29.12.2021

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

Am Ende des bislang spektakulärsten Jahrs der heimischen Startup-Geschichte haben wir Stimmen von Key-Playern der Szene mit einem Rück- und Ausblick eingefangen.
/artikel/startup-stimmen-zum-jahreswechsel-mein-bestes-jahr-bisher-trotz-politik
Startup-Stimmen 2021: Wir haben zum Jahreswechsel Stimmen aus der Startup-Szene eingefangen
Wir haben zum Jahreswechsel Stimmen aus der Startup-Szene eingefangen

Wenn Hansi Hansmann von „wohl seinem besten Jahr bisher“ spricht (siehe unten), dann hat das was zu sagen. Generell geht ein für die Startup-Szene spektakuläres Jahr zu Ende. Die größten Investments des Landes bislang mit den ersten zwei Unicorns gab es ebenso 2021, wie den bisher größten Exit. Und neben diesen Big News gab es eine riesige Zahl an „kleineren“ Millioneninvestments und Exits. Zuviel Jubelstimmung ist dennoch nicht angesagt, wie auch die Statements von Key-Playern der Startup-Szene, die wir eingeholt haben, zeigen. Nach wie vor Kritik gibt es an den Rahmenbedingungen für Startups in Österreich und an den politisch Verantwortlichen. Das drückt den für die Szene typischen Optimismus für das kommende Jahr aber nicht zu sehr. Gut so!


Hansi Hansmann, Business Angel

Hansi Hansmann © Maximilian Rosenberger
Hansi Hansmann | © Maximilian Rosenberger

2021 war ein tolles Jahr mit einem Riesen-Schub, auch für die heimische Szene. Es gab viel – vielleicht sogar zu viel – Geld am Markt, vor allem US-Geld, das nach Europa drängt und auch Österreich „erwischt“. Die zwei Unicorns sind toll für uns, auch die zehn bis 20 großen Finanzierungsrunden mit mehr als zehn Millionen Euro Volumen. Das kaschiert die strukturelle Schwäche unseres Ökosystems. Es sollten eben zehn mal so viel sein (und das Potenzial dafür hätten wir).

Die Politik hat sich durch ein weiteres Jahr sensationelle Untätigkeit ausgezeichnet. In den wesentlichen Bereichen (siehe Katalog von aaia, AustrianStartups und AVCO) ging, wie immer, überhaupt nichts weiter, was mich zwar nicht mehr überrascht, aber trotzdem grauslich ist. Leider hat sich noch immer nicht „nach oben“ durchgesprochen, dass es nicht um ein paar Startup-Nerds geht, sondern darum, ob wir beim unglaublichen Innovationsschub, der in den nächsten Jahren durch Startups entstehen wird, vorne dabei oder bloß Zuschauer sein wollen. Stichwort: Abstieg von der zweiten Liga in die dritte.

Persönlich war es für mich ein Hammer-Jahr. Mit sechs Exits, davon mit Busuu und durchblicker zwei richtig große, und drei großen Finanzierungsrunden im Portfolio – Anyline, Tractive und storebox – und ein paar coolen neuen Co-Investments war es wohl mein bestes Jahr bisher – trotz Politik.

Hannah Wundsam, Managing Director AustrianStartups

Hannah Wundsam | (c) Moore

Für AustrianStartups war 2021 das Jahr der Entrepreneurial Education. Über 1800 Schüler:innen konnten das bei einer Youth Entrepreneurship Week in diesem Jahr Gründen hautnah erleben, und gleichzeitig sind die ersten Alumni unseres Entrepreneurial Leadership Programs mit ihren Startups so richtig durchgestartet. Großartig zu sehen ist auch, dass mit der Landkarte für Entrepreneurship Education ein Fahrplan für die nachhaltige Integration von Entrepreneurship in den Schulalltag vorgelegt wurde. Jetzt geht es wie immer um die Execution.

Herausfordernd waren die umfassenden Diskussionen zu weiteren Forderungen, die schon seit Jahren aus dem Ökosystem kommen. Von einem sehr fortschrittlichen Vorschlag für eine neue Rechtsform mussten immer mehr Abstriche gemacht werden. Die „Mitarbeiterbeteiligung“, die im Zuge der Steuerreform präsentiert wurde, ist weit weg von der Realität der Startup-Szene und die instabile politische Lage hat den Start weiterer Maßnahmen erheblich gebremst. Dadurch sind viele unserer Empfehlungen im Policy Tracker, welcher den Fortschritt auf politischer Ebene visualisiert, auf rot geblieben.

Von 2022 erwarten wir uns, dass in die Umsetzung gegangen wird und unsere Policy-Ampel endlich auf grün schaltet. Die wirtschaftlich und ökologisch herausfordernde Lage wird einer breiteren Bevölkerung zeigen, dass Innovation und Entrepreneurship einer der wenigen krisenfesten Wachstumsmotoren sind.

Paul Klanschek, Co-Founder Bitpanda

Paul Klanschek | (c) Bitpanda

2021 war ein deutlich besseres Jahr als erwartet. Sowohl für Bitpanda als auch für die gesamte Wirtschaft in Österreich. Es war das Jahr der Megafundings in Österreich und hat gezeigt, dass man es auch aus Österreich heraus auf die Internationale Bühne schaffen kann.

Viel Geld im Markt hat die gesamte Risikokapitalszene angetrieben und zu sehr viel Konkurrenz in den Cap-Tables der Startups geführt, was für Startups gut ist, aber natürlich auch Risiken mit sich bringt. Das viele Geld hat auch das Interesse in die Kapitalmärkte und Crypto-Märkte stark erhöht und somit Fintechs massives Wachstum beschert.

2022 wird ein spannendes Jahr. Die Auswirkungen der massiven Geldpolitischen Entscheidungen werden sich erst langsam zeigen, können jedoch massiven Wirbel in die durch Covid und andere Events nervösen Märkte bringen. Wie immer wird es aber auch hier Gewinner und Verlierer geben und sich smart zu positionieren wird viel helfen.

Laura Egg, Managing Director aaia

Laura Egg, Managing Director der aaia.
Laura Egg, Managing Director der aaia | © aaia

Das Jahr 2021 war stark geprägt von den zwei Unicorns und der generellen Intensität von Finanzierungsrunden. Dies hat zusätzliche Aufmerksamkeit auf die österreichische Startup-Szene und auch speziell auf Angel Investments gelenkt. Zudem herrschte große Kooperationsbereitschaft auf allen Ebenen des Ökosystems und es wurden Synergien, anstatt zusätzlichem Wettbewerb, geschaffen. 

Covid und die unklare politische Situation haben allerdings auch stark das Jahr geprägt und trotz intensiven Stimmen aus der Community wurde wenig an den aktuellen Rahmenbedingungen für Startups verändert. Hier war die ökosoziale Steuerreform besonders enttäuschend. 

Nächstes Jahr erwarten uns in jedem Fall weitere Finanzierungsrunden und Exits und höchst wahrscheinlich weitere Unicorns. Wir arbeiten mit gezielten Maßnahmen weiterhin stark daran, den privaten Kapitalmarkt in der Frühphase zu stärken und 2022 auch gezielt weibliche Angel Investorinnen auszubilden. Zudem wäre das Gründer:innen Paket natürlich ein großer Meilenstein.

Kambis Kohansal Vajargah, Head of Startup-Services WKO

Kambis Kohansal Vajargah, | (c) Christoph Steinbauer

2021 erlebten wir, wie stark sich heimische Startups über längere Zeit auch auf schwierige Marktsituationen anpassen können und sich darauf aufbauend sogar erfolgreicher aufgestellt haben. Mit über zwei Dritteln Green Startups erkennt man, wie sehr Nachhaltigkeit im Fokus des Geschäftsmodells steht. Wir nahmen an ersten Unicorn-Events teil und sahen, wie unsere Unternehmer Österreich auf die globale Startup-Landkarte katapultiert haben. Bei der Wirtschaftskammer konnten wir darüber hinaus unsere neuen Flagship-Initiativen înno up und Born Global Academy starten.

Aber Startups benötigen mehr zielgerichtete, rechtspolitische Maßnahmen, die sie im Wachstum unterstützen. Bei den Themen neue Rechtsform, Mitarbeiterbeteiligung, Beteiligungsfreibetrag und Rot-Weiß-Rot Karte sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen. Die Umsetzung bleibt eine Herausforderung und ist eine unserer wichtigsten Aufgaben im Jahr 2022.

2022 sollten wir genau dort weitermachen, wo wir 2021 aufgehört haben: mehr Startups in der Quantität und Qualität, mehr Initiativen für Entrepreneurship Education, mehr Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell und Österreich für Startups attraktiver gestalten.

Conny Hörl, Business Angel, CK Venture Capital

Katja Ruhnke und Conny Hörl investieren mit CK Venture Capital in Startups © brutkasten/bittner
Katja Ruhnke und Conny Hörl investieren mit CK Venture Capital in Startups © brutkasten/bittner

Ich bin sehr glücklich, dass alle unsere elf Startups das Jahr gut überstanden haben. Medikura war für mich ein besonderes Highlight. Die haben heuer einen Pivot gemacht zu XO Life. Die Gründerin hat sich von ihrem Mitgründer getrennt und das neue Geschäftsmodell hat dann voll eingeschlagen und bringt jetzt wirklich starke Umsätze. Ein weiteres Highlight war für uns die Beteiligung YourGrow, bei der wir stark in den Prozess des go to market involviert waren.

Für 2022 haben fast alle unsere Startups die Series A-Runde vor sich. Das ist für uns ein großer Schritt und wenn der erledigt ist, ist das auch für uns als Investorinnen eine gute Sache. Ich will in diesem Jahr auch unbedingt noch in ein österreichisches Startup investieren – da sind wir mit einigen im Gespräch.

Johannes Braith, Co-Founder Storebox

Johannes Braith | (c) Storebox

2021 war geprägt von großen Finanzierungsrunden und Exits. Die österreichische Startup-Szene wurde gefühlt etwas erwachsener und entwickelte sich in eine spannende Richtung. Durch COVID-19 wurden viele Bereiche weiter digitalisiert und innoviert. D2C Businesses, E-Commerce und Click & Collect Lösungen erleben einen wahren Boom, von dem Storebox stark profitiert. Ich erwarte, dass das Finanzierungsvolumen im Jahr 2022 weiter steigen wird und die großen institutionellen Investoren vermehrt auf Österreich blicken werden.

Berthold Baurek-Karlic, Investor

Berthold Baurek-Karlic, Venionaire Capital | (c) Rene Wallentin

Rückblickend war das letzte Jahr wirtschaftlich für uns sehr erfreulich. Wir haben unser Team ausgebaut und haben eine super Stimmung im Office. Das freut mich riesig. Wir planen im nächsten Jahr weitere fünf bis zehn Talente an Bord zu holen, die uns bei der Umsetzung neuer Fonds unterstützen werden.

Unsere Startups haben sich sehr gut entwickelt, was sicherlich nicht leicht war im gegebenen Marktumfeld. Der starke Exit unserer Beteiligung Kompany hat international Wellen geschlagen, was viele Augen auf Österreichs Startup-Sektor richtet.

Vollkommen versagt hat leider die Politik. Der Standort Österreich hätte eine große Chance gehabt, stärker aus der Krise zu kommen. Diese Chance hat man verspielt. Die heurigen Erfolge sind trotz der Blockaden und Widrigkeiten des Standorts umso bemerkenswerter, ich traue mich gar nicht daran zu denken was möglich wäre, wenn die Politik endlich ihren Worten Taten folgen lassen würde.

Martin Klässner, Gründer has·to·be und Business Angel

has.to.be
has.to.be-CEO Martin Klässner | © has.to.be

Für mich selbst war die positivste Entwicklung natürlich der erfolgreiche Verkauf von has·to·be an ChargePoint als bisher größter Exit in Österreich. Dies nicht (nur) wegen dem guten Deal, sondern vielmehr aus der Tatsache heraus, dass wir zeigen konnten, dass auch Österreich Markt- und Innovationsführer erfolgreich hervorbringen kann. Die Startup-Landschaft in unserem Land wird vielfach noch unterschätzt. Ich bin mir aber sicher, dass wir in den nächsten Jahren noch einige Erfolgsgeschichten sehen werden.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden uns auch im kommenden Jahr noch stark beschäftigen. Natürlich ist dies in vielen Bereichen negativ, jedoch darf man auch nicht die Chancen vergessen, die die neue Lebens- und Arbeitswelt mit sich bringt. Ich denke, dass insbesondere die Reduktion von Reisen einen positiven Effekt auf die Umwelt nehmen wird. Auch glaube ich, dass vor allem vernetzte Systeme und Dienste entstehen werden, die ein verteiltes Arbeiten noch einfacher und effektiver machen. In diesem Bereich liegen vermutlich die nächsten Hidden Champions.

Fakt ist: 2022 wird ein spannendes, in vielerlei Hinsicht aber sicher auch ein herausforderndes Jahr werden! Ich freue mich darauf!

Carina Margreiter, Head of Entrepreneurship & Creative Industries at Austria Wirtschaftsservice (aws)

Carina Margreiter | (c) aws

2021 war erneut geprägt von Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie und für die österreichische Wirtschaft kein leichtes Jahr. Die Erstfinanzierungsrunden bei Startups haben sich eher seitwärts als steil nach oben bewegt, wie Erhebungen zeigen. Beim Angebot an Risikokapital gibt es in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ähnlicher Größe noch Luft nach oben.

Wir konnten aber dennoch beobachten, dass die Zahl der Neugründungen gestiegen ist. Innovative Ideen etwa im Bereich der Digitalisierung oder auch der Life Sciences sind besonders gefragt. Auch der Unternehmer:innen-Geist wurde nicht gebremst. Wir sehen das durch das große Interesse für unsere Programme und Wettbewerbe für junge Gründer:innen, wie Jugend Innovativ oder aws First Inkubator. Hier konnten wir 2021 viele am Weg zum Unternehmertum begleiten.

Besonders freut uns, dass bei unseren Förderungsprogrammen aws Creative Impact oder Seedfinancing die Themen Social-Impact und Nachhaltigkeit in den Vordergrund rücken. Auch bei den Vernetzungsservices von aws Connect zwischen Startups, Investor*innen und Corporates sehen wir positive Entwicklungen.

Die Pandemie hat gezeigt, dass es Innovationen für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel braucht. Wir sehen unter anderem Impact Startups als Keyplayer und adaptieren unsere Förderungsprogramme laufend nach den Bedürfnissen des Marktes. Wir haben viel vor 2022 und freuen uns auf viele spannende Unternehmensprojekte.

Herbert Gartner, Investor

Herbert Gartner | (c) Martin Wiesner

Ich hatte einige Highlights dieses Jahr, etwa die acht- bis neunstellige Exit (abhängig vom Earn-Out) von Xaleon an Teamviewer, die hohen Wachstumsraten bei vielen unserer Portfoliounternehmen wie z.B. Finmatics, ilvi, App Radar, Greenwood-Power, Fauna, etc, der Durchbruch bei unserem großen Pro-bono-Projekt „Wildnisgebiet Lassingtal“ nach fast 10 Jahren Engagement, tolle Neuinvestments wie z.B. in die Material-Science-Firma Kape, die 30 Millionen US-Dollar-Finanzierungsrunde bei USound und die erfolgreiche zweite Spin-off Austria-Konferenz mit fast 1.000 Teilnehmern.

Gleichzeitig sehe ich weiter großen Handlungsbedarf seitens der Politik. Ich hoffe, dass das Regierungsprogramm 2022 endlich umsetzt wird und hier vor allem einige relevante Punkte. Erstens die Mitarbeiterbeteiligung. Die Beteiligung für Mitarbeiter muss steuerlich der Beteiligung für Investoren gleichgestellt sein. Ich verstehe nicht, warum der Staat Mitarbeiter bei Beteiligungen doppelt so hoch besteuert wie Investoren. Zweitens die Rot-Weiß-Rot-Card. Wir müssen hochqualifizierten Hightech-Mitarbeitern aus Drittstaaten den roten Teppich ausrollen, anstatt sie zu behindern. Volkswirtschaftlich ist das sehr unvernünftig, wie wir uns hier verhalten. Drittens der Beteiligungsfreibetrag. Das würde der Innovationslandschaft und damit der Zukunft Österreichs einen großen Schub geben. Und dann noch die Pflichtveröffentlichungen in der Wiener Zeitung: Wenn diese nicht bald Geschichte sind, sollte man zu einem landesweiten Boykott aufrufen.

Mahdis Gharaei, Co-Founder the female factor

Mahdis Gharaei und Tanje Sternbauer haben the female factor gegründet © Tamás Künsztler
Mahdis Gharaei und Tanja Sternbauer haben the female factor gegründet © Tamás Künsztler

2021 war eindeutig ein gutes Jahr für die österreichische Startup Szene – ein starker Anstieg an (internationalem) Kapital, die ersten Unicorns und internationale Aufmerksamkeit!

Was (wie jedes Jahr) gefehlt hat ist Diversität. Zwar haben sich die ersten VCs zur Förderung von Diversität in Gründer:Innen Teams ausgesprochen, aber es bleibt abzuwarten ob nur Marketing oder wirklich strukturelle Maßnahmen dahinterstehen. Schlagzeilen und Cover waren geprägt von weißen Männern, die die nächste Finanzierungsrunde aufgestellt haben. Mein Wunsch für 2022 ist, dass sich dies endlich ändert und dass sich nicht nur VCs sondern auch Medien ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden.

Mehr wachsende Startups in Österreich bedeutet ein höherer Bedarf an Talenten. Glückerweise sprechen sich dabei immer mehr Startup-Gründer:innen für Diversität im Hiring aus und erklären dies früh zur Priorität. Die Anfragen für unsere in-house Talent Search Services sind daher immens gestiegen und die Daten unserer Job-Plattform für weibliche Talente zeigen ganz klar das Interesse der Gen Y&Z an Jobs in Startups – dies wird 2022 weiter steigen.

Ob Österreich daher international im “War for Talents” 2022 mithalten kann, liegt meiner Meinung nach an zwei Dingen: Priorisierung von Diversität in der Unternehmenskultur zur Sicherung der Arbeitgeberattraktivität und Verbesserung von Prozessen zum Hiring von internationalen Talenten (Stichwort Rot-Weiß–Rot Karte, remote work policies, Bürokratie bei der Anstellung von Talenten, die im Ausland leben).

Die lange Prozedur hinter der Rot-Weiß-Rot Karte zur Anstellung von dringend notwendigen Talenten aus dem Ausland ist in meinen Augen weiterhin eine der größten Challenges für heimische Startups & Scaleups und ein klarer Nachteil für den Standort Österreich.

Startups bilden essentielle Arbeitsplätze und benötigen im globalen Wettbewerb auch globale Talente. Das gilt es 2022 zu fördern anstatt Steine in den Weg zu legen.

Clemens Wasner, Co-Founder EnliteAI und AI Austria

Clemens Wasner ist CEO von Enlite AI und diskutiert im Podium zum Thema "Künstliche Intelligenz: Die Welt in fünf Jahren" auf der VIP night.
Clemens Wasner, Co-Founder EnliteAI und AI Austria | (c) Clemens Wasner

Neben der anhaltend positiven Entwicklung des AI-Ökosystems wird 2021 vor allem für richtungsweisende Entscheidungen auf EU Ebene in die Geschichtsbücher eingehen. Ob und wie ein europäischer Weg in AI aussehen kann liegt – wie so oft – in der Hand von Entrepreneur:innen.

Deine ungelesenen Artikel:
04.09.2026

Kann Europa ohne Startups gewinnen? – Im Interview mit AustrianStartups-Chefin Hannah Wundsam

Beim European Forum Alpbach steht die Zukunftsfähigkeit des Kontinents im Fokus. Im Interview erklärt Hannah Wundsam (AustrianStartups), wie Gründer:innen diesen Erfolg mitgestalten. Vom Beschaffungswesen über Risikokapital bis hin zur richtungsweisenden Debatte um die EU Inc.
/artikel/kann-europa-ohne-startups-gewinnen-im-interview-mit-austrianstartups-chefin-hannah-wundsam
04.09.2026

Kann Europa ohne Startups gewinnen? – Im Interview mit AustrianStartups-Chefin Hannah Wundsam

Beim European Forum Alpbach steht die Zukunftsfähigkeit des Kontinents im Fokus. Im Interview erklärt Hannah Wundsam (AustrianStartups), wie Gründer:innen diesen Erfolg mitgestalten. Vom Beschaffungswesen über Risikokapital bis hin zur richtungsweisenden Debatte um die EU Inc.
/artikel/kann-europa-ohne-startups-gewinnen-im-interview-mit-austrianstartups-chefin-hannah-wundsam
Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von AustrianStartups © Philipp Huber / EFA

Seit 1945 treffen sich im Tiroler Bergdorf Alpbach, auf rund 1.000 Metern, Sommer für Sommer Vordenker:innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, um über Europas Zukunft zu diskutieren. Heuer steht das European Forum Alpbach unter dem Motto „How Europe Wins“. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und die Frage, wie Europa im globalen Wettlauf bestehen kann.

Welche Rolle Startups in dieser Debatte einnehmen und inwiefern sie als Hebel für Europas Siegeszug dienen können, hat brutkasten mit Hannah Wundsam auf der Terrasse des Congress Centrums besprochen.


brutkasten: „How Europe Wins“ lautet das Leitmotiv des diesjährigen European Forum Alpbach. Welche Bedeutung kommt Startups in diesem Diskurs zu, und woran liegt es, dass bei einer so zentralen Zukunftsfrage die Gründer:innenszene vergleichsweise wenig vertreten ist?

Hannah Wundsam: Das ist eine gute Frage. Denn wenn der Titel „How Europe Wins“ lautet, können wir nicht nur darüber sprechen, wie wir das verteidigen, was wir bisher haben, und wie wir die bestehende Industrie und Wirtschaft schützen – sondern auch darüber, wie wir Neues schaffen und über die nächsten Jahre hinweg wettbewerbsfähig bleiben. Dafür braucht es das Zusammenspiel von bestehender Industrie, Politik beziehungsweise der öffentlichen Hand und vor allem dem Startup-Sektor. Dort liegen die Wurzeln des zukünftigen Wachstums.

Ich glaube aber, dass wir in Österreich immer noch sehr in Schubladen denken: Es gibt die Events für Startups und die neue Generation – und dann das European Forum Alpbach hier in den österreichischen Bergen, wo man das Gefühl hat, hier gehe es vor allem darum, die bestehende Industrie zu stärken und zu vernetzen. Dementsprechend sehen auch viele Gründer:innen das Event nicht als relevant für sich, weil sie sich nicht angesprochen fühlen.

Ich versuche aber immer, Gründer:innen zu motivieren, herzukommen, weil ich es für eine gute Möglichkeit halte, sich mit CEOs und Politiker:innen zu vernetzen: einerseits, um sich bei politischen Entscheidungsträger:innen Gehör zu verschaffen, deshalb sind auch wir immer hier, und andererseits, um Entscheidungspersonen aus großen und öffentlichen Unternehmen kennenzulernen, mit denen man dann zusammenarbeiten kann.

Welchen Platz kann ein vergleichsweise kleines Land wie Österreich in der europäischen Startup-Frage einnehmen?

Unsere Rolle ist gar nicht so klein, wenn man, das habe ich jetzt auch in der EU-Inc-Debatte gemerkt, die Vorbildwirkung Österreichs gegenüber den osteuropäischen Ländern nicht vergisst. Da ist oft die Haltung: Schauen wir mal, was Österreich macht, so wie wir uns anschauen, was die Deutschen machen. Ich glaube also tatsächlich, dass wir mit unseren Entscheidungen nicht ganz allein dastehen, sondern auch eine Auswirkung haben.

Österreich als eine Art Gateway vom Osten in den Westen ist etwas, das durch die EU Inc. theoretisch noch gestärkt werden könnte, aber ohnehin schon besteht. Insofern hat Österreich da eine Rolle. Und wir werden nach wie vor ein bisschen als neutraler Boden gesehen, der durchaus mit allen reden kann.

Welche Bedingungen bräuchte es, damit Startups in der „How Europe Wins“-Debatte mehr Gewichtung bekommen?

Ein Thema ist nach wie vor, dass österreichische Unternehmen im Vergleich zu anderen Ländern relativ wenig mit Startups zusammenarbeiten, das gilt auch für die österreichische Industrie. Selbst auf Ebene der Interessenvertretungen merke ich die Sorge, dass kein Geld mehr für die bestehende Industrie da ist, wenn die EU zu stark auf Startups fokussiert. Anstatt daran zu arbeiten, welche Möglichkeiten es gibt, damit Unternehmen und die öffentliche Hand tatsächlich zu Erstkund:innen von Startups werden. Viele Startups sagen mir, dass sie in Österreich gar nicht erst nach Kund:innen suchen.

Unternehmen müssten generell offener sein, ebenso die öffentliche Hand, und verstehen, dass sie mit Startups zusammenarbeiten müssen, wenn sie nachhaltig innovieren und wettbewerbsfähig sein wollen. Tatsächlich sagen viele Startups, dass sie eher im amerikanischen Markt nach Kund:innen suchen, weil man dort offener ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten, während man in Europa gleich fragt, ob man mit sämtlichen Richtlinien konform ist.

Auf europäischer politischer Ebene gibt es inzwischen ein viel größeres Verständnis dafür, dass Startups einer der Schlüsselfaktoren für unseren Standort und unsere Wettbewerbsfähigkeit sind, spätestens seit dem Draghi-Report. Das ist aber noch nicht in allen Mitgliedsländern angekommen. Am European Forum Alpbach etwa sind ganz viele Events, vor allem die Side-Events, auf Deutsch. Dabei sind gerade die für viele der eigentliche Grund, warum sie kommen. Das ist schwierig, wenn man die europäische Startup-Szene auch tatsächlich vor Ort haben möchte.

Wie sieht für dich als Geschäftsführerin von AustrianStartups ein Europa aus, das gewonnen hat?

Ich glaube, wir müssen es schaffen, eine starke Basis an Gründer:innen zu haben, und dafür braucht es mehrere Dinge. Es braucht eine Kultur quer durch Europa, in der Unternehmertum ein besseres Bild hat, in der Unternehmer:innen nicht als böse Kapitalist:innen gesehen werden, sondern als Zukunftsgestalter:innen, als Personen, die Wohlstand und Arbeitsplätze schaffen, die spannend sind und Vorbilder für Schulkinder.

Damit sind wir beim zweiten Thema: Ein Kulturwandel braucht einen Wandel in der Bildung, Unternehmertum muss Teil der Bildung werden und zwar nicht nur an Schulen in Österreich, sondern quer durch Europa. Es gibt Konzepte dafür, aber eben nicht in der Breite.

Und im Endeffekt braucht es die Rahmenbedingungen, die es für Gründer:innen attraktiv machen, hier nicht nur zu starten, sondern auch zu skalieren und zu bleiben. Dafür braucht es Kapital und dafür wiederum unterschiedliche Vehikel, um mehr Kapital nach Europa zu holen beziehungsweise das Kapital, das hier bereits vorhanden ist, zu aktivieren.

Der Dachfonds ist eine super Initiative, die jetzt schnell auf die Beine gestellt werden muss. Aber dabei kann es nicht bleiben, wir müssen größer denken: Es braucht einen Dachfonds 2, 3, 4, die noch einmal um einiges größer sind als die 500 Millionen Euro, und es braucht Wachstumskapital. Dafür wird es die bestehende Industrie, die öffentliche Hand und Investor:innen aus dem Ausland brauchen.

Wir müssen vorsichtig sein, nicht zu sehr ins Abschottungsdenken zu verfallen, denn darauf sind weder Österreich noch Europa ausgerichtet. Wir sind auf Basis einer florierenden und freien Marktwirtschaft gebaut worden. Wir brauchen Souveränität und Leverage aber das muss auch im Rahmen globaler Zusammenarbeit passieren.

Du sprichst von den Bedingungen: Wie beeinflussen die aktuellen Entwicklungen rund um die EU Inc. deiner Meinung nach die Zukunft europäischer Startups?

Die EU Inc. hat wirklich einen basisdemokratischen Impact gehabt: Extrem viele Personen aus der Startup-Szene haben sich in einen politischen, europäischen Prozess eingebracht, sich damit beschäftigt und ihre Stimme genutzt – und es geschafft, dass das Thema nicht nur auf europäischer Ebene besprochen wird, sondern tatsächlich in die Umsetzung kommt. Es gibt inzwischen einen Kommissionsvorschlag, der zwar nicht genau dem entspricht, was wir wollten, der aber zumindest die Möglichkeit geschaffen hat, hier einen europäischen Standard zu setzen.

Was ich im Prozess durchaus als gefährlich sehe: Die Mitgliedstaaten sagen zwar, dass sie eine starke Europäische Union wollen, setzen aber, sobald es konkrete Vorschläge gibt, alles daran, diese wieder zu entkräften. Österreich hat bislang zwar vom Wirtschaftsministerium und vom Kanzler die Zusage, dass die EU Inc. gewollt ist, das Justizministerium ist aber sehr kritisch. Und es gibt sehr viele Einzelpersonen und Interessenvertretungen, die stark dagegen arbeiten, etwa die Notariatskammer, die Gewerkschaft und die Arbeiterkammer, die kein Interesse an einer starken EU Inc. haben. Das ist nicht nur in Österreich ein Thema, aber Österreich hat, wie schon gesagt, eine Vorbildfunktion: Wenn Österreich sich in den Verhandlungen hinstellt und die Vorschläge grundsätzlich infrage stellt, sehen das viele Länder, die historisch zu Österreich aufschauen, und werden ebenfalls kritischer. Das haben wir in den Verhandlungen auf Ratsebene durchaus schon erlebt.

Ich hoffe, den Politiker:innen ist wirklich bewusst, was es bedeuten würde, wenn die EU Inc. scheitert, also wenn am Ende nur ein sehr schwacher Kompromiss herauskommt. Die europäische Startup-Szene würde das als Backlash empfinden und sich denken: Wenn nicht einmal das möglich ist, sehen wir in Europa keine Zukunft. Das halte ich für wirklich gefährlich.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup-Stimmen zum Jahreswechsel: „mein bestes Jahr bisher – trotz Politik“