar natürlich wichtig, „aber wenn sich die Branche zu sehr darauf konzentriert, ersticken wir die Innovation und schränken die Zahl der Unternehmen ein, die künftig in die Serie B und darüber hinaus gehen können“, befürchtet Chaddha.

Chaddha: „Rückbesinnung der VC-Branche auf ihre Wurzeln“

Dabei sei der Moment besser den je zuvor für Early-Stage-Investments. Denn Startups könnten aufgrund verschiedener Entwicklungen mit wenig Kapital schon sehr weit kommen. Zudem werde man als Investor letztlich immer daran gemessen, geniale Ideen früh erkannt zu haben. „Es geht nicht darum, wer die letzten Runden vor dem Börsengang angeführt hat“, so der Investor. Das alles sei nicht „irgendein esoterisches Argument“, die Entwicklung werde reale Auswirkungen auf Innovationen in Schlüsselbereichen der Technologischen Entwicklung haben. Die VC-Branche solle sich daher auf ihre Wurzeln besinnen, wo sie Unternehmen wie Apple, Microsoft, Netscape, Google, Salesforce, Amazon und Facebook zum Aufstieg mit nachhaltigem Einfluss auf die Lebensweise der ganzen Menschheit verholfen hat. Letztlich gehe es dabei auch um die Führungsrolle der USA in Sachen Innovation.

Wie die absoluten Zahlen zu den oben genannten Verschiebungen bei den Anteilen des investierten Gesamtkapitals aussehen, beleuchtet Chaddha übrigens nicht. Jedenfalls aber könnte seine Argumentation hierzulande ein Ansporn sein, die in den vergangenen Jahren erlangte Stärke im Pre-Seed- bis Early Stage-Bereich zu bewahren. Mit der erstmals guten Situation in der Spätphasenfinazierung ernten nun nämlich die ersten Scaleups die Früchte dieser Entwicklung. Es braucht letztlich eben beides.

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Die Herausforderung ist bekannt: Corporates müssen KI-Anwendungen operativ ins Unternehmen bringen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, die Umsetzung ist aber vor allem aufgrund hoher Sicherheitsanforderungen alles andere als trivial. Nicht überall gelang bislang daher der Sprung aus der Pilotphase. Doch einige heimische Corporates stechen mit ihren erfolgreich umgesetzten KI-Projekten hervor.

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Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch BCG unterstützt.


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Michael Waupotitsch, VP Textile Recycling | Andritz

Michael Waupotitsch | (c) Andritz

Angesichts von weltweit 92 Millionen Tonnen Textilmüll jährlich hat der Grazer Technologiekonzern Andritz eine neue KI-Lösung für die Kreislaufwirtschaft präsentiert. Mit dem System „teXscan“ soll die Bewertung von Alttextilien laut Angaben des Unternehmens künftig zerstörungsfrei automatisiert werden. In nur einer Sekunde soll das System die Textilqualität auf Stoff-, Garn- und Faserebene bewerten. Darauf basierend empfiehlt die KI den jeweils optimalen Weiterverarbeitungsweg, vom Ring-Spinnen bis zum chemischen Recycling. Laut Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz, soll diese prädiktive Analyse-Software eine Lücke in der großindustriellen Sortierung schließen und als Hebel für eine wettbewerbsfähige textile Kreislaufwirtschaft dienen.

Gerhard Dimmler, CTO | Engel

Gerhard Dimmler | (c) Engel

Unter dem Projektnamen “Inject AI” bringt der oberösterreichische Spritzgussmaschinen-Weltmarktführer einen KI-Assistenten direkt in die Spritzgießproduktion seiner Kunden. Der Engel Virtual Assistant (EVA) versteht und beantwortet nicht nur Fragen in natürlicher Sprache, sondern führt nach Freigabe auch Änderungen an der Maschinensteuerung kontrolliert selbst aus. Das System ist nicht nur für Neumaschinen verfügbar, sondern kann bei bestimmten Maschinentypen auch nachgerüstet werden. “Unser Ziel ist es, Anwenderinnen und Anwendern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie im Produktionsalltag effizienter arbeiten können”, sagt CTO Gerhard Dimmler.

Margit Kendler, CFO Greiner Packaging | Greiner

Margit Kendler | (c) brutkasten/Dervisevic

Greiner Packaging arbeitet mit drei KI-Fokusfeldern: Kundeninteraktion, Produktion und Verwaltung. In der Produktion ist KI am Ende der Linie im Einsatz, im Verpackungsbereich und in Richtung Lager. Intern gibt es wöchentliche Online-Runden für Best-Practice-Sharing, einzelne Kolleg:innen arbeiten bereits viel mit Agenten. Kendler treibt das Thema aus der CFO-Rolle und steht für einen Industriebetrieb mit 902 Millionen Euro Umsatz und fast 4.900 Mitarbeiter:innen.

Sulejman Ganibegović, CEO Keba Digital | Keba

Sulejman Ganibegović | (c) brutkasten/Dervisevic

Das Linzer Technologieunternehmen Keba zählt zu den globalen Spitzenreitern in mehreren Teilbereichen der Automatisierung. Seit diesem Jahr hat die Gruppe mit Keba Digital eine Software-Einheit mit KI-Fokus, die auch auf der Technologie des 2025 nach dessen Insolvenz übernommenen KI-Startups 7LYTIX aufbaut. Ziel von Keba Digital ist die Entwicklung industrietauglicher KI-Lösungen, die auch ohne Kopplung an Keba-Hardware vertrieben werden können. CEO Sulejman Ganibegović bringt Unternehmer- und Exit-Erfahrung mit und war bereits zuvor als Vice President Digital Business der Gruppe tätig.

Andreas Kranabitl, Geschäftsführer Spar ICS | Spar

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Spar zeigt, wie KI im Handel konkrete Wirkung entfaltet. Die Absatzprognose der Spar ICS erkennt Muster darin, welche Artikel an welchem Tag in welchem Markt gekauft werden, bezieht das Wetter ein und steuert auf dieser Basis die Bestellmenge pro Filiale. Damit konnte Spar den Verderb von Obst und Gemüse im Jahresvergleich um 20 Prozent reduzieren. Andreas Kranabitl führt die IT-Gesellschaft der Spar Österreich-Gruppe seit 2009 und verantwortet die technologische Basis dieser Lösung. Er macht vor, wie ein Traditionsunternehmen KI im Kerngeschäft skaliert und dabei wirtschaftliche Effizienz mit einem messbaren Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung verbindet.

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