28.11.2025
GRÜNGASWIRTSCHAFT

Terra Flow Systems: Wiener Startup kämpft gegen Zettelwirtschaft

Konkret adressiert Terra Flow Systems den Verwaltungsaufwand der Biogas- und Biomethananlagenbetreiber. Und möchte mit seiner Lösung mehr Effizienz in die Branche bringen.
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Terra Flow Systems
© Terra Flow Systems - (v.l.n.r.): Philipp Weisskopf, Robert Schweizer und David Hess.

Was in der Biogas- und Biomethanwirtschaft jahrzehntelang Alltag war, soll nun ein Ende haben: Zettel, Formulare, Nachweise, Listen – die sogenannte „Zettelwirtschaft“. Mit Terra Flow Systems präsentiert das Gründerteam rund um Robert Schweizer eine von ihnen entwickelte Lösung, die Betreiber von Biogas- und Biomethananlagen massiv entlasten und die gesamte Branche in das digitale Zeitalter führen soll.

Terra Flow Systems: Prozesse intelligent vernetzen

„Wir haben Terra Flow Systems entwickelt, um den Verwaltungsaufwand für Betreiber auf ein absolutes Minimum zu reduzieren,“ erklärt Schweizer, Mitgründer und Visionär hinter dem Projekt. „Wir führen die Anlagenbetreiber gemeinsam mit Landwirten, Transporteuren und u.a. Abfallsammlern digital in die Zukunft – effizienter, einfacher und mit weniger Papier. Unser Ziel ist klar: Wir schaffen mehr Zeit für das Wesentliche.“

Gemeinsam mit Weisskopf und Hess hat Schweizer die digitale Plattform geschaffen, die sämtliche Prozesse der Biogas- und Biomethanbranche intelligent vernetzen möchte: vom Stoffstrommanagement via eigener App, Selbstverwiegefunktionen über Energieflüsse bis hin zu Berichtswesen und Abrechnungen.

Alle Daten seien auf Knopfdruck verfügbar – „transparent, rechtssicher, automatisiert und jederzeit online abrufbar“, wie Weisskopf und Hess erklären: „Wir können die nationalen oder EU-weiten bürokratischen Vorgaben zwar nicht ändern, sie aber wesentlich durch Automatisierung und Digitalisierung vereinfachen.“

„Bürokratie besiegen“

Terra Flow Systems sieht sich selbst als „Zeitenwende in der Grüngaswirtschaft“. Wo bisher alles einzeln betrachtet, unzählige Formulare und Ordner die tägliche Arbeit erschwerten, sei nun eine digitale Lösung entstanden, die nach eigenen Angaben wieder Perspektiven schafft, Bürokratie beseitigt und Abläufe vereinfacht und „vor allem wieder Mut macht, der Bürokratie selbstbestimmt entgegenzutreten“.

„Wir machen aus einem Dschungel der Vorschriften einen Horizont der Perspektiven,“ betonen die Gründer. „Österreich sitzt auf digitalen Goldminen – und mit Terra Flow Systems beginnen wir, dieses Potenzial zu heben. Wir können als kleines Land im Tech-Bereich mitspielen, wenn wir die Kraft der Digitalisierung mit dem profunden Wissen aus den verschiedenen Branchen und der österreichischen Wirtschaft intelligent verbinden. Mit Terra Flow Systems schaffen wir die Grundlage, sie intelligenter, nachhaltiger und gewinnbringender zu nutzen – für eine starke, moderne und unabhängige österreichische Wirtschaft.“

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Das Verenas-Team mit Gründerin Verena Nairz-Kapferer (3. v.r.). © Verenas

Die Ursprungsidee für Verenas entstand krisenbedingt: Während des ersten Corona-Lockdowns 2020 entwickelte Verena Nairz-Kapferer im eigenen Innsbrucker Café haltbare Rezepturen, um den Betrieb abzusichern. Was als Initiative für Café-Gäste begann, wird nun zum eigenständigen Geschäftsmodell. Im November 2026 gründen Verena Nairz-Kapferer und Jürgen Nairz eine eigene GmbH, um das Produktangebot im B2B-Bereich überregional zu skalieren.

Prozesssicherheit statt Spezialzutaten

Im Zentrum der Vertriebsstrategie steht der Premium-Gastrogroßhandel, über den Hotels, Cafés und Restaurants flächendeckend beliefert werden sollen. Aus mehr als 60 praxiserprobten Rezepturen konzentriert sich das Unternehmen für Großküchen auf rund 20 Varianten. Der wirtschaftliche Hebel liegt laut dem Gründungsteam dabei nicht nur beim Wareneinsatz von 0,80 bis 1,20 Euro pro fertig gebackener Portion. Standardisierte Mischungen reduzieren insbesondere den Arbeits- und Lageraufwand für Betriebe, die keine eigenen Spezialzutaten vorhalten wollen.

„Für einen Gastronomiebetrieb zählt nicht nur, was eine Portion an Zutaten kostet. Entscheidend sind auch Arbeitszeit, Einfachheit, Prozesssicherheit und eine Qualität, die unabhängig davon funktioniert, wer den Kuchen gerade zubereitet“, erklärt Jürgen Nairz, der den Vertriebsaufbau verantwortet.

Getrennte Produktion für Glutenfrei-Zertifizierung

Verena Nairz-Kapferer arbeitete ursprünglich im sozialen Bereich und verkaufte samstags selbst gebackene Kuchen. © Verenas

Die Backmischungen sind rein pflanzlich sowie zu großen Teilen zusätzlich glutenfrei formuliert. „Ich wollte nie einen Kuchen entwickeln, bei dem jemand sagt: Für vegan oder glutenfrei schmeckt der aber gut“, betont Produktentwicklerin Verena Nairz-Kapferer.

Um die geforderten Qualitätsstandards im B2B-Geschäft sicherzustellen, trennt das Startup laut eigenen Angaben die Fertigung. Vegane Varianten sollen ab November 2026 in einem Partnerbetrieb nahe Graz abgefüllt werden. Die glutenfreien Mischungen verbleiben in einer separaten Innsbrucker Produktionsstätte, um Kreuzkontaminationen auszuschließen. Damit bereitet sich das Unternehmen auf die Zertifizierung mit dem Glutenfrei-Symbol vor.

Absatzziel: 40.000 Einheiten im Jahr 2027

Flankiert von einem B2C-Onlineshop mit vorerst sieben Sorten setzt das Unternehmen auf wiederkehrende B2B-Bestellungen. Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Verenas ein Absatzvolumen von rund 40.000 Einheiten an. Gespräche mit weiteren Partnern im Gastrogroßhandel laufen laut den Gründer:innen bereits, um die Distribution im kommenden Jahr überregional auszubauen.

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