16.05.2018

Tabs or Spaces: Korotaeva wird CEO von neuem Developer-HR-Startup

Die WeAreDevelopers Co-Founder Benjamin Ruschin, Thomas Pamminger und Sead Ahmetovic bringen mit Tabs or Spaces ein neues Consulting-Startup, das auf Developer-Recruiting spezialisiert ist. Geschäftsführerin wird Natalie Korotaeva.
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Tabs or Spaces
© Tamás Künsztler: Benjamin Ruschin, Natalie Korotaeva, Sead Ahmetovic und Thomas Pamminger

„Tabs or Spaces?“ – unter Codern ist die Frage, ob in bestimmten Fällen die Leertaste oder die Tabulator-Taste genutzt werden soll, seit langem strittig. Sie ist dabei auch zu einer Art Running Gag geworden. Nun gibt sie einem neuen in Wien gegründeten Startup den Namen. Die drei Co-Founder sind in der Developer-Szene alles andere als unbekannt. Benjamin Ruschin, Thomas Pamminger und Sead Ahmetovic sind auch Co-Founder von WeAreDevelopers, das diese Woche mit dem World Congress die nach eigenen Angaben größte Entwicklerkonferenz Europas veranstaltet. Mit Tabs or Spaces will man einen anderen Aspekt im gleichen Feld abdecken. Man werde mit dem Consulting-Startup „Unternehmen dabei unterstützen, eine zielgerichtete Strategie zur richtigen Ansprache von Developern zu entwickeln“, heißt es in einer Aussendung.

+++ WeAreDevelopers World Congress: Mehr als 8000 Teilnehmer erwartet +++

Natalie Korotaeva als CEO

Die Geschäftsführung wir mit Natalie Korotaeva ebenfalls eine Größe aus der heimischen Developer-Szene übernehmen. Die UX-Design-Spezialistin ist unter anderem Leiterin des Facebook Developer Circle Vienna. „Ich war im Silicon Valley unterwegs und habe mir die Recruiting-Strategien führender Technologiefirmen angesehen. Diese gesammelten Learnings möchte ich optimieren und weitergeben, und das speziell in Europa“, wird Korotaeva in der Aussendung zitiert.

„WeAreDevelopers ist keine Beratungsfirma“

Co-Founder Ruschin erklärt, warum man das neue Service nicht im Rahmen des bestehenden Unternehmens anbietet: „WeAreDevelopers ist ein Startup mit skalierbaren Produkten. Wir sind keine Beratungsfirma und haben auch nicht vor es zu werden. Aus diesem Grund wird die Beratung in ein neues Unternehmen ausgelagert. Mit Natalie haben wir eine erfahrene Tech-Spezialistin an Bord geholt, die das Unternehmen erfolgreich managen wird, während wir uns voll und ganz weiter auf unser Business bei WeAreDevelopers konzentrieren können“.

Konzerne und Startups als Zielgruppe für Tabs or Spaces

Mit Tabs or Spaces wolle man sowohl große internationale Tech-Konzerne als auch Startups ansprechen. Das Unternehmen lege einen besonderen Fokus auf die Erschließung der Märkte USA, UK, Deutschland und Niederlande. „Viele Firmen haben keine richtige Strategie, um mit Developern gezielt in Kontakt zu treten und sie für das eigene Unternehmen oder Produkt zu begeistern. Auch ein Großteil unserer Kunden bei WeAreDevelopers steht vor dieser Herausforderung und benötigt Hilfestellung bei der Ansprache von Developern und IT-Spezialisten“, sagt Ruschin.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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