28.04.2021

Millionen-Exit: Geizhals übernimmt tarife.at

Maximilian Schirmer hat tarife.at bereits als Schüler entwickelt und ist bis zum Exit alleiniger Gesellschafter geblieben.
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Maximilian Schirmer hat tarife.at bereits als Schüler entwickelt © Harald Lachner
Maximilian Schirmer hat tarife.at bereits als Schüler entwickelt © Harald Lachner

Das Preis-Vergleichsportal Geizhals übernimmt mit tarife.at das größte Mobilfunk-Vergleichsportal in Österreich. Bei dem Deal ist eine Summe in mittlerer siebenstelliger Höhe geflossen. Tarife.at wird von der neuen Mutter als eigenständiges Portal weitergeführt und auch der Gründer Maximilian Schirmer bleibt an Bord. Der heute 29-Jährige hat den Grundstein für tarife.at bereits als Schüler gelegt und noch vor der Matura sein erstes Unternehmen gegründet. Bis zum Exit war das 2017 als GmbH gegründete Unternehmen eigenfinanziert.

Team bleibt erhalten, Daten werden verknüpft

„Die Garantie der Kontinuität war ausschlaggebend für mich. Geizhals gewährleistet den Fortbestand der eigenständigen Marke, die ich weiterhin als Geschäftsführer verantworte“, sagt Schirmer. Auch das Team von tarife.at soll vollständig erhalten bleiben. Es gehe rein um eine „wirtschaftliche“ Integration in die Preisvergleich Internet Services AG, die hinter Geizhals steht, und eine Verknüpfung der Datensätze. „Durch die Übernahme des führenden Vergleichsportales im Telekombereich erweitern wir unsere Zielgruppe. Wir bringen zusammen, was zusammengehört und ergänzen unsere Produktvergleiche um die dazugehörigen Tarife“, so Markus Nigl, Vorstandsvorsitzender von Geizhals. 

Tarife.at rechnet mit 30 Prozent Wachstum

Tarife.at weist rund 350.000 Nutzer pro Monat aus, die im Vorjahr über das Portal mehr als 50.000 Verträge abgeschlossen haben. 2020 habe tarife.at den Umsatz verdoppelt. Das Unternehmen sieht nach wie vor einen Boom-Markt – je nach Anbieter würden derzeit etwa 25 Prozent der Vertragsabschlüsse online erfolgen. Der Trend gehe zu kürzeren Bindungsfristen und SIM-only-Angeboten. Dadurch rechnet tarife.at für 2021 mit einem Wachstum von 30 Prozent auf mindestens 80.000 Vertragsabschlüsse.

Die neue Mutter, Geizhals.at, gibt es seit 1997. Im Jahr 2000 wurde die Preisvergleich Internet Services AG gegründet, die mittlerweile über zwei Portale in Deutschland und Österreich rund 12 Millionen Nutzer pro Monat ausweist. Im Vorjahr ist Geizhals bereits mit 30 Prozent bei dem Strom- und Gas-Vergleicher Compera.at eingestiegen. Bereits 2016 übernahm Geizhals das Startup Ciuvo, das ein Browser-Add-on für Preisvergleiche anbietet.

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BodyWision
© zVg - Kasra Seirafi (l.) und André Seirafi.

„Niemand geht öfter zum Arzt als der Österreicher oder die Österreicherin.“ Auf diese Erkenntnisse kam die „Agenda Austria“ in einem im April 2026 veröffentlichten Bericht. Demnach verzeichnete Österreich im Jahr 2023 die meisten Arztkontakte pro Kopf im europäischen Vergleich (aktuellere vergleichbare Daten liegen noch nicht vor). Mit dreizehn Kontakten jährlich liegt Österreich damit vor der Slowakei und Deutschland.

Als Folge davon entstehen für jeden Menschen immer mehr Daten: Laborwerte, Befunde, Arztbriefe, Diagnosen, Medikamente, Spitalsberichte und vieles mehr. Das Problem dabei sei nicht der Mangel an Informationen, sondern ihre fehlende Verbindung, mein man beim Wiener Startup BodyWision. Gesundheitsdaten liegen verstreut in Arztpraxen, Spitalssystemen, E-Mails, Papierordnern und Portalen. Gleichzeitig sind Befunde für viele Menschen schwer verständlich und ohne Zusammenhang kaum einzuordnen. Das Unternehmen möchte dies mit seiner App-Plattform ändern.

BodyWision inklusive AI-Health-Coach

Die Anwendung soll Menschen dabei helfen, Befunde und medizinische Dokumente per Scan oder Upload sicher zu verwahren, besser zu verstehen und für Arztbesuche, Vorsorge und ein gesünderes Leben nutzbar zu machen. BodyWision verbindet dabei einen privaten digitalen Gesundheitssafe mit einem persönlichen AI Health Coach — mit Fokus auf Datenschutz, Datensouveränität und europäische Infrastruktur, wie es heißt.

„Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, wie AI und neue Technologien Menschen dabei unterstützen können, selbstbestimmt mit ihrer Gesundheit umzugehen“, sagt Kasra Seirafi, Co-Founder von BodyWision. „Wenn Menschen ihre verstreuten Gesundheitsdaten wirklich nutzen können, dann verändert das alles. Denn mit BodyWision verwahre und verstehe ich nicht nur meine Befunde. Ich bekomme individuelle Orientierung für Vorsorge und Health-Checkups, kann Fragen stellen und mich auf Arztgespräche vorbereiten. Im Gegensatz zu Google oder ChatGPT werden Antworten und Orientierungshilfen personalisiert auf Basis meiner aktuellen Gesundheitsdaten erstellt.“

Keinen Arzt ersetzen

Dabei ersetzt BodyWision keine Ärzte, vielmehr will die Plattform die Verbindung zwischen Patient:innen und Ärzt:innen stärken. Eine „Patient Summary“ kann auf Knopfdruck erstellt und mit Ärzt:innen geteilt werden. Diese strukturierte Zusammenfassung inklusive Vorbefunde wird eigenen Angaben zufolge dynamisch generiert und individuell auf den nächsten Arztbesuch zugeschnitten.

„Ärzt:innen haben oft sehr wenig Zeit, müssen aber komplexe Informationen schnell erfassen“, sagt André Seirafi, ebenfalls Co-Founder von BodyWision. „Wenn Patient:innen mit BodyWision besser vorbereitet sind, können wichtige Informationen schneller verfügbar sein. So kann sich die gemeinsame Behandlungszeit stärker auf das Wesentliche konzentrieren.“

BodyWision als europäische Alternative?

Allgemein versteht sich BodyWision als europäische Alternative zu gängigen US-Plattformen – sie soll Menschen ermöglichen, ihre Gesundheitsdaten sinnvoll zu nutzen, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren: „Für uns war vom ersten Tag an klar, Gesundheitsdaten gehören den Menschen, nicht Plattformen oder Konzernen“, so André Seirafi weiter. „Unser Anspruch ist es, eine kompromisslos datensouveräne Sicherheitsarchitektur für die persönliche Nutzung von Gesundheitsdaten zu entwickeln.“

Bei BodyWision werden deshalb Befunde und Dokumente in einer persönlichen Health-Wallet verschlüsselt und lokal geschützt. Persönliche Gesundheitsdaten werden nicht verkauft, nicht zu Werbezwecken weitergegeben und nicht für das Training allgemeiner AI-Modelle verwendet, so der Claim.

Ab Juli beginnt die erste Early-Access-Phase. Registrierte Nutzer:innen können BodyWision als frühe Version testen. Perspektivisch ist ein Abo-Modell geplant.

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