27.02.2025
MEINUNGEN

Startup-Szene zum Regierungsprogramm: „‚langfristig‘ und ’sollen‘ statt ‚jetzt‘ und ‚machen'“

Das heute präsentierte Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und NEOS enthält mit dem Dachfonds eine lange gehegte Forderung der heimischen Startup-Szene. In anderen Bereichen wurden die Hoffnungen aber nicht erfüllt. Wir haben Stimmen dazu eingeholt.
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vlonru. Laura Raggl, Oliver Holle, Nina Wöss, Berthold Baurek-Karlic, Johannes Braith, Hannah Wundsam, Sander van de Rijdt und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Klaus Vyhnalek / brutkasten/Viktoria Waba / Foto Wilke / Storebox / Adrian Zettl / brutkasten/Martin Pacher / 360 Business Planner
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Das lange Warten hatte heute ein Ende. Österreich bekommt eine neue Regierung. Und mit ihr kommen auch Pläne in der Startup-Politik, die im heute präsentierten Regierungsprogramm dargelegt wurden – brutkasten berichtete.

Dachfonds und schnellere Gründung

Die wohl herausstechendste geplante Maßnahme ist hierbei der Dachfonds, ist dieser doch seit langem eine zentrale Forderung der heimischen Startup-Szene (u.a. in der 2024 präsentierten „Vision 2030“). Mit der „signifikant beschleunigten und rein digitalen Gründung“ oder der „Einführung eines Aktivierungswahlrechts bei selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten“ kommen weitere für heimische Startups relevante Maßnahmen hinzu. Ob und wie schnell diese umgesetzt werden, bleibt natürlich abzuwarten.

„Evaluierung“ von Wagniskapitalfondsgesetz und Notariatsaktpflicht

Bei anderen Themen, die zentrale Anliegen der Szene betreffen, bleibt das Programm überhaupt vage. Das Wagniskapitalfondsgesetz etwa soll „evaluiert“ werden – ebenso wie die Notariatsaktpflicht in weiteren Fällen. Bei der in der gesamten Wirtschaft lautstark geforderten Senkung der Lohnnebenkosten vertröstet das Programm auf später, wenn es die budgetäre Situation dann zulässt. Und eine weitere große Forderung der Szene, der Beteiligungsfreibetrag, hat es nicht in das Regierungsübereinkommen geschafft.


Regierungsprogramm – das sagt die Startup-Szene

Kurzum: Aus Startup-Sicht kann man das heute präsentierte Regierungsprogramm durchaus ambivalent betrachten. Wir haben Stimmen von bekannten Gesichtern der Szene dazu eingefangen:

Oliver Holle, CEO Speedinvest

Speedinvest-CEO Oliver Holle | Foto: Klaus Vyhnalek

Zunächst freue ich mich persönlich darüber, dass wir nun eine klar pro-europäische Regierung mit Kräften der Mitte bekommen – als international agierender Fonds mit vielen Standorten ist dies allein schon sehr viel wert.

Mit dem Dachfonds schliessen wir hoffentlich bald mit Resteuropa auf, wo solche Instrumente bereits seit geraumer Zeit bestens etabliert sind – die Sorge bleibt, dass wir in Österreich wider zu klein denken und hier unterkritisch agieren. Wichtig: ein Dachfonds – richtig aufgesetzt – ist für den Steuerzahler ein Gewinn und eben nicht ein weiteres Förderprogramm.

Viele andere wesentliche Punkte scheinen auf, wobei man nicht unbedingt ein Gefühl der Dringlichkeit spürt, wenn man die Formulierungen liest. Technologie, Innovation und Startups müssen Chefsache werden, statt Evaluierungen braucht es Umsetzungswille, und zwar sehr schnell, wenn wir international mitspielen wollen.

Nina Wöss, Co-Founderin Fund F

Fund F-Gründerin Nina Wöss | (c) brutkasten / Viktoria Waba

Das nun vorgestellte Regierungsprogramm enthält einige erfreuliche Maßnahmen für die österreichische Startup-Landschaft. Besonders positiv hervorzuheben ist der verstärkte Fokus auf Gründerinnen und Female Entrepreneurship – ein essenzieller Schritt, um Österreich als attraktiven Standort zu positionieren.

Ein großer Dank gilt den engagierten Vertreter:innen der Startup-Community, insbesondere AustrianStartups und invest.austria, die sich intensiv für diese Themen eingesetzt haben. Einige der zentralen Forderungen aus der “Vision 2030” haben es ins Programm geschafft – allen voran die Einrichtung eines Dachfonds, um dringend benötigtes Wachstumskapital zu mobilisieren und den Fonds-Standort aufzuwerten. Damit dieser ein echter Hebel für den Standort wird, ist es entscheidend, dass dieser unabhängig und professionell gemanagt wird.

Die angekündigten Maßnahmen müssen nun aber auch tatsächlich umgesetzt werden. In den letzten zehn Jahren gab es viele ambitionierte Regierungsprogramme – der tatsächliche Impact für Startups war bisher jedoch überschaubar und Österreich wurde und wird von anderen EU-Ländern rechts und links überholt.

Jetzt gilt es, die richtigen Weichen zu stellen und rasch von Worten zu Taten zu kommen. Die österreichische Startup-Szene hat das Potenzial, international wettbewerbsfähig zu sein – wenn die Rahmenbedingungen endlich mit der Innovationskraft unserer Gründer:innen Schritt halten.

Hannah Wundsam, Co-Managing Director AustrianStartups

AustrianStartups-Co-Managing-Director Hannah Wundsam | (c) Adrian Zettl

Wir freuen uns, dass im Regierungsprogramm einige große Stellschrauben für ein unternehmerisches Österreich aufgegriffen wurden. Allen voran ist die Mobilisierung von institutionellen Anlegern durch einen Dachfonds entscheidend für mehr Wachstumskapital in Österreich. Auch das Bekenntnis zur europaweiten Stärkung der Kapitalmärkte und die Evaluierung der Notwendigkeit des Notariatsaktes bei der Gründung einer FlexCo entspricht langjährigen Empfehlungen der Szene. Wichtig zu unterstreichen ist, dass unternehmerische Bildung sich im Lehrplan wiederfinden soll und Spin-off-Initiativen fortgesetzt und ausgebaut werden. Jetzt kommt es auf die rasche und praxistaugliche Umsetzung an.

Sander van de Rijdt, Co-Founder PlanRadar

PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt
PlanRadar Co-Founder und CEO Sander van de Rijdt | (c) der brutkasten / Martin Pacher

Ich bin in erster Linie froh, dass endlich eine Koalition gefunden wurde, auch wenn das Regierungsprogramm per se von Kompromissen nur so strotzt. Aber das war unter den gegebenen Umständen wahrscheinlich nicht anders möglich und zumindest besser als Neuwahlen.

Ein Dachfonds ist eine gute Sache und wird dringend benötigt. Ich bin aber skeptisch, wie schnell wir hier wirklich etwas sehen werden, da ja nicht nur an einer Stelle im Programm von „langfristig“ und „sollen“ und nicht von „jetzt“ und „machen“ gesprochen wird. Rein digitale Gründungen und eingeschränkte Notariatspflicht klingen zu gut, um wahr zu sein. Dies wären tatsächlich fühlbare Veränderungen. Ich bleibe skeptisch und hoffe auf das Beste!

Laura Raggl, Gründerin ROI Ventures

Laura Raggl (c) Fabianklima.at

Endlich geht was weiter – das ist das Wichtigste! Nach monatelangem Stillstand hat Österreich nun ein Regierungsprogramm, das zumindest einige zentrale Forderungen der Startup-Community aufgreift. Besonders positiv ist, dass der Dachfonds erneut berücksichtigt wurde. Jetzt gilt es jedoch, diesen auch tatsächlich in der neuen Regierungsperiode umzusetzen. Enttäuschend ist hingegen das Fehlen des Beteiligungsfreibetrags – angesichts der wiederholten Ablehnung durch die SPÖ allerdings wenig überraschend.

Anstatt nur über Einsparungen zu diskutieren, sollte der Fokus verstärkt darauf liegen, wie zusätzliche Einnahmen generiert werden können. Das gelingt vor allem durch Wirtschaftswachstum, welches gezielte Investitionen und attraktive Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen erfordert.

Johannes Braith, Co-Founder Storebox

Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox
Storebox-Co-Founder Johannes Braith | (c) Storebox

Die monatelange Hängepartie bei der Regierungsbildung in Österreich hat nicht nur das Vertrauen in die politische Handlungsfähigkeit erschüttert, sondern auch wertvolle Zeit gekostet, die für dringend benötigte Reformen hätte genutzt werden können. Keine der beteiligten Parteien – weder ÖVP, SPÖ und NEOS, die nun die Regierung bilden, noch die FPÖ, die zuvor mit der ÖVP gescheitert ist – haben dabei ein gutes Bild abgegeben. Streitigkeiten, politische Blockaden und Machtkämpfe haben den Eindruck vermittelt, dass Parteitaktik wichtiger war als die Zukunft des Landes.

Als Unternehmer sehe ich mit gemischten Gefühlen auf das nun präsentierte Regierungsprogramm. Positiv hervorzuheben ist die geplante Einrichtung eines rot-weiß-roten Dachfonds im „Fund of Funds“-Modell, der die Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital für Startups, Scaleups und Spin-offs fördern soll. Dies könnte die Finanzierungssituation für innovative Unternehmen in Österreich verbessern.

Gleichzeitig bleibt ein zentrales wirtschaftspolitisches Thema jedoch unangetastet: Die Senkung der Lohnnebenkosten. Dass hier keine konkreten Maßnahmen im Regierungsprogramm festgelegt wurden, ist eine massive verpasste Chance. Hohe Lohnnebenkosten belasten Unternehmen erheblich und sind ein klarer Standortnachteil für Österreich. Gerade in Zeiten des internationalen Wettbewerbs und eines angespannten Arbeitsmarktes wäre eine gezielte Entlastung essenziell, um mehr Investitionen, Wachstum und neue Arbeitsplätze zu ermöglichen.

Es ist nun wirklich an der Zeit, dass radikale Maßnahmen getroffen werden. Österreich verliert extrem an Wettbewerbsfähigkeit und wir verlieren uns in Klein-Klein-Themen. Kosmetische Veränderungen und kleine Kompromisse werden das Land nicht nach vorne bringen. Was gebraucht wird, sind tiefgreifende Reformen, die den Standort nachhaltig stärken und innovative Unternehmen fördern.

Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung den Mut und die Entschlossenheit aufbringt, die notwendigen Schritte für eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu setzen. Die Startup-Community wird die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen kritisch begleiten und weiterhin auf die Berücksichtigung ihrer Anliegen drängen.

Christiane Holzinger, Business Angel und Gründerin

Christiane Holzinger | (c) 360 Business Planner

Das Regierungsprogramm der neuen Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS enthält erfreulicherweise einige wichtige Punkte für das österreichische Startup-Ökosystem, die in der „Vision 2030“ gefordert wurden. Die Umsetzung des Dachfonds als „Fund of Funds“ zur Verbesserung der Finanzierungslage heimischer Startups ist ein wichtiger Schritt. Zusätzlich positiv zu bewerten ist der Fokus auf beschleunigte digitale Gründungen und die angekündigte Evaluierung der Notariatsverpflichtung.

Die geplante Ausweitung des Aktivierungswahlrechts für selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte, übrigens eine Forderung, die ich schon als Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft immer wieder politisch ins Spiel gebracht habe (IFRS!) und die Evaluierung des Wagniskapitalfondsgesetzes stellen weitere positive Signale dar. Auch die Unterstützung für Spin-offs im Bereich der Forschung und Technologie zeigt eine positive Richtung.

Allerdings birgt das Programm auch Herausforderungen. Zunächst eine Unsicherheit bei der Umsetzung: Viele der angekündigten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem sind noch vage formuliert („werden erarbeitet“, „wird geprüft“). Es fehlt die konkrete Ausgestaltung und ein detaillierter Zeitplan, was zu Unsicherheit bei der Planung zukünftiger Investitionen führt. Hinzu kommt die budgetäre Unsicherheit: Die Ankündigung, die Lohnnebenkosten erst „sobald es die budgetäre Situation zulässt“ zu senken, unterstreicht die Unsicherheit im Hinblick auf die finanzielle Machbarkeit der geplanten Maßnahmen. Auch sehe ich eine mangelnde Detaillierung: Details zu konkreten Instrumenten des Transformationsfonds fehlen etwa. Es ist unklar, wie und in welchem Umfang der Fonds Startups unterstützen wird.

Und natürlich gibt es auch verpasste Chancen: Der geforderte Beteiligungsfreibetrag fehlt im Programm, was für viele Investor:innen eine enttäuschende Nachricht ist. Ebenso wird Entrepreneurship Education zwar erwähnt, aber nicht im in der „Vision 2030“ geforderten Umfang adressiert.

Ich appelliere daher, rasch zu handeln: Nach einem halben Jahr politischer Blockade ist es nicht nur für die Startup-Community sondern für die gesamte heimische Wirtschaft und damit für die österreichische Standortpolitik unerlässlich, dass die im Regierungsprogramm skizzierten Maßnahmen für das Startup-Ökosystem schnellstmöglich und effizient umgesetzt werden. Die formulierten Absichtserklärungen sind positiv, doch der Übergang von guten Absichten in ein konkretes, professionell umgesetztes Programm erfordert Geschwindigkeit und klare Entscheidungsfindung. Verzögerungen schaden der österreichischen Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext, insbesondere im Bereich Hightech-Innovationen. Ein schneller „Zug zum Tor“ ist nun erforderlich, um verlorene Zeit aufzuholen und Österreichs Wirtschaft zukunftsfit zu machen.

Generell bin ich auch gespannt, wie stark das Thema Entbürokratisierung mit einem eigenen Staatssekretär auch diese Hürden angeht. Der Faktor Zeit, die hier Unternehmer:innen verloren geht, ist nämlich ein ganz beachtlicher (bei einem KMU sind das knappe 2,5 Arbeitstage pro Woche!). Frau kann nur hoffen, dass eine Regierung mit so vielen Köpfen auch schneller zu konkreten Umsetzungsmassnahmen kommt.

Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke
Berthold Baurek-Karlic © Foto Wilke

Ich freue mich das wir endlich eine Regierung bekommen. Österreich ist international in der Vergangenheit für politische Stabilität bekannt gewesen.

Regierungsprogramme sind geduldig – die Zeit wird zeigen was hiervon wirklich umgesetzt wird. Es gibt genug Aufgaben zu lösen und wir brauchen definitiv ein paar starke Impulse für die Wirtschaft und Industrie. Es bleibt abzuwarten, wie das funktioniert, wenn viele wertvolle Förderungen gestrichen werden – bei der gegebenen Abgabenlast die wir bereits zu tragen haben. Ich befürchte, dass man erneut versucht, das Budget auf Kosten der Unternehmer und ihrer Angestellten zu sanieren, statt im Eigenen Haushalt ernsthaft zu sparen. Ich hoffe, wir werden vom Gegenteil überzeugt.

Was ich mit Erstaunen beobachtet habe, ist die hohe Zahl von Ministern und Staatssekretären – hier hätte ich ein Signal des Sparens und nicht der Postenbeschaffung erwartet. Ich verstehe auch nicht, warum jede Regierung die Ministerien und Zuständigkeiten neu ordnet – alleine diese Reorganisationen kosten eine Unmenge und verschwenden schlicht wertvolle Zeit.

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(v.l.n.r.) Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, CEO Lukas Püspök, Vorstandvorsitzende Erste Bank Gerda Holzinger-Burgstaller und EIB-Vizepräsident Karl Nehammer kamen zur Eröffnung des Super-Hybrid Projekts. (c) Maria Hollunder
(v.l.n.r.) Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, CEO Lukas Püspök, Vorstandvorsitzende Erste Bank Gerda Holzinger-Burgstaller und EIB-Vizepräsident Karl Nehammer kamen zur Eröffnung des Super-Hybrid Projekts. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Wer auf der Autobahn A4 von Parndorf in Richtung Nickelsdorf fährt, ist ringsum bereits von modernen Windkraftwerken umgeben. An einem windigen Tag wie heute laufen hier mehrere hundert Windräder gleichzeitig. Nach gut 20 Minuten Fahrt erreicht man Nickelsdorf; die rund 1.800 Seelengemeinde liegt direkt an der ungarischen Grenze.

In der Region der Parndorfer Platte erstrecken sich kilometerweit flache Feldlandschaften, wodurch hier die besten Voraussetzungen für Windkraft- und Photovoltaikanlagen herrschen. Unweit der „Pannonia Fields“, erstreckt sich das heute eröffnete Super-Hybrid-Kraftwerk der Energiefirma püspök auf einer Fläche von circa 65 Hektar.

Zur Eröffnung, bei der brutkasten vor Ort war, fanden sich neben püspök-CEO Lukas Püspök auch Ex-Kanzler Karl Nehammer, Vizepräsident der EIB, sowie Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank, auf dem Gelände ein. Die finanzielle Unterstützung beider Institute machte die Umsetzung dieses Großprojekts erst möglich.

Über 65 Hektar erstreckt sich das Areal rund um das Super-Hybrid-Kraftwerk. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Erneuerbare Energie rund um die Uhr

Die Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und einem Großbatteriespeicher ermöglicht eine Stromerzeugung rund um die Uhr und schafft ein hohes Maße an Wetterunabhängigkeit. Während die Windkraft vor allem in den Wintermonaten liefert, laufen die PV-Anlagen im Sommer auf Hochbetrieb. Da im Tagesverlauf mit erneuerbaren Energien jedoch nicht durchgehend Strom produziert werden kann, stellt der Großbatteriespeicher laut püspök den zentralen Faktor dar, um die Energie zur richtigen Zeit zu sichern.

„Mit dem Batteriespeicher speichern wir den sauberen, heimischen Strom untertags und haben ihn am Abend auch zur Verfügung. Das ist Super-Hybrid, das senkt Kosten, das stabilisiert das Netz und es macht erneuerbare Energie konstant verfügbar“, erklärt Lukas Püspök das Projekt.

Die Zuschaltung des Speichers ist noch im Juni geplant, die offizielle Inbetriebnahme wird im Juli erfolgen. Neben Nickelsdorf sollen noch an fünf weiteren Standorten in der Gegend Super-Hybrid-Projekte entstehen. Gesamt sollen sie eine Leistung von 271 Megawattpeak erreichen.

Hunderte Schafe unter Photovoltaik-Anlagen

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das Konzept der Agri-Photovoltaik, bei dem die landwirtschaftliche Nutzung direkt in das Kombinationskraftwerk integriert wird. Derzeit beweiden 120 Schafe und 90 Lämmer die Flächen unter den PV-Anlagen. Durch diese Doppelnutzung wird dieselbe Fläche sowohl für landwirtschaftliche Erträge als auch für die Gewinnung erneuerbarer Energie verwendet.

Raphael Dugmanits, Projektleiter bei püspök, unterstreicht den ökologischen Ansatz: „Wir wollten nicht ein normales Photovoltaik-Kraftwerk hinstellen, sondern wir wollten dezidiert die Agri-Photovoltaik machen. Die Themen Naturschutzgedanken und Biodiversität sind für uns wichtige Punkte.“

Doppelte Flächennutzung durch die Schafe und PV-Anlagen. (c) brutkasten/Hannah Fasching

EIB mit 57 Mio. Euro beteiligt

Die Europäische Investitionsbank stellte für die Errichtung des Super-Hybrid-Energieprojekts 57 Millionen Euro zur Verfügung. Damit beläuft sich das gesamte EIB-Engagement bei Projekten von püspök mittlerweile auf 200 Millionen Euro. Die EIB-Gruppe fungiert als Finanzierungsarm der EU und zählt zu den weltweit größten multilateralen Entwicklungsbanken.

Allein im Jahr 2025 wurden vonseiten der EIB 100 Milliarden Euro an neuen Finanzierungen für insgesamt 870 Projekte zugesagt, wobei Klima und Umwelt sowie technologische Innovationen zu den Kernbereichen gehören.

Auch die Erste Bank ist maßgeblich an der Finanzierung beteiligt. Vorstandsvorsitzende Gerda Holzinger-Burgstaller betont: „Dieses Projekt zeigt, wie die Energiewende hierzulande konkret umgesetzt werden kann.“

EIB-Vizepräsident Karl Nehammer und CEO Lukas Püspök vor den Großbatteriespeichern in Nickelsdorf. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Für die Energieunabhängigkeit Europas

Das Projekt läuft unter dem europäischen Programm REPowerEU welches darauf abzielt, Europas Abhängigkeit von Öl und Gas nachhaltig zu beenden.

„Worum geht’s immer am Ende des Tages? Um wirtschaftliche Stärke, Versorgungssicherheit, eben nicht nur für Österreich, sondern im großen Kontext gedacht für die Europäische Union. Der Ausbau erneuerbarer Energien und moderner Speichertechnologien ist entscheidend für Europas Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit und Klimaziele“, betont Nehammer bei der Eröffnung.

Climate-Tech-Startups gefragt

Obwohl Großprojekte wie diese Kraftwerksanlage laut Lukas Püspök seltener direkt von Climate-Tech-Startups realisiert werden, spielen junge Technologieunternehmen im Hintergrund eine entscheidende Rolle, um solche Vorhaben überhaupt erst „zum Laufen zu bringen“.

Als Paradebeispiel nennt er die Vermarktung und Steuerung des Systems: „Das beste Beispiel ist, dass die Vermarktung dieses Batteriespeichers von einem bekannten österreichischen Climate-Tech-Unternehmen, nämlich von enspired gemacht wird. Bei allem, was rundherum an Services und technologischen Dienstleistungen bei solchen Projekten passiert, da ist die Startup-Szene jetzt gefragt.“

Mehr zu den Chancen von Climate-Tech-Startups erzählte Lukas Püspök im brutkasten-Interview.

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