20.11.2020

Moderne IT hat uns bis jetzt durch die Coronakrise geholfen – doch es gibt noch Luft nach oben

Das Coronavirus hat 2020 zu einem deutlichen Digitalisierungsschub in der Wirtschaft geführt, darüber sind sich alle einig. Doch was bedeutet das im Detail, und wo gibt es noch Nachholbedarf? Eine Bestandsaufnahme bei Managerinnen der großen Tech-Unternehmen.
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Technologie in der Coronakrise und im Lockdown
(c) Adobe Stock / Visual Generation

„Die Coronakrise ist weltweit ein Test für die Krisenfähigkeit. Unsere wirtschaftliche Resilienz hängt dabei stark davon ab, ob wir in der Lage sind, unseren Wirtschaftsstandort Österreich so aufzustellen, dass wir stärker aus der Krise kommen“, sagt Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck: „Die digitale Transformation ist für die Zukunft ein entscheidender Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand in ganz Österreich.“

Daher wurde ein „Digitaler Aktionsplan“ ins Leben gerufen, der Österreichs Krisenfestigkeit durch Digitalisierung stärken soll. Eine im Rahmen des Aktionsplans durch Arthur D. Little im Auftrag von Cisco durchgeführte Studie zeigt passend dazu: Gerade in den vergangenen Monaten hat sich in punkto digitaler Arbeitswelt viel in Österreich getan – es gibt aber noch Luft nach oben.

So gaben in der qualitativen Umfrage mit 50 interviewten österreichischen Top-Führungskräften die meisten (jeweils 90 Prozent) an, dass ihre Unternehmen in kürzester Zeit auf Home Office umgestellt und die Digitalisierung von internen Prozessen beschleunigt haben. Zudem gaben 70 Prozent an, dass sie sogar neue Digitalisierungsprojekte realisiert haben.  Der Digitalisierungsschub trug somit der Studie zufolge maßgeblich zur Krisenbewältigung bei. Der Haupttreiber für die Digitalisierung in der Akutphase der Gesundheitskrise war dabei das Aufrechterhalten der Geschäftstätigkeit.

Doch was bedeutet das im Detail? Wo hat Technologie wirklich einen Unterschied gemacht? Welche Entwicklungen werden bleiben? Und wo können wir in Zukunft besser werden? Um diese Fragen zu beantworten, hat der brutkasten Top-Managerinnen von in Österreich aktiven IT-Unternehmen um ihre Einschätzung der Lage gebeten.

Die Bedeutung von Infrastruktur in der Krise

Elisabeth Rettl, Bereichsleiterin für Geschäftskunden bei Drei: „Am Höhepunkt der Krise haben unsere Kunden um fast zwei Drittel mehr telefoniert und das Internet um ein Drittel intensiver genutzt“ (c) Drei/Karl Michalski

Klar ist dabei: Ohne stabile Netze gibt es auch kein Home Office und kein Remote Work. „Besonders wichtig war, unsere Geschäftskunden im abrupten Übergang ins Homeoffice sehr schnell mit performantem Internet – und im speziellen sogar mit kurzfristigen Internet-Notfallspaketen – zu unterstützen, beziehungsweise unseren Großkunden sehr rasch mehr Bandbreite zur Verfügung zu stellen, damit die Verbindung zwischen den Homeoffices und der Firmeninfrastruktur reibungslos und sicher funktioniert hat, beziehungsweise die Kommunikation sowohl telefonisch wie auch digital mit Kunden einwandfrei und mit ausreichend Kapazität möglich war“, sagt dazu etwa Elisabeth Rettl, Bereichsleiterin für Geschäftskunden bei Drei.

Eine oft unterschätzte Tatsache ist dabei, dass die Menschen aufgrund der räumlichen Distanz im Rahmen der Pandemie auch wieder deutlich mehr telefonierten als zuvor. „Am Höhepunkt der Krise haben unsere Kunden um fast zwei Drittel mehr telefoniert und das Internet um ein Drittel intensiver genutzt“, sagt Rettl.

Ähnliches beobachtete man bei der Telekom Austria, vor allem in den ersten zwei Wochen des ersten Lockdowns: Während sich der Sprachverkehr um rund 60 Prozent erhöhte, stieg die Datennutzung um 40 Prozent an.  Bei Magenta war nach dem ersten Lockdown gar von 100 Prozent Steigerung bei Sprachtelefonie die Rede. Trotz dieser starken Steigerungen blieben die Netze aber stabil, da sie auf solche Volumina vordimensioniert sind. Und bekanntermaßen wurden das Plus an Sprachtelefonie-Minuten noch durch die Nutzung digitaler Videokonferenz- und Collaboration-Tools ergänzt.

Tools gegen die Coronakrise

„Seit Beginn der Krise sind vernünftige Home Office-Lösungen essenziell für das Fortbestehen vieler Firmen“, sagt Maria Zesch, CCO von Magenta, über die Wichtigkeit eben dieser digitalen Tools: „Im März mussten viele Unternehmen von einem auf den anderen Tag gänzlich digital arbeiten. Das bedeutete zum damaligen Zeitpunkt für manche, ihre Geschäfte zu sperren und auf einen Online-Shop zu setzen. Andere Unternehmen mussten ihre Mitarbeiter im Home Office mit einer verlässlichen Internetverbindung ausstatten und digitale Services für Onlinebesprechungen, virtuelle Kundentermine oder digitale Zusammenarbeit ermöglichen.“

Es habe viele Unternehmen gegeben, die auf diese Herausforderung gut vorbereitet waren und natürlich auch sehr viele, die bei dieser radikalen Digitalisierung Unterstützung suchen. „Letztendlich haben digitale Office Anwendungen sowie die stabile Infrastruktur in Österreich dazu beigetragen, dass viele Unternehmen in der Krise weiterhin produktiv sein konnten“, sagt Zesch.

Konkrete Zahlen zur verstärkten Nutzung von digitalen Collaboration-Lösungen kann unter anderem Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich, bieten: „Die schnelle Umstellung auf Homeoffice war ausschlaggebend für Unternehmen aller Art, um zu überleben“, sagt sie: „Wir sind dadurch bei Microsoft Teams innerhalb kurzer Zeit von 22 Millionen auf 75 Millionen Anwenderinnen und Anwender angewachsen.“ Das zeige, wie wichtig Technologie war und immer noch ist, um die derzeitige Krise zu bewältigen, sagt Ritz: „Ansonsten hätten wir nun vermutlich ganz andere Arbeitslosenzahlen.“

Dorothee Ritz, General Managerin Microsoft Österreich: „Die schnelle Umstellung auf Homeoffice war ausschlaggebend für Unternehmen aller Art, um zu überleben.“ (c) Microsoft

Auch Christine Antlanger-Winter, Country Director von Google Österreich, sieht eine starke Bedeutung von digitalen Arbeitstools wie Videoconferencing-Lösungen und cloud-basiertem Arbeiten – diese hätten geholfen, Geschäftstätigkeiten aufrecht zu halten oder gar zu beschleunigen. Ebenso sei aber eine flexible Arbeitskultur unabdingbar, „um von heute auf morgen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren zu können, und zwar oft vom Home Office aus“, sagt Antlanger-Winter.

Sie sei zugleich überzeugt, dass Technologie helfen kann, auch schneller wieder zurück zu Wachstum zu finden: „Dies ist eine Aufgabe, die alle angeht, hier müssen alle mit anpacken und zusammenarbeiten – das ist derzeit wohl unsere größte Herausforderung überhaupt.“

Auch KMU nutzen Videokonferenzen und Webshops

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei nicht auf den Startups, die zahlenmäßig einen geringen Anteil an der heimischen Wirtschaft haben und bei denen es schon allein aufgrund des Geschäftsfelds eine gewisse Affinität zu digitalen Tools und unorthodoxen Strukturen gibt. Im Zentrum steht der unternehmerische Mittelstand, der zwar einerseits das vielzitierte „Rückgrat der heimischen Wirtschaft“ bildet, anderseits die Potenziale der Digitalisierung noch nicht voll ausschöpft.

„Rund zwei Millionen Menschen arbeiten in einem der mehr als 300.000 Klein- und Mittelbetriebe Österreichs“, nennt dazu Natascha Kantauer-Gansch, A1 CCO Consumer, als konkrete Zahl. Diese haben von einem Tag auf den anderen schlagartig auf Home Office, Videokonferenzen und Web Shops umsteigen müssen: Die Nutzung und Akzeptanz digitaler Tools sei auch hier schlagartig angestiegen, sei es durch ortsungebundenes Arbeiten oder die Möglichkeit zur professionellen Gestaltung von Onlineshops.

Natascha Kantauer-Gansch, A1-CCO Consumer: „Rund zwei Millionen Menschen arbeiten in einem der mehr als 300.000 Klein- und Mittelbetriebe Österreichs.“ (c) A1/Del Missier

Eine Besserung bei der Digitalisierung von KMU im Rahmen der Coronakrise sieht auch Maria Zesch, wiewohl laut der Magenta-Managerin noch Luft nach oben besteht: „Hier haben wir nach dem Lockdown sehr viele Kunden mit unsren Home Office Lösungen ausgestattet und erfolgreich an einen vernetzten Arbeitsplatz herangeführt, aber auch in diesem Bereich sind wir weiterhin dran, Lösungen zu implementieren. Großkonzerne sind im Vergleich dazu mittlerweile in einer digitalen Arbeitswelt angekommen.“

Maria Zesch, CCO Magenta: „Großkonzerne sind im Vergleich dazu mittlerweile in einer digitalen Arbeitswelt angekommen.“ (c) Magenta Telekom

Laut Christine Antlanger-Winter hat sich zudem gezeigt, dass Unternehmen, die bereits ein starkes digitales Setup haben wesentlich resilienter durch die Krise kommen als jene Unternehmen, die digital noch nicht ausreichend nutzen. „Denn viele Betriebe mussten gezwungenermaßen ihr Geschäftsmodell überdenken und teilweise über Nacht komplett umkrempeln – gerade auch Händler, die von den Schließungen aufgrund der Maßnahmen direkt betroffen waren“, sagt die Google-Managerin.

Mit IT-Security durch die neue Arbeitswelt

Vielleicht liegt die teilweise Zögerlichkeit der mittelständischen Wirtschaft aber auch daran, dass man sich Sorgen um die Sicherheit macht – ganz unbegründet sind diese Bedenken nicht. „Weit mehr als die Hälfte aller österreichischen Unternehmen waren bereits Opfer von Cyber-Angriffen. Und gerade in unsicheren Zeiten kommt es vermehrt zu Phishing, Malware und Ransomware-Attacken“, sagt Natascha Kantauer-Gansch: „Damit stehen auch kleine Unternehmen vor der Herausforderung, sich um die IT-Sicherheit zu kümmern.“

Sicherheitslücken treten dabei an zahlreichen Stellen auf – auf privaten, jedoch beruflich genutzten Endgeräten, am Firmenhandy, im Büro, im Geschäft oder im Home Office. 

Christine Antlanger-Winter, Google Country Director Austria: „Viele Betriebe mussten gezwungenermaßen ihr Geschäftsmodell über- denken und teilweise über Nacht komplett umkrempeln.“ (c) Google Österreich

„Daher gehört Cyber Security gerade jetzt zu den wichtigsten Themen, mit denen sich Unternehmen im Zuge einer erfolgreichen Digitalisierung beschäftigen müssen“, sagt die A1-Managerin: „Auch hier gibt es passende Security-Lösungen mit denen auch  kleinere Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre IT-Infrastruktur den Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen.“

Auch nach dem Lockdown gibt es noch viel zu tun

Summa summarum sind sich die Expertinnen einig, dass das Virus zwar einen deutlichen Schub in der Digitalisierung gebracht hat – es zugleich aber noch Luft nach oben und somit viel Arbeit gibt. Neben dem bereits erwähnten Nachholbedarf bei KMU und dem stetigen Kampf an der Security-Front weist Zesch zum Beispiel auch auf die Erkenntnis der vergangenen Monate hin, dass es „im Bildungsbereich und im öffentlichen Sektor massive Defizite in der Digitalisierung gibt – das betrifft Hardware als auch Konnektivität.“

„Es geht immer besser. Sowohl bei der Technologie selbst als auch beim Einsatz davon“, sagt auch Dorothee Ritz. Ein Verbesserungspotenzial sieht sie dabei definitiv in der Weiterbildung von Angestellten. Microsoft hat dementsprechend von Jahresbeginn an Schulungen und Webcasts angeboten, in denen „Remote-Neulinge“ an das digitale Arbeiten mit Microsoft-Anwendungen herangeführt werden.

„Abgesehen von der klassischen Büroarbeit, orten wir aber auch in Produktionsbetrieben Defizite beim Wissensstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Ritz: „Re-Skilling ist für die gesamte Wirtschaft wichtig, um weiter wachsen zu können. Ich kann nur jedem Unternehmen ans Herz legen, dass sie die Digitalisierung auf allen Ebenen annehmen.“ Ähnlich hat auch Google mit lokalen Partnern eine Initiative geschaffen, um Unternehmen und Privatpersonen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Und auch die Telcos haben entsprechende B2B-Angebote und -Initiativen in der Tasche.

Denn neben dem Staat, dem Bildungsbereich und jedem Einzelnen sind vor allem die Unternehmen gefordert, Prozesse zu digitalisieren, die Kundschaft online zu adressieren und schließlich ihr Business digital grundlegend zu transformieren, wie Elisabeth Rettl sagt: Hier sieht sie auch zum Beispiel Potenzial in datenbasierten Analysen zur Entscheidungsfindung, wie etwa mit Bewegungsstromanalysen für Branchen wie den Handel, den Tourismus oder Verkehrsbetriebe. Abschließend wagt sie noch den Blick in die Zukunft: „Wenn wir historisch zurückblicken – dann kann man, denke ich, jetzt schon sagen -, wird das Pandemie-Jahr 2020 als endgültiger Aufbruch in die digitale Ära betrachtet werden“, sagt die Managerin: „Im Beruflichen wie im Privaten.“

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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