31.03.2026
STATISTIK

Startup-Investments in Österreich: Viertel Milliarde im ersten Jahresviertel

Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 erreichten die Finanzierungsrunden für heimische Startups etwa das Gesamtvolumen des gesamten Vorjahres. Ob der Aufschwung wegen der neuerlichen Energiekrise schon wieder endet, bleibt abzuwarten.
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vlonru.: Aviloo, Gropyus, nyra health und Enpulsion holten sich im ersten Quartal die größten Investments | (c) Aviloo / Gropyus / nyra health / Enpulsion
vlonru.: Aviloo, Gropyus, nyra health und Enpulsion holten sich im ersten Quartal die größten Investments | (c) Aviloo / Gropyus / nyra health / Enpulsion

In relativ großen Schritten ging es nach dem Boom-Jahr 2021 mit dem Finanzierungsvolumen für österreichische Startups bergab. Betrug dieses damals (laut EY-Barometer) ganze 1,23 Milliarden Euro, sank es danach sukzessive, bis vergangenes Jahr mit 253 Millionen Euro auch der Wert von 2020 (262 Mio. Euro) unterboten wurde. Nun, nach den ersten drei Monaten des Jahres 2026, ist jedoch klar: Dieser Abwärtstrend ist im Moment gestoppt.

Bereits mehrere große Investment-Runden

Denn nach mehreren signifikanten Finanzierungsrunden im ersten Quartal, allen voran ein 100-Millionen-Euro-Investment für das PropTech-Scaleup Gropyus, ist das Vorjahresvolumen bereits jetzt erreicht oder sogar überboten. Das ergibt eine brutkasten-Berechnung auf Basis der eigenen Berichterstattung mit den bekannten Investmentsummen und konservativen Schätzungen nicht genau bezifferter Finanzierungsrunden. Bei der Anzahl (Ganzes Jahr 2025: 148) zeichnet sich dagegen keine außergewöhnliche Steigerung ab: 42 Investment-Runden gab es insgesamt bislang 2026.

StartupInvestment-Summe
Gropyus100 Mio. Euro
Aviloo30 Mio. Euro
Enpulsion22,5 Mio. Euro
nyra health20 Mio. Euro
Flinn AI20 Mio. US-Dollar
Vitrealab11 Mio US-Dollar
Neoh„niedriger achtstelliger Betrag“

Verbesserung beim Geschlechterverhältnis

Eine Verbesserung im Vergleich zu 2025 (Zahlen aus dem „Female Start-up Funding Index“) zeichnet sich auch bei der Geschlechterverteilung in den Gründer:innen-Teams ab – wenn auch noch immer denkbar weit von Ausgeglichenheit entfernt. Von den bisherigen Finanzierungsrunden gingen demnach 19 Prozent an gemischte Gründer:innen-Teams (Ganzes Jahr 2025: 12 Prozent) und 4,8 Prozent an reine Frauen-Teams (2025: 3 Prozent).

Team-ZusammensetzungAnzahl der StartupsAnteil
Männer-Team3276.2%
Mixed-Team819.0%
Frauen-Team24.8%

Herausstechendes Oberösterreich

Bei der Verteilung nach Bundesländern sticht im ersten Quartal Oberösterreich heraus. Während es üblich ist, dass Wien für rund die Hälfte der Investments sorgt (2025 lag die Bundeshauptstadt im Gesamtjahr knapp über 50 Prozent), ist der Anteil von mehr als einem Viertel in Oberösterreich außergewöhnlich hoch. Im Gesamtjahr 2025 war die Steiermark mit rund 12 Prozent auf dem zweiten Platz gelandet. Im ersten Quartal gingen zudem, wenig überraschend, rund die Hälfte aller Investments an AI- bzw. DeepTech-Startups.

BundeslandAnzahl der InvestmentsAnteil
Wien2047.6%
Oberösterreich1126.2%
Niederösterreich614.3%
Steiermark49.5%
Tirol12.4%

Unklare Zukunft durch neuerliche Krise

Eine Hochrechnung für das Gesamtjahr lässt sich aus diesen Quartalszahlen freilich nicht ableiten. Umso mehr, als die Auswirkungen der durch den Iran-Krieg ausgelösten neuerlichen Energie- und Lieferkettenkrise auf das Investmentgeschehen noch nicht absehbar sind. Nach dem Start des Ukrainekriegs 2022 und der damit verbundenen Energiekrise war die Investmentaktivität global massiv zurückgegangen. Spürbar wurde das aufgrund bereits abgeschlossener oder weit fortgeschrittener Finanzierungsrunden aber erst mit einigen Wochen bis Monaten Verzögerung. Klarheit dürfte hier also erst das zweite Halbjahr bringen.

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Gruppenfoto bei den Circular Innovation Awards | (c) Rafael Haider_Circular Economy Forum Austria

Am 28. Oktober wurde im Wiener Haus der Industrie erstmals der Circular Innovation Award Austria verliehen. Aus 57 Einreichungen wählte eine internationale Jury fünf Kategoriesieger und zwei Sonderpreisträger aus. Der Innovationspreis steht unter der Patronanz des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft und soll Unternehmen sichtbar machen, die mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen die Kreislaufwirtschaft vorantreiben.

refurbed und Vetropack unter den Gewinnern

In der Kategorie „Circular Business Model Innovation“ wurde das Wiener Scaleup refurbed ausgezeichnet. Der Marktplatz für generalerneuerte Elektronik ist mittlerweile in 24 Ländern aktiv und nach eigenen Angaben seit 2024 profitabel. Insgesamt sollen durch das Geschäftsmodell bereits rund 474.000 Tonnen CO₂ eingespart worden sein. Zuletzt erweiterte das Unternehmen sein Trade-In-Programm, über das nun auch gebrauchte Gaming-Konsolen und Tablets zurückgekauft werden.

Den Preis für „Circular Industry Innovation“ erhielt Vetropack Austria. Das Unternehmen entwickelte mit „Rezon“ nach eigenen Angaben die weltweit erste Mehrweg-Glasflasche in gehärteter Leichtbauweise. Sie benötigt weniger Material und soll gleichzeitig mehr Umläufe ermöglichen. Damit will Vetropack den Ressourcenverbrauch reduzieren und Mehrwegsysteme attraktiver machen.

Fünf weitere Auszeichnungen vergeben

Das Grazer Startup byeagain erhielt den Titel „Circular Startup of the Year“ für seine KI-gestützte Aufbereitung von Retourwaren. Brantner Green Solutions wurde für seine GLASY-Technologie mit dem „Technological Circularity Breakthrough Award“ ausgezeichnet. Damit kann Glas aus der Restmüllverwertung zurückgewonnen und erneut für Verpackungen verwendet werden.

Der „Circular Collaboration Award“ ging an GzG Gipsrecycling, ein Gemeinschaftsunternehmen von PORR, Saint-Gobain Austria und Saubermacher. Dessen Anlage verarbeitet alte Gipskartonplatten zu wiederverwendbarem Gips und kann damit bis zu 40 Prozent Naturgips ersetzen.

Zwei Sonderpreise gingen an BauKarussell für die Verbindung von zirkulärem Gebäuderückbau mit sozialer Beschäftigung sowie an den Textildienstleister Salesianer für sein auf Langlebigkeit, Reparatur und Recycling ausgerichtetes Mietmodell.

Fortsetzung für 2027 geplant

Hinter dem Award stehen das Circular Economy Forum Austria, Schiefer Rechtsanwälte und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark. „Wir holen Unternehmen vor den Vorhang, die mit konkreten Lösungen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich tragfähig und wettbewerbsrelevant ist“, sagt Karin Huber-Heim, Präsidentin Circular Economy Forum Austria.

Der Circular Innovation Award soll auch 2027 wieder vergeben werden. Unternehmen können ihre Projekte ab April kommenden Jahres einreichen.

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