28.03.2018

Streaming, Gaming & Vermarktung bei Online Marketing Rockstars

Die Konferenz aus Hamburg lockt in diesem Jahr 40.000 Besucher an und zelebriert ihren Namen mit Acts wie Marteria oder Deichkind. Im Streamhaus spielen youTuber wie Unge und ESL-Chef Ralf Reichert spricht über das Wachstum der eSports-Szene.
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Online Marketing Rockstars
(c) Online Marketing Rockstars

In sechs Hallen traf sich vergangene Woche zwei Tage lang die Online-Marketing-Branche in der Messe Hamburg. Rund 300 Aussteller waren auf einer Fläche von 65.000 Quadratmetern mit eigenen Ständen vertreten. Darunter waren Branchengrößen wie Facebook, Google, Twitch oder Adobe, aber auch Medienhäuser wie Ströer oder Springer zeigten Präsenz. Neben der Expo für das breite Publikum fand an den zwei Tagen der „Online Marketing Rockstars“ auch eine Konferenz für Fachpublikum mit 7000 Besuchern statt.

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Datenschutz zwischen Gaming und der Macht von Branchenriesen

Inhaltlich war das Festival breit aufgestellt. So diskutierte EU-Kommissar Andrus Ansip mit Springer-Chef Mathias Döpfner über e-Privacy und DSGVO neben einem Vortrag von Patrick Steppe, der mit Lekkerland täglich 58.600 Tankstellen, Einzelhandel oder Kantinen beliefert und über kontaktloses Bezahlen an der Zapfsäule spricht. In einer Podiumsdiskussion geht es um die Macht der Branchenriesen Amazon, Facebook, Google und Apple. Dazu kommen Sammelsurien an Vorträgen über Influencer Marketing, Data Analytics-Themen, Conversion Optimierung oder Alexa Skills.

Online Marketing Rockstars
(c) Online Marketing Rockstars

Viel los ist bei Ralf Reichert, als er im Interview über den Erfolg der ESL und Geschäftsmodelle des Gamings spricht. Voll ist es auch immer am Streamhaus, wo neben Unge noch andere youTuber und Streamerinnen abwechselnd zocken. Neben Expo und Konferenz bot das Festival Besuchern 120 Masterclasses zum Reinschnuppern in verschiedene Themen und 40 Guided Tours, um sich zielorientiert über die Messe führen zu lassen.

Online Marketing Rockstars: Ein Festival für das branchenfremde Publikum

Im Fokus stand ansonsten das Entertainment-Programm. Auf zwei größeren Bühnen fanden sich zwischen den Vorträgen immer wieder bekannte Musikacts oder Influencer ein, um Stimmung in die Halle zu bringen. Die Aussteller präsentierten sich mit klarem Sales-Fokus im Kosmos zwischen Vermarktung und SAAS-Produkten für Analytics, Marketing Automation oder Conversion Optimierung. Mit More than Metrics aus Innsbruck und Emarsys waren nur zwei österreichische Unternehmen vor Ort präsent.

Am Abend feierten die Gäste auf der Expo-Party mit Künstlern wie Bausa und Oli P. Viel neues für die Branche bot das Festival damit nicht, das branchenfremde Publikum hatte aber ganz offensichtlich seinen Spaß dabei. „Ich bin echt zufrieden, wie die beiden Tage gelaufen sind“, sagt dazu Gründer und Veranstalter Philipp Westermeyer kurz und knapp.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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