21.01.2025
ÜBERNAHME

Squer: Wiener Softwareunternehmen übernimmt Münchner AI-Startup

Squer übernimmt das Münchner KI-Startup Unit 214 und erweitert sein Portfolio um spezialisierte KI- und Cloud-Dienstleistungen.
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Das Führungsteam von Squer.
Das Führungsteam von Squer & Unit 214. Tom Graupner, David Leitner, Philipp Piwowarsky, Keno Dreßel (c) Squer

Das 2019 gegründete Wiener Softwareunternehmen Squer zählt renommierte Kunden wie die Allianz, die Deutsche Bahn, die REWE Group, die Raiffeisen Bank International sowie Bitpanda zu seinen Referenzen. Mit mittlerweile 70 Mitarbeitenden konzentriert sich das Unternehmen auf Dienstleistungen in den Bereichen Systemdesign und -architektur, Softwaremodernisierung, Agile Transformation, Produktentwicklung, Cloud-Infrastruktur und Platform Engineering.

2023 expandierte das Wiener Unternehmen nach München (brutkasten berichtete). Nun gab Squer bekannt, dass es kurz vor Ende des Geschäftsjahres das Münchner KI-Startup Unit 214 übernahm.

Squer: Integration von Unit214

Unit 214 wurde 2021 gegründet und hat sich auf KI- und Cloud-Dienstleistungen spezialisiert. Der erste Kontakt zu Squer entstand bei einem KI-Meetup in München. „Wir haben schnell erkannt, dass wir uns sowohl kulturell als auch fachlich hervorragend ergänzen“, sagt David Leitner, Geschäftsführer von Squer-München.

Weiter hieß es von Leitner: „Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von KI ändert sich nicht nur die Art, wie wir Software programmieren, sondern auch welche Software wir programmieren, nachhaltig. Die Fachkompetenz von Unit 214 ergänzt unser Know-how perfekt, um die Vorteile von KI in unseren Entwicklungslösungen noch besser einsetzen zu können.“

Mit der Übernahme siedeln auch sämtliche Unit 214 Mitarbeitende zu Squer, das Unit 214-Gründerteam wird ins Führungsteam von Squer aufgenommen.

Unit 214: Gemeinsame Vision

Das Gründerteam von Unit 214 betont vor allem die Unternehmenskultur bei Squer. Zur Übernahme sagt Mitgründer Keno Dreßel: „Squer bringt eine umfassende Expertise sowie klare Vorstellungen mit, wie man hochqualitative Software nach modernsten Standards entwickelt oder modernisiert. Mit unserer Expertise in KI und Cloud können wir das bestehende Portfolio von Squer optimal erweitern.“

Zum Abschluss des Geschäftsjahres freut sich Squer Gründer David Leitner, trotz „der herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ auf ein Jahr voller Wachstum zurückblicken zu können.

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Der Prototyp auf dem PROTEAS-Forschungsgelände des Cyprus-Instituts in Zypern © Waldstein

„Ich habe erstmal aus Meerwasser destilliertes Wasser getrunken. Es schmeckte sehr gut“, berichtet Carl Albrecht Waldstein, Geschäftsführer der Wiener Seawater BV GmbH im brutkasten-Gespräch über die gelungene Inbetriebnahme der ersten solaren Meerwasser-Entsalzungsanlage des Desertgreener-Projekts in Limassol, Zypern.

Mit einer Kombination aus Parabolspiegeln und energetischem Recycling will man dem weltweiten Wassermangel, der aktuell über 2 Milliarden Menschen betreffe, begegnen. Was vor zwei Jahrzehnten an einer verdorrenden spanischen Küste als kühnes Gedankenspiel begann, soll nun globale Wucht entfalten.

Die Vision: Wasser für eine wachsende Welt

„Wir saßen am Ufer des Meeres an der spanischen Mittelmeerküste. Vor uns unendlich viel Meer und hinter uns trocknete alles aus. Also haben wir gesagt, das kann nicht sein, dass das Wasser vor uns die Probleme hinter uns nicht löst“, erinnert sich der Geschäftsführer an die Anfänge der Lösung eines der herausforderndsten Probleme unserer Zeit.

Die Technologie soll Süßwasser so günstig verfügbar machen, dass nicht nur Trinkwasser gesichert wird, sondern auch die wasserintensivere Landwirtschaft, Industrie und der Bergbau versorgt werden können. Bereiche, die klassische Entsalzung aus Kostengründen kaum bedient. Das Potenzial reicht laut Waldstein von der Rettung versalzter Agrarflächen über die Begrünung von Wüstenregionen bis zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und Ammoniak als Dünger- und Treibstoffalternative.

Perspektivisch positioniert sich Desertgreener damit als Anbieter einer Basisinfrastruktur, die – wenn sie im großen Maßstab umsetzbar ist – wasserarmen Regionen weltweit neue wirtschaftliche und ökologische Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Wasserkreislauf der Natur als Vorbild

Statt auf energieintensive Umkehrosmose zu setzen, soll die Anlage im Kleinen kopieren, was die Natur im Wasserkreislauf im Großen macht: Sonne verdampft Meerwasser, der Dampf kondensiert wieder zu Süßwasser. Bewegliche, der Sonne nachgeführte Spiegel bündeln dafür die Sonnenstrahlen direkt auf einen mit Meerwasser gefüllten Behälter und bringen es zum Kochen. Laut Unternehmen werden so über 90 Prozent der Sonnenenergie direkt genutzt.

Der entstehende, salzfreie Dampf wird von einer Turbine abgesaugt und in ein Röhrensystem gepresst. Dabei kondensiert er sofort wieder zu Wasser und gibt seine Wärme an das noch kochende Meerwasser zurück. „Wir schicken 83 Prozent der Energie ständig im Kreis“, erklärt Waldstein. Dadurch lasse sich mit derselben Menge Sonnenenergie ein Vielfaches an Wasser verdampfen, statt sie nach einmaliger Nutzung zu verlieren.

Finanzierung über Utility-Token

Um die kapitalintensive Serienproduktion nun vorzubereiten, meidet die Seawater BV GmbH bewusst Banken und Venture Capital. Man wolle unabhängig bleiben: „Wir wissen, wir stören auch viele“, so Waldstein. Stattdessen gelangt man über den Verkauf des eigenen „DGRX“ Utility-Tokens bereits an über zehn Millionen Euro, wie der Gründer im Interview erwähnt.

Verkauft wird der Token über die DGRX Sales GmbH, welche daraus wiederum schrittweise Anteile an der Seawater BV GmbH erwirbt (bis zu 24%). Weitere sechs Millionen Euro sollen nun über die Token-Finanzierung folgen, um die Serienproduktion voranzutreiben.

1,8-Milliarden-Bewertung von „Big Four“-Prüfungsgesellschaft

Zu den anvisierten Kunden zählen Regierungen, Kommunen sowie große Agrar- und Bergbaukonzerne. „Um den Markt mache ich mir null Sorgen. Wo ich hintippe, schreien die Leute, wann könnt ihr liefern“, kommentiert Waldstein die Nachfrage. Laut ihm bewertete eine „Big Four“-Prüfungsgesellschaft die Firma Ende 2025 mit 1,8 Milliarden US-Dollar. Mit der aktiven Pilotanlage steige der Wert laut Waldstein kalkulatorisch auf 2,9 Milliarden Dollar.

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