11.11.2020

tech2b ersetzt seinen Netzwerkabend durch eine virtuelle Zeitreise

In anderen Jahren gab es vom oberösterreichischen Inkubator tech2b ein Abendevent. 2020 gibt es coronabedingt ein unkonventionelles virtuelles Ersatzprogramm.
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tech2b: Von der virtuellen Lobby aus kann man die Zeitreise antreten
(c) tech2b: Von der virtuellen Lobby aus kann man die Zeitreise antreten
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Viele Events wurden dieses Jahr coronabedingt gestrichen oder verschoben. Immer beliebter wird gleichzeitig die Umsetzung im virtuellen Raum. Den verschiedenen digitalen Veranstaltungsformaten stellt nun der oberösterreichische Inkubator tech2b ein außergewöhnliches Konzept gegenüber: Der Netzwerkabend wird mit einer virtuellen Zeitreise ersetzt.

Wie auch bei einem realen Event gibt es zunächst Grußworte – konkret vom oberösterreichischen Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner – die man sich in der virtuellen Lobby ansehen kann. Mit einem Klick landet man dann in einer runden Säulenhalle – dem „Raum der Vergangenheit“.

tech2b Zeitreise: Drei Branchen, drei Zeitebenen

Dort wird man gleich sanft in die prinzipielle Thematik eingeführt: tech2b beleuchtet in seiner Zeitreise die Finanzbranche, die Medizinbranche und die Textilbranche im Wandel der Zeit. So findet man der ersten Zeitebene ein Interview mit Herbert Walzhofer, Vorstand der Sparkasse OÖ, wo dieser unter anderem über die Entwicklung des traditionellen Bankengeschäfts in den vergangenen Jahren spricht. Christoph Reschreiter vom Medizin-Unternehmen und tech2b-Alumnus CubeDx erzählt über die Entwicklung seines Unternehmens und man erfährt, warum das Tradition-Textil-Unternehmen Kobleder „im Jenseits“ gegründet wurde und heute seinen Sitz „im Diesseits“ hat.

Über einen Klick auf eine Uhr in der Mitte des Raums geht es weiter in den auch architektonisch klar erkennbaren „Raum der Gegenwart“, wo man sich einen Talk mit den tech2b-Startup-Gründern bzw. -Managern Florian Wimmer von Blockpit, Dominic Girardi von datavisyn und Michael Wieser von Yokai Studios ansehen kann. Diese beleuchten den Status Quo der drei Branchen.

Im futuristischen „Raum der Zukunft“ schließlich gibt es zunächst eine Keynote von Ars Electronica Artistic Director Gerfried Stocker mit dessen Überlegungen zur Zukunft der drei Branchen zu sehen. Weiter geht es dann in eine Startup-Ausstellung, wo man in Videos kompakte Informationen zu zahlreichen tech2b-Incubees bekommt. Vor dem virtuellen Ausgang gibt es noch die Möglichkeit, Feedback zu geben und sich weitere Informationen zu holen.

Mehr als nur an einem Tag

Im Gegensatz zu den meisten Online-Events dieser Tage ist die tech2b Zeitreise übrigens nicht auf ein Datum beschränkt. Sie bleibt bis auf weiteres für Besucher offen. Um sie zu machen, muss man lediglich Namen und Email-Adresse angeben.

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Gründer-Duo Josef Chen (l.) und Ivan Tregear (r.) mit dem Roboter Fusion. (c) Kaikaku

Im China-Restaurant seiner Eltern in Linz schälte Josef Chen bereits in seiner Kindheit Kartoffeln und half im Betrieb. Die Idee für sein Startup kam dem Oberösterreicher genau hier: Wiederkehrende Restaurantarbeit mit Robotik zu automatisieren. Über Chens Werdegang hat brutkasten bereits berichtet.

Nach einigen Gründungen verzeichnete Chen durch Kaikaku seinen bislang größten Erfolg: Innerhalb von drei Monaten nach der Gründung im April 2023 konnten dafür bereits 750.000 US-Dollar an Investments eingesammelt werden. Nun gibt der Founder die Übernahme durch das US-Unternehmen Reef, und damit einen erfolgreichen Exit bekannt.

„Kaikaku haben wir in London aufgebaut. Die Idee entstand aber im Restaurant meiner Eltern in Linz. Dass wir jetzt bei Reef daran weiterarbeiten können, macht mich stolz“, sagt Chen.

360 Bowls pro Stunde

Das Herzstück von Kaikaku heißt Fusion, ein modularer Roboter. Im eigenen Bowl-Restaurant Common Room, das bis November 2024 in London geöffnet hatte, wurde der Roboter getestet. Mittlerweile hat Kaikaku fünf Generationen von Fusion entwickelt. Der Roboter portioniert die Zutaten nach Bestellung. Nach Unternehmensangaben schafft die fünfte Generation je nach Konfiguration bis zu 360 Bowls pro Stunde.

30 Mio.-Dollar Bewertung

„Wir haben eine (bisher) unangekündigte Seed-Runde über 4 Millionen Dollar in einer Branche eingesammelt, die die meisten Investoren – ehrlich gesagt – als total unsexy abgeschrieben hatten“, kommentiert der Founder auf LinkedIn. Das Unternehmen wurde nach Angaben von Chen Ende 2025 mit 30. Mio.-US-Dollar bewertet.

Über den jetzigen Verkaufspreis an Reef wird geschwiegen. Was bekannt ist: Kaikaku bringt seine Technologie und sein Kernteam zu Reef.

SoftBank Vision Fund 1 als Investor

Das US-Unternehmen Reef – spezialisiert auf digitale Infrastruktur für Gastronomie und lokale Services – hat seit der Gründung über 1,5 Milliarden US-Dollar Kapital eingeworben. Zu den Investoren zählt unter anderem der 98,6 Milliarden US-Dollar schwere SoftBank Vision Fund 1. Details zur aktuellen Finanzlage, der Eigentümerstruktur oder der genauen Höhe einzelner Beteiligungen lässt Reef in seiner aktuellen Ankündigung allerdings offen.

„Reef ist die Skalierung“

Mit den Worten: „Wir sind nicht hier, um einfach nur einen beeindruckenden Roboter zu bauen. Wir sind angetreten, um zu beweisen, dass die Technologie reif ist, die Unit Economics funktionieren und das Einzige, was jetzt noch fehlt, Skalierung ist. Reef ist diese Skalierung. Bald mehr dazu“, lässt Chen die Zukunft des Unternehmens offen. Was nach Chen jedenfalls feststeht: Im Markt für Gastronomie-Infrastruktur und Kitchen-Tech würde sich derzeit eine Phase hoher Kapitalzuflüsse abzeichnen.

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