05.09.2025
PSYCHEDELIKA

Thomas Primus: „Es geht um den Mut, sich selbst wieder zu spüren“

2022 nahm FoodNotify-Gründer Thomas Primus zum ersten Mal Ayahuasca – einen psychedelisch wirkenden Pflanzentee. Damit begann die vielleicht schwierigste Reise seines Lebens: die zu sich selbst. Was in dieser Nacht passierte, veränderte seinen Blick auf Erfolg, Führung und das Leben. Doch was als spirituelle Heilung beginnt, kann auch Risiken bergen – besonders, wenn psychedelische Substanzen als schnelle Lösung für tiefer­liegende Probleme gesehen werden.
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Thomas Primus ist Gründer und CEO des Wiener Startups FoodNotify. | © Elena Kipriotis

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Factbox der Suchthilfe Wien: Was ist Ayahuasca?

Ayahuasca beschreibt eine aus Pflanzen hergestellte Zubereitung. Die psychoaktive Wirkung wird dabei durch eine Kombination des Wirkstoffs DMT (N,N-Dimethyltryptamin) mit einem Monoaminoxidase-Hemmer erzeugt. ******************************************************************* Der Wirkstoff DMT ist ein Halluzinogen, das starke Veränderungen der (Sinnes-)Wahrnehmung bewirken kann. Diese können sein: schnelle Abfolgen von verschiedensten Emotionen in einem kurzen Zeitraum, Veränderung der „Ich-Wahrnehmung“ und des Körperbewusstseins; auch akustische und haptische Halluzinationen können auftreten. ******************************************************************* Bei oraler Einnahme kann sich die Wirkdauer auf bis zu acht Stunden erstrecken. Die Wahrscheinlichkeit, eine körperliche oder psychische Abhängigkeit von DMT zu entwickeln, ist sehr gering. Substanzkonsum ist jedoch niemals risikofrei, so auch nicht der von Ayahuasca.

Die Nervosität sitzt tief im ganzen Körper, als er sich gegen 18 Uhr auf den Weg zur Zeremonie macht. Rund 80 Menschen gehen mit ihm – jung und alt, aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Geschichten. Begleitet werden sie von Schamanen. Nach einer Weile erreichen sie den Ort: mitten in der Natur, unter freiem Himmel. Der Vollmond macht die Nacht nahezu magisch. Die Zeremonie beginnt mit Musik, Icaros-Gesängen und Ritualen. Die Stimmung ist energiegeladen und offen. Drei Mal trinkt er den Tee – ein Gemisch aus halluzinogenen Pflanzen. Gegen vier Uhr morgens ist es vorbei. Was in den zehn Stunden passiert, verändert das Leben von Thomas Primus.

Der Tee ist besser bekannt als Ayahuasca. In den Urwäldern Südamerikas wird das psychedelisch wirkende Gebräu seit Jahrhunderten als Teil spiritueller Praktiken genutzt. Von den Schamanen wird es als eine Art Transmitter zu einer übernatürlichen Dimension verstanden. Die Einnahme von Ayahuasca wird oft von intensiven körperlichen und psychischen Reaktionen begleitet; Übelkeit und Erbrechen gehören meistens dazu. In Österreich ist der reine Wirkstoff DMT (N,N-Dimethyltryptamin) verboten und fällt unter das Suchtmittelgesetz. Die DMT-Pflanzen, aus denen Ayahuasca gebraut wird, sind rechtlich jedoch nicht erfasst, wie die Suchthilfe Wien bestätigt. Gleichzeitig rückt die Substanz zunehmend ins Interesse der Wissenschaft: Forscher:innen untersuchen, ob und wie psychedelische Mittel in der Therapie von Depressionen, Traumata oder Sucht hilfreich sein können.

Für Thomas Primus ist Ayahuasca vor allem eines: eine persönliche Erfahrung; eine Tür, durch die er gegangen ist, hin zu mehr Nähe zu sich selbst, aber auch eine Erfahrung, die Vorbereitung, Begleitung und Reflexion verlangt. „Es ist nur ein Weg von vielen“, betont er. Jeder Mensch müsse für sich selbst entscheiden, welcher Weg der richtige sei – und dies sei lediglich seine persönliche Geschichte.

Die Anfänge im Silicon Valley

2013 gründete Primus sein Wiener Startup FoodNotify – eine Management-Plattform, die gastronomische Betriebe und Hotellerie dabei unterstützt, ihre Prozesse rund um Einkauf, Lagerhaltung, Menüplanung, Personal, Kalkulation und Service effizient zu steuern und zu optimieren. Seither führt er das Unternehmen als CEO. So wie die meisten Startups durchlebte auch FoodNotify Höhen und Tiefen: Im Dezember 2022 stand das Unternehmen kurz vor dem Aus und musste Insolvenz anmelden. Der finanzielle Druck war zu groß. „Ich war innerlich unzufrieden. Es fühlte sich an, als würde ich alles tragen, und gleichzeitig spürte ich eine wachsende Distanz zu mir selbst“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Seit 2013 führt Thomas Primus sein Unternehmen als Geschäftsführer. | © Elena Kipriotis

Damals war er im Silicon Valley unterwegs. Er sprach mit vielen Unternehmer:innen, die von spirituellen Praktiken und Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen berichteten. „Auch wenn ich damals mit vielen Aussagen noch wenig anfangen konnte, hat sich bei mir etwas bewegt: die Erkenntnis erwachte, dass viele Antworten vielleicht nicht im Außen liegen, sondern in einem selbst“, erzählt Primus. Es war für ihn der Beginn einer Reise zu sich selbst. Als er zurück in Österreich war, kam durch eine Vertrauensperson schließlich der Impuls, Ayahuasca auszuprobieren. „Ich hatte keine konkreten Erwartungen“, sagt er. 2022 nahm er an seiner ersten Zeremonie in Portugal teil.

Blinde Flecken

Nachdem er die erste Dosis Ayahuasca getrunken hatte, dauerte es etwa eine Dreiviertelstunde, bis sich die Wirkung bei ihm bemerkbar machte. „Körperlich war spürbar, dass mein Zustand verändert war – aber nicht im Sinne eines Rauschs. Ich war ganz bei mir, ganz offen. Es ist ein Raum, der sich öffnet, in dem man plötzlich Zugang zu Erinnerungen, Mustern und inneren Dynamiken bekommt, die man im Alltag nicht wahrnimmt“, erzählt Primus. Er ging mit einer klaren Absicht in die Zeremonie: „Ich wollte meine blinden Flecken sehen – also die Teile von mir, die ich selbst nicht erkenne.“

Im Lauf der Nacht konnte er sich selbst wie von außen beobachten. Erinnerungen aus der Kindheit, aus familiären Situationen, aus Konflikten tauchten auf. „Und ich konnte sehen, wie ich teilweise gehandelt habe, wie ich Menschen verletzt habe – ohne es zu wollen. Das war konfrontierend. Aber es war auch befreiend“, sagt Primus. „Das hat unglaublich viel aufgelöst. Ich habe gelernt, dass ich nicht der Mensch bleiben muss, der ich einmal war. Und das ist für mich das Kraftvollste an dieser Erfahrung: Sie verändert die Sicht auf sich selbst“, so Primus. Drei Jahre nach seiner ersten Ayahuasca-Zeremonie beschreibt er diesen Moment als Wendepunkt in seinem Leben.

Die Suchthilfe Wien betont, dass es beim Konsum von DMT – wie bei allen Halluzinogenen – „zu sehr intensiven, für manche Menschen sogar spirituellen Erfahrungen“ kommen kann. „Das Ich-Empfinden kann sich so weit verändern, dass die subjektiven Grenzen der eigenen Person verschwimmen. Das kann sich in einem Gefühl der starken Verbundenheit mit der Welt und den Menschen äußern, aber auch Angst machen.“ Die Wirkung sei stark abhängig von der körperlichen und seelischen Tagesverfassung sowie von der Konsumsituation.

Zwischen Schmerz und Heilung

Zehn Stunden, in denen sich Thomas Primus wie in einer anderen Dimension fühlte, endeten im Morgengrauen. Was blieb, fühlte sich für ihn an wie ein tiefes Gefühl der Erleichterung. „Ich vergleiche das mit einer Wunde, die endlich gesehen und versorgt wird: Der Schmerz ist noch spürbar, ja – aber man weiß, jetzt beginnt die Heilung. Und das fühlt sich unglaublich befreiend an“, erklärt er.

„Ich will das nicht romantisieren“, sagt der Unternehmer. „Es braucht Mut, sich auf diesen Weg einzulassen. Denn es geht darum, sich selbst in der Tiefe zu begegnen. Viele haben Angst davor – bewusst oder unbewusst. Und das ist auch nachvollziehbar. Nicht jeder will oder kann hinschauen.“ Das bestätigt auch Eva Gallacher: Die Psychotherapeutin hat 2023 eine zweijährige Ausbildung zur Psychedelics Therapist bei der Berliner MIND Foundation absolviert. Heute forscht sie in der Schweiz zu psychedelischer Therapie und ist Mitgründerin der österreichischen Apsta (Association for Psychedelic Science & Therapy Austria). Aus psychotherapeutischer Sicht seien psychedelische Erfahrungen keinesfalls zu unterschätzen, sagt Gallacher: „Das ist kein Spaziergang, das ist ein hartes Stück Arbeit. Das ist nicht nur Love, Peace and Happiness, sondern es können auch herausfordernde Angstphasen hochkommen.“

Therapeutisch gesehen sei das Potenzial dennoch enorm: Psychedelika würden „bedeutsames Material aus dem Unbewussten von Patienten, das sonst nicht zugänglich wäre, hervorholen. Erst dann gibt es die Möglichkeit, mit diesem Trauma zu arbeiten“, erklärt Gallacher. Das könne allerdings auch dazu führen, dass Menschen danach „für eine Zeit lang sehr durcheinander“ oder in ihrem Weltbild erschüttert seien. Entscheidend sei, was danach kommt: „Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Substanzerfahrung“, sagt Gallacher.

Eva Gallacher forscht zu psychedelischer Therapie. | © Martin Jordan

Perspektivenwechsel

Die Erfahrung mit Ayahuasca hat Thomas Primus’ Blick auf seine Rolle als Unternehmer verändert. „Ich war anfangs sehr stark in diesem Muster ‚Ich muss das alles halten!‘ – ich war der Gründer, der aus einem sicheren Job ausgestiegen ist; das hat auch mein Umfeld beobachtet. Und plötzlich stehst du unter einem enormen inneren Druck, es irgendwie ‚beweisen‘ zu müssen“, sagt er rückblickend. In den Jahren des Unternehmensaufbaus habe er sich Stück für Stück selbst verloren. Anstatt auf seine innere Stimme zu hören, funktionierte er einfach nur – so lange, bis es nicht mehr ging. Heute sehe er das klarer: „Mein Unternehmen ist ein Spiegel. Es spiegelt all das, was ich selbst noch nicht geheilt habe: meine Ängste, meine Limitationen, meine blinden Flecken. Und das zeigt sich in der Kultur, im Team, in der Energie des Unternehmens“, sagt der Gründer.

Mit dieser Einsicht kam für ihn eine neue Definition von Leadership. „Ich will nicht nur Ergebnisse erzielen – ich will Räume öffnen, in denen Menschen sich entwickeln können“, sagt Primus. „Ayahuasca hat mir geholfen, das zu erkennen – nicht intellektuell, sondern emotional, körperlich, tief im Inneren. Und seither treffe ich Entscheidungen anders: klarer, mit mehr Vertrauen und manchmal auch mit mehr Mut zum Loslassen. Ich bin heute kein perfekter Leader – aber ich bin ein bewussterer Leader.“

Drei Jahre nach dem Insolvenzantrag hat sich sein Startup FoodNotify wieder erholt. Dem Unternehmen gelang die Sanierung, ein neuer Investor kam an Bord. „Erfolg hat sich für mich völlig neu definiert. Früher ging’s ums klassische Bild: Zahlen, Wachstum, Exit. Heute ist Erfolg für mich viel näher an der Dankbarkeit. Erfolg ist, morgens aufzuwachen und zu wissen: Ich bin am richtigen Ort, ich bin verbunden mit dem, was ich tue – und ich tue es mit Freude und ohne zu müssen.“

Innere Stabilität

Für Primus ist heute klar: Mentale Gesundheit ist eine Grundvoraussetzung für nachhaltiges Unternehmertum. Ayahuasca hat für Primus dabei einiges verändert. „Es hat meine mentale Gesundheit nicht repariert, sondern mir zurückgegeben“, erklärt er. „Ich war früher funktional und leistungsfähig, aber nicht unbedingt in Balance. Ich konnte Druck aushalten, aber ich war innerlich oft abgeschnitten. Durch Ayahuasca habe ich begonnen, diese Verbindung wiederherzustellen. Ich habe gelernt, meine Emotionen bewusster wahrzunehmen, sie zu halten – und nicht mehr reflexartig zu verdrängen. Das hat mir innere Stabilität gegeben, gerade in herausfordernden Situationen.“

Trotzdem ist es Primus wichtig, zu betonen, dass Ayahuasca lediglich ein Türöffner war, nicht die Lösung. Die eigentliche Arbeit beginne erst nach der Zeremonie: Die Reflexion, die Integration in den Alltag – das sei der entscheidende Teil. „Ich glaube, mentale Gesundheit beginnt dort, wo wir bereit sind, uns ehrlich zu begegnen. Und genau das hat mir Ayahuasca ermöglicht: die ehrliche, manchmal schmerzhafte, aber unglaublich heilsame Begegnung mit mir selbst. Ayahuasca hat mir nicht die Lösung gegeben – sondern die Fähigkeit, in mir selbst Antworten zu finden“, so Primus.

Thomas Primus fand durch die Erfahrung mit Ayahuasca wieder zu sich selbst. | © Elena Kipriotis

Mut „zu sich selbst“

Trotz allem handelt es sich bei Ayahuasca um eine Substanz mit psychoaktiver Wirkung. Der enthaltene Wirkstoff DMT ist keineswegs harmlos, denn er greift tief in die Psyche ein. In klinischen Studien gelten daher strenge medizinische Ausschlusskriterien, etwa bei psychotischen Vorerfahrungen oder familiärer Vorbelastung, aber auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Jedenfalls sollte man immer einen ‚Sitter‘ mit dabei haben – jemanden, dem man vertraut und der auf einen aufpasst, während man die psychedelische Erfahrung macht“, betont Gallacher.

Auch die Suchthilfe Wien warnt: DMT kann psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie auslösen – insbesondere bei Menschen mit entsprechender Anfälligkeit. „Nicht allen Konsument:innen fällt es leicht, das eindrückliche Erlebnis der DMT-Wirkung zu verarbeiten und in den Alltag einzugliedern“, so die Suchthilfe Wien.

Primus ist sich der Bedeutung eines sicheren Rahmens bewusst. Während der ersten Zeremonien begleiteten ihn nicht nur erfahrene Schamanen, sondern auch sogenannte Guardian Angels. Das sind Menschen, die sich ausschließlich um das emotionale und körperliche Wohl der Teilnehmer:innen kümmern. „Ich habe mich nie allein gefühlt – obwohl ich niemanden persönlich kannte“, sagt er. „Das größte Risiko entsteht, wenn Menschen sich unvorbereitet, unbegleitet oder aus Neugier auf eine Zeremonie einlassen – ohne zu wissen, worum es dabei wirklich geht.“

Ayahuasca sei keine Partydroge, sondern eine tiefgreifende Erfahrung und für viele auch eine Herausforderung. „Deshalb sage ich ganz bewusst: Ayahuasca ist nicht für jeden etwas; Ayahuasca ist auch nichts, das man regelmäßig konsumiert wie ein Nahrungsergänzungsmittel“, sagt Primus.

Auch die Suchthilfe Wien warnt davor, dass der Konsum zunehmend als „Trend“ wahrgenommen wird. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Menschen wünschen sich in belastenden Zeiten schnelle und einfache Lösungen. Diese sind allerdings selten nachhaltig.“ Ayahuasca sei daher keine kurzfristige Lösung, um Problemen auszuweichen, sondern ein risikoreicher Konsum, der im Nachgang Aufarbeitung verlange. Primus selbst war das letzte Mal vor über einem Jahr bei einer Zeremonie. Jeder Mensch müsse seinen eigenen Weg finden, um sich mit der eigenen Psyche auseinanderzusetzen. „Es gibt viele Wege nach innen: Breathwork, Meditation, stille Retreats, andere Pflanzenmedizin. Aber ich glaube, dass wir in einer Welt leben, in der es immer schwieriger wird, uns selbst wirklich zuzuhören – weil alles im Außen auf Ablenkung programmiert ist“, so der FoodNotify-Gründer. „Ich teile meine Erfahrungen, weil ich hoffe, dass Menschen sich wieder daran erinnern, dass sie ihr eigenes Leben leben dürfen; und dass es Wege gibt, alte Muster, Glaubenssätze und Traumata zu lösen. Für mich war Ayahuasca ein Teil dieses Wegs. Aber es geht um viel mehr: Es geht um den Mut, sich selbst wieder zu spüren.“


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3Folio
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Das 2022 von Michael Schöngruber und Peter Lehner gegründete FinTech-Startup 3Folio konnte im Gründungsjahr den Büronachbarn Blockpit mit Founder Florian Wimmer als Investor für sich gewinnen. Zwei Jahre danach vermeldete man den erfolgreichen Abschluss einer Seed-Finanzierungsphase mit einem Gesamtinvestment von über 700.000 Euro – brutkasten berichtete. Nun erweitert Founder Schöngruber die Geschäftsführung des Wiener Unternehmens und leitet damit eine Neustrukturierung ein: Samuel Brandstätter wird CEO und erhöht seine Beteiligung am Startup – Schöngruber wird CPO.

3Folio: Neue Eigentümer-Struktur

Die bisherige Eigentümerstruktur setzte sich laut wirtschaft.at wie folgt zusammen: Schöngruber hielt knapp mehr als 30 Prozent der Anteile, dicht gefolgt von Blockpit, das ebenfalls auf etwas mehr als 30 Prozent kam. Brandstätters Beteiligung lag dagegen bei unter einem Prozent. Wie der neue CEO brutkasten bestätigte, gab das Scaleup von Florian Wimmer nun einen beträchtlichen Teil seiner Anteile ab, „um die Neustrukturierung zu unterstützen“. Dadurch stieg Brandstätter mit einer Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zum zweitgrößten Gesellschafter von 3Folio auf. Über die Höhe des Investments vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen.

Brandstätter übernimmt ab sofort die Verantwortung für das Gesamtunternehmen mit besonderem Schwerpunkt auf Commercial, Finance, Organisation, Internationalisierung und operativer Umsetzung. Schöngruber steuert weiterhin die Produktvision, Produktstrategie sowie die Innovations- und AI-Agenda.

Mit der erweiterten Führungsstruktur möchte 3Folio die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Im Fokus bleiben Steuerberatungskanzleien und ihre Klienten, insbesondere institutionelle Krypto-Investoren. Zugleich will das Startup künftig verstärkt MiCA-regulierte Kryptobörsen und Finanzdienstleister mit einer leistungsfähigen Infrastruktur für Accounting, Regulatory Reporting und Steuerprozesse rund um digitale Assets unterstützen.

Ziel: Neue Märkte

In den vergangenen knapp fünf Jahren hat 3Folio eine Plattform für die steuerliche, buchhalterische und regulatorische Verarbeitung digitaler Assets aufgebaut und im Markt validiert. Auf dieser Basis will das Unternehmen nun seine Position bei Steuerberatern, Crypto-Asset Service Providern (CASPs) und Finanzdienstleistern ausbauen und in weitere Märkte expandieren.

„Als Founder muss man erkennen, welche Fähigkeiten ein Unternehmen in der jeweiligen Phase braucht. Entscheidend ist, die richtigen Personen dort einzusetzen, wo sie den größten Hebel haben. Wir haben eine starke technologische Basis für institutionelle Akteure im Kryptomarkt geschaffen, die regulatorische Compliance von Beginn an mitdenkt. Jetzt wollen wir diese Technologie über Grenzen hinweg skalieren. Samuel bringt dafür genau die Erfahrung mit, die wir brauchen“, sagt Schöngruber.

Mit Brandstätter im Team könne sich der Gründer noch stärker auf jene Bereiche konzentrieren, in denen er für 3Folio den größten Wert schaffen kann: Produkt, Technologie und Innovation, erklärt er: „Wir haben tiefes technologisches und fachliches Know-how in den Bereichen Blockchain-Daten, Tax, Accounting und regulatorisches Reporting aufgebaut. Daraus ist eine Plattform entstanden, die konsequent auf die regulatorischen und operativen Anforderungen im Umgang mit digitalen Assets ausgerichtet ist. Samuel baut mit uns nun die Organisation, mit der wir diese Plattform international etablieren und skalieren können. Gemeinsam mit unserem Team entwickle ich das Produkt, mit dem wir diesen Markt gestalten und gewinnen wollen.“

3Folio-CEO hat Skalierbarkeit im Fokus

Brandstätter selbst verfügt über langjährige Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung von B2B-Softwareunternehmen in regulierten Märkten. Er gründete den Governance-, Risk- und Compliance-Softwareanbieter avedos und entwickelte ihn zu einem Anbieter für Banken, Versicherungen und internationale Unternehmen. 2020 wurde avedos vollständig von der deutschen Softwaregruppe GBTEC übernommen.

„3Folio befindet sich an einem sehr spannenden Punkt“, sagt er. „Michael und das Team haben tiefes Produkt-, Technologie- und Markt-Know-how aufgebaut. Gleichzeitig verändert die zunehmende Regulierung den Digital-Asset-Markt grundlegend. Jetzt geht es darum, aus dieser starken Produktbasis ein international skalierbares RegTech-Unternehmen zu entwickeln.“

Die Wachstumsstrategie von 3Folio richtet sich an Steuerberater und Tax Professionals sowie an CASPs (Anm.: Crypto-Asset Service Providers) und Finanzdienstleister. Die Plattform bündelt im Detail Lösungen für Crypto Accounting und Taxation, regulatorisches Reporting wie DAC8 (Anm.: achte Änderung der EU-Amtshilferichtlinie, die seit dem 1. Januar 2026 den automatischen und grenzüberschreitenden Austausch von Daten über Krypto-Werte und Transaktionen zwischen den EU-Finanzbehörden regelt) und CARF (Crypto-Asset Reporting Framework). Zudem unterstützt 3Folio bei der Abwicklung der österreichischen Krypto-Kapitalertragsteuer sowie bei der Verarbeitung von Blockchain- und Transaktionsdaten.

Upstream Layer und AI

Damit will sich 3Folio von einer spezialisierten Anwendung zu einem technologischen Upstream Layer für Crypto Tax, Accounting und Regulatory Reporting entwickeln. Ein führender Krypto-Handelsplatz wurde nach Angaben des Unternehmens bereits als Kunde gewonnen; Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern laufen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Produktstrategie liegt auf dem Einsatz von AI in Accounting-Prozessen. Dabei soll Künstliche Intelligenz nicht als isoliertes Feature verstanden, sondern tief in die bestehende Produkt-, Daten- und Fachlogik integriert werden. Die Grundlage dafür bilden die eigene Technologie, Datenmodelle, Transaktionslogiken sowie Know-how in der steuerlichen und regulatorischen Verarbeitung digitaler Assets. Gerade an der Schnittstelle zwischen heterogenen Blockchain-Daten, steuerlicher Logik und regulatorischen Anforderungen sieht das 3Folio-Team erhebliches Potenzial für Automatisierung und intelligente Assistenzsysteme.

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