22.10.2025
INVESTMENT

Steadysense: Grazer MedTech holt siebenstelliges Investment

Das Grazer Unternehmen Steadysense entwickelt ein System zur präzisen Körpertemperaturmessung über mehrere Tage und liefert Temperaturverläufe zur zielgerichteten Diagnostik über Algorithmen. Nun konnte es nach 2023 erneut eine siebenstellige Finanzierungsrunde aufstellen.
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Steadysense
© Steadysense - Das Steadysense-Team mit frischem Kapital.

Im Dezember 2023 konnte sich das Grazer MedTech Steadysense ein Millionen-Investment sichern – brutkasten berichtete. Damals hatten sich neben dem Technologieinvestor eQventure als Lead auch die Bestandsinvestoren Situlus Holding GmbH und Gartner Venture GmbH an der Kapitalspritze beteiligt. Zu den Neulingen zählten vor rund zwei Jahren die emc elektromanagement & construction GmbH und die Auxil Treuhand GmbH. Nun wiederholt sich die Geschichte, eQventure bleibt führender Investor und die Bestandsinvestoren ziehen mit. Allerdings mit einer Neuerung: Bei der aktuellen und siebenstelligen Finanzierungsrunde steigt die Raiffeisen-Landesbank Steiermark als Neuinvestor ein.

Steadysense: „Finanzierung ein entscheidender Meilenstein“

„Mit unserer Beteiligung an SteadySense setzen wir ein klares Zeichen für die Förderung innovativer MedTech-Lösungen aus der Steiermark“, sagt Generaldirektor Martin Schaller von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark. „SteadySense verbindet medizinische Expertise mit digitaler Technologie. Die intelligente Sensortechnologie eröffnet neue Perspektiven in der Temperaturüberwachung und stärkt zugleich den Wirtschaftsstandort Steiermark. Durch diese Partnerschaft investieren wir nicht nur in zukunftsweisende Gesundheitslösungen, sondern auch in die regionale Innovationskraft.“

Werner Koele, Geschäftsführer von SteadySense, ergänzt: „Diese Finanzierungsrunde, insbesondere der Einstieg der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, ist ein entscheidender Meilenstein. Sie bestätigt nicht nur das Vertrauen in unsere Technologie und unser Team, sondern gibt uns auch die nötige Schubkraft, um unsere Vision einer umfassenden, datengestützten Gesundheitsversorgung global zu skalieren. Wir sind bereit, die kontinuierliche Temperaturüberwachung als neuen Standard zu etablieren.“

SteadyTemp

Diese Investition soll es SteadySense konkret ermöglichen, die Integration der kontinuierlichen Temperaturüberwachung in klinische und kommerzielle Anwendungen weltweit voranzutreiben. Das Startup bietet mit seiner Sensortechnologie eine Methode zur kontinuierlichen Überwachung der Körpertemperatur, die über herkömmliche Thermometer und Smartwatches hinausgeht.

Der nicht-invasive Smart-Patch „SteadyTemp“ zeichnet kontinuierlich die Körpertemperatur auf und ermöglicht Echtzeit-Einblicke sowie datengestützte Entscheidungen im klinischen Umfeld und verfüge über alle Zulassungen, einschließlich der FDA. Er wird in ersten europäischen Krankenhäusern bereits eingesetzt.

Rollout im kommenden Jahr geplant

Die Technologie von Steadysense ist zudem in internationale Healthcare-Lösungen von Partnern wie Roche, März Internetwork und Ascom integriert. Ein umfassender Rollout ist für 2026 geplant, wobei bereits weitere Projekte in Krankenhäusern fixiert wurden. Das MedTech hat außerdem erste White-Label-Partnerschaften mit internationalen Healthcare-Unternehmen, darunter einem US-Marktführer, etabliert, heißt es per Aussendung. Diese Partner integrieren die „Continuous Temperature Monitoring“ (CTM)-Technologie in ihre Hardware, was den globalen Einsatz von SteadyTemp weiter verstärke.

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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