13.04.2026
FINANZIERUNG

ToolSense: Achtstelliges Investment für Wiener SaaS-Scaleup

Die Private-Equity-Gesellschaft GRO Capital mit Sitz in Dänemark steigt beim Wiener Scaleup ToolSense mit einem nicht näher bezifferten niedrigen zweistelligen Millionenbetrag ein.
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ToolSense-Gründer-Team v.l.n.r.: Rostylsav Yavorsyki (CTO & Co-Founder), Michail Stamenov (Head of Finance), Benjamin Petterle (CPO & Co-Founder), Alexander Manafi (CEO & Co-Founder) | (c) ToolSense
ToolSense-Gründer-Team v.l.n.r.: Rostylsav Yavorsyki (CTO & Co-Founder), Michail Stamenov (Head of Finance), Benjamin Petterle (CPO & Co-Founder), Alexander Manafi (CEO & Co-Founder) | (c) ToolSense

ToolSense wurde 2017 in Wien gegründet. In diesem Jahr erschienen auch die ersten brutkasten-Berichte über das Unternehmen. Es sollten noch viele weitere folgen. Dabei gab es nicht nur in einer gewissen Regelmäßigkeit Artikel über weitere Investment-Runden – zuletzt eine Series-A über acht Millionen Euro im Jahr 2022. Auch lässt sich in den Beiträgen die Entwicklung vom Startup zum Scaleup über mehrmalige Anpassungen des Angebots nachverfolgen.

IoT- und KI-Expertise von Beginn an

Vom ersten Konzept einer Diebstahlsicherung über die Vernetzung von Sensordaten bei Werkzeugherstellern und eine After-Sales-Plattform für Maschinenbauer bis zur aktuellen KI-gestützten Asset-Operations-Plattform für den Facility-Management-Bereich blieb ToolSense immer dem Thema IoT (Internet of Things) treu und setzte von Beginn an auf Künstliche Intelligenz (KI). Heute umfasst die Plattform Asset- und Wartungsmanagement, Sicherheitsinspektionen, Fahrzeugmanagement, Robotik-Management und Field Service Management und nutzt KI stärker denn je.

Inzwischen Fokus auf Facility Management

Co-Founder und CEO Alexander Manafi erklärt: „Wir fokussieren uns klar auf die FM-Branche (Anm.: Facility Management) und treiben unsere Vision von autonom gesteuertem, selbstoptimierendem Gebäudebetrieb weiter voran. Bereits heute decken wir zentrale Prozesse rund um Maschinen, Fuhrpark, Robotik und Wartung ab und sind hier klar die weltweit führende Plattform.“ Nun entwickle man sich konsequent von Asset Operations hin zu ganzheitlichen FM Operations. „In den kommenden Monaten werden wir unser Portfolio gezielt erweitern und neue Module einführen, um das volle Potenzial von KI und IoT für unsere Partner nutzbar zu machen“, so der Gründer.

„Man hat durch KI mittlerweile auch ganz andere Entwickler-Kapazitäten“

Dabei konkretisiert Manafi gegenüber brutkasten: „Wir haben uns in die aktuellen Märkte hineinentwickelt.“ Doch neben der FM-Branche habe man auch weiterhin Maschinenbauer und -händler als Kunden. Man werde zudem in der aktuellen Entwicklung kontinuerlich breiter beim Use Case. „Man hat durch KI mittlerweile auch ganz andere Entwickler-Kapazitäten, was die Verbreiterung der Plattform stark beschleunigt“, sagt der Gründer.

Namhafte Referenzen

Aktuell hat ToolSense mehr als 200 Kunden in über 30 Ländern. Die Referenzen enthalten führende FM-Unternehmen wie ISS, Dussmann und Onet sowie globale OEMs wie Tennant, Nilfisk und i-team. Und es sollen noch deutlich mehr werden. Denn die Expansion „in Europa und darüber hinaus“ soll auch mit einer weiteren Kapitalspritze vorangetrieben werden. Die in Dänemark ansässige Private-Equity-Gesellschaft GRO Capital investiert einen nicht genau bezifferten niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in das Wiener Scaleup.

Dänischer Growth-Investor

Der Kopenhagener Investor übernimmt für gewöhnlich relativ große Minderheitsanteile und legt seinen Fokus auf die Wachstumsbeschleunigung von Softwareunternehmen. Konkret will man nun die internationale Expansion von ToolSense vorantreiben, die kommerzielle Organisation stärken und die KI- und Robotik-Fähigkeiten weiter ausbauen.

„Starkes Beispiel für unsere Investmentthese“

„ToolSense befindet sich genau an der Schnittstelle von SaaS, IoT, Robotik und KI – und erschließt signifikante Effizienzgewinne für FM-Ökosystem-Teilnehmer mit asset-intensiven Betrieben. Dieses Investment ist ein starkes Beispiel für unsere Investmentthese ‚Unlocking Resource Efficiency‘ in der Praxis, und wir sehen einen klaren Weg zum Aufbau eines globalen Kategorieführers“, kommentiert Christopher Ager, Partner bei GRO Capital.

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Stefan Embacher | (c) Foreus

Als Stefan Embacher Foreus im Jahr 2021 gründete, hatte er die heutige Ausrichtung bereits im Kopf. „Ich mach eine Firma, Private Intelligence. Das war meine Idee“, erzählt der Gründer im brutkasten-Interview beim Business Angel Summit in Kitzbühel. Weil das Krypto-Thema damals brannte und er über einen Kontakt in den USA auf ein Feld stieß, das es in Europa praktisch noch nicht gab, startete Foreus zunächst hochfokussiert mit Krypto-Forensik. Erste Zielgruppe waren spezialisierte Rechtsanwälte, dann kamen Banken dazu, etwa mit Mittelherkunftsnachweisen für ein Institut in Liechtenstein.

Der Fokus zahlte sich aus: Schritt für Schritt erweiterte das Team sein Feld um genau jene Themen, die durch die geopolitische Lage massiv an Relevanz gewonnen haben, von Sanktionsprüfungen im Russland-Kontext über Background-Checks bei M&A-Transaktionen bis zur Dual-Use-Exportkontrolle. Wenn etwa ein österreichischer Sensorhersteller an einen Abnehmer in der Türkei liefern will, prüft Foreus die Firmenstruktur des Käufers bis in die dritte, vierte und fünfte Ebene: Wer steht dahinter? Gibt es direkte oder indirekte Verbindungen zu sanktionierten Personen? Für exportierende Unternehmen ist das ohne spezialisierte Unterstützung kaum zu leisten.

HIDX: 60 Produkte auf einer Plattform

Heute steht Foreus auf zwei Standbeinen: Intelligence as a Service, also Dienstleistungen durch das eigene Expertenteam, und Software as a Service. Kern des Software-Geschäfts ist die selbst entwickelte Plattform HIDX (gesprochen „Hidex“, kurz für Hybrid Intelligence Detector). Rund 60 Produkte bündelt Foreus darin, von UBO-Checks über Sanktions- und AML-Prüfungen bis zur Krypto-Forensik. „Es gibt Hunderte von Softwareplattformen. Was wir anders machen: Wir haben rund 60 verschiedene Produkte in einer Plattform“, sagt Embacher.

Integriert ist auch ein Large Language Model, das bewusst in einer geschlossenen, sicheren Umgebung läuft und etwa Firmenbuchauszüge prüfen kann. Die Usability habe man an Social-Media-Logik orientiert, damit auch Nicht-Techniker:innen das Tool bedienen können. Abgerechnet wird pro User und Jahr, dazu kommen nutzungsbasierte Kosten. Ausbaustufen gibt es für Rechtsanwaltskanzleien, Banken und Regierungskunden.

Zum Einsatz kommt das vor allem bei „Härtefällen“, wie Embacher sagt: bei Geschäftspartnern in Afrika, Südostasien, Zentralasien oder Südamerika, wo selbst erfahrene Compliance-Verantwortliche mit den lokalen Jurisdiktionen kaum vertraut sind. Rund 400 Anwaltskanzleien weltweit zählt Foreus nach eigenen Angaben zu seinen Kunden, mit Schwerpunkt in der DACH-Region. Der größte Treiber seien globale Kanzleien mit Niederlassungen in zehn bis 15 Ländern.

4,5 Millionen Euro ARR, 25 Prozent Wachstum, frisches Kapital

Die Zahlen bestätigen die Strategie: Der ARR (Annual Recurring Revenue) liegt aktuell bei 4,5 Millionen Euro, heuer wächst Foreus um 25 Prozent, und das bei einem Team von etwas mehr als 30 Mitarbeiter:innen. Genau darin sieht Embacher die Stärke des Modells: „Wir wollen mit einem kleinen Team von 50 bis 60 Mitarbeitern wirklich einen Einfluss in diesem Markt in Europa haben.“ Die Vision ist klar formuliert: Foreus soll in Europa zum führenden Anbieter im Private-Intelligence-Bereich werden.

Rückenwind dafür gibt es auch auf der Kapitalseite: Vor rund drei Monaten kam es zu einem Investment im Umfeld der Wiener WBYD Management GmbH. „Da haben wir jetzt ein größeres Investment gehabt, im siebenstelligen Bereich“, so der Gründer.

Das frische Kapital fließt vor allem in den nächsten Wachstumsschritt: Im September relauncht Foreus seinen Government-Bereich mit neuen Anwendungen in der Software. Ziel sind Fünf- bis Sechs-Jahres-Verträge mit Regierungskunden, die für planbare, stabile Erlöse sorgen sollen. Im Fokus stehen kleinere Staaten, etwa am Balkan oder Länder in der Größenordnung Österreichs und Ungarns. International wird die Software nach Embachers Angaben bereits von Nachrichtendiensten genutzt. Das Corporate-Geschäft mit Banken laufe parallel weiter gut, monatlich kommen Neukunden dazu.

Vom Bundesheer über Palantir zur eigenen Firma

Seine Expertise bringt Embacher aus einer ungewöhnlichen Laufbahn mit: acht Jahre beim Österreichischen Bundesheer in einer K-Einheit für internationale Operationen, danach knapp vier Jahre im Sicherheitsbereich des US-Datenanalysekonzerns Palantir. „Da habe ich eigentlich meine ganze Experience her“, sagt er. Mit einer kolportierten Darstellung räumt er dabei auf: Dass er beim Bundesheer Ausbilder für Scharfschützen gewesen sei, wie mehrfach publiziert wurde, stimme nicht. „So ist es publiziert worden, aber das habe ich nie gesagt.“

Dass ein militärischer Hintergrund in Österreich lange eher skeptisch beäugt wurde, hat Embacher selbst erlebt: „Vor sechs, sieben Jahren war es schwierig für mich, dass ich mich hinsetze und sage: Ich war beim Militär. Das ist jetzt schon anders.“ Die Zeitenwende habe auch hier ein Umdenken gebracht.

Klare Worte zur parlamentarischen Anfrage

Offen spricht Embacher auch über die parlamentarische Anfrage der Grünen vom August 2025, die private Sicherheits- und Intelligence-Firmen und darin auch ihn namentlich behandelt. Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihn die Anfrage stört, und stellt die zentralen Punkte klar: Ja, er habe nach wie vor Kontakte zu Palantir und ins Bundesheer, das liege bei seiner Biografie auf der Hand. Nur folge daraus nichts: „Ich habe noch keinen Cent mit dem Bundesheer verdient. Und selbst wenn da einmal etwas käme, gibt es immer noch das Ausschreibungsgesetz.“ Strafrechtlich habe es nie ein Verfahren gegeben.

„Der Westen ist Amerika und Europa“

Beim Business Angel Summit moderierte Embacher auch ein Panel zur europäischen Souveränität, ein Thema, bei dem er eine differenzierte Position vertritt. Eine Abschottung Europas hält er für den falschen Weg: „Ich denke, der Westen ist Amerika und Europa.“ Zugleich müsse Europa eigene Infrastruktur aufbauen und bei der militärischen Landesverteidigung europäisch statt nur nationalstaatlich denken. Was ihm in der öffentlichen Debatte fehle, sei die diplomatische Perspektive neben der militärischen: „Überall sitzen die Experten vom Militär. Aber die Soft Power in dem Kontext, die fehlt mir komplett.“

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