27.02.2026
ACCUPOWER

Steirisches Unternehmen bringt ersten heimischen Natrium-Ionen-Heimspeicher auf den Markt

Das steirische Unternehmen AccuPower bringt den ersten Natrium-Ionen-Heimspeicher aus Österreich auf den Markt.
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V.l.n.r.: CEO Moritz Minarik, COO Bettina Haberler und CSO Manfred Zettl | © ACCUPOWER

Porsche, VW, Mercedes, Opel und AVL stehen auf der Referenzkundenliste des 1998 gegründeten Grazer Unternehmens AccuPower. Die Steirer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Spezialanbieter für Akku-Sonderanfertigungen zu einem internationalen Technologieunternehmen entwickelt. 2022 wurden 70 Prozent der Anteile von der Moons GmbH des damals 28-jährigen Steirers Moritz Minarik übernommen (brutkasten berichtete). 

Im Vorjahr präsentierte AccuPower die erste serienreife Natrium-Ionen-Batterie aus Europa (brutkasten berichtete). Sonderanfertigungen des Unternehmens wurden bislang in 52 Länder exportiert. Nun folgt der nächste Schritt: Mit „Natec Home“ bringt AccuPower den ersten in Österreich entwickelten Heimspeicher auf Natrium-Ionen-Basis auf den Markt.

Natrium-Ionen Speicher bald für Windparks

Der neue Speicher ist für private Photovoltaikanlagen ebenso konzipiert wie für Notstromanwendungen. Bis zu 15 Einheiten lassen sich zusammenschließen, wodurch sich das System auch für gewerbliche Betriebe oder industrielle Anwendungen eignet. Für die zweite Jahreshälfte kündigt das Unternehmen zudem zwei containerbasierte Industrielösungen an: „Natec Store“ und „Natec Store C20“. Diese Natrium-Ionen-Speicher sollen etwa in Windparks oder zur Stromversorgung entlegener Regionen eingesetzt werden.

Entwicklung und Design stammen aus Graz. „Spitzeninnovationen entstehen nicht nur im Silicon Valley, sondern auch bei uns in der Steiermark. Mit Natec Home denken wir Akkutechnologie neu und kombinieren Innovation mit Verantwortung und Nachhaltigkeit“, sagt CEO Minarik.

Nachhaltigkeit und Sicherheit

Im Zentrum steht die Natrium-Ionen-Technologie. Laut Unternehmen seien diese Akkus zu 100 Prozent brandsicher und bis zu 90 Prozent nachhaltiger als Lithium-Ionen-Batterien. Zudem gelten sie als temperaturstabil: Während herkömmliche Heimspeicher bei Minusgraden mitunter nur noch rund 30 Prozent Leistung erreichen, soll „Natec Home“ selbst bei niedrigen Temperaturen bis zu 90 Prozent liefern. Der Betrieb sei zwischen minus 30 und plus 50 Grad Celsius möglich – auch eine Aufstellung im Freien sei damit realisierbar.

Für den Hausgebrauch wird die Lebensdauer mit 20 bis 25 Jahren angegeben. „Das ist bis zu drei Mal so lange wie bei Lithium-Ionen-Speichern“, behauptet AccuPower. Selbst nach zwei Jahrzehnten sollen die Natrium-Ionen-Akkus noch mindestens 80 Prozent Restkapazität aufweisen. Mit einem Nettopreis von 3990 Euro positioniert sich der Heimspeicher im selben Segment wie vergleichbare Lithium-Ionen-Produkte.

Ganz neu ist die Technologie am heimischen Markt nicht. In Wien hat das Startup Salzstrom rund um Jürgen Ellensohn, Peter Arnold und Stefan Nolte bereits Natrium-Ionen-Akkus eingeführt. Der Unterschied: Produziert werden die Salzstrom-Produkte in Asien, während in Wien Forschung und Entwicklung angesiedelt sind (brutkasten berichtete).

Unabhängigkeit von kritischen Rohstoffen

Lithium-Ionen-Batterien gelten weiterhin als Maßstab in Sachen Energiedichte. Keine andere Technologie speichert derzeit mehr Energie auf engem Raum. Doch ihre Abhängigkeit von Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel bringt geopolitische und ökologische Herausforderungen mit sich. Diese Materialien stammen häufig aus Chile, Australien, China oder der Demokratischen Republik Kongo. Wer auf sie angewiesen ist, begibt sich in komplexe Lieferketten und politische Abhängigkeiten.

Natrium-Ionen-Speicher kommen ohne kritische Rohstoffe wie Kobalt oder Lithium aus. Natrium ist ein zentraler Bestandteil von Speisesalz (Natriumchlorid) und in Europa ausreichend verfügbar. Die Technologie gilt daher als möglicher Baustein für mehr strategische Unabhängigkeit.

„Nachhaltigkeit beginnt in der Entwicklung und dem stetigen Willen, Lösungen zu finden. Dass wir mit NATEC HOME nun in der Lage sind, Natrium-Ionen-Akkus auch für den privaten Gebrauch in Österreich anzubieten, reduziert die Abhängigkeit von seltenen und konfliktträchtigen Rohstoffen maßgeblich“, erklärt Minarik.


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3Folio
© 3Folio | Michael Schöngruber (l.) und Samuel Brandstätter von 3Folio.

Das 2022 von Michael Schöngruber und Peter Lehner gegründete FinTech-Startup 3Folio konnte im Gründungsjahr den Büronachbarn Blockpit mit Founder Florian Wimmer als Investor für sich gewinnen. Zwei Jahre danach vermeldete man den erfolgreichen Abschluss einer Seed-Finanzierungsphase mit einem Gesamtinvestment von über 700.000 Euro – brutkasten berichtete. Nun erweitert Founder Schöngruber die Geschäftsführung des Wiener Unternehmens und leitet damit eine Neustrukturierung ein: Samuel Brandstätter wird CEO und erhöht seine Beteiligung am Startup – Schöngruber wird CPO.

3Folio: Neue Eigentümer-Struktur

Die bisherige Eigentümerstruktur setzte sich laut wirtschaft.at wie folgt zusammen: Schöngruber hielt knapp mehr als 30 Prozent der Anteile, dicht gefolgt von Blockpit, das ebenfalls auf etwas mehr als 30 Prozent kam. Brandstätters Beteiligung lag dagegen bei unter einem Prozent. Wie der neue CEO brutkasten bestätigte, gab das Scaleup von Florian Wimmer nun einen beträchtlichen Teil seiner Anteile ab, „um die Neustrukturierung zu unterstützen“. Dadurch stieg Brandstätter mit einer Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zum zweitgrößten Gesellschafter von 3Folio auf. Über die Höhe des Investments vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen.

Brandstätter übernimmt ab sofort die Verantwortung für das Gesamtunternehmen mit besonderem Schwerpunkt auf Commercial, Finance, Organisation, Internationalisierung und operativer Umsetzung. Schöngruber steuert weiterhin die Produktvision, Produktstrategie sowie die Innovations- und AI-Agenda.

Mit der erweiterten Führungsstruktur möchte 3Folio die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Im Fokus bleiben Steuerberatungskanzleien und ihre Klienten, insbesondere institutionelle Krypto-Investoren. Zugleich will das Startup künftig verstärkt MiCA-regulierte Kryptobörsen und Finanzdienstleister mit einer leistungsfähigen Infrastruktur für Accounting, Regulatory Reporting und Steuerprozesse rund um digitale Assets unterstützen.

Ziel: Neue Märkte

In den vergangenen knapp fünf Jahren hat 3Folio eine Plattform für die steuerliche, buchhalterische und regulatorische Verarbeitung digitaler Assets aufgebaut und im Markt validiert. Auf dieser Basis will das Unternehmen nun seine Position bei Steuerberatern, Crypto-Asset Service Providern (CASPs) und Finanzdienstleistern ausbauen und in weitere Märkte expandieren.

„Als Founder muss man erkennen, welche Fähigkeiten ein Unternehmen in der jeweiligen Phase braucht. Entscheidend ist, die richtigen Personen dort einzusetzen, wo sie den größten Hebel haben. Wir haben eine starke technologische Basis für institutionelle Akteure im Kryptomarkt geschaffen, die regulatorische Compliance von Beginn an mitdenkt. Jetzt wollen wir diese Technologie über Grenzen hinweg skalieren. Samuel bringt dafür genau die Erfahrung mit, die wir brauchen“, sagt Schöngruber.

Mit Brandstätter im Team könne sich der Gründer noch stärker auf jene Bereiche konzentrieren, in denen er für 3Folio den größten Wert schaffen kann: Produkt, Technologie und Innovation, erklärt er: „Wir haben tiefes technologisches und fachliches Know-how in den Bereichen Blockchain-Daten, Tax, Accounting und regulatorisches Reporting aufgebaut. Daraus ist eine Plattform entstanden, die konsequent auf die regulatorischen und operativen Anforderungen im Umgang mit digitalen Assets ausgerichtet ist. Samuel baut mit uns nun die Organisation, mit der wir diese Plattform international etablieren und skalieren können. Gemeinsam mit unserem Team entwickle ich das Produkt, mit dem wir diesen Markt gestalten und gewinnen wollen.“

3Folio-CEO hat Skalierbarkeit im Fokus

Brandstätter selbst verfügt über langjährige Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung von B2B-Softwareunternehmen in regulierten Märkten. Er gründete den Governance-, Risk- und Compliance-Softwareanbieter avedos und entwickelte ihn zu einem Anbieter für Banken, Versicherungen und internationale Unternehmen. 2020 wurde avedos vollständig von der deutschen Softwaregruppe GBTEC übernommen.

„3Folio befindet sich an einem sehr spannenden Punkt“, sagt er. „Michael und das Team haben tiefes Produkt-, Technologie- und Markt-Know-how aufgebaut. Gleichzeitig verändert die zunehmende Regulierung den Digital-Asset-Markt grundlegend. Jetzt geht es darum, aus dieser starken Produktbasis ein international skalierbares RegTech-Unternehmen zu entwickeln.“

Die Wachstumsstrategie von 3Folio richtet sich an Steuerberater und Tax Professionals sowie an CASPs (Anm.: Crypto-Asset Service Providers) und Finanzdienstleister. Die Plattform bündelt im Detail Lösungen für Crypto Accounting und Taxation, regulatorisches Reporting wie DAC8 (Anm.: achte Änderung der EU-Amtshilferichtlinie, die seit dem 1. Januar 2026 den automatischen und grenzüberschreitenden Austausch von Daten über Krypto-Werte und Transaktionen zwischen den EU-Finanzbehörden regelt) und CARF (Crypto-Asset Reporting Framework). Zudem unterstützt 3Folio bei der Abwicklung der österreichischen Krypto-Kapitalertragsteuer sowie bei der Verarbeitung von Blockchain- und Transaktionsdaten.

Upstream Layer und AI

Damit will sich 3Folio von einer spezialisierten Anwendung zu einem technologischen Upstream Layer für Crypto Tax, Accounting und Regulatory Reporting entwickeln. Ein führender Krypto-Handelsplatz wurde nach Angaben des Unternehmens bereits als Kunde gewonnen; Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern laufen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Produktstrategie liegt auf dem Einsatz von AI in Accounting-Prozessen. Dabei soll Künstliche Intelligenz nicht als isoliertes Feature verstanden, sondern tief in die bestehende Produkt-, Daten- und Fachlogik integriert werden. Die Grundlage dafür bilden die eigene Technologie, Datenmodelle, Transaktionslogiken sowie Know-how in der steuerlichen und regulatorischen Verarbeitung digitaler Assets. Gerade an der Schnittstelle zwischen heterogenen Blockchain-Daten, steuerlicher Logik und regulatorischen Anforderungen sieht das 3Folio-Team erhebliches Potenzial für Automatisierung und intelligente Assistenzsysteme.

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