23.12.2020

Startup-Szene: Ein positiver Rückblick 2020 & Ausblick 2021

Das Jahr 2020 hat viele Menschen auf eine harte Probe gestellt. Doch es gab auch einige positive Entwicklungen. Nach diesen haben wir Player des heimischen Startup-Ökosystems gefragt.
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Player aus der Startup-Szene befragt: (vlnr.) Bernhard Lehner, Oliver Holle, Lisa Fassl, Ali Mahlodji, Paul Klanschek
Player aus der Startup-Szene befragt: (vlnr.) Bernhard Lehner, Oliver Holle, Lisa Fassl, Ali Mahlodji, Paul Klanschek | (c) startup300/Speedinvest/Ruiz Cruz/Christoph Steinbauer/der brutkasten

Es ist Krise. Zeitweise sind wir 2020 aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr hinausgekommen. Doch letztlich war nicht alles schlecht in diesem fordernden Jahr. Gerade die Startup-Szene hat in mehrerlei Hinsicht gezeigt, was sie aus sich herausholen kann. Sei es durch umfassende Hilfsbereitschaft oder auch dadurch, eine Gelegenheit beim Schopf zu packen und durchzustarten. Das drückt sich auch darin aus, dass dieses Jahr zum Rekordjahr bei Investments wurde.

Startup-Szene befragt: Positiver Blick auf 2020/2021

Bei unserer Befragung zum Rückblick 2020 und Ausblick 2021 haben wir unterschiedliche Player der Startup-Szene explizit nach positiven Entwicklungen im Krisenjahr, und danach, was sie für kommendes Jahr optimistisch stimmt, gefragt.


Oliver Holle, CEO Speedinvest

2020 war für den Großteil des Speedinvest-Portfolios ein sehr erfolgreiches Jahr. Absurderweise floss mehr Geld in unser Portfolio als je zuvor, trotz oder wegen Covid.

Die beschleunigte digitale Disruption, der Shift von institutionellem Kapital in Richtung VC sowie die zunehmende Professionalisierung des Ökosystems lassen mich auch – spezifisch für unser Business – positiv in die Zukunft blicken. Das ist, naturgemäß, nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft, das ist auch klar.

Lisa Fassl, CEO FemaleFounders

Startups sind dieses Jahr in der Politik angekommen. Unterstützungen wie der Covid-Hilfsfonds oder auch der Runway Fonds zeigen, dass wir Gehör finden und mittlerweile so etabliert und relevant sind, dass es hier verhältnismäßig schnelle und umfassende Hilfe gab (auch wenn natürlich immer mehr geht, und wir noch weit davon entfernt sind, uns wirklich als relevanter Startup-Standort bezeichnen zu dürfen). Egal wie man zu Politik und ihren Entscheidungsträger*innen steht, ohne passende Rahmenbedingungen wird sich das Ökosystem nicht weiterentwickeln können. Eines meiner Learnings 2020: Unternehmer*in sein bedeutet, politisch aktiv zu sein und auch hier mitzugestalten – sonst ändert sich nichts.

Was mich für 2021 optimistisch stimmt: Wir haben wirklich gute unternehmerische Menschen in diesem Land, die Dinge bewegen und against all odds Unternehmen aufbauen und Tag für Tag für ihre Ideen und Überzeugungen kämpfen. Die Krise hat gezeigt und wird weiter zeigen, wer die Zukunft in diesem Land gestaltet. Wenn wir diese Leute – und da gehören Startup-Gründer*innen eindeutig dazu – machen lassen und sie dabei unterstützen, kann eigentlich nicht viel schief gehen.

Markus Raunig, CEO AustrianStartups

Viele Gründer und Startups haben bemerkenswert schnell auf die ernste Lage im Frühjahr reagiert und proaktiv Lösungen entwickelt, die dabei helfen, die Krise zu bewältigen – vom digitalen Symptom-Checker bis hin zur Online Lernplattform für Homeschooling. Besonders bei Hack the Crisis haben wir alle live miterlebt, wie der Startup Spirit auch über die Grenzen der Startup-Szene hinweg Menschen inspiriert hat, selbst mit anzupacken und Corona gemeinsam mit den unterschiedlichsten Lösungsansätzen entgegenzutreten.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass wir 2021 eine wirkungsfähige Impfung haben werden, die innerhalb von wenigen Monaten entwickelt wurde. Ich glaube, man kann nicht überbetonen, was das für eine unglaubliche Leistung ist – für mich gefühlt das erste Mal seit Langem, dass wir als Menschheit gemeinsam wieder einen echten Moonshot hinbekommen haben. Ich hoffe, dass dadurch der Glaube an Technologie & Forschung wieder gestärkt wird und wir mit der gleichen geballten Energie auch andere große Probleme unserer Zeit anpacken – von der Klimakrise bis hin zur zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung.

Bernhard Lehner, Vorstand startup300 AG

So komisch es klingt, aber unter dem Strich hat das Seuchenjahr 2020 die Startup-Szene eher gepusht – wenn natürlich auch einzelne Startups auch unter die Corona-Räder gekommen sind. Warum ich positiv auf das Jahr zurückblicke? Es ist, auch getriggert durch den Covid-19-Hilfsfonds, viel privates Kapital geflossen. Viele Startups in meinem Portfolio haben enorm profitiert, FinTech und Education natürlich, aber auch B2B-Marktplätze zum Beispiel. Erfreulich ist, dass wir mit startup300 acht Investments machen konnten. Ganz generell hat das Thema „digitale Geschäftsmodelle“ einen ganz anderen Stellenwert bekommen, weil viele die höhere Resilienz von digitalen Workflows und Geschäftsmodellen begriffen haben. Man ist in „der Szene“ – wie immer man die jetzt auch genau definiert – eher zusammengerutscht. Ich sehe ganz neue Kooperations- und Zusammenarbeitsmöglichkeiten.

Und natürlich gibt es Dinge, die mich für 2021 optimistisch stimmen! Im März wird es warm, der Impfstoff wird greifen und es wird eine unglaubliche Lebensfreude, trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen, auf uns zukommen. Die Renaissance folgte der Pest, und so wird es auch nächstes Jahr sein. Mehr Optimismus, mehr Dynamik, mehr Mut, mehr Zukunftsfreude. Damit verbunden könnte es sein, dass wir, ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009, eine Gründerwelle haben werden, was ich gut fände in einem Land, in dem Entrepreneurship so wenig ausgeprägt ist. Die Startups, die schon 2020 eher profitiert haben, werden weiter pushen – das wird ein super Jahr, in dem wir auch sicher viele spannende Investment-Opportunities sehen und gemeinsam mit unseren Startups wachsen können.

Selma Prodanovic, Gründerin 1MillionStartups

Meine drei Highlights 2020: Erstens, obwohl am Anfang der Krise völlig unbegründete und panikmachende „Prognosen“ publiziert wurden, wurde 2020 das beste Funding-Jahr in Österreich! Zweitens, gerade in der Krise hat sich gezeigt, wie wichtig die AAIA ist: von Anfang an unterstützend für die Startup-Szene im Einsatz, aber auch mit großem Engagement im Startup-Komitee sowie bei konkreten Hilfen wie dem Covid-Startup-Hilfsfonds oder mit Classics wie dem „Standard Termsheet„. Drittens, eine wunderbare Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit und Regionalität im Sinne der SDGs wurde durch die Krise gestärkt.

Was mich für 2021 optimistisch stimmt: Sustainability wird noch wichtiger und einige Überraschungen, was Female Empowerment und Funding angeht, kommen auf uns zu. Als neu-gewählte Vize-Präsidentin der European Business Angels Network, hoffe ich unsere Rolle in Europa zu stärken und uns neue Chancen zu eröffnen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir eine besondere „österreichische Lösung“ erfinden werden. Wir sind Experten dafür, zwei Gegenseitige Konzepte zusammenzubringen. Mit diesem Ansatz haben wir die Chance, eigene, einmalige Wege zu entwickeln um die Welt mit und durch Entrepreneurship besser zu machen.

Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

Eine positive Entwicklung für die Startup-Szene war sicherlich, dass Digitalisierung und Innovation einen höheren Stellenwert bekommen haben. Die Krise war und ist ein Motor für Digitalisierung – der auch von einzelnen Startups gut genutzt werden konnte, auch wenn übermächtige Tech-Giganten aus den USA heimischen Softwareanbietern hier sicherlich den Wettbewerb sehr hart gemacht haben. Lokal einkaufen – insbesondere Tech Made in Austria – wird nun auch Dank Kambis & WKÖ (Anm. neuer Head of Startup Services) aktiv vorangetrieben.

Positiv stimmt mich, dass es wirksame Impfstoffe gibt und zumindest gegen Mitte oder Ende 2021 schrittweise Normalität einkehren kann. Die Politik hat bei allen Höhen und Tiefen der Krise zuletzt nun auch wieder stark signalisiert, dass man auf den Innovationsmotor Startups nicht vergessen wird. Ich bin in diesem Zusammenhang optimistisch, dass wir auch eine Chance auf die Neuauflage des Covid-Hilfsfonds haben – jede Stimme aus der Community zählt hier weiterhin.

Ali Mahlodji, Keynote-Speaker

Florian Gschwandtner, Investor

Es hat dieses Jahr einige sehr gute Investmentrunden gegeben, etwa von Bitpanda und Adverity. Und auch sonst gab es eine sehr gute Entwicklung in der Startup-Szene. Speedinvest hat neue Fonds gestartet und auch von anderen kam einiges dazu – es tut sich einfach was in der Szene. Und da und dort wird es auch professioneller und besser – ich sage bewusst „da und dort“. Natürlich gab es auch ein paar negative Entwicklungen, aber ohne die geht es nicht.

Was stimmt mich für 2021 optimistisch? Eigentlich alles! Denn eine Krise bietet immer auch viele Chancen und wenn sie vorbei geht, kann es noch schneller bergauf gehen. Durch Covid wurde die Digitalisierung gepusht und viele Dinge werden dadurch schneller gehen.

Paul Klanschek, CEO Bitpanda

2020 war das wahrscheinlich härteste Jahr für die Startup-Szene in Österreich. Es gab wenige Gewinner und viele stark Benachteiligte. Wir hatten mit dem „Full-remote-working“ auch zu kämpfen, sind aber gut dabei weggekommen, da unser operatives Business dieses Jahr massiv gewachsen ist. Viele Bekannte von mir hatten massive Umsatzeinbrüche und durch die Covid-Maßnahmen oft auch gar keine Chance, ihr Business zu betreiben. Man hat grundsätzlich gesehen, dass auf Startups geschaut wird, aber die Förderungsmaßnahmen standen in keinem Verhältnis zu den Einschränkungen. Da ist noch viel Luft nach oben. Doch um etwas positives zu nennen: Durch die Maßnahmen wurde die gesamte Industrie „Blitz-technologisiert“, was langfristig tolle und nachhaltige Auswirkungen haben wird.

2021 wird ein hartes Jahr, die gesamten Wirtschaftlichen Auswirkungen werden erst schön langsam eintreffen. Ich bin optimistisch, dass hier weiter eine starke Wirtschaftsförderpolitik durchgezogen wird. Wenn Österreich hier gut reagiert, können wir uns einen Wettbewerbsvorteil als Standort herausarbeiten.

Nicola Filzmoser, COO Happyr Health

2020 war ein Jahr rapider Innovation, weil unter den Bedingungen der Pandemie schnell innovative Lösungen gebraucht wurden. Das hat sich für uns vor allem auch im Digital Health Bereich gezeigt. Einerseits verbesserte sich dadurch das Verständnis für die Chancen und auch Hürden von weitverbreiteter digitaler Gesundheitsversorgung, andererseits zeigte das auch die Bereitschaft und Offenheit von Nutzern gegenüber digitalen Gesundheitsservices.

Optimistisch bin ich auf jeden Fall: Es ist etwa die Aussicht darauf, unsere erste Version der App zu veröffentlichen. Oder die weitere Zusammenarbeit mit großartigen Team-Mitgliedern und Partnern, die auch digital super funktioniert. Aber vor allem, weitere Menschen kennenzulernen, unter anderem Kinder, denen wir mit unserer App helfen können und die mit uns weiterhin neue Innovationen kreieren. Bezogen auf die gesamte Digital Health Startup-Szene erwarte ich weitere Entwicklungen in der Integration von digitalen Lösungen in unsere Gesundheitssysteme, nachdem Deutschland mit dem Digital Healthcare Act einen großen Meilenstein vorgelegt hat.

Robert Kopka, Gründer Luke Roberts

2020 war für die Startup-Szene ein sehr schwieriges Jahr. In Zeiten großer Unsicherheit werden weniger Firmen gegründet und es wird weniger investiert (auch wenn es viele Investments in Portfolio-Firmen gab, um diese vor dem Untergang zu retten). Es gibt aber auch Gewinner. All diejenigen Firmen, die die Digitalisierung vorantreiben, haben einen nachhaltigen Boost erfahren. Das Home Office ist salonfähig geworden und viele Firmen haben auch realisiert, dass anstelle eines teuren Business-Trips ein virtuelles Treffen in vielen Fällen genügt. Ich erwarte hier starke Veränderungen, die über die aktuelle Krise hinaus fortbestehen werden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nach einigen Anfangsschwierigkeiten konnten viele Branchen zu einem einigermaßen normalen Betrieb zurückkehren. Nachdem die anfängliche Panik abgeflacht ist, haben viele Menschen wieder positiver in die Zukunft geblickt und sobald die Impfungen beginnen, wird es eine Aufbruchstimmung und einen starken Nachholbedarf geben. Ich rechne mit einem guten Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosenzahlen 2021 und davon werden sehr viele Branchen profitieren.

Alex Kirchmaier, Co-Founder Renjer

Als Innovationswissenschaftler weiß man, dass besonders einschneidende Ereignisse wie Krisen oft als Katalysator für Innovation dienen können. Ich denke, genau das hilft schlanken Startups und ihren kreativen Köpfen. Sie können sich schneller auf neue Situationen einstellen als träge Konzernstrukturen. Auf eine Art werden auf manchen Märkten also die Karten neu gemischt und neue, disruptive Innovation bekommt die Chance, antiquierte Standards abzulösen. Ein weiterer entscheidender Vorteil, den die Covid-19-Krise den Startups gebracht hat, ist die Beschleunigung der Digitalisierung. Vom Heimbüro, über den Handel bis zur Freizeitgestaltung, wurden sowohl Akzeptanz als auch Anwendung virtueller Kommunikation um Jahre in die Zukunft befördert. Das bringt uns nicht nur flexible Arbeitszeit und Arbeitsorte, sondern auch den, für Startups besonders bedeutenden, direkten Kanal zum Kunden. Das Internet selbst hat das Unternehmertum schon in den vergangenen Jahrzehnten enorm liberalisiert, doch das Jahr 2020 hat dieser Entwicklung noch einmal in eine ganz neue Dimension verholfen.

Ich habe einiges geplant im nächsten Jahr. Der Start wird wohl nicht einfach werden, aber ich bin sehr optimistisch, dass sich im Laufe des Jahres – spätestens nach Überwindung der schlimmsten Krisenzeiten – auf vielen Märkten eine gewisse Euphorie einstellen wird. Auf Krisen folgt ja meist eine Wachstumsphase und mein Ziel ist es, an dieser, sowohl mit unserem Unternehmen Renjer als auch mit neuen Projekten, teilzuhaben. Was mich darüber hinaus positiv stimmt, ist die Tatsache, dass wir uns nach einem Umsatzeinbruch von etwa 80 Prozent im April durch das Erschließen neuer Kanäle auf ein solides Niveau zurück gearbeitet haben. Wenn die alten Kanäle – insbesondere Tourismus – zurückkommen, steht uns als ein beachtliches Wachstum bevor.

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Die Bybit Payments GmbH hat von der FMA eine E-Geld-Konzession erhalten und treibt damit den Ausbau des Wiener EU-Standorts voran. Im Interview erklärt Geschäftsführer Bernhard Krick, warum die Wahl auf Österreich fiel, was aus Bybit.eu werden soll und warum er eine Banklizenz nicht ausschließt.
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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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