27.03.2026
WIEDERWAHL

TU Wien: Rektor Jens Schneider geht in zweite Amtszeit – Spinoffs im strategischen Fokus

Jens Schneider wurde einstimmig für die Funktionsperiode 2027 bis 2031 als Rektor wiedergewählt. Neben der Fortführung des Transformationsprogramms „fuTUre fit“ stehen für die kommenden Jahre klare Prioritäten im Bereich Entrepreneurship, Spin-offs und Wissenstransfer auf der Agenda.
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© TU Wien | Matthias Heisler

Das Mandat von Jens Schneider wird vorzeitig verlängert. Wie die TU Wien am Freitag mitteilte, ging die Wiederwahl zügig über die Bühne: Nach einem deutlichen Votum des Senats (22 von 26 Stimmen) segnete nun auch der Universitätsrat die Personalie einstimmig ab. Abseits der Formalitäten ist für das Startup-Ökosystem vor allem eines relevant: Schneiders strategische Roadmap für die kommenden Jahre.

Konkrete Instrumente für Ausgründungen

In der Planung für die zweite Amtsperiode verankert die TU Wien das Thema Unternehmertum als zentralen strategischen Schwerpunkt. Die Basis dafür bilden strukturelle Initiativen, die bereits in der ersten Amtszeit (seit 2023) auf den Weg gebracht wurden. Dazu zählen die Etablierung der Spin-Off Factory sowie die Beteiligung am Noctua Science Ventures Fonds (brutkasten berichtete). Zudem wurde die TU Wien Foundation ausgebaut, unter anderem durch eine Zustiftung in Höhe von vier Millionen Euro für den Lumina Fund. Diese Instrumente sind Teil der sogenannten fuTUre-fit-Strategie der TU Wien.

Skalierung der Innovationskultur bis 2031

Darauf aufbauend plant das Rektorat, die universitäre Innovationskultur bis 2031 weiter in der Breite zu verankern. Um den Wissenstransfer in die Wirtschaft zu beschleunigen, sollen laut offizieller Mitteilung „neue Räume und Formate für Begegnung“ geschaffen werden. Entrepreneurship, Spinoffs und Startups gelten dabei laut TU Wien als primäre Vehikel. Der Austausch mit der Wirtschaft, der Industrie und der Stadt Wien soll systematisch intensiviert werden, um die ökonomische Wirkung wissenschaftlicher Arbeit zu erhöhen.

Kennzahlen: Forschungserlöse und Talente-Pool

Das Fundament für künftige technologiezentrierte Ausgründungen untermauert die Universität mit quantitativen Zuwächsen in der ersten Funktionsperiode: Die Forschungserlöse stiegen zwischen 2023 und 2025 um 16 Prozent auf insgesamt 136 Millionen Euro. Flankiert wird dies von einem Zuwachs an wissenschaftlichen Publikationen. Die Gesamtzahl der Studierenden stieg um sechs Prozent, maßgeblich getrieben durch eine starke Internationalisierung: Die TU Wien verzeichnete ein Plus von 27 Prozent bei Studierenden aus dem EU-Ausland sowie 28 Prozent aus Drittstaaten.

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notarity-Gründer: Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger
Die notarity-Gründer (vlnr.): Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger | (c) Alexander Schindler

Im Sommer 2021 ging das Wiener LegalTech-Startup notarity mit einem klaren Produktversprechen an den Start: die Online-Abwicklung notarieller Dienstleistungen einfacher und angenehmer zu machen. Damit konnte im Heimatmarkt Österreich bald ein signifikanter Anteil der Notariate überzeugt werden, nicht aber die Notariatskammer, die über eine Tochtergesellschaft ein eigenes Angebot in dem Bereich hat. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit – brutkasten berichtete zuletzt über das Urteil in zweiter Instanz.

Rund 2.000 internationale Unternehmen als Nutzer

Unter anderem deswegen fokussiert notarity seit Jahren auf das internationale Geschäft. Schon Anfang 2024 verkündete man, mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu erzielen. Mittlerweile sind es mehr als 70 Prozent, wie es nun vom Startup heißt. Dabei lege man einen besonderen Fokus auf internationale Konzerne.

Aktuell würden knapp 2.000 internationale Unternehmen mit großteils mehr als 500 Beschäftigten notarity für digitale Notariatsakte nutzen. Dazu zählen internationale Wirtschaftskanzleien wie DLA Piper und Baker McKenzie. Die Zahl digitaler Dokumenten-Beglaubigungen für internationale Unternehmen, Kanzleien und institutionelle Kunden über die Plattform habe sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Mit Umsatzverdopplung Break-even erreicht

So sei zuletzt auch eine Verdopplung des Umsatzes im Jahresvergleich gelungen. „Damit haben wir den Break-even erreicht und den entscheidenden Schritt vom wachstumsstarken Startup zum profitablen Global Champion gemacht“, kommentiert Co-Founder und CEO Jakobus Schuster. Rund 400 Notar:innen hätten mittlerweile mehr als eine Viertelmillion digitale Beglaubigungen über die Plattform abgewickelt, monatlich seien es derzeit rund 10.000.

Zu den wichtigsten Märkten außerhalb der EU zählen das Vereinigte Königreich, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz. „Mit dem Erreichen der Gewinnzone schaffen wir die Grundlage, um unsere internationale Expansion künftig aus einer Position finanzieller Stärke voranzutreiben“, so Schuster.

Novelle der Notariatsordnung 2020 als Anstoß

Möglich hat das alles auch die heimische Rechtslage gemacht. Mit einer 2020 beschlossenen Novelle der österreichischen Notariatsordnung wurde die Basis für Online-Notariatsdienstleistungen im Inland geschaffen. Mittlerweile gelten elektronische Beglaubigungen von Unterschriften über notarity in mehr als 100 Ländern. „Unser Produkt entstand unter hohen regulatorischen, datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen.

Genau diese Standards werden heute international immer wichtiger und haben uns den Eintritt in regulierte Märkte erheblich erleichtert“, sagt Schuster und gibt das Ziel aus: „die weltweit führende Infrastruktur für digitale Beglaubigungen internationaler Unternehmen bereitzustellen und diese Position in weiteren Märkten auszubauen.“

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