The Ocean Cleanup: Kampf gegen 5.000.000.000.000.000.000 Plastikteile
Boyan Slat ist der Founder von The Ocean Cleanup und arbeitet seit seinem 16. Lebensjahr daran, die Meere von - mittlerweile fünf Billionen - Plastikteilchen zu befreien. Am 8. September startet das Säuberungsprojekt im Pazifischen Ozean.
Im Jahre 2014 hat PLOS (Public Library of Science) aus San Francisco einen Bericht veröffentlicht, der darlegt, dass sich über fünf Billionen Plastikteile in den Weltmeeren befinden. Der Holländer Boyan Slat hat dieses Umweltproblem mit 16 Jahren bei einem Urlaub in Griechenland erkannt, als er beim Schwimmen mehr Plastik sah, als Fische. Und er hatte eine Idee: 2012 stellte er The Ocean Cleanup bei der TEDx-Konferenz in Delft vor.
Danach blieb es einige Zeit still und sein Plan hatte weniger Aufmerksamkeit erregt, als erhofft. Eine Nacht sollte aber alles verändern. Das Video vom TEDx-Auftritt wurde von diversen News-Seiten ausgestrahlt und ging viral. In kurzer Zeit waren 90.000 US-Dollar per Crowdfunding lukriert und das Projekt startete. In den letzten Jahren konnte Slats laut Politico für The Ocean Cleanup rund 27 Millionen Euro von Spendern (darunter Silicon Valley Mogul Peter Thiel) einsammeln, um das Plastik aus dem Meer zu entfernen. Der Start: Great Pacific Garbage Patch.
Gefährdete Meeresbewohner
Und die Zeit läuft. Wie die gleichnamige Zeitung berichtet, ist der verschmutze Bereich des Great Pacific Garbage Patch, das zwischen Hawaii und Kalifornien liegt, rund 1,6 Millionen Quadratkilometer groß. Dort zieht „ein gigantischer Wasserwirbel Fischernetze, Benzinkanister, Flip-Flops, Flaschen, Tüten, Spielzeug, Möbel oder Strohhalme in die Tiefe“. Ein zusätzliches Problem dabei ist, dass durch den Wirbel das Plastik zu Mikroplastik zerfällt und so von Meeresbewohnern mit Futter verwechselt wird. Beziehungsweise, wie im unteren Video zu sehen, drastische Schäden anrichtet.
Ökonomischer Schaden
Wie der brutkasten vor zwei Jahren berichtete, ist der Plastikzerfall ein Problem, das durchaus noch zu lösen wäre, aber bei dem die Uhr tickt: „Die gute Nachricht ist, dass 95 Prozent des Plastiks in den Ozeanen noch aus großen Teilen besteht. Es hat sich noch nicht zersetzt, das macht es einfacher es herauszufischen. Es zeigt aber auch, wie dringend wir etwas tun müssen. Das Problem ist eine tickende Zeitbombe. Darüber hinaus ist es definitiv billiger das Plastik aus dem Meer zu fischen, als es dort zu lassen”, mahnt Slat, der mit seinem letzten Satz eine ökonomische Argumentationskette ins Feld führt. Beim Pioneers-Festival vor zwei Jahren in der Wiener Hofburg machte er dies deutlich: „Plastik richtet auch ökonomischen Schaden an, etwa an Transport-Schiffen oder an touristischen Stränden“.
(c) Ocean Cleanup – Dieses Bild zeigt einen Fluss in Myanmar, von wo aus der Müll in die Meere gespült wird.
Barriere mit Sensoren ausgestattet
Slats, der 2015 von der UN als „Champion of the Earth“ (höchster Umweltschutzpreis, den die Vereinten Nationen vergeben) ausgezeichnet wurde, möchte mit seiner Vorrichtung und der Kraft der Strömungen den Plastikmüll einsammeln. Der geplante Beginn für die Aktion ist der 8. September diesen Jahres. Dabei ist die 600-Meter lange Barriere, an der ein Netz befestigt ist und die drei Meter tief ins Wasser reicht, mit Sensoren ausgestattet. Da die Konstruktion schneller als der Müll im Ozean treibt, soll sich der Müll in der Mitte der Vorrichtung verfangen. Sobald genug Müll eingesammelt wurde, wird ein Signal an die Zentrale in San Franciso geschickt, von wo aus ein Schiff das Plastik zum Recyclen an Land schaffen soll. Meerestiere sollen durch die Vorrichtung nicht gefährdet sein, wie es offiziell heißt. Insgesamt plant Slats, wie die Huffigton Post berichtet, 60 dieser Barrieren, die in fünf Jahren die Hälfte des Plastikdreck im Great Pacific Garbage Patch einsammeln sollen.
Dieses Vorhaben ist aber nicht frei von Kritik. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, soll das Plastik im Meer sehr weit verstreut sein, sodass auf mehrere Quadratkilometer ein Plastikteil komme. Weiters wird Slats vorgeworfen, nicht an den Symptomen zu arbeiten, sondern nur der Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Als Antwort darauf sagt das mittlerweile 70-Mann-starke Ocean Cleanup-Team, dass man ähnliche Projekte an Küsten oder in Flüsse andenke. Ein wichtiger Punkt sei aber, dass man mit dem Projekt auch ein globales Bewusstsein für das Problem schaffe.
Investments im ersten Halbjahr: „Je größer die Runden, desto internationaler“
Das aktuelle "EY Start-up Investment Barometer" zeigt: Der Aufschwung beim Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr auf 472 Millionen Euro wurde maßgeblich von ausländischen Investor:innen getragen. Während heimische Geldgeber die Frühphase dominieren, treiben internationale Fonds die großen Runden.
Investments im ersten Halbjahr: „Je größer die Runden, desto internationaler“
Das aktuelle "EY Start-up Investment Barometer" zeigt: Der Aufschwung beim Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr auf 472 Millionen Euro wurde maßgeblich von ausländischen Investor:innen getragen. Während heimische Geldgeber die Frühphase dominieren, treiben internationale Fonds die großen Runden.
Florian Haas (EY) und Daniela Haunstein (invest.austria) | Foto: EY & invest.austria
„Internationale Investor:innen sind zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich. Nach dem „Start-up-Barometer“ vor zwei Wochen (brutkasten berichtete) veröffentlichte EY nun gemeinsam mit invest.austria auch das „Start-up Investment Barometer“ für das erste Halbjahr, das noch detailliertere Zahlen zu den Investor:innen der Finanzierungsrunden liefert.
„Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine massive Verschiebung: 2025 wurde der Markt noch stark von heimischen und gemischten Investor:innengruppen getragen, 2026 kommt der Großteil des Kapitals wieder aus rein internationalen Runden. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für die Qualität österreichischer Startups und für die internationale Wahrnehmung des Standorts“, erklärt Haas.
64 Prozent des Investment-Volumens aus dem Ausland
Wie bereits im „Start-up Barometer“ zu lesen, verzeichnete der österreichische Venture-Capital-Markt in den ersten sechs Monaten des Jahres eine deutliche Erholung: Das Gesamtfinanzierungsvolumen stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro an, während die Zahl der Finanzierungsrunden mit 97 Abschlüssen einen neuen historischen Höchstwert erreichte.
Die detaillierte Analyse der Investorendaten zeigt nun, dass dieser Aufschwung in erster Linie durch ausländisches Kapital getragen wird. So flossen im ersten Halbjahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro beziehungsweise 64 Prozent der Gesamtsumme von rein internationalen Investor:innengruppen nach Österreich – im ersten Halbjahr 2025 waren es lediglich rund 21 Millionen Euro beziehungsweise 27 Prozent gewesen. Der Anteil rein österreichischer Investorengruppen am Investitionsvolumen sank im selben Zeitraum von 17 auf nur noch fünf Prozent.
„Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler wird die Kapitalbasis“
Trotz des gestiegenen Anteils an internationalem Kapital bilden inländische Investor:innen weiterhin das quantitative Fundament des österreichischen Ökosystems. Heimische Geldgeber waren an mindestens 61 der 97 registrierten Finanzierungsrunden (63 Prozent) beteiligt. Zudem wurden 39 Abschlüsse (40 Prozent) ausschließlich von österreichischen Kapitalgeber:innen finanziert. Auch personell stellen heimische Akteure die stärkste Gruppe: Von den mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen haben 116 (50 Prozent) ihren Hauptsitz in Österreich, gefolgt von Deutschland mit 49 (21 Prozent) und der Schweiz mit elf Geldgeber:innen.
Doch die Studie kommt einmal mehr zum Ergebnis: Mit steigenden Finanzierungssummen nimmt die Präsenz österreichischer Investor:innen kontinuierlich ab. Bei kleineren Deals bis zu einer Million Euro stellen sie noch 74 Prozent aller beteiligten Geldgeber:innen, bei mittelgroßen Runden (1,1 bis zehn Millionen Euro) sinkt der Wert auf 36 Prozent und bei Großfinanzierungen über zehn Millionen Euro liegt der heimische Anteil bei lediglich rund 13 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 lag dieser Anteil bei Deals über zehn Millionen Euro noch bei rund 80 Prozent. In der aktuellen Berichtsperiode kamen sieben der zehn größten Finanzierungsrunden ohne jegliche Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande.
Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria, ordnet diese Abhängigkeit ein: „Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass internationales Kapital wieder bereit ist, größere Wachstumsfinanzierungen in Österreich zu begleiten. Das ist eine erfreuliche Entwicklung und ein wichtiges Signal für den Standort. Gleichzeitig macht die Analyse aber auch sichtbar, dass Österreich bei großen Finanzierungsrunden weiterhin stark von ausländischem Kapital abhängig ist. Um langfristig mehr Wertschöpfung, Wachstum und Skalierung im Inland zu ermöglichen, müssen wir zusätzliche heimische Kapitalquellen erschließen.“ Gerade institutionelle Investor:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen würden dabei eine zentrale Rolle spielen. Deshalb sei die rasche und ambitionierte Umsetzung des angekündigten Dachfonds ein wichtiger Schritt, um privates Kapital stärker für Innovation und Unternehmertum zu mobilisieren.
„Flywheel-Effekt“
Diese ausgeprägte Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern bei großen Runden birgt laut invest.austria langfristige Nachteile für das Ökosystem, die sich insbesondere bei Unternehmensverkäufen bemerkbar machen. Im ersten Halbjahr 2026 stachen neben den Finanzierungsrunden auch erfolgreiche Exits wie jener des oberösterreichischen Haustier-Tracking-Spezialisten Tractive oder die Übernahme des Linzer AI-Startups Emmi AI hervor.
Daniela Haunstein warnt jedoch davor, die Wertschöpfung solcher Exits ins Ausland zu verlieren, falls heimische Geldgeber bei der Skalierung außen vor bleiben: „Internationale Investor:innen bringen nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerke, Erfahrung und Marktzugang. Österreichische Startups profitieren davon enorm. Gleichzeitig sollte es unser Ziel sein, künftig mehr dieser Wachstumsfinanzierungen gemeinsam mit heimischen Investor:innen darzustellen. Warum das so wichtig ist, zeigt sich ganz besonders im Exit-Fall: Wenn Aushängeschilder wie Tractive oder zuletzt Emmi AI erfolgreich verkauft werden, fließt das Geld nur dann in unseren Kreislauf zurück, wenn heimische Geldgeber:innen an Bord waren.“ Diese würden das freigewordene Kapital durch neue Investments wieder in das System zurückspielen – ein „Flywheel-Effekt“, der in anderen Startup-Nationen längst als Erfolgsmotor diene. „Je stärker unsere heimische Investor:innenlandschaft also wird, desto mehr Wertschöpfung und Know-how können wir durch diesen Kreislauf langfristig im Land halten“, so Haunstein.
Künstliche Intelligenz etabliert sich als zweitstärkster Sektor
Neben der Herkunft des Kapitals zeigt die Studie klare thematische Schwerpunkte im Verhalten der Investor:innen, wobei Künstliche Intelligenz (AI) eine herausragende Rolle einnimmt. Im ersten Halbjahr 2026 flossen insgesamt 93 Millionen Euro an österreichische Startups mit einem KI-Schwerpunkt. Dies entspricht dem zweithöchsten je in einem Halbjahr registrierten Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2023 – nur im ersten Halbjahr 2024 lag die Summe mit 117 Millionen Euro noch höher. Insgesamt entfielen 30 der 97 Finanzierungsrunden (31 Prozent) auf Unternehmen mit KI-Bezug.
Laut Florian Haas investieren Kapitalgeber in diesem Segment zunehmend zielgerichteter: „Künstliche Intelligenz ist der zentrale Innovationstreiber in nahezu allen Branchen. Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen. Österreichische Startups können hier mit starken Lösungen in Bereichen wie Health, Cybersecurity, Enterprise Software oder Industrial Tech punkten“.
Die internationale Sichtbarkeit heimischer Entwicklungen werde zudem durch den Emmi-AI-Exit bestärkt: „Die erfolgreiche Übernahme von Emmi AI durch Mistral hat international für viel Aufmerksamkeit gesorgt und zeigt, dass Österreich im Bereich Künstliche Intelligenz nicht nur innovative Technologien hervorbringt, sondern Unternehmen mit internationaler Relevanz aufbauen kann. Solche Erfolgsgeschichten schaffen Sichtbarkeit, stärken das Vertrauen von Investor:innen und setzen wichtige Signale für die nächste Generation von AI-Gründer:innen“, so Haas.
Nachhaltigkeit: „Kapitalintensive und größere Wachstumstickets“
Ein noch größeres Finanzierungsvolumen als der KI-Bereich konnte das Querschnittsthema Nachhaltigkeit (Sustainability) für sich verbuchen. Mit insgesamt 170 Millionen Euro floss im ersten Halbjahr 2026 mehr als jeder dritte investierte Euro (36 Prozent) in Startups mit Nachhaltigkeitsbezug. Dies stellt laut der Studie den mit Abstand höchsten Betrag seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2022 dar.
Gleichzeitig steht diesem Rekordvolumen eine vergleichsweise geringe Anzahl an Transaktionen gegenüber: Lediglich 14 der 97 Finanzierungsrunden (14 Prozent) entfielen auf diesen Bereich. Florian Haas erklärt dieses Phänomen mit den spezifischen technologischen Anforderungen des Sektors: „Im Nachhaltigkeitsbereich beobachten wir, dass Investor:innen sehr gezielt in Unternehmen investieren, die bereits eine gewisse Größenordnung erreicht haben und Lösungen für zentrale Transformationsherausforderungen entwickeln. Themen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Batterietechnologie oder Dekarbonisierung sind häufig kapitalintensiv und erfordern größere Wachstumstickets.“ Entsprechend konzentriere sich ein erheblicher Teil des verfügbaren Kapitals auf vergleichsweise wenige Unternehmen mit hohem Skalierungspotenzial und internationaler Relevanz.
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