04.02.2021

Startup World Cup: aaia holt weltgrößten Pitch-Wettbewerb nach Österreich

Die aaia wird im Rahmen der ViennaUp’21 österreichische Teilnehmer für das Finale des Startup World Cup in San Francisco ermitteln.
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Pegasus Tech Ventures: Übergabe der Startup World Cup-Trophäe im Finale 2019
(c) Pegasus Tech Ventures: Übergabe der Startup World Cup-Trophäe im Finale 2019

Initiiert von Pegasus Tech Ventures ist der Startup World Cup mit Teilnehmern aus mehr als 50 Ländern der größte Pitch-Wettbewerb der Welt. Den Siegern des Europa-Finales in Prag winken 500.000 US-Dollar Investment, jenen des Hauptevents in San Francisco gar eine Million US-Dollar. Dieses Jahr finden – organisiert durch die aaia (Austrian Angel Investors Association) – erstmals auch Vorausscheidungen in Österreich statt.

Pitch World Cup 2021: 3 Bundesländer-Bewerbe und Österreich-Finale bei Vienna Up’21

Im Frühling wird es drei regionale Online-Pitch-Vorentscheidungen geben, welche die aaia mit Unterstützung von AustrianStartups organisiert (17. März: Tirol, Vorarlberg und Oberösterreich; 23. März: Salzburg, Steiermark, Kärnten; 8. April: Wien, Niederösterreich, Burgenland). Neben der Chance auf Tickets für das österreichweite Finale am 5. Mai im Rahmen der Vienna Up’21 wird es auch ein anschließendes Networking mit Angel Investorinnen und Investoren geben. „Uns ist es ein Anliegen, innovative Unternehmer:innen aus den verschiedenen Bundesländern vor den Vorhang zu holen“, kommentiert Hannah Wundsam, CEO von AustrianStartups, in einer Aussendung.

In den Kategorien „Digital Health & BioTech“, „Social & Climate Impact“, „Future of Work & EduTech“ und „Security & Big Data“ wird es pro Event jeweils ein Gewinnerteam geben, das von einer Jury bestehend aus Selma Prodanovic (aaia), Michael Ionita (AustrianStartups) und Branchenexperten gekürt wird. Dieses bekommt beim hybrid ausgetragenen Österreich-Finale am 5. Mai in Wien die Chance, vor zahlreichen Business Angels zu pitchen und sich als Österreichs Vertreter für den Startup World Cup zu qualifizieren.

Reise zum Finale ins Valley als Preis

Das österreichische Gewinnerteam bekommt eine Reise zum Finale des Statup World Cup ins Silicon Valley, wo es im Pitch um eine Million US-Dollar Investment von Pegasus Tech Ventures geht. Zusätzlich kann es auch am europäischen Finale in Prag teilnehmen, bei dem weitere 500,000 US-Dollar Investment ausgeschrieben sind. „Ich denke, der Startup World Cup ist eine einzigartige Chance für die Teilnehmer:innen, auch außerhalb von Österreich Anerkennung zu erlangen und ein hochkarätiges, internationales Netzwerk aufzubauen“, kommentiert Laura Egg, Managing Director der aaia.

Mitmachen können österreichische Startups, die bereits gegründet haben, zumindest über einen Prototypen verfügen und in eine der vier Kategorien passen. Die Anmeldung ist bis zum 21. Februar unter diesem Link möglich.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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