29.09.2025
LISTMAKER

Tiroler Doc2Me schafft es unter „Top 0,5 Prozent“ der PurposeTech-Startups

Das Tiroler Startup Doc2Me ist ein Listmaker. Wie es sich gegen 1.500 "purpose-driven" Startups durchsetze und welche Mission es im DACH-Raum und in New York City verfolgt.
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Co-Founder Daniel Steiner und Lina Graf sowie Zdenek Fred Fous, CEO von PurposeTech | Foto: Doc2Me, PurpoeTech

Brutkasten berichtete bereits mehrmals über das Tiroler Startup Doc2Me – ursprünglich bekannt unter der 2020 gegründeten Zyklus-App femble. Mittlerweile hat das dreiköpfige Team rund um Lina Graf, Daniel Steiner und Late-Co-Founder Thomas Schwarz Übersee Fuß gefasst und ist nach einem Pivot im Geschäftsmodell in die USA expandiert. Und: FemTech-Guru Raoul Scherwitzl, CEO und Founder von Natural Cycles, ist als Investor an Bord.

Listenplatz im Wettbewerb gegen 1.500 Startups

Nun vermeldet das Startup einen weiteren Meilenstein: Die Listung in den „Top 0,5 Prozent“ all jener Startups, die vom Prager VC PurposeTech unterstützt werden. Der VC fokussiert sich in seiner Investment-Tätigkeit auf Unternehmen, die „purpose-driven“ sind – also einen gesellschaftlichen „Sinn“ mit ihrem Geschäftsmodell erfüllen wollen. Für seine aktuelle Top-0,5-Prozent-Liste analysierte der VC über 1.500 Startups – investiert wurde in nur sieben, eines davon und auch das einzige aus Österreich ist Doc2Me aus Tirol.

Doc2Me ist insofern purpose-driven, als dass sich das Startup für die Sicherung verifizierter Gesundheitsinformationen einsetzt. Die Plattform „hilft medizinischem Fachpersonal, fundierte Informationen effizient und gezielt bereitzustellen.“

„Ärztliche Blogs“ im Trend

„Patient:innen erwarten heute leicht zugängliche, personalisierte und vertrauenswürdige Informationen“, schreibt Doc2Me in einer Pressemeldung. Das Startup bietet mit seiner KI-gestützten Plattform Ärzt:innen die Möglichkeit, „fachlich fundierte Videos zu erstellen“ und Patient:innen zielgruppengerecht zu informieren. Damit soll medizinische Information gesichert und verifiziert von Ärzt:innen über eine digitale Lösung an Patient:innen weitergegeben werden.

„Eines der zentralen (amerikanischen) Gesundheitsportale, WebMD, ist mit ärztlichen Blogs groß geworden und wurde vor einigen Jahren für 2,8 Milliarden US-Dollar verkauft. Mit Doc2Me wollen wir dieses Modell weiterdenken – ein WebMD 2.0 für heutige und kommende Generationen“, sagt Daniel Steiner, Co-Gründer von Doc2Me, zur Entwicklung am Markt.

Prager VC PurposeTech bereits Lead-Investor

Der Prager VC war bereits im vergangenen Jahr Lead-Investor bei Doc2Me – brutkasten berichtete. Damals sprach das Startup von „mehreren europäischen Business Angels“. In dieser Pre-Seed-Runde holte man sich 600.000 Euro.

Neben PurposeTech sollen auch das Family Office Exelixis sowie Business Angels wie Charly Kleissner (Impact Hub) und Hermann Arnold beteiligt gewesen ein. Raoul Schweritzl investierte auch in das Startup – kurz bevor es seinen Schritt nach New York wagte. Zusätzlich erhielt Doc2Me Fördermittel aus dem Expedition Zukunft-Programm der FFG.

Unter den sieben besten

Wie der Fonds PurposeTech kürzlich bekannt gab, durchlaufen jährlich mehr als 1.000 Startups aus Zentral- und Osteuropa aus den Bereichen Gesundheit, Klima und „Future of Work“ das Auswahlverfahren. Nur 0,5 Prozent schaffen es in das Portfolio des VCs.

Der VC hat es in erster Linie auf Pre-Seed-Startups abgesehen, um deren Wachstum zu beschleunigen. Seine Tätigkeit fokussiert sich vor allem auf die baltischen Staaten, Deutschland und Österreich.

Wächst „um rund 70 Prozent pro Monat“

Bis 2030 prophezeit PurposeTech ein Wachstum des HealthTech-Sektors um elf bis 18 Prozent. Das würde sich in einem Marktvolumen von über 200 Milliarden Euro zeigen. Der Fokus wird zukünftig vor allem auf digitalen Gesundheitslösungen liegen – so, wie sie Doc2Me entwickelt.

Für Doc2Me geht es vorerst in der Beta-Phase um die Kollaboration mit ersten Praxen und Kliniken in den Bereichen Gynäkologie, Dermatologie und Orthopädie. Zielmärkte sind vorerst die DACH-Region sowie New York City. Das Startup wächst – nach eigenen Angaben – aktuell um 70 Prozent pro Monat.

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Das Gründerteam von Theradocx. (v.l.) Petronel Liciu, Selin Matun, Jan Hoppel | © Theradocx

Theradocx möchte den Arbeitsalltag von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen erleichtern. Eine eigens entwickelte KI-Anwendung erstellt Protokolle und Zusammenfassungen, indem sie Sitzungen aufnimmt und analysiert, wie brutkasten berichtete. Kürzlich erhielt Theradocx ein FFG-Förderprojekt mit einem Projektvolumen von 580.000 Euro.

Verbesserung der KI

Im Zuge dieses Projekts will das 2025 gegründete Unternehmen seine KI weiterentwickeln. Das heißt: Die Transkription soll präziser werden, unterschiedliche Sprecher besser erkannt und die Erstellung von Protokollen sowie thematischen und emotionalen Analysen verbessert werden. „Ein großer Teil der Projektmittel fließt in den Ausbau unseres Entwicklungs- und Forschungsteams und damit direkt in die technologische Weiterentwicklung von Theradocx“, erklärt Co-Founderin Selin Matun.

Zudem wird laut Matun die Plattform auch rechtlich und regulatorisch weiterentwickelt. Stichwort: Datenschutz und EU AI Act.

Kooperation mit Sigmund Freud Privatuniversität

Im Zuge des geförderten Projekts ging Theradocx eine Kooperation mit der Sigmund Freud Privatuniversität ein, durch die seine KI-Systeme validiert werden sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Spracherkennung. Unterschiedliche Dialekte, Sprecher:innen und akustische Bedingungen sollen getestet werden, wodurch Schwachstellen identifiziert werden können. Zudem sollen die psychotherapeutischen Dokumentationen und Analysen durch Fachpersonal der Sigmund Freud Privatuniversität verbessert werden.

„Für uns ist diese Kooperation besonders wichtig, weil wir nicht nur technisch leistungsfähige KI entwickeln möchten. Wir wollen auch wissenschaftlich überprüfen, ob die Ergebnisse psychotherapeutischen Qualitätsstandards entsprechen und in der Praxis tatsächlich einen Mehrwert schaffen“, sagt Matun und ergänzt: „Gemeinsam möchten wir einen wissenschaftlich fundierten Evaluationsprozess etablieren, durch den die Qualität unserer KI-Ergebnisse nicht nur technisch, sondern auch anhand psychotherapeutischer Kriterien beurteilt und kontinuierlich verbessert werden kann.“

Etablierung im DACH-Raum

Neben der qualitativen Verbesserung der KI möchte Theradocx in Zukunft weiter skalieren und sich noch stärker im DACH-Raum festigen. Das Ziel sei laut Matun, zu einer „zentralen digitalen Arbeitsplattform für Psychotherapeut:innen“ zu werden. Anschließend möchte das Startup weitere europäische Märkte erschließen.

Brigitte-Hamann-Preis 2026

Kürzlich wurde das Projekt mit dem  Brigitte-Hamann-Preis 2026 in der Kategorie „Startup“ ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt herausragende Leistungen von Studierenden und Absolvent:innen österreichischer Privatuniversitäten in den Bereichen Forschung, Startups und Kunst. Eine Fachjury zeichnet pro Kategorie eine Person aus.

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