31.07.2025
INVESTMENT BAROMETER

Startup-Investments im ersten Halbjahr: „Es entsteht ein gefährliches Vakuum“

Mit dem "Start-up Investment Barometer" geben EY und invest.austria weitere Einblicke zu den Investment-Runden für österreichische Startups im ersten Halbjahr.
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invest.austria-Geschäftsführerin Daniela Haunstein | (c) invest.austria
invest.austria-Geschäftsführerin Daniela Haunstein | (c) invest.austria

Während man sich beim großen Nachbarn Deutschland zuletzt über ein (endlich) wieder steigendes Investment-Volumen für Startups im ersten Halbjahr freuen konnte, herrschte in Österreich angesichts der Halbjahresstatistik Ernüchterung bis Alarmismus. Wie brutkasten berichtete, kam EY in seiner Analyse auf ein Gesamtvolumen von 110 Millionen Euro und damit auf einen Einbruch um ganze 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es ist der niedrigste Halbjahreswert seit 2019.

Im gemeinsam mit invest.austria herausgegeben „EY Start-up Investment Barometer“ (im Gegensatz zum bereits erschienenen „EY Start-up Barometer“) werden jetzt noch konkretere Zahlen zu den Investmentrunden geliefert. Der Fokus liegt dabei auf der Herkunft der Investor:innen in den Kapitalrunden.

„Wir riskieren, dass gute Ideen scheitern, bevor sie skalieren können, oder abwandern.“

Ein Hauptergebnis: Sowohl heimische Investor:innen, die klassischerweise bei Frühphasen-Finanzierungen dominieren, als auch internationale Investor:innen, die bei Spätphasen-Finanzierungen die entscheidende Rolle spielen, investierten zuletzt weniger. „Wenn sich internationale Investor:innen aus der Wachstumsphase und heimische Kapitalgeber:innen aus der Frühphase gleichzeitig zurückziehen, entsteht ein gefährliches Vakuum“, kommentiert Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria. „Wir riskieren, dass gute Ideen scheitern, bevor sie skalieren können, oder abwandern.“

Haustein wiederholt bei dieser Gelegenheit die bekannten politischen Forderungen nach Maßnahmen wie dem im Regierungsprogramm verankerten Dachfonds und dem aktuell nicht geplanten Beteiligungsfreibetrag. „Wer will, dass mehr in Innovation investiert wird, muss auch steuerliche Anreize setzen, damit vorhandes Kapital dorthin fließt. Besonders Frühphaseninvestments sind riskant, arbeitsintensiv und stehen im Wettbewerb mit sichereren Anlageformen. Was uns fehlt, ist aber nicht die Risikofreude – sondern ein System, das sie belohnt“, so die invest.austria-Geschäftsführerin.

Österreichische Investor:innen dominieren insgesamt nur knapp

Doch nun zu den Zahlen: Bei den nur zwölf erfassten Pre-Seed-Deals im ersten Halbjahr lag der Anteil österreichischer Investor:innen durchschnittlich bei 50 Prozent, bei den 15 Seed-Finanzierungsrunden bei 60 Prozent. Bei Series-A- und Series-B-Deals lag hingegen der Anteil ausländischer Investor:innen bei 67 beziehungsweise 75 Prozent.

Der Anteil der rein internationalen Investments ist über alle Phasen hinweg zwar gestiegen, aber bei einem rückläufigen Volumen. In der Vergleichsperiode 2024 lag er bei elf Prozent, im ersten Halbjahr 2025 bei fast einem Fünftel (19 Prozent) – das entspricht einem Gegenwert von 21 Millionen Euro und einem Rückgang um rund 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (34 Millionen Euro).

Und noch einmal in absoluten Zahlen: Im ersten Halbjahr 2025 waren laut EY insgesamt mindestens 185 Investor:innen an Finanzierungsrunden beteiligt. Davon hatten 105 ihren Hauptsitz in Österreich, das entspricht einem Anteil von 57 Prozent. Die aktivsten internationalen Kapitalgeber:innen kamen mit Abstand aus Deutschland (34), gefolgt von Großbritannien (9) sowie der Schweiz und den USA (beide 7).

Starke Unterschiede zwischen den Branchen

Auch der Branchen-Vergleich weist einige Auffälligkeiten auf: Am höchsten war im ersten Halbjahr 2025 der Anteil an Inlandsinvestor:innen im Bereich Hardware, wo alle fünf an den drei Finanzierungsrunden beteiligten Kapitalgeber:innen ihren Hauptsitz in Österreich haben. An zweiter Stelle folgt der Bereich PropTech, wo an den vier Finanzierungsrunden von 16 beteiligten Investor:innen immerhin 14 ihren Hauptsitz in Österreich haben. Eine Finanzierungsrunde fand hier ohne Beteiligung österreichischer Geldgeber:innen statt. Ebenfalls überdurchschnittlich hoch lag die Quote der Inlandsinvestor:innen mit 64 Prozent im Bereich Health: Hier waren an sieben der acht gezählten Abschlüsse Inlandsinvestor:innen beteiligt. Besonders niedrig war die Quote an Inlandsinvestor:innen mit nur 20 Prozent im Bereich ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

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Die Helsing-Gründer (v.l.n.r.): Gundbert Scherf, Torsten Reil und Niklas Köhler | © Helsing
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Nur fünf Jahre nach der Gründung 2021 galt Helsing aus München schon bislang als eines der wertvollsten Scaleups Europas. Mit einer Kombination aus DefenseTech und AI setzt das Unternehmen gleich auf beide aktuellen Hype-Branchen. Dabei baut Helsing selbst Drohnen und unbemannte Kampfflugzeuge und bietet gleichzeitig auch KI-Upgrades für bestehende Systeme wie den Eurofighter an.

Nun schloss Helsing seine Series-E-Finanzierungsrunde ab. Schon mit dem Seedinvestment über 100 Millionen Euro im Gründungsjahr 2021 hatte man für Aufsehen gesorgt. Seitdem folgten immer größere Investments. Mit der nunmehrigen Mega-Runde über 1,8 Milliarden US-Dollar (ca. 1,6 Mrd. Euro) bei einer Bewertung von 18 Milliarden US-Dollar liefert das Münchner Scaleup den neuen Deutschland-Rekord.

Kapital zum Großteil von US-Investoren, aber weiter „mehrheitlich in europäischem Besitz“

Die Investorennnachfrage habe das verfügbare Volumen deutlich überstiegen, heißt es von Helsing. Das Kapital kommt dabei von neuen und bestehenden Investoren – vorwiegend aus den USA. Konkret genannt werden vom Unternehmen Dragoneer Investment Group, Lightspeed Venture Partners, Disruptive, Iconiq, Growth Equity at Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase, Canada Pension Plan Investment Board (CPP Investments), General Catalyst, Plural und Stepstone. Zu den bestehenden Investoren von Helsing zählen zudem Prima Materia, Accel und Greenoaks.

Dabei wird jedoch betont: „Helsing bleibt mehrheitlich in europäischem Besitz.“ Auch der Verwaltungsrat des Unternehmens bleibe unverändert – dessen Vorsitz halten Spotify-Gründer Daniel Ek und Ex-EADS-Chef Thomas Enders. Die weiteren Mitglieder sind Jeannette zu Fürstenberg, Denis Mercier und die Helsing-Gründer Torsten Reil (Co-CEO), Gundbert Scherf (Co-CEO) und Niklas Köhler (President & CPO).

Das Kapital soll nun für die weitere Entwicklung von KI-Plattformen und die Expansion in weitere Länder genutzt werden. Zu den bekannten Kunden von Helsing zählen die Armeen der Ukraine, Deutschlands sowie mehrere europäischer Nato-Staaten.

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