25.03.2026
ÜBERNAHME

Tractive wird verkauft – vielleicht größter Exit in der österreichischen Startup-Geschichte

Das oberösterreichische Pet-Tech-Scaleup Tractive wird verkauft und sorgt damit für den vielleicht größten Exit der österreichischen Startup-Geschichte.
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Tractive
Michael Hurnaus | (c) Tractive.

Es ist erst wenige Monate her, da klangen die Töne aus Pasching in Oberösterreich noch völlig anders. Als Anfang November des vergangenen Jahres erste Gerüchte über einen möglichen Milliarden-Exit von Tractive die Runde machten, trat CEO und Co-Founder Michael Hurnaus im Gespräch mit dem brutkasten noch vehement auf die Bremse. Auf einen entsprechenden Bericht des deutschen Manager Magazins angesprochen, stellte er damals unmissverständlich klar: „Da ist absolut nichts dran und es ist frei erfunden.“ (brutkasten berichtete).

Nun, ein knappes halbes Jahr später, sind die damaligen Dementis Geschichte. Am Mittwoch gaben Tractive und das europäische Technologieunternehmen Bending Spoons auf dem Blog des Unternehmens bekannt, dass sie eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme des Weltmarktführers für Haustier-Tracking geschlossen haben.

Ein „Forever Home“ statt Private Equity

Der Käufer ist dabei tatsächlich kein klassischer Private-Equity-Fonds, wie im November spekuliert wurde, sondern ein Tech-Riese mit einer besonderen Strategie. Das erst 2013 gegründete Unternehmen Bending Spoons mit Sitz in Mailand hat sich stark auf die Übernahme und anschließende tiefgreifende Optimierung digitaler Unternehmen spezialisiert. Zum rasant gewachsenen Portfolio der Italiener gehören heute bereits internationale Schwergewichte wie AOL, WeTransfer, Vimeo, Eventbrite und viele mehr.

„Während wir erhebliches internationales Interesse von verschiedenen globalen Akteuren sahen, waren wir entschlossen, einen Partner zu finden, der sich dazu verpflichtet, das Geschäft langfristig auszubauen und zu besitzen“, kommentiert Tractive-Gründer Michael Hurnaus. Und weiter: „Bending Spoons bietet das Kapital, die Skalierungsexpertise und die KI-Infrastruktur, um sicherzustellen, dass Tractive für Jahrzehnte an der Spitze bleibt.“

Auch COO Wolfgang Reisinger blickt auf den bisherigen Weg zurück: „Wir haben die letzten 13 Jahre damit verbracht, Tractive von Grund auf zu einem äußerst erfolgreichen Unternehmen aufzubauen. Das Fundament ist grundsolide, und es ist jetzt die richtige Zeit, die Fackel an einen Partner mit umfassender Expertise in der Skalierung großer Konsumenten-Geschäfte weiterzugeben, um diese nächste Wachstumsphase anzuführen.“

Hardware-Premiere für Bending Spoons

Für das italienische Tech-Unternehmen markiert die Akquisition einen strategischen Meilenstein: Es ist die erste Erweiterung in den Bereich der hardware-gestützten Software. Luca Ferrari, CEO und Mitgründer von Bending Spoons, kommentiert den Deal: „Tractive hat ein herausragendes Produkt entwickelt, dem Millionen von Kunden jeden Tag vertrauen. Wir beabsichtigen, langfristig erheblich in Tractive zu investieren – indem wir seine Gesundheits- und Sicherheitsfunktionen ausbauen [und] Geräte der nächsten Generation entwickeln.“

Vom Jäger zum Gejagten: Die US-Offensive von Tractive

Dass Tractive ein äußerst attraktives Übernahmeziel darstellt, hatte das Scaleup in den vergangenen Monaten durch eine aggressive Expansionsstrategie untermauert. Erst im Juli 2025 sorgte das Unternehmen für Aufsehen, als es den US-Konkurrenten Whistle übernahm – es handelte sich dabei um die wohl größte Übernahme durch ein österreichisches Scaleup überhaupt. (brukasten berichtete) Im Februar 2026 folgte dann der nächste logische Schritt auf dem nordamerikanischen Markt: Tractive baute seine US-Präsenz durch eine weitreichende Versicherungspartnerschaft massiv aus, um dortige Marktanteile abzusichern und neue Zielgruppen zu erschließen. (brutkasten berichtete)

Kein Kommentar zum Kaufpreis

Eine aktuelle Nachfrage des brutkasten zum jetzigen Mega-Exit ließ Hurnaus allerdings unbeantwortet; über die offizielle Pressemitteilung hinaus wollte er sich zu dem Deal nicht weiter äußern. Auch ein konkreter Kaufpreis wurde bislang weder von den Unternehmen kommuniziert noch in der Branche kolportiert. Fest steht lediglich: Die Transaktion soll vorbehaltlich der üblichen behördlichen Genehmigungen im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden und dürfte zu den größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte zählen.


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(c) Michael Meier - Maximilian Kindler, Gründer von incaseof.law.

Rund 600 Rauchfangkehrerbetriebe gibt es in Österreich, rund 350 davon arbeiten mit der Grazer Branchensoftware WinChim. Sie können überfällige Rechnungen nun direkt aus dem Verrechnungsmodul an das Wiener LegalTech incaseof.law übergeben. Die Plattform übernimmt den weiteren Prozess, vom außergerichtlichen Mahnverfahren bis zur gerichtlichen Durchsetzung.

Die beiden Unternehmen haben die Kooperation Anfang Oktober bekannt gegeben. Für das Startup von Gründer und CEO Maximilian Kindler ist WinChim nach eigenen Angaben die erste Branchensoftware, über die es eine ganze Branche erreicht.

Viele kleine Rechnungen, wenig Zeit

Die Leistungen der Rauchfangkehrer sind gesetzlich vorgeschrieben, die Tarife reguliert. Daraus ergibt sich ein eigenes Forderungsbild: sehr viele kleine, wiederkehrende Rechnungen an Privathaushalte und Hausverwaltungen. Die Betriebe zählen im Schnitt sechs Beschäftigte, offene Rechnungen verfolgt meist der Inhaber selbst. Eine klassische Inkassobeauftragung zahle sich bei Kleinbeträgen oft nicht aus, heißt es weiter.

„Unsere Anwender wollen kehren, messen und beraten, nicht Zahlungserinnerungen schreiben. Mit incaseof.law ist der offene Posten in unserer Buchhaltungssoftware mit einem Klick erledigt, der Rest passiert im Hintergrund“, sagt Martin Haidenthaler, Gründer von WinChim. Das Unternehmen wurde 1999 in Graz gegründet und ist nach eigenen Angaben Marktführer unter den Rauchfangkehrerbetrieben in sieben Bundesländern.

„Rauchfangkehrer sind das Paradebeispiel für eine Branche, in der Forderungsmanagement bisher schlicht nicht stattfindet, weil es sich nicht auszahlt. Über WinChim erreichen wir die Betriebe dort, wo ihre Rechnungen entstehen. Ab jetzt kommt das Geld dorthin, wo es hingehört: auf das Konto des Betriebs.“

Die Inkassokosten trägt der säumige Schuldner

Laut Aussendung zahlt die Plattform eingehende Beträge ohne Abzüge an den Betrieb aus. Woran incaseof.law dann verdient, erklärt Kindler auf brutkasten-Anfrage: „Der Rauchfangkehrer zahlt uns nichts, weder Provision noch Gebühr. Unser Umsatz kommt ausschließlich vom säumigen Schuldner, und zwar aus den Inkassokosten und den Verzugszinsen.“

Diese Kosten sind laut Kindler durch die Verordnung über die Höchstsätze der Inkassoinstituten gebührenden Vergütungen gedeckelt. Zudem müssen sie nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) in einem angemessenen Verhältnis zur Forderung stehen. Die Verordnung würde es ihm zufolge auch erlauben, dem Auftraggeber eine Gebühr zu verrechnen. Darauf verzichte man ausnahmslos.

Was das für Schuldner:innen bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel des Gründers. Bei einer offenen Rechnung über 80 Euro fallen mit der ersten Zahlungsaufforderung rund 25 Euro inklusive Umsatzsteuer an, dazu Verzugszinsen von wenigen Cent. Das entspricht einem Aufschlag von rund 31 Prozent. Wer nach der ersten Aufforderung zahlt, bleibt laut Kindler bei diesem Betrag. Bezahlt werden kann über ein Online-Portal, auf Wunsch in Raten über bis zu zwölf Monate. Zu den Kosten bei weiteren Mahnschritten oder im gerichtlichen Verfahren machte Kindler keine Angaben.

Noch keine Zahlen für die Branche

Zahlen für die Rauchfangkehrerbranche gibt es noch nicht, die Anbindung ist erst seit Anfang Oktober aktiv. Kindler erwartet aber eine sehr hohe Quote, weil die Leistung gesetzlich vorgeschrieben, dokumentiert und zu regulierten Tarifen verrechnet sei: „Echten Streit über die Forderung gibt es da kaum. Meistens ist die Rechnung schlicht liegen geblieben.“

Zahlt ein Schuldner trotz mehrerer Mahnschritte nicht, geht der Fall laut Kindler auf derselben Plattform ins gerichtliche Forderungsmanagement über, mit Anbindung an den Elektronischen Rechtsverkehr in Österreich und Deutschland.

Weitere Branchen im Blick

Seit Mai können Kund:innen der Finanzautomatisierungsplattform ibana das Inkasso direkt aus deren Plattform beauftragen (brutkasten berichtete).

Als weitere Branchen sieht sich das Startup laut Kindler Hausverwaltungen, das Gesundheits- und Pflegeumfeld und das Handwerk an und entwickelt dafür eigene Produktlinien. „Die Logik ist überall gleich: viele kleine Rechnungen, kleine Betriebe, kaum Zeit für das Mahnwesen“, so Kindler. Weitere Anbieter will incaseof.law nennen, sobald die Verträge stehen.

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