05.02.2025
INVESTMENT

Synaps: Wiener PropTech sichert sich für erste Beta-Version 1,4 Mio. Pre-Launch-Investment

Das Wiener PropTech Synaps gibt eine Pre-Launch-Runde in Höhe von 1,4 Millionen Euro bekannt. Und bezieht ein neues Wiener Office.
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Synaps
©Synaps - Kevin Cobaj (l.) Brendon Ahmeti und Agron Bajraktari (r.) von synaps.

Synaps ist ein Wiener PropTech, das in die Fußstapfen von Planradar und Propster treten möchte – brutkasten berichtete. Das Startup von Brendon Ahmeti (CEO), Agron Bajraktari (CTO) und Kevin Cobaj (COO) startet nun sein Beta-Programm des kollaborativen Architekturplanungs-Tools und gewährt damit erstmals ganz offiziell Einblicke in das erste Produkt.

Synaps: Canva und Miro als Vorbilder

„Was Figma für Produktdesign, Canva für Grafikdesign und Miro für Brainstorming ist, will Synaps zukünftig für architektonisches Design werden“, heißt es per Aussendung. Zeitgleich gibt das Startup ein bereits abgeschlossenes, siebenstelliges Pre-Launch-Investment in Höhe von 1,4 Millionen Euro bekannt.

Neben namhaften Business Angels von Ex-JP Immobilien-CEO Martin Müller bis zum Silicon-Valley-CEO Fredik Björk (Grafbase) ist auch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) mit an Bord.

Neues Office

Abgerundet werden diese Neuigkeiten durch das neue Synaps-Office beim Wiener Schwarzenbergplatz. Von dort will man nun in schnellen Schritten die nächsten Kapitel schreiben: Der Komplett-Beta Launch sämtlicher Funktionen bis Mai und ein AI-Feature sowie eine weitere Finanzierungsrunde bis Herbst 2025 stehen am Fahrplan, wie man mitteilt. Die Warteliste von über 8.000 registrierten Branchen-Interessenten bekomme ab sofort „Zug um Zug Zugriff auf Synaps“.

Zur Mission von Synaps gehört es, die Bauplanungs- und Architektur-Software zu revolutionieren, nachdem Platzhirsch AutoCAD der Firma Autodesk in den letzten bald 40 Jahren Innovation kaum mehr forciert hat, wie die Gründer meinen. Mangels zeitgemäßer Features wie kollaborativer Zusammenarbeit in Echtzeit, intuitiver Bedienung, browserbasierter Zugriff oder einer aktiven Community falle AutoCAD de facto schrittweise immer mehr aus der Zeit.

Genau dieses Marktversäumnis möchte sich jetzt Synaps zu Nutze machen. Der Megatrend und das Aufkommen von Real Time kollaborativen Tech-Startups quer über alle Sektoren hinweg verleihe dem Wiener Unternehmen hier noch zusätzlich Rückenwind.

„Ineffizienz in der Bauplanung“

Neo-Investor Martin Müller, zu seinem PropTech-Investment (zuvor in Rendity, Trovato und Puck investiert) und den Gründen für den Einstieg bei Synaps: „Nach mehr als 20 Jahren in der Immobilienbranche und mit IT-Background kenne ich die unglaubliche Ineffizienz in der Bauplanung. Synaps hat alle Attribute und auch das passende Team, diesem Chaos bei der täglichen Zusammenarbeit aller Stakeholder ein Ende zu bereiten. Das Produkt hat großes Skalierungspotential und könnte damit auf Sicht auch global reüssieren.“

Wobei es für Synaps global auch starke Konkurrenz gibt: Rayon aus Frankreich etwa bewege sich hier in einem ähnlichen Feld. Ob sich da am Horizont ein Duell anbahnt, ist für Ahmeti zweitrangig: „Fakt ist, wir bauen ein starkes Produkt mit großer Ressourceneffizienz und haben ein tiefes Verständnis für die Branche und unsere Kunden. Mehr noch, es ist ein Beweis und eine Motivation dafür, dass es einen enormen Bedarf an Innovation in unserem Bereich gibt.“ Während sich das Pariser Startup vor allem auf die Anfangsphasen des architektonischen Entwurfs fokussiere, decke Synaps die komplette Projekt-Pipeline ab, so der Tenor.

Gründer fürchten Konkurrenz nicht

Dass auch Marktführer AutoCAD schnell nachziehen könnte, hält Synaps-CPO Cobaj vorerst für unwahrscheinlich: „AutoCAD kann das von seinem Grundaufbau gar nicht bewerkstelligen und müsste sein Produkt fast von null weg neu aufziehen. Die gesamte Software-Architektur ist auf Desktop ausgelegt, darauf immer weitere Features hinzuzufügen. Dadurch wurde es im Laufe der Jahre sehr schwerfällig, noch komplexer und schwerer erlernbar. Gefühlt braucht man für AutoCAD viele Monate oder eher Jahre um es voll zu beherrschen, bei Synaps wird es sich um Tage handeln“, sagt er.

Und weiter: „Autodesk hat auch ein funktionierendes Geschäftsmodell und sieht daher keinen zwingenden Bedarf für Innovation in diesem Bereich. Läuft es wie geplant, dann sollten wir auf jedem Gelände bald leichter und wendiger sein. Wir bieten also dann im Vollausbau die alten, aber auch gänzlich neue Features und das dann bei einem massiv besseren Preis-Leistungsverhältnis.“

Synaps: Fokus auf Entwicklung

Der Fokus bei Synaps liegt dementsprechend derzeit auf der weiteren Produktentwicklung. Mit dem aktuellen ersten Beta-Launch in deutscher und englischer Sprache werden nun vor allem geometrische Formen und ihre Operationen sowie Echtzeit-Kollaboration (CAD-Tools) als Funktionen im Vordergrund stehen. Mit der Beta-Vollversion noch im Laufe des zweiten Quartals 2025 sollen noch vor dem Sommer weitere Funktionen wie Wände, Fenster, Türen und sämtliche Post-Production-Tools für ein vollwertiges Produkt zur Verfügung stehen.

„Wir haben einen Multiplayer-Editor entwickelt, der so einfach und intuitiv funktioniert wie das Verwenden eines Bleistiftes“, sagt Ahmeti. Synaps vereint, eigenen Angaben nach, damit nicht nur architektonische und bauplanerische Elemente, sondern in Zukunft auch komplexe Post-Production-Features (u.a. Ebeneneffekte wie Schatten, Licht und Unschärfe, Mischmodi oder Pinsel und Zauberstab). Diese sollen es User:innen ermöglichen, mit wenig Aufwand architektonische Pläne und Präsentationen zu entwerfen.

Synaps legt Fokus auf KI

Nach der Produkt-Vollversion bis Sommer 2025 soll ein voller Fokus auf Künstliche Intelligenz gelegt werden. Aktuell wird im Stealth-Modus ein neuartiges Produkt-AI-Feature entwickelt, dessen Launch aus der Sicht von Synaps „das Zeug zu einem echten Gamechanger für die gesamte Branche des architektonischen Designs hat“. Geplanter Start ist der Herbst 2025 und parallel dazu steht im gleichen Zeitraum der Abschluss der nächsten Seed-Investmentrunde am Plan, um den breiten Markteinstieg zu finanzieren.

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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

„Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“

Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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