03.01.2020

So reagiert die Startup-Szene auf das Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen

Was bietet das am 2. 1. 2020 präsentierte Regierungsprogramm für Österreichs Startup-Szene? Der brutkasten hat die ersten Stimmen zur neuen Regierung aus der Community eingeholt.
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(c) beigestellt / Pia Clodi / Fabian Greiler

Am Donnerstag hat die neue Regierung aus ÖVP und Grünen ihr Regierungsprogramm präsentiert, in welchem neben anderen Punkten auch zahlreiche Maßnahmen für Startups in Österreich vorgesehen sind – von einem verstärkten Fokus auf Entrepreneurship-Education bis zu der möglichen Schaffung eines Dachfonds für Startup-Investments. Auf den Fachkräftemangel soll zudem mit der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte reagiert werden, weitere Entlastung soll es durch eine Steuerreform geben.

+++Türkis-grünes Regierungsprogramm: Die wichtigsten Punkte für Startups+++

Der brutkasten hat sich bei Vertretern der österreichischen Startup-Community dazu umgehört, wie die das Regierungsprogramm bewerten.

(Redaktioneller Hinweis: Aufgrund der Urlaubszeit werden weitere Statements in den kommenden Stunden folgen)

Berthold Baurek-Karlic, Venionaire Capital

In Bezug auf Startups, Unternehmertum und Innovation ist es das wahrscheinlich stärkste Regierungsprogramm, das wir bisher gesehen haben. Die Forderungen nach der Absetzbarkeit von Investments nach englischem Vorbild, ein Dachfonds für Venture und Private Equity oder flexiblere Gesellschaftrechtsformen – wie etwa eine (hoffentlich kleinere) AG, GmbH oder einem Mantel für Fonds (wie etwa SICAV) – sind nicht neu und durchaus zu begrüßen. Besonders wichtig wird es werden, das Kapital von institutionelle Investoren (Versicherungen und Pensionskassen) für Innovation und Zukunftstechnologien zu mobilisieren.

Innovation hat gemäß einer Studie des World Economic Forum ungeahnt positive soziale, ökologische und wirtschaftliche Effekte – so gesehen ist dieser Bereich aus meiner Sicht geeignet, sehr wichtige Neuerungen auch in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu bringen.

Kritisch sehe ich: Wenn man weiterhin Notariatsakte für alle möglichen Transaktionen benötigt – dann sind alle gesellschaftsrechtlichen Reformen vielleicht gleich deutlich weniger attraktiv da die „Handelbarkeit“ – etwa von Kommanditanteilen (idR Fondsanteile) – eingeschränkt wäre. Damit wäre Luxemburg weiterhin deutlich attraktiver, wo man diese freier Handeln kann.

Der Staat als Venture und Private Equity Fondsmanager ist aus meiner Sicht auch kritisch zu sehen. Der Staat sollte Marktversagen ausbalancieren, nicht aber in Konkurrenz treten – ich habe aber Vertrauen, dass insbesondere der „Fund of Fund“ eine positive Wirkung haben wird.

Am positivsten (weil es mir am Herzen liegt) beurteile ich die Bildungsinitiative für Unternehmertum. Ich hoffe, dass so auch mehr Frauen motiviert werden können zu gründen oder bei einem Investor zu arbeiten – wobei sich hier positive Trends bereits abzeichnen: Bei Venionaire haben wir ab Februar erstmals mehr als 50 Prozent Frauen im Unternehmen, und auch in unserem Portfolio haben die Hälfte der Firmen zumindest eine Gründerin an Board. Wir arbeiten selbst daran, unsere Forschungs- und Bildungsinitiative „Business Angel Institute“ (www.businessangelinstute.org) in eine Stiftung zu transformieren. Unsere Bildungsprogramme sind international stark gewachsen und beschränken sich schon länger nicht mehr nur auf Early Stage Investoren bzw. Business Angels – es gibt etwa das 1 Mal 1 des Gründens und diverse Master-Classes, die wir maßgeschneidert anbieten. Wir sind regelmäßig an Schulen, Universitäten und in Betrieben – allerdings aufgrund der Nachfrage häufiger im Ausland als in Österreich. Wir würden uns aber gerne stärker zu Hause einbringen und stehen hier sicher gerne als Ansprechpartner mit Know-How aus erster Hand und Erfahrungen zur Verfügung.

Florian Gschwandtner – Entrepreneur und Investor

das Wort Start-Up kommt zwar einige Male vor im Programm, aber das war ja in den letzten zwei Regierungen auch schon so. Die viel wichtigere Frage ist, wie ernst dieses Thema wirklich genommen wird. In den letzten Jahren ist hier absolut gar nichts relevantes passiert und die Dinge sind nicht besser geworden. Aktuell traue ich mir nicht sagen, dass es jetzt anders wird, wenn gleich auch ich es hoffen würde.

Die Inhalte sind auf alle Fälle gut und decken erste wichtige Maßnahmen wie „Steuererleichterung“ bei Investitionen, neue Unternehmensform (zB Modell Schweiz mit AG Light), flexible Anteilsvergabe an Mitarbeiter, Entbürokratisierung usw.

All diese Punkte sind aber nur dann etwas Wert, wenn sie richtig und schnell umgesetzt werden und hier habe ich meine Zweifel. Es war bis dato meist so, dass Start-Ups als Buzzword gut in das Programm reinpasst, danach aber unter den großen Themen wie Migration, Sicherheit, Steuern usw wieder untergeht.

Zwei Themen sollten vor allem weiter konkretisiert und vor allem umgesetzt werden. Das eine ist die Rot-Weiß-Rot Karte die aktuell immer noch nicht konkurrenzfähig ist und viel zu mühsam ist und zweitens die Bildung. Ich weiß, dass die Bildung in ein anderes Ressort fällt , aber es ist die wichtigste Grundlage für Unternehmertum und hier ist Österreich soweit weg wie es nur geht. Leider ist auch die Bildung für die Politik meist ein zweitrangiges Thema und darum würde ich mir auch hier mehr Einsatz wünschen.

Overall möchte ich sagen, dass mir die ersten Punkte im Programm definitiv Mut machen, es wie aber überall auf die Umsetzung dieser Punkte ankommen wird. Dazu wäre es schön, wenn die Bundesregierung auch hier auf Experten wie Hansi Hansmann (AAIA) , Oliver Holle (Speedinvest) und viele andere etwas mehr hört.

Hansi Hansmann, Hansmen Group

Das Programm schaut beim Drüberlesen recht gut aus, was Startups betrifft, wenngleich in vielen Bereichen sehr vage gehalten (war wohl auch nicht anders möglich). Wenn ich es mit einem Vergleich aus der Wirtschaft sagen müsste, dann hat die Firma Österreich jetzt ein neues Management Team (Regierung) bekommen, das dem Aufsichtsrat (wir Bürger) einen Mehrjahresplan vorgelegt hat, der ganz gut ausschaut. Diesen Plan gilt es jetzt aber auch umzusetzen, und nur daran kann die Qualität des Managements gemessen werden – einen Plan kann man schnell machen, man muss ihn aber vor allem exekutieren  . Und was Exekution betrifft, sind wir Bürger nicht eben verwöhnt worden in den letzten Jahren.

Lisa Fassl, aaia

Insgesamt ist das Regierungsprogramm sehr ambitioniert – was verdeutlicht, dass die neue Regierung erkannt hat, dass es in vielen Bereichen akuten Handlungsbedarf gibt. Was uns natürlich sehr freut, ist, dass die Relevanz von Risikokapital für Innovation erkannt und adressiert wurde. Besonders vielversprechend ist der sehr konkrete Vorschlag zu einer neuen Rechtsform. Deren Umsetzung kann direkten Impact auf viele Stakeholder haben und tatsächlich ein erster Schritt zur Attraktivierung des Standortes für internationale Gründer*innen und Investor*innen sein. Bei anderen Punkten (bspw. den steuerlichen Anreizen und dem Dachfonds) heißt es aktuell noch abwarten – erste Absichtserklärungen sind vorhanden, die Execution ist aber noch nicht in Griffweite. Es bleibt daher zu hoffen, dass diese Themen nicht in Arbeitskreisen versanden. Als Vertreter*innen des Ökosystems müssen wir nun hartnäckig bleiben.

Markus Raunig, AustrianStartups

Das Regierungsprogramm ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und beinhaltet zahlreiche Punkte, die wir schon lange fordern und dringend umgesetzt gehören. Von den 37 Empfehlungen unserer diesjährigen Austrian Startup Agenda finden sich insgesamt 19 im Papier wieder – darunter eine Modernisierung der Rot-Weiß-Rot Karte, konkrete Maßnahmen zur Förderung von Entrepreneurial Education, eine neue digitale Rechtsform für Startups, eine Entlastung des Faktors Arbeit, den Aufbau regulatorischer Sandboxes, Bürokratieabbau bei Förderungen, Steuererleichterungen für Investoren, die Aktivierung von institutionellem Kapital aus Pensionskassen sowie eine verstärkte Förderung von Social Entrepreneurship und grünen Technologien.
Wir finden die im Programm gezeichnete Vision von Österreich als international führendem Greentech Hotspot großartig. Die besten Visionen sind in der Startup Welt aber nichts wert, wenn die zentralen Maßnahmen nicht rasch umgesetzt werden. In den letzten Jahren haben wir den Anschluss an die führenden europäischen Startup-Hotspots verloren, weil wir es nicht geschafft haben, die PS schnell auf die Straße zu bringen. Dementsprechend lautet diesmal auch unser dringender Appell an die neue Bundesregierung: It’s all about the execution! Wenn wir wirklich in der Champions League mitspielen und eine europäische Vorreiterrolle übernehmen wollen, dann müssen wir die oben angesprochenen zentralen Maßnahmen noch im Jahr 2020 umsetzen – sonst werden andere Länder wieder schneller sein.

Oliver Holle, Speedinvest

Zunächst einmal ist eines festzuhalten: das ist extrem positiv und ja, für mich persönlich eine große Überraschung, gerade nach den letzten 2 Jahren des Stillstands und relativen Rückschritts. Kudos an diejenigen, die das ausgearbeitet haben. Vieles ist naturgemäß schwammig und offen gehalten, aber alles andere wäre auch dem Format fremd.

Wo sollte man genauer hinsehen? Erstens ist dies eine nahezu vollständige Liste an „To Do’s“, die notwendig wären, um Österreich im Tech Bereich ins 21, Jahrhundert zu bringen. Das ist gut, aber auch etwas beängstigend. Im Worst Case bleibt es genau dabei – bei einem unstrukturierten Wunschzettel, der sporadisch und ohne Plan und Ambition dort umgesetzt wird, wo es leicht geht. Viele der angesprochenen Maßnahmen werden erst sehr langfristig greifen, gerade der Aufbau sektoraler Cluster und Schwerpunkte, die auch international als solche wahrgenommen werden, ist ein Langfristprojekt, wo insbesondere Forschung, Corporates und Startups an einer gemeinsamen Vision arbeiten müssen.

Absoluter Schlüsselpunkt bleibt ein umfassendes Konzept, um Österreich für internationale Talente attraktiv zu machen. Mit der Farce der derzeitigen RWR Karte bieten wir ein Bild des Detraktors, wo wir doch genau das Gegenteil benötigen. Andere Punkte sind schnell zu erledigen, ja hätten schon vor Jahren erledigt werden müssen. Weitere Arbeitsgruppen und Studien oder Evaluierungen zu so offenkundigen Themen wie eine moderne Rechtsform für Wachstumsunternehmen, steuerliche Anreize für Investoren oder die Einführung eines Dachfonds würde tatsächlich nur diejenigen bestätigen, die Politik in erster Linie mit Zynismus verbinden.

Damit das nicht passiert, benötigt es jemand – ganz konkret nach meiner persönlichen Erfahrung – eine Person, die eigenes politisches Kapital investiert, um dies nun in einen Aktionsplan zu gießen und dann mit entsprechender „Sense of Urgency“ umzusetzen. Nur so wird es gehen. Es benötigt jemand mit fach-übergreifender Umsetzungskompetenz und einem starken Willen, dies auch zu einer tatsächlichen Priorität zu machen. Kanzler und Vizekanzler müssen sich hinter diese Person und deren Plan stellen. Ohne Kraftakt, so nebenbei als Schönwetterthema wird das nicht funktionieren. Dann werden eben andere Nationen die Leitbetriebe von morgen aufbauen, so wie im letzten Jahrzehnt.

Rudolf Kinsky, AVCO

Grundsätzlich begrüßen wir die wertvollen Initiativen der neuen Bundesregierung zur Verbesserung des österreichischen Startups und KMU Ökosystems und die resultierende Stärkung des Wirtschaftsstandortes. Das Regierungsprogramm enthält viele wichtige von der Startup Community und der Venture Capital und Private Equity Branche geforderte Maßnahmen, wie Erleichterung von Gründungen (inkl. Herabsetzung der Stammeinlage bei der GmbH, die Regulatory Sandbox und neue Gesellschaftsformen) und steuerliche Anreize, wie z.B. eine Verlustverrechnung über mehrere Jahre sowie die Absetzbarkeit von Anschubinvestments. Auch gibt es richtungsweisende Maßnahmen für die Unterstützung von Innovation, u.a. in Richtung erneuerbarer Energiequellen.

Wie immer kommt es bei allen Initiativen auf die entsprechende rasche Umsetzung an, die in den letzten Regierungen stark zu wünschen übrigließen. Wir wünschen uns von der neuen Regierung entschlossene und zeitnahe Schritte. Auch fehlen noch konkretere Ausgestaltungsziele für eine strategisch gedachte Standortstärkung Österreichs.

Als Vertreter der Fondsbranche vermissen wir u.a. klare Aussagen zu einer dringend notwendigen Kapitalmarktstrategie. Allem voran stünde ein für die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Finanzmarktes in Österreich wichtigen, privatwirtschaftlichen Dachfonds für Wagniskapital, der ausschließlich von österreichischen institutionellen Investoren gespeist wird. Das Regierungsprogramm beinhaltet nur Beispiele von Wagniskapitalfondsstrukturen der öffentlichen Hand, die – wie in der Vergangenheit gesehen – für private Investoren an Attraktivität mangeln und in die daher vorrangig Steuergelder investiert werden.

Eine erwähnte Maßnahme kann sofort umgesetzt werden: Eine neue Gesellschaftsform für alternative Investmentfonds. Diese haben Experten unter Koordinierung der AVCO bereits fertig ausformuliert und liegt abrufbar bereit für den parlamentarischen Prozess.

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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AI Summaries

So reagiert die Startup-Szene auf das Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen

Am Donnerstag hat die neue Regierung aus ÖVP und Grünen ihr Regierungsprogramm präsentiert, in welchem neben anderen Punkten auch zahlreiche Maßnahmen für Startups in Österreich vorgesehen sind – von einem verstärkten Fokus auf Entrepreneurship-Education bis zu der möglichen Schaffung eines Dachfonds für Startup-Investments. Auf den Fachkräftemangel soll zudem mit der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte reagiert werden, weitere Entlastung soll es durch eine Steuerreform geben. In Bezug auf Startups, Unternehmertum und Innovation ist es das wahrscheinlich stärkste Regierungsprogramm, das wir bisher gesehen haben.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

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