28.02.2024

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

Stillend in Shareholder-Meetings oder Kuschelecke im Büro. Wie drei Mamas ihr Comeback in die Startup-Welt schaffen und warum sie deshalb keine Rabenmütter sind.
/artikel/startup-mutter-kind-eine-erzaehlung-von-rabenmuettern
(v.l.n.r.): Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens, Bernadette Frech, CEO von instahelp, Sandra Zima, Gründerin von Snagy (c) PelviQueens, instahelp, Sandra Zima

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen brutkasten-Printmagazin (Download-Möglichkeit am Ende des Artikels).


Eine blaurote Rutsche thront auf einer bunten Spieldecke. Ein leises Klingeln ertönt – eine Modelleisenbahn ist im Anmarsch. Judith Sacher, Unternehmerin und Physiotherapeutin, sitzt in einer bilderbuchähnlichen Atmosphäre. Neben ihr spielt eine Miniversion ihrer selbst. Ein leises Klappern am Parkettboden füllt den Raum. Seit August 2022 ist sie Mama. Wenige Wochen später war sie wieder back to business, knapp sechs Monate später gründete sie ihr Startup.

Bernadette Frech wurde als CEO Mama und Sandra Zima erschuf kurz nach der Geburt ihrer Tochter ein Startup. Beide sind ähnlich wie Sacher und doch anders im Unternehmerinnentum tätig. Und wissen, wie es geht.

Sacher, Frech und Zima haben eines gemeinsam: Familie, Startup-Gründung und Unternehmensführung schließen sich bei den drei Müttern nicht aus. Es geht um Adaption, Hilfestellung, Mindset und allgemein um eine moderne Unternehmenskultur, wie sie das Jahr 2024 auch verdient hat. Und schließlich geht es immer noch um das Aufbrechen von Klischees und die fälschliche Verwendung des Begriffs Rabenmutter.

Vom Wochenbett zur Gründung

Nach ihrer Erholungsphase im Wochenbett kehrte Judith Sacher in ihren Job zurück. Nun erzählt sie, warum sie am ursprünglichen Geburtstermin noch arbeitete, wie sie den Schritt zur Gründung knapp sechs Monate nach Entbindung wagte, warum man als Startup-Gründerin keine schlechte Mutter ist.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens (c) PelviQueens

Sacher ist Physiotherapeutin und lebt in Oberösterreich. Schon vor ihrer Schwangerschaft arbeitete sie selbstständig in ihrer eigenen Praxis – neben einer Fixanstellung. Ihre Arbeit erfüllt sie. Sonst wäre sie zum Geburtstermin ihres Sohnes nicht in ihrer Praxis gestanden: “Der hat sich nämlich um zwei Wochen nach hinten verschoben”, erinnert sich Sacher. “Und mir ging es so gut, also dachte ich mir, warum nicht?”

Sacher ist eine der vielen Unternehmer:innen, die sich häufig Kommentare wie “Dass du so schnell wieder arbeitest!” und “Du warst nur so kurz in Karenz?” anhören müssen. Doch Sacher weiß, dass man sich als frisch gebackene Mama trauen darf, bald wieder zur Arbeit zurückzukehren. Wie das geht? Am ehesten mit einem strikten aber gesunden Verhältnis zwischen Arbeit und Familie.

“Mein Sohn kam im August 2022 auf die Welt und im Februar darauf kam mir mit einer guten Freundin unsere Startup-Idee.” Judith Sacher und Magdalena Rechberger kennen sich aus dem Studium und arbeiten mit PelviQueens seit Februar 2023 an einer Aufklärungsplattform für Frauengesundheit.

Als Unternehmerin spricht sie ein Tabuthema an, das vielen jungen Familien häufig den Mut vor einer Unternehmensgründung nimmt: “Nur, weil man gerade frisch Mama oder Papa geworden ist und wieder Lust hat zu arbeiten, ist man keine Rabenmama”, erklärt Sacher. “Ich habe gemerkt, wie viel ausgeglichener ich bin, wenn ich arbeiten kann und nicht nur 24/7 Mama bin.”

Ich hab gemerkt, wie viel ausgeglichener ich bin, wenn ich arbeiten kann und nicht nur 24/7 Mama bin.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens

Frischgebackene Eltern, die ein Unternehmen führen, selbstständig sind oder über eine Gründung nachdenken, sollten ihren Traum nicht des Kindes wegen wegstecken, meint die Physiotherapeutin. “Mein Mann hat auch ein Startup und wir teilen uns unsere Arbeits- und Familienzeit gut ein. Das ist etwas, das wir in einem Angestelltenverhältnis so nicht machen könnten.”

Damit das Gründen und die Selbstständigkeit auch tatsächlich funktionieren, braucht es vor allem eines: Support. “Ohne meine Eltern und meinen Partner wäre das nicht möglich. Ich arbeite 35 bis 45 Stunden pro Woche und muss mir das gut einteilen. Dank der Unterstützung aus meinem Umfeld kann ich den Traum von meinem eigenen Startup leben und nebenher noch als Physiotherapeutin in meiner Praxis tätig sein.”

Der Plan ging auf, PelviQueens floriert: Im Rahmen des tech2b Inkubators ist bald der Launch eines Hardware-Produkts geplant. In den Köpfen der Gründerinnen schwirren weitere Pläne und für das Mama-Sein bleibt Zeit. “Man braucht Flexibilität und Support, das ist klar. Genauso braucht man aber auch den Willen, wieder selbstständig arbeiten zu wollen. Viele sehen ihre Berufung im Mama-Sein, viele im Unternehmerin-Sein, und viele in beidem”, so Sacher.

Wenn man was gefunden hat, das einem Spaß macht, dann sollte man keine Zeit verlieren und es umsetzen. Egal, in welcher Lebenssituation man sich befindet.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens

Als Mama darf man sich entfalten

“Alte Frauenbilder darf man als Gründerin nicht verfolgen. Man ist keine schlechte Mutter, nur weil man seiner Leidenschaft nachgeht und Erfüllung in seinem Beruf findet”, bestärkt Sacher. “Auch als Mama darf und soll man sich entfalten – und wenn man was gefunden hat, das einem Spaß macht, dann sollte man keine Zeit verlieren und es umsetzen. Egal, in welcher Lebenssituation man ist.”

In einer ähnlichen Lebenssituation befindet sich Bernadette Frech, CEO von instahelp. In einer, in der Schlaf Mangelware ist und man neue Methoden des Zeitmanagements finden muss, um den gewohnten Arbeitsalltag nicht komplett zu verlieren. Sie leitet seit 2018 das Mental-Health-Startup, das psychologische Beratung online anbietet.

Bernadette Frech, CEO von instahelp (c) instahelp

Seit 2021 ist sie zudem Beraterin des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und arbeitete in der Arbeitsgruppe Gesundheit für die Entwicklung der Standortstrategie 2040 für Österreich mit. Instahelp selbst wurde 2019 beim 4gamechangers Festival zu Österreichs “Startup des Jahres” und von der WKO als “Born Global Champion” ausgezeichnet, 2020 bis 2024 auch zur deutschen Top Brand Corporate Health und erhielt 2021 den Digi Health Award.

Die CEO ist Mutter zweier Söhne, neun und zehn, die sie alleine aufgezogen hat; im Sommer 2023 kam noch ein Baby dazu. Bis auf die Pause im Mutterschutz hat sie ihr Startup nicht verlassen und ist aktuell geringfügig angestellt, wie sie mit sanfter Stimme erzählt, ihr dritter Sohn schlafend im Hintergrund liegend.

Stillend in Shareholder-Meetings

Frech saß bereits stillend bei Shareholder-Meetings, hat in ihrem Büro eine kleine Babyecke mit viel Spielzeug und Laufstall eingerichtet und, mit Weitsicht, vor ihrer Karenz mit Silvia Geier eine zweite Geschäftsführerin als COO bestellt.

Die Unternehmerin hat sich nie als “Stay at Home-Mum” gesehen und wurde vom rein männlichen Shareholder-Board bestärkt: “Ich war mir unsicher, ob ich der Rolle als CEO von instahelp für das Team, für unternehmerische Ziele, aber auch mit dem hohen Anspruch, den ich an mich selbst stelle, gerecht werde. Das Shareholder-Board und das Team haben mich bestärkt in der Rolle der CEO mit Baby zu bleiben.”

Also folgte sie nach der erwähnten Auszeit dem Ruf der Rückkehr und weiß heute: “Es ist (Anm.: in der Firma) wieder eine Aufgabe, eine eigene Rolle zu finden”, sagt sie. “Man ist nicht ‘full time’ da, man ist anders zurück.” Zur Unterstützung macht Frech ein Coaching, mit einer instahelp-Psychologin, bei dem sie sich in dem Prozess begleiten lässt. “Es ist ein wenig ein ‘loslassen’, man kann zwar sein Startup weiterführen, aber es muss anders sein. Dazu sind gute Rahmenbedingungen wichtig.”

In diesem Sinne hat die Europäische Investitionsbank (EIB) im November 2022 eine Studie “Warum es sinnvoll ist, Unternehmerinnen in Europa zu unterstützen” betitelt und darin belegt, dass Unternehmerinnen als Vorbilder für die Stärkung der Rolle der Frauen in der Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Volkswirtschaft leisten.

Darin heißt es im Wortlaut: “Untersuchungen zeigen, dass frauengeführte Unternehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit solide Managementmethoden – und mehr Leistungsindikatoren – anwenden und eher bereit sind, neue Produkte und innovative Lösungen einzuführen, nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit. Frauen neigen auch eher dazu, den grünen Wandel zu unterstützen, auf die CO2-Emissionen zu achten und sich Ziele für Energieeffizienz zu setzen. Von Frauen geführte Unternehmen erzielen bessere Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance, was die Bewertung ihrer Firmen und ihre Wahrnehmung durch Investoren und Kunden verbessert.”

Ich habe das Gefühl, dass man mit jedem Kind als Person flexibler wird.

Bernadette Frech, CEO von instahelp

Frech selbst fand ideale Rahmenbedingungen vor. Sie sagt: “Ich habe das Gefühl, dass man mit jedem Kind als Person flexibler wird. Ich glaube, was wichtig ist, ist dass, je flexibler man wird, so flexibel sollte man seine Organisation auch gestalten. Wir haben das Ziel, mit instahelp das familienfreundlichste Unternehmen in der Steiermark zu werden.”

Und dazu gibt es einige Methoden beim Grazer Startup: Neben flexiblen Arbeitszeiten, herrscht u.a. eine stark begrenzte Kernarbeitszeit vor, in der Meetings stattfinden müssen. Dazu gab es, wie Frech erzählt, ein klares Einverständnis von allen Beteiligten. Eltern, die die Eingewöhnungsphase im Kindergarten leidend durchstehen müssen, können auch remote von daheim arbeiten.

An dieser Stelle möchte die dreifache Mutter eine kleine Warnung aussprechen. Sie hat den Eindruck, dass “Mamas” in solchen Fällen von der Inanspruchnahme des Pflegeurlaubs zurückweichen und stattdessen lieber arbeiten, wenn sie es können. „Man muss hier auf den ‘mental load’ von Frauen achten und darauf schauen, dass man diese Möglichkeit im Unternehmen gut vorlebt. Da muss das ganze Management-Team dahinter sein”, sagt sie.

Als weitere Methodik auf Mitarbeiter:innen mit Kindern zu achten, erweist sich die Initiative “instahelp unter Palmen”. Jeder August ist bei uns komplett remote gestaltbar, Familien im Büro sind willkommen, für Kinder gibt es je nach Altersgruppe Spielzeug sowie ein Babynest für die ganz Kleinen.

“Sehr wichtig ist aber”, betont Frech, “den Kontakt mit Frauen in Karenz zu halten, damit diese nie ganz aus dem Betrieb fallen. Auch für die Mitarbeiterinnen ist es wichtig, da Arbeit für viele eine Säule im Leben darstellt. Wir geben die Möglichkeit, dass man mit Kind nicht alles ändern muss. Man kann zum Beispiel geringfügig weitermachen oder bei einfach bei Team-Events dabei sein. Damit man merkt, man wird vermisst und gebraucht. Und am Laufenden bleiben kann.”

Polizistin, Mutter, Gründerin

Sandra Zima, Gründerin von Snagy, einem Startup, das Kuschelsitzsäcke und Geburtskissen herstellt, ist seit 2005 bei der Polizei. Und wurde 2020 Mutter. Sie war vor ihrer Polizistinnenkarriere in der Elementarpädagogik tätig und widmet sich nun hauptberuflich dem Kinderschutz. Genauer, sie übernimmt die Vernehmungen von Kindern zwischen vier und 14 nach schweren Gewalthandlungen. Ihr Startup betreibt sie nebenher.

Sandra Zima, Gründerin von Snagy (c) Sandra Zima

“Die Affinität zu Kindern war bei mir immer schon gegeben”, sagt sie, “aber das Thema ‘Selbstständigkeit’ war ein langer Wunsch von mir.” So gründete sie im März 2022 Snagy und nahm eine Kollegin mit an Bord, die aktuell aber – aus Vereinbarkeitsgründen – nicht mehr dabei ist. Als Polizistin und Gründerin mit Kind ist Zima 24/7 im Einsatz und hat kein Problem, laufend erreichbar zu sein. Sie steht im Urlaub am Strand und telefoniert und kann – weil es die heutigen Zeiten zulassen – auch von überall aus arbeiten.

Meine Tochter wächst mit dieser Situation auf

Sandra Zima

Dabei ist ihr aber auch natürlich die mentale Komponente wichtig, mit der aktuell vierjährigen Tochter kann die Wienerin sich die Arbeitszeit so einteilen, wie sie es wünscht. “Meistens arbeite ich, wenn sie schläft und sitze in der Garage, fülle Kuschelwale und packe Kisten”, sagt sie. “Ein wichtiger Punkt ist, meine Tochter wächst mit dieser Situation auf und wird von mir eingebunden. Sie hat da einen anderen Bezug zu diesen Themen, als vielleicht andere Kinder.”

Als One-Woman-Show hat Zima nie wirklich mit diversen Hürden zu kämpfen gehabt, wie es andere Founderinnen haben, einzig die Undurchsichtigkeit im System ist ein Problemfall. Besonders wenn es um die Verbesserung von Rahmenbedingungen für Frauen als Unternehmerinnen mitten im Familienleben geht.

“Es gibt gar nicht so weit hergeholte Fragen, die schwer zu beantworten sind”, gibt sie ein Beispiel. “Ich habe ein Buch geschrieben, benötige ich dafür einen Gewerbeschein? Niemand konnte mir das sagen. Oder Fragen bei der Neuentwicklung von Produkten. Es war ein massiver Aufwand, um die richtigen Antworten zu erhalten.” Die Gründerin nennt ein paar Stellen wie riz up oder auch die WKO, bei denen sie Hilfe gefunden hat. “Aber es war die größte Herausforderung, die richtigen Plätze zu finden. In Sorge, durch Unwissenheit einen großen Fehler zu machen. Aber der Vorteil der heutigen Welt ist und bleibt, dass man sich die Antworten auf brennende Fragen selber holen kann.”

Egal ob bei Sandra Zima, Judith Sacher oder Bernadette Frech, die sich alle drei in unterschiedlichen Rollen und Phasen ihres Unternehmens befinden, eines wird nach Gesprächen mit den drei Founderinnen klar. Gründerinnentum und kleine Kinder ist kein diametrales Unterfangen mehr. Keine Utopie, die ein Dorf bedarf, um ein Kind zu erziehen. Und es muss auch nicht als übler Charakterzug gesehen werden, mit einem Kind arbeiten gehen zu wollen und die betreffende Person eine Rabenmutter zu nennen.

Rabenmütter sind keine Rabenmütter

Der Begriff Rabenmutter wird schon im Vorhinein inkorrekt verwendet. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) im Artikel “Rabenmütter sind keine Rabenmütter” beschrieb, sind die oftmals verschmähten Vögel vielmehr Vorbilder in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Kolkraben, die in lebenslanger Ehe zusammenhalten, kümmern sich geradezu aufopferungsvoll um ihre Jungen, heißt es darin. Und weiter: “Das Weibchen hudert (wärmt) sie in den ersten zwei Wochen nahezu ununterbrochen, zerkleinert das vom Männchen herangetragene Futter und füttert damit geduldig ihren Nachwuchs. Erst wenn die Brut satt ist, frisst es selbst.”

Was man aus diesen Zeilen mitnehmen kann, ist nicht bloß der Inhalt, der dort beschrieben wird. Ja, Raben haben einen zu Unrecht schlechten Ruf, was ihrer Federfarbe und der Mytholgie mitunter zu verdanken ist – das wirkliche Problem und Learning hier aber ist ein anderes.

Der FAZ-Artikel stammt aus dem Jahre 2005 und behandelte das Thema Vereinbarkeit und Beruf. 19 Jahre später ist es noch immer Thema und man muss erklären, dass Gründerinnen und Frauen in Karrieren, die Kinder in die Welt gesetzt haben, nicht automatisch “schlechte Mamas” sein müssen. Man muss darüber sprechen, wie man das Private gestaltet, um einerseits als Vorbild zu dienen, auf der anderen Seite um Kritikern, Zweiflern und misogynen Personen die Munition zu nehmen, wenn sie Wortschwalle ablassen mit vor Klischees triefenden Meinungen. Oder ihnen mitteilen, was Bernadette Frech zu sagen hat: “Wenn Frauen Kinder haben und gründen wollen, oder im Beruf bleiben, dann ist das möglich. Es ist 2024 möglich, das Unternehmen so zu gestalten. Es braucht schlicht nur gute Rahmenbedingungen.”

Sichere dir das brutkasten-Magazin in digitaler Form!

Trag dich hier ein und du bekommst das aktuelle brutkasten-Magazin als PDF zugeschickt und kannst sofort alle Artikel lesen!

Du erhältst mit der Anmeldung künftig auch Zugang für unseren Startup-Newsletter, den wir drei Mal pro Woche verschicken. Du kannst dich jederzeit unkompliziert wieder abmelden.

Deine ungelesenen Artikel:
23.09.2026

25 Jahre Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis: Das sind die Sieger:innen des Jubiläumsjahrgangs

Der Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte bei der Verleihung einen "Tag der Fehlerkultur" nach finnischem Vorbild ins Spiel.
/artikel/25-jahre-riz-up-genius-ideen-und-gruenderpreis-das-sind-die-siegerinnen-des-jubilaeumsjahrgangs
23.09.2026

25 Jahre Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis: Das sind die Sieger:innen des Jubiläumsjahrgangs

Der Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte bei der Verleihung einen "Tag der Fehlerkultur" nach finnischem Vorbild ins Spiel.
/artikel/25-jahre-riz-up-genius-ideen-und-gruenderpreis-das-sind-die-siegerinnen-des-jubilaeumsjahrgangs
Die Preisverleihung des 25. Riz up Genius Ideen- und Gründerpreises im Congress Center Baden. © NLK Khittl

25 Jahre Riz up Genius: Niederösterreichs Gründeragentur riz up hat am Montagabend im Congress Center Baden das Jubiläum ihres Ideen- und Gründerpreises gefeiert, brutkasten war vor Ort. Heuer wurden über 230 Geschäftsideen eingereicht, so viele wie nie zuvor, von der Bahnstrom-Versorgung bis zur „Smartwatch“ für Pferde. In den vier Kategorien innovativ genial, regional genial, digital genial und ökologisch genial waren jeweils sieben Projekte für das Finale nominiert. Die bestplatzierten Ideen erhielten zwischen 2.000 und 6.000 Euro Preisgeld, gesponsert von Industriellenvereinigung Niederösterreich, ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Wirtschaftskammer Niederösterreich, Raiffeisen Niederösterreich-Wien, Land Niederösterreich, Flughafen Wien, EVN, Novomatic, Wiener Städtische, accent, dem RIZ Förderverein Süd sowie riz up selbst.

„25 Jahre Riz up Genius-Preis, einfach eine Sensation, wo viele Erfolgsgeschichten bereits geschrieben worden sind und wo wir jetzt neue Erfolgsgeschichten schreiben“, so Mikl-Leitner im Rahmen der Preisverleihung. „Und ich bin unglaublich stolz auf so viel Innovationsgeist.“

Die Gewinner

Kategorie: innovativ genial

In der Kategorie innovativ genial ging der erste Platz an Cybershell Technologies aus Mödling. Das von Mario Curvelo Carvalho eingereichte Projekt ist eine modulare physische Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter. Während Plattformhersteller KI und Antrieb optimieren, setzt Cybershell bei mechanischer Robustheit, CE-Operationalisierung und Versicherbarkeit an und will so eine standardisierbare Schutzschicht für den europäischen Markt schaffen (5.000 Euro, Industriellenvereinigung Niederösterreich).

Platz zwei belegte ein Team aus Neunkirchen um Gerald Höllinger, Alexandra Bernegger und Sebastian Nowak, das BNCT-Anlagen zur Krebstherapie entwickeln will. Ein Linearbeschleuniger ersetzt dabei den Kernreaktor, die Behandlungszeiten sollen unter zehn Minuten liegen (4.000 Euro, Wiener Städtische). Den dritten Platz holte sich EquiShape aus Baden (Janine Rybin), eine Art „Smartwatch für Pferde“: Sensor-Gamaschen, eine App mit Dashboards und ein KI-Trainingsassistent sollen das Training fairer, gesünder und transparenter machen (2.000 Euro, riz up).

Cybershell Technologies aus Mödling holte mit einer modularen Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter den ersten Platz in der Kategorie innovativ genial. © NLK Khittl

Kategorie: regional genial

In der Kategorie regional genial gewann die Norphluchs GmbH aus Mödling mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks. Das Unternehmen von Stephanie und Christoph Böhm bündelt Personenrecherchen aus offenen Quellen und offiziellen Registern für HR- und Sicherheitsabteilungen. Dafür gab es 6.000 Euro von der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Platz zwei ging an die electrify smart energy GmbH aus Mistelbach (Dominik Kohl), die auf KI-gesteuerte Schwarmspeicher für die Energiewende setzt (4.000 Euro, EVN). Den dritten Platz teilen sich zwei Projekte. neuSTADTPILZE aus Wiener Neustadt (Joachim Hintenberger) lässt Frischpilze in einem vormals leerstehenden Kellergewölbe aus dem Mittelalter wachsen, ohne Befeuchtung und Klimatisierung. MoveOn aus Wiener Neustadt Land (Carina Polly, Dominik Lerch, Laurin Levai) bietet Eltern von Kindern und Jugendlichen, die vom Schulbesuch befreit oder dauerhaft krankgeschrieben sind, mobilen Unterricht zu Hause, psychosoziale Begleitung und die Koordination von Hilfskräften. Ziel ist, Schulabbrüche zu vermeiden. Beide erhielten je 2.000 Euro vom RIZ Förderverein Süd.

Die Norphluchs GmbH aus Mödling gewann mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks die Kategorie regional genial. © NLK Khittl

Kategorie: digital genial

In der Kategorie digital genial siegte die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach (Michael Fischer, Sascha Hassa, Günther Unger) mit WOLTRONIC SNM. Das Sensor-Netzwerkmodul überwacht die Bahnstromversorgung und zentrale Teile der Bahninfrastruktur in Echtzeit, Störungen sollen sich damit punktgenau erkennen lassen (6.000 Euro, ecoplus).

Zwei Projekte landeten auf Platz zwei: Legal Rankings AI von Law Business aus St. Pölten (Alexander und Sophie Dillinger) automatisiert die aufwendigen Einreichungen von Anwaltskanzleien bei Kanzlei-Rankings. Laut den Einreicher:innen sind 98 Prozent der Kanzleien weltweit bisher nicht gerankt (4.000 Euro, accent). Die Soxware Interactive GmbH aus Amstetten (Peter Soxberger) entwickelt eine schweißbeständige VR-Brille für den professionellen Dauerbetrieb, die Mehrspieler-Tracking auf bis zu 1.200 Quadratmetern Spielfläche ermöglichen soll (4.000 Euro, Novomatic).

Die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach siegte mit dem Sensor-Netzwerkmodul WOLTRONIC SNM in der Kategorie digital genial. © NLK Khittl

Kategorie: ökologisch genial

In der Kategorie ökologisch genial wurden gleich zwei Projekte mit einem ersten Platz und je 6.000 Euro ausgezeichnet. Roadeye von Christoph Pasching aus Melk ist nach eigenen Angaben der weltweit erste serienreife, patentierte Straßenleitpflock, der als energieautarker, KI-gestützter Sensor Straßen- und Umweltzustände erfasst und die Daten in Echtzeit nutzbar macht. Der Sensor ersetzt die schwarze Kappe auf den bestehenden weißen Leitpflöcken und lässt sich per Plug and Play nachrüsten (Sponsor: Land Niederösterreich).

Christoph Pasching aus Melk wurde mit Roadeye, dem smarten Straßenleitpflock, in der Kategorie ökologisch genial mit einem ersten Platz ausgezeichnet. © NLK Khittl

Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf (Sebastian und Tobias Zellhofer) gewann mit Solarpellet, einer mobilen, automatisierten Anlage, die überschüssigen Photovoltaik-Strom vor Ort in Holzpellets umwandelt und Solarenergie damit biologisch speichert (Sponsor: Raiffeisen).

Platz zwei ging an die IceEx GmbH aus Amstetten (Johannes Üblacker) mit einer mobilen Solemischanlage für den Winterdienst, mit der sich Salzsole mit einem Gefrierpunkt von minus 19 Grad herstellen lässt (4.000 Euro, Flughafen Wien).

Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf erhielt für Solarpellet ebenfalls einen ersten Platz in der Kategorie ökologisch genial. © NLK Khittl

Mikl-Leitner: „Ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur“

Auf die Frage, was die Entbürokratisierung konkret für Gründer:innen bedeutet, antwortet die Landeshauptfrau gegenüber brutkasten zunächst grundsätzlich: „Gerade in so herausfordernden Zeiten sollten wir daran denken, was uns stark gemacht hat in diesem Land. Und das ist eben Leistung, vor allem auch Eigenverantwortung und Hausverstand.“ Gepaart mit Innovationsgeist und dem Abbau von Regulatorik bringe das Niederösterreich weiter. Man habe im Rahmen der groß angelegten Verwaltungsreform bereits jedes sechste Landesgesetz entbürokratisiert und vor allem die Bauordnung vereinfacht. „Das heißt, Bauen und Sanieren wird effizienter und vor allem auch billiger“, so Mikl-Leitner. Mit der neuen Initiative Taskforce Wirtschaft soll es zudem eine eigene Plattform geben: „Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn sie mit Bürokratie ein Problem haben, als auch mit Genehmigungen, dann ist dort die richtige Stelle, um eben komplexe Dinge auch ordentlich und anständig bearbeiten zu können.“

Bei der Verleihung hatte Mikl-Leitner zudem die Idee eines „Tag der Fehlerkultur“ ins Spiel gebracht. In Finnland werde ein solcher Tag groß gefeiert, sagt sie gegenüber brutkasten. „Aus Fehlern kann man lernen. Fehler sind nicht zu verurteilen.“ Vielmehr solle man sie als Motivation für den Weg nach vorne nehmen. Wenn es nach ihr geht, soll der Tag schon 2027 starten: „Das heißt, ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“