30.03.2026
VC-LANDSCHAFT

Stellenabbau bei Speedinvest: „Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“

Der Wiener Frühphasen-Investor Speedinvest trennt sich von zehn Prozent seiner Belegschaft. Gegenüber brutkasten äußert sich der VC zu den Hintergründen des Stellenabbaus.
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(c) Speedinvest: Oliver Holle

Am Wochenende berichtete das Branchenmagazin Sifted über einen Stellenabbau beim österreichischen Venture-Capital-Fonds Speedinvest. Demnach trennt sich der Investor von rund zehn Prozent seiner Belegschaft. Managing Partner Oliver Holle erklärte den Schritt dort unter anderem mit dem hohen administrativen Aufwand: „Es ist völlig absurd, wie viel manuelle Arbeit im Backoffice eines Fonds noch anfällt.“

Statement von Speedinvest

Auf eine Anfrage des brutkasten, welche der Standorte – Speedinvest unterhält neben dem Hauptsitz in Wien auch Büros in Berlin, München, London, Paris und Abu Dhabi – konkret von dem Stellenabbau betroffen sind, ging das Unternehmen nicht im Detail ein. Wie viele Mitarbeiter:innen in absoluten Zahlen vom Abbau betroffen sind, ließ Speedinvest auf Anfrage ebenfalls offen.

Zur Einordnung der Hintergründe teilte Speedinvest stattdessen mit, man habe entschieden, „Teile des Teams zu verschlanken“. Dies sei Teil eines umfassenderen Prozesses, die Organisation und Arbeitsweise gezielt weiterzuentwickeln. Weiters heißt es: „Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wir sind den betroffenen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar, die eine wichtige Rolle beim Aufbau von Speedinvest gespielt haben.“

KI-Einsatz im Backoffice

In der Stellungnahme führt Speedinvest weiter aus, dass die Firma neu ausgerichtet werde. Man setze künftig auf einen klareren Fokus und mehr Seniorität im Team. Ein zentraler Schwerpunkt liege auf dem gezielten Einsatz von Technologie, einschließlich KI, um Arbeitsprozesse plattformweit effizienter zu gestalten und besser zu skalieren. Speedinvest bezeichnet die Entscheidung als „langfristige, strategische Weichenstellung“. Man habe sich den Schritt nicht leicht gemacht und sei den betroffenen Mitarbeiter:innen für ihre Rolle beim Aufbau des Unternehmens dankbar.

Fluktuation und aktuelles Fundraising

Wie Sifted unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter:innen berichtet, gab es bei Speedinvest bereits zuvor personelle Veränderungen. Demnach hätten in den vergangenen zwölf Monaten bereits weitere zehn Prozent des Teams das Unternehmen verlassen.

Die aktuelle Umstrukturierung fällt in eine Phase laufender Kapitalmaßnahmen. Speedinvest befindet sich derzeit im Fundraising für neue Fonds, darunter auch der neue Flaggschifffonds Speedinvest V. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres gab der VC bekannt, 60 Millionen Euro für zwei neue Speedinvest-Fonds aufgestellt zu haben. Zuletzt folgte zudem die Meldung, dass die EIB Global 40 Millionen Euro in den Speedinvest Africa Fund investiert.

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Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Um Bekanntheit zu erlangen, ist Auffälligkeit durchaus von Nutzen. Beim Grazer Unternehmen Emerald Horizon ist diese Auffälligkeit so etwas wie der rote Faden, der sich durch die Unternehmensstrategie zieht. Denn nicht nur sorgt man mit dem geplanten Produkt – Thorium- und Teilchenbeschleuniger-basierten Miniatomkraftwerken – für Aufsehen (brutkasten berichtete). Auffällig sind auch Personalbesetzungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer, der seinerseits kürzlich durch eine Alkohol-Eskapade öffentlich negativ auffiel. Und besonders auffällig war natürlich der Börsengang im Juni – brutkasten berichtete.

Österreichs nächstes Unicorn?

Nach diesem ist Emerald Horizon aktuell übrigens an der Börse mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Darüber, ob das Grazer Unternehmen nun Österreichs nächstes Unicorn ist, lässt sich dennoch streiten, nachdem die Bewertung auf vergleichsweise wenigen Trades basiert. Der Börsengang war nämlich nur ein Listing und kein IPO (Initial Public Offering). Es wurden also keine Aktien emittiert, was üblicherweise zu einer breiteren Bewertung durch den Markt führt.

Gründer Florian Wagner will selbst investieren

Statt Kapital von außen aufzunehmen, fiel Gründer und CEO Florian Wagner Ende Juni mit einer anderen Ankündigung auf: Er selbst werde 20 Millionen Euro in vier Tranchen zu je fünf Millionen Euro über einen Zwei-Jahres-Zeitraum in Emerald Horizon investieren. Er behielt sich dabei vor, dass Co-Founder Philipp Pölzl und Investor Carl Page als Co-Investoren je einen Teil der Tranchen übernehmen könnten.

Und woher kommen diese durchaus substanziellen Eigenmittel? Wagner und Pölzl betreiben mit Qbasis Invest seit mehr als 20 Jahren ein Finanzunternehmen, das laut öffentlich einsehbaren Angaben im Vorjahr aber nur rund 40.000 Euro Gewinn abwarf.

Privatdarlehen für Verpfändung von 75.000 Aktien

Mehr Aufschluss gibt wohl eine auffällige Ad-hoc-Meldung (für börsennotierte Unternehmen verpflichtende Mitteilung) von Emerald Horizon von gestern, die heute durch eine erklärende Aussendung des Unternehmens ergänzt wurde: Gründer Wagner nimmt privat ein sogenanntes Lombarddarlehen auf. Bei so einem werden Wertpapiere als Sicherheit hinterlegt. Im konkreten Fall verpfändet der Unternehmer 75.000 eigene Aktien „aus seinem Altbestand“. Diese haben aktuell einen Börsenwert von rund 76 Millionen Euro. Die bewilligte Kreditsumme liegt bei derartigen Darlehen üblicherweise erheblich unter dem Marktwert der beliehenen Wertpapiere.

„Bestandteil eines übergeordneten mehrstufigen Maßnahmenpakets“

„Die Maßnahme ist Bestandteil eines übergeordneten mehrstufigen Maßnahmenpakets. Entsprechend den kapitalmarktrechtlichen Bestimmungen wird die Gesellschaft zu gegebener Zeit über weitere Aktivitäten informieren“, heißt es dazu von Emerald Horizon. Die Mittel sollen demnach „primär direkt und indirekt zur Kommerzialisierung von DUALstorePLUS aber auch zur beschleunigten technischen Umsetzung und industriellen Überführung des ADES/SMRX-Programms verwendet werden“. DUALstorePLUS ist die Energiespeicher-Technologie, mit der Emerald Horizon bereits am Markt ist. ADES ist der Markenname der geplanten Kleinreaktoren.

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