12.12.2025
INSOLVENZSTATISTIK

Unternehmensinsolvenzen stiegen 2025 weiter – Prognose für 2026 nicht besser

Der Kreditschutzverband KSV1870 gab nun seine Hochrechnung zu den Unternehmensinsolvenzen 2025 heraus. Die Lage ist und bleibt demnach angespannt.
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Firmeninsolvenzen - Pixelrunner - Ein Bild zeigt das Wort
Symbolbild Insolvenz (c) Adobe Stock / Pixel-Shot

Die durchaus düsteren Prognosen des Kreditschutzverbands KSV1870 haben sich erfüllt: Die Probleme seien „gekommen um zu bleiben“, man sei „nicht am Ende des Tunnels angekommen“, hieß es an dieser Stelle vor einem Jahr. Die aktuelle Hochrechnung der Unternehmensinsolvenzen für das Gesamtjahr 2025 bestätigt diese Voraussagen. Wie sich bereits in den Quartalsstatistiken klar abgezeichnet hatte, stieg die Zahl der Firmenpleiten dieses Jahr ausgehend von einem bereits hohen Niveau weiter an.

Mehr Insolvenzfälle und betroffene Gläubiger:innen, weniger Volumen und betroffene Mitarbeiter:innen

Laut Hochrechnung mussten im Jahr 2025 in Österreich 6.857 Unternehmen Insolvenz anmelden, das entspricht einem Anstieg von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch stärker ist die Zahl der betroffenen Gläubiger:innen gestiegen – um 8,2 Prozent auf 54.400. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Die vorläufigen Passiva (Stichtag 2.12.2025) sind im Vergleich zum Vorjahr um 55,8 Prozent auf circa 8,38 Mrd. Euro gesunken. Auch die Zahl der betroffenen Mitarbeiter:innen ist um um 27,7 Prozent auf 21.400 gesunken.

Ausschlaggebend für die positiven Entwicklungen ist die vergleichsweise geringer Zahl an Großinsolvenzen mit Passiva von mehr als 200 Millionen Euro. Auch dieses Jahr kommt die größte Pleite aus dem Signa-Firmengeflecht, konkret jene der Signa Prime Capital Invest GmbH mit Passiva von 870 Millionen Euro.

Weiterer Anstieg bei mangels Kostendeckung nicht eröffneten Verfahren

Im Vergleich zu 2024 weiter angestiegen sind dagegen die mangels Kostendeckung nicht eröffneten Insolvenzfälle – um 8,5 Prozent auf mehr 2.600 Fälle. Derartige Fälle machen somit bereits 38 Prozent aller Firmenpleiten aus und „erhöhen den volkswirtschaftlichen Schaden beträchtlich“, wie der KSV1870 warnt. „Wird ein Insolvenzfall nicht eröffnet, ist eine professionelle Aufarbeitung unmöglich. Die Folgen sind verheerend. Der Betrieb muss geschlossen werden, alle Arbeitsplätze gehen verloren und die Gläubiger sehen keinen einzigen Euro“, erläutert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Er analysiert auch die allgemeine Lage: „Das Insolvenzaufkommen ist auch im historischen Vergleich unverändert hoch und eine Abflachung der Kurve steht unmittelbar nicht bevor. Angesichts dessen, dass in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche staatliche Förderungen beendet wurden und es zuletzt eine hohe Zahl an Neugründungen gab, ist das derzeitige Insolvenzniveau nicht völlig ausgeufert.“

Schlechte Geschäftslage, sinkende Bonität

Die deutlich gestiegene Inflation habe die Kaufkraft in Österreich im Jahr 2025 massiv belastet, heißt es vom Verband. Darunter leide nicht nur die Geschäftslage der Betriebe, sondern auch deren Umsatzentwicklung. Laut einer KSV1870-Umfrage geben zwei Drittel der Betriebe rückläufige oder stagnierende Umsätzen im Jahresvergleich an.

Die Gesamtsituation schlägt sich auch in der Bonitätsbewertung nieder. Während im Jahr 2019 rund 15,4 Prozent aller damals aktiven Unternehmen in den beiden besten Ratingklassen (minimales bzw. sehr geringes Risiko) vertreten waren, sind es heute knapp 12,6 Prozent. In den Klassen mit einem höheren Ausfallrisiko (geringes bzw. erhöhtes Risiko) gab es demgemäß einen Anstieg: Aktuell befinden sich 86,8 Prozent aller Betriebe in diesen beiden Ratingklassen, während es 2019 nur 83,8 Prozent waren.

Vybiral: „Mehrheit der Betriebe trotz aller Widrigkeiten noch auf soliden Beinen“

„Immer mehr Unternehmen gleiten aufgrund der stagnierenden Wirtschaftslage in Richtung Mittelmaß ab, wodurch auch deren Ausfallrisiko steigt“, analysiert KSV1870-CEO Ricardo-José Vybiral. „Gleichzeitig muss festgehalten werden, dass die Mehrheit der Betriebe trotz aller Widrigkeiten noch auf soliden Beinen steht, wie auch die kontinuierliche Verbesserung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote der Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit belegt.“

Leichter Aufschwung wird nicht für Trendumkehr reichen

Der Negativtrend bei den Unternehmensinsolvenzen wird sich laut KSV1870 jedenfalls auch 2026 weiter fortsetzen. Die konkrete Entwicklung hänge von Faktoren wie der Inflations- und Kostenentwicklung ab. Die erwartete abschwächende Inflation und der prognostizierte moderate BIP-Zuwachs dürften nicht für eine maßgebliche Verbesserung bei den Insolvenzen reichen, legt der Verband nahe. „Damit sich die aktuelle Insolvenzdynamik beruhigt, bräuchte es deutlich verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen in zahlreichen Segmenten. Aus heutiger Sicht rechnet der KSV1870 mit einem ähnlichen Insolvenzniveau, wie wir es aus diesem Jahr bereits kennen“, heißt es vom Kreditschutzverband.

Scharfe Kritik an geplanter Gesetzesnovelle

Scharfe Kritik äußert der KSV1870 bei der Gelegenheit an einer geplanten gesetzlichen Anpassung im Rahmen des Gesetzespakets zur Betrugsbekämpfung 2025. Diese würde „wesentlichen Einfluss auf die Insolvenzentwicklung nehmen“, befürchtet man bei Verband. Konkret sieht die Neuregelung vor, dass geleistete Sozialversicherungsbeiträge sowie Abzugssteuern, wie die Lohn- und Umsatzsteuer, von der Anfechtung durch den Insolvenzverwalter ausgenommen werden würden. „Bei Umsetzung ist davon auszugehen, dass es zu weniger Gläubiger- und späteren Schuldneranträgen kommen könnte, zudem könnten die Quoten für Gläubiger geringer ausfallen“, befürchtet man bei Verband.

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QuantumDiamonds
Die Gründer von QuantumDiamonds: Fleming Bruckmaier (links) und Kevin Berghoff (rechts). Copyright: QuantumDiamonds GmbH.

Das Münchner Spinoff QuantumDiamonds holt sich insgesamt 91 Millionen Euro. 76 Millionen der Gesamtfinanzierung stammen aus einer Förderung im Rahmen des European Chips Acts der Europäischen Kommission, die gemeinsam vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Freistaat Bayern bereitgestellt wird. Weitere 15 Millionen Euro sind Eigenkapital aus einer Series-A-Finanzierungsrunde, an der sich neben Bayern Kapital mit dem ScaleUp-Fonds Bayern auch der Lead-Investor World Fund sowie IQ Capital, Earlybird, First Momentum, UnternehmerTUM Funding for Innovators, Creator Fund, Onsight Ventures sowie mehrere Angel-Investoren beteiligt haben.

QuantumDiamonds mit Skalierungsplänen

Mit den Mitteln aus der Runde plant QuantumDiamonds, seine Technologie weiter zu skalieren und sein Ingenieurteam zu erweitern. Zudem wird das Unternehmen noch im Jahr 2026 den ersten Abschnitt eines neuen 152-Millionen-Euro-Produktionsstandorts in München in Betrieb nehmen.

QuantumDiamonds möchte sich allgemein als einer der am schnellsten wachsenden Entwickler von innovativer Präzisionsmesstechnik für die Chip-Industrie positionieren. Es wurde im Jahr 2022 als Spinoff der Technischen Universität München (TUM) gegründet.

Auf Basis synthetischer Diamanten

Die Technologie der Münchner kombiniert Quantensensorik und Bildgebung auf Basis von synthetischen Diamanten. Im Ergebnis könne QuantumDiamonds so komplexe Chip-Architekturen effizient und zerstörungsfrei prüfen, heißt es vom Unternehmen. Dabei nutzt das Quantensensorikverfahren des Spinoffs Stickstoff-Vakanzzentren in synthetischen Diamanten, um Magnetfelder mit höchster Präzision zu erkennen. Auf diese Weise lassen sich bisher nicht erkennbare Fehler in komplexen 3D-Chip-Architekturen identifizieren – mit einer Genauigkeit im Nanometerbereich, wie es heißt.

QuantumDiamonds arbeitet eigenen Angaben zufolge mit neun der zehn weltweit führenden Chip-Hersteller zusammen und unterstützt diese dabei, Fehlerursachen frühzeitig zu identifizieren, ihre Prozesseffizienz zu steigern und Energiekosten sowie Emissionen zu reduzieren. Dafür hat das Unternehmen im März und April 2026 nach Taiwan und Kalifornien expandiert.

„Quantensensorik in Chip-Fabriken weltweit zu etablieren“

„Diese Finanzierung ist ein wichtiger Schritt, um Quantensensorik in Chip-Fabriken weltweit zu etablieren“, sagt Kevin Berghoff, CEO und Mitgründer von QuantumDiamonds. „Das Feedback der führenden Chip-Hersteller spricht für sich: Sie sehen in der Technologie von QuantumDiamonds eine Effizienzsteigerung, die mit aktueller Technik nicht erreichbar wäre. Mit bereits laufenden Projekten in den USA und Taiwan und dem Hochfahren der Serienproduktion in München nimmt Europa nicht nur an der nächsten Phase des Chip-Zeitalters teil, sondern gestaltet diese maßgeblich mit.“

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