24.05.2023

Tietoevry Austria: IT-Unternehmen startet GPT-Chatbot für Unternehmen früher als OpenAI

Tietoevry Austria verspricht ersten KI-Chatbot mit voller Datensicherheit für Unternehmen. Und zeigt drei Anwendungsgebiete auf.
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Tietoevry, GPT, GPT for Business
(c) Tietoevry/Thomas Unterberger - Robert Kaup, Managing Director von Tietoevry Austria.

Der IT-Dienstleister Tietoevry Austria startet die erste GPT-Chatbot-Lösung für Business-Anwendungen – noch vor Marktführer OpenAI, der ein ähnliches Angebot für die nächsten Monate angekündigt hat. Der Vorteil von „Tietoevry GPT for Business“ sei: Unternehmensdaten werden nicht an Dritte weitergegeben, wie es per Aussendung heißt.

Die Chatbot-Lösung läuft über Microsoft Azure OpenAI Services, einer Cloudlösung für KI-Anwendungen, und garantiere Firmen, volle Datenkontrolle und -sicherheit.

Tietoevry und sein interaktiver Chatbot

Im Detail: „Tietoevry GPT for Business“ ist ein interaktiver Chatbot, der auf der neuesten Technologie des Unternehmens OpenAI basiert und von Tietoevry weiterentwickelt wurde. Er lässt sich in bestehende Kommunikationssysteme und gängige Kollaborationstools (Microsoft Teams, Cisco Webex,…) sowie in Unternehmens-Apps einbinden, um rascher textbasierte Antworten auf alle möglichen Fragen zu erhalten. Im Gegensatz zur öffentlich zugänglichen Gratisversion von ChatGPT laufe der KI-Textgenerator des IT-Dienstleistungsunternehmens sicher über die Cloudlösungen Microsoft Azure Services und Microsoft Azure OpenAI Services.

„Unternehmen, die bei KI-Anwendungen bisher Datenschutz-Bedenken hatten, ermöglichen wir ab sofort eine Business-Chatbot-Anwendung, bei der sie die volle Kontrolle über ihre Unternehmensdaten behalten und diese sicher über eine Microsoft-Cloudlösung verwalten können“, erklärt Robert Kaup, Managing Director von Tietoevry Austria. „Mit der Lösung ‚Tietoevry GPT for Business‘ garantieren wir, dass alle Datenschutzrichtlinien eingehalten werden, die Informationen der Mitarbeiter:innen und des Unternehmens somit vertraulich bleiben und nicht an Dritte weitergegeben werden.“

Für Unternehmen mit hohem Bedarf an Textverarbeitung und Kommunikation

Ähnliche lobend zeigt sich Hermann Erlach, General Manager bei Microsoft Österreich: „Tietoevry GPT for Business ist eine sehr innovative Anwendung am Puls der Zeit. Und ein Beispiel dafür, wie die Cloud den Weg für ein digitales Österreich ebnet und Unternehmen jeglicher Größen ermöglicht, Spitzentechnologie für sich zu erschließen“, erklärt er. „Insbesondere Unternehmen mit einem hohen Bedarf an Textverarbeitung und Kommunikation können von der Lösung sehr schnell profitieren und an Produktivität gewinnen.“

Tietoevry, GPT for Business
(c) Inge Prader- Hermann Erlach, General Manager Microsoft Österreich zeigt sich von GPT for Business überzeugt.

„Tietoevry GPT for Business“ soll Fragen zu verschiedenen Themenbereichen schnell und präzise beantworten können, Texte schreiben, ändern oder korrigieren, Protokolle verfassen sowie Zusammenfassungen erstellen.

Tietoevry: Drei Use-Cases

Laut dem Tietoevry-Team kristallisieren sich zu Beginn drei größere Anwendungsbereiche heraus. Erstens könnten Mitarbeiter:innen rasch und effizient auf Kundenanfragen reagieren, ohne Zeit für die Suche nach Antworten in Handbüchern oder kostspielige Schulungen aufwenden zu müssen. Zweitens trage der KI-Chatbot dazu bei, die Effizienz der Marketingabteilung zu steigern, indem er Einblicke in die Kundenbedürfnisse und -präferenzen liefere. So könnten personalisierte Marketingmaßnahmen gesetzt werden, um gezielt die Kundenzufriedenheit zu verbessern.

Der dritte Anwendungsbereich umfasst Weiterbildung und Wissenstransfer: Der Frage-Antwort-Prozess mit „Tietoevry GPT for Business“ ermögliche einen schnellen Zugriff auf verstreute Geschäftsinformationen und kontinuierliches Lernen. Dadurch sollen Unternehmen ohne großen Schulungsaufwand die interne Weiterbildung des Personals fördern können – egal, ob beim Onboarding neuer Mitarbeiter:innen oder bei der laufenden Wissensvermittlung an die bestehende Belegschaft.

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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