20.05.2025
STAATSPREIS

Forschungsteam der ÖAW entwickelt Alternative zu Tierversuchen

Durch eine wissenschaftliche Methode von Forscher:innen der ÖAW können künftig neue Behandlungsstrategien für Patient:innen entwickelt und die Versuche an Tieren allgemein reduziert werden.
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Die Preisträger:innen Dr.in Catarina Martins-Costa, Dr.in Nina Corsini und Univ.-Prof. Dr. Jürgen Knoblich vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner bei der Übergabe des Staatspreises.
Die Preisträger:innen Dr.in Catarina Martins-Costa, Dr.in Nina Corsini und Univ.-Prof. Dr. Jürgen Knoblich vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner bei der Übergabe des Staatspreises. (c) Bundeskanzleramt

Im medizinischen Bereich sind Tierversuche bislang unverzichtbar: Häufig werden beispielsweise Ratten oder Mäuse als Versuchstiere gebraucht. Die Gehirne von diesen Nagetieren ähneln jenen vom Menschen in den Strukturen. Dennoch ist es ein langfristiges Ziel, Tierversuche vollständig zu ersetzen. Das ist auch in der europäischen Tierversuchs-Richtlinie sowie dem österreichischen Tierversuchsgesetz vorgeschrieben.

Neue Behandlungsmethoden

Ein Forschungsteam von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), genauer vom Institut der Molekularen Biotechnologie (IMBA), nimmt sich der Sache an. Catarina Martins-Costa, Nina Corsini und Jürgen Knoblich entwickelten eine Alternative zu Tiermodellen.

Sie entwickelten ein Gehirnorganoid-Modell, durch das die Entwicklung des Corpus Callosum – ein Teil des Gehirns – nachgebildet wird. Organoide sind Zellverbände, die sich im Labor herstellen lassen und dreidimensionale, wenige Millimeter große Strukturen ausbilden können. Sie ähneln jenen eines echten Organs.

Durch dieses Organoid ist es den Wissenschafter:innen gelungen, eine Methode zu schaffen, die ohne Tierversuche auskommt und durch die auch neue Behandlungsstrategien entwickelt wurden. Martins-Costa, die Erstautorin der ausgezeichneten Studie, zur Relevanz ihrer Arbeit: „Diese Forschung wurde ohne Versuchstiere durchgeführt, sondern ausschließlich mittels klinischer Daten und In-vitro-Modellen. Außerdem wurden die Gehirnorganoide ohne das von Nagetieren stammende Nährmedium Matrigel hergestellt.“ Diese Methode würde „Tausenden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit helfen, Experimente direkt an menschlichem Gewebe viel zielgerichteter durchzuführen“, sagt Forscher Knoblich.

Staatspreis für Alternative zu Tierversuchen

Für die Publikation der Wissenschafter:innen wurde gestern der Staatspreis zur Förderung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen übergeben. Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner (Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung) übergab den Staatspreis an die drei Wissenschafter:innen Martins-Costa, Corsini und Knoblich.

Die Projektverwirklichung sei dank der Forschungsbedingungen am IMBA und am Vienna Biocenter sowie durch die Unterstützung der ÖAW möglich gewesen.
Durch die Verleihung dieser Auszeichnung werden die Forscher:innen darin bestärkt, auch weiterhin daran zu arbeiten, Tierversuche zu reduzieren, so Nina Corsini. Studien an Tieren sind in der medizinischen Forschung nach wie vor unverzichtbar. Der Staatspreis zur Entwicklung der Alternativen ist eine Maßnahme, die das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) zum Thema Ersatzmethoden umsetzt.

Wissenschaft fördert Innovationen

„Wissenschaft ist die treibende Kraft hinter einer besseren Zukunft: Sie gibt Antworten auf drängende Fragen, fördert Innovationen und stärkt unsere Demokratie. Indem wir diese wegweisenden wissenschaftlichen Leistungen ins Licht der Öffentlichkeit rücken, tragen wir dazu bei, Wissenschaft stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden. Der Staatspreis soll alle Forschenden bestärken, ihr Engagement in diesem so wichtigen Bereich auch in Zukunft fortzusetzen“, so Bundesministerin Holzleitner.

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Mathias Lipp-Rosenthal, Gründer der KI Schmiede | Foto: Lipp-Rosenthal

Das im August veröffentlichte Gesamtstaatliche Lagebild 2026 des Krisensicherheitsberaters im Bundeskanzleramt enthält einen Satz, der bislang wenig Beachtung fand: Angesichts der Cyberbedrohung rücke digitale Souveränität weiter in den Fokus der nationalen Sicherheit. Daraus leitet es eine unbequeme Handlungsoption ab, nämlich die Förderung von EU-Anbietern und den Verzicht auf externe Anbieter bei künftigen Beschaffungen. Im (ersten) Lagebild 2025 kam der Begriff nicht vor. Aus einem Standortthema wurde binnen eines Jahres eine Sicherheitsfrage.

Der Ist-Zustand ist bekannt. Verwaltung und Wirtschaft in Österreich laufen weitgehend auf Infrastruktur dreier US-Konzerne. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die diese Unternehmen verarbeiten, unabhängig vom Standort des Rechenzentrums. Als Microsoft im Frühjahr 2025 plötzlich das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte, wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit einer digitalen Grundleistung an einer Entscheidung außerhalb Europas hängen kann. Die Leistungsfähigkeit der Hyperscaler steht außer Streit. Zu klären ist, welche Funktionen ein Staat in fremder Hand belassen kann.

Vorbilder im öffentlichen Sektor

Das Österreichische Bundesheer hat mit der Umstellung auf LibreOffice die Kontrolle über einen zentralen Arbeitsplatzbaustein zurückgeholt, die Schweizer Armee migriert ihr Kommando Cyber auf openDesk.

Am weitesten gehen die Niederlande. Dort stellt die Regierung die gesamte Bundesverwaltung auf digitale Souveränität um. Seit Juli 2026 ist von US-Clouds für E-Mail und Dokumente abzuraten, Daten müssen in Europa bleiben und für jeden Dienst muss ein Ausstiegsplan vorliegen.

Sicherheit als Grundbedürfnis der Wirtschaft

Die Frage stellen sich zunehmend auch heimische Unternehmen. Sie wollen wissen, ob ihre Daten in Europa liegen, wer darauf zugreifen kann und ob der Dienst, auf dem ihr Tagesgeschäft läuft, morgen noch verfügbar ist. Souverän zu arbeiten heißt für sie vor allem, Sicherheit zu haben: dass Daten nicht von Drittstaaten abgegriffen werden können und dass sie sich auf die Infrastruktur, die ihr Geschäft trägt, tatsächlich verlassen können.

Anbieter, die diesen Wechsel möglich machen, gibt es in Österreich und Europa bereits. Sie stellen Rechenleistung, Plattformdienste und KI-Modelle bereit, die europäischem Recht unterliegen und deren Betrieb nachvollziehbar bleibt. Was ihnen fehlt, ist nicht die Kompetenz, sondern die Nachfrage, die sie in jene Größe trägt, in der sie für den Mittelstand zur echten Option werden.

Mehr als ein Hackathon

Im Mai 2026 haben das Bundeskanzleramt und die TU Austria dazu einen Public AI Hackathon veranstaltet. In 48 Stunden entwickelten 25 Talente Prototypen für die öffentliche Verwaltung, präsentiert vor Staatssekretär Alexander Pröll und einer Jury aus Verwaltung, Politik und Forschung. Das Format zeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Staat und Nachwuchs vorhanden ist. Es zeigt auch, wo die Grenze liegt. Zwei Tage Hackathon ersetzen keine Strategie, mit der die Startup-Szene dauerhaft in den Aufbau souveräner Infrastruktur eingebunden wird. Auf einen Prototyp sollte eine Beschaffung folgen, auf eine Veranstaltung ein Förderprogramm, auf ein Teilnahmezertifikat ein zahlender Kunde.

Der Hebel heißt öffentliche Nachfrage

Genau hier liegt der Hebel für Österreich. Öffentliche Nachfrage entscheidet, ob heimische Anbieter jene Größe erreichen, die sie brauchen, um für die Wirtschaft eine echte Option zu sein. Wenn Bund, Länder und Förderstellen gezielt bei europäischen und österreichischen Anbietern beschaffen, stärkt das deren Marktposition und signalisiert der gesamten Startup-Branche, dass sich Investitionen in souveräne Technologie lohnen. Souveränität und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch, sie bedingen einander: Wer die Kontrolle über seine Infrastruktur behält, kann auf ihr aufbauen, statt sie nur zu mieten.

Für Österreich heißt das, die Empfehlung des Lagebilds über einzelne Prototypen hinaus zu denken. Jede Ausschreibung, jedes Förderprogramm und jede Anschlussfinanzierung entscheidet mit darüber, ob die österreichische Startup-Branche zu jenem Anbieter heranwächst, von dem Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Mittelstand in zehn Jahren abhängen können. Wer Gründerinnen und Gründer heute mit mehr als einem Zertifikat ausstattet, entscheidet mit über die technologische Souveränität von morgen.


Über den Gastautor:

Mathias Lipp-Rosenthal ist Gründer der KI Schmiede, einer im Juni 2026 gestarteten Beratung, die Unternehmen im DACH-Raum bei der Einführung und Schulung von KI begleitet. Zuvor war er stellvertretender Klubdirektor der Neos und Mitgründer von Voter AI; die Gründung der KI Schmiede hat brutkasten hier bereits vorgestellt.

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