07.11.2022

So schafft es Österreich zum erfolgreichen Fondsstandort

In Österreich gilt es noch einiges aufzuholen, um als Fondsstandort im internationalen Vergleich mithalten zu können. Dabei identifiziert eine neue Studie der EcoAustria die Chancen und Vorteile, aber auch die Defizite hierzulande.
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Nach der Präsentation der Studie
Nach der Präsentation der Studie "Effekte von Venture Capital und Private Equity Fonds in Österreich) (v.l.): WK Wien-Präsident Walter Ruck, EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna und ehem. AVCO-Präsident Rudolf Kinsky © Barbara Lachner

Mit einer neuen Langzeitstudie der EcoAustria (Institut für Wirtschaftsforschung) im Auftrag der WKO werden unter dem Titel: „Effekte von Venture Capital und Private Equity Fonds in Österreich“ mögliche Auswirkungen betrachtet, wenn es gelingen würde, einen starken Fondsstandort Österreich zu etablieren. Zur Motivation der Studie verweist WK Wien Präsident Walter Ruck auf das starke Startup-Ökosystem, das sich in Wien besonders in den Bereichen Life Science und BioTech aufgestellt habe. „Was würde es bringen, wenn man dieses Muster auf Fonds übertragen würde?“, formuliert Ruck die Kernfrage.

Status quo zum Fondsstandort: Wo stehen wir?

„Die Verfügbarkeit von Kapital ist hierzulande im internationalen Vergleich mehr als verbesserungswürdig“, stellt EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna mit Blick auf die Studienergebnisse zu Private Equity Investitionen und Venture Capital Investitionen fest. Es stellt sich die Frage, welche Standortfaktoren eine Rolle spielen, um den Standort Österreich zu verbessern. Neben der Verfügbarkeit von Finanzierung habe man weitere Effekte für die Unternehmensperformance, aber auch für die Wirtschaft identifiziert. Dazu zählen unter anderem Selektion, Wertschöpfung, Signalling und Netzwerke für Unternehmen und Innovationen, Umsatz, mehr Patentierungen oder auch mehr Ausgründungen insgesamt. Ebenso würden spezialisierte Fonds wie bspw. Klimainvestitionen eine wichtige Rolle spielen. Um es auf den Punkt zu bringen, fasst EcoAustria drei Szenarien zusammen, welche Folgen ein verbesserter Standort für Venture Capital und Private Equity hätte:

Aus der Studie „Effekte von Venture Capital und Private Equity Fonds in Österreich“ – EcoAustria, November 2022

Letztendlich seien es Investitionen, die vor allem langfristig positive Auswirkungen auf einen Wirtschaftsstandort hätten, wird im Zuge des Pressegesprächs in Wien betont.

Österreich: Stärken, Schwächen, Potenziale

Weiterhin sind auch explizite Stärken und Schwächen hierzulande nicht außer Acht zu lassen. Während Österreich einen guten Investorenschutz habe und enorm gut in Forschung und Entwicklung aufgestellt sei, sehe man in steuerlichen Anreizen für ebendiese besondere Potenziale. Ebenso merkt Rudolf Kinsky, Vorstand der AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation) unter anderem die mangelnde Effektivität bzw. das mangelnde Durchsetzungsvermögen der Regierung oder auch das Thema Mitarbeiterbeteiligungen als wichtige Punkte an, in denen Österreich seine Potenziale weiter ausschöpfen sollte. Besondere Schwächen werden außerdem bei der hohen Körperschaftssteuer und hohen Kapitalertragssteuer oder dem Mangel an spezialisierten Investmentvehikeln erkannt.

Daraus resultierend werden in der Studie mehrere Handlungsempfehlungen formuliert. Dazu gehören:

  • Günstigere Besteuerung von Körperschaften und von Kapitaleinkommen
  • Gesetzliche Klarheit hinsichtlich der Besteuerung von Fonds, von carried interes sowie Mitarbeiterbeteiligungen
  • verbesserte Qualität der Regulierung und Treffsicherheit; gesetzliche Rahmen für Fonds
  • Reform des Gesellschaftsrechts, die spezialisierte Investitionsvehikel ermöglicht und flexible und unbürokratische Modelle für Gründer:innen vorsieht
  • Die Umsetzung der Richtlinie der EU-Kommission bzgl. Insolvenzen
  • Etablierung eines Dachfonds um große Investor:innen zu animieren

Beispiel Fondsstandort Luxemburg

Mit Blick auf den Fondsstandort Luxemburg betonen Köppl-Turyna, Kinsky und Ruck die Potenziale, die es in Österreich zu ergreifen gilt – schließlich sei vor allem der geografische Vorteil Österreichs ein Punkt, den man nutzen sollte. Das Volumen der in Luxemburg registrierten Fonds liege demnach aktuell bei rund 200 Milliarden Euro, welches jährlich ca. 10-15 Prozent wachse. Die hohen Dienstleistungskosten, die sich für manche Fonds ergeben, seien hier allerdings nicht außer Acht zu lassen. Kinsky gibt dafür ein Beispiel: Ein bulgarischer Fonds hätte in Österreich im Vergleich zu Luxemburg niedrigere Lebenshaltungskosten zu beachten und durch die geografische Lage bspw. auch eine bessere (Flug-) Anbindung.

Insgesamt stehe fest, dass noch zu wenig in Österreich umgesetzt wird. Aktuell gebe es viel zu wenige Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds in Österreich. „Wenn es hier kein Angebot gibt, dann müssen die Unternehmen ins Ausland gehen“, meint Kinsky hierzu. Mit Blick auf die Krisen der letzten Jahre sei es nun aber besonders wichtig, etwas Langfristiges umzusetzen, um wettbewerbsfähig zu sein: „Der stete Tropfen höhlt den Stein“, ergänzt Walter Ruck.

Viele Vorschläge der AVCO seien in den letzten Jahren zum Großteil bereits in Regierungsprogramme aufgenommen worden, „aber zur Durchführung kam weder ein Gründungspaket, noch ein Kapitalmarktpaket, noch die Eigenkapitalverzinsung. Wir als AVCO haben bspw. auch ein Fondsgesetz entwickelt – das liegt in der Schublade“, beschreibt Kinsky. In Luxemburg würde es wiederum auf Fonds zugeschnittene Regularien geben. So etwas könnte auch in Österreich zahlreiche Unsicherheiten abschaffen, ist sich Kinsky sicher.

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Die Gründer Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler vor einem Sammelmodul | © Social Cycle

Jeder kennt es: Der Softdrink ist getrunken und übrig bleibt nur die leere Plastikflasche. Was soll man mit ihr machen? Wegwerfen und so Pfandsammlern die Arbeit erschweren oder doch bis zum nächsten Supermarkt gehen und dort die Flasche ordnungsgemäß retournieren? Genau diesem Problem nehmen sich die beiden Gründer von Social Cycle, Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler, an. Sie haben ein System zum Pfandsammeln entwickelt, das herkömmliche Pfandringe ersetzen soll. Laut den Gründern ist es u.a. flexibler einsetzbar, sauberer und billiger.

Sammeln mit einer Röhre

Social Cycle setzt auf eine röhrenartige Konstruktion, in die leere Flaschen und Dosen gesteckt werden können. Ihr Sammelsystem ist wesentlich günstiger als herkömmliche Pfandringe. „Unser System kostet zwischen 79 und 99 Euro. Die Pfandringe kosten alleine in der Produktion schon 300 Euro, mit genau der gleichen Kapazität an Flaschen. Außerdem spart man sich die Montage“, sagt der Unternehmensberater. Die Sammelkonstruktionen von Social Cycle werden nämlich nur mit Schellen fixiert, was für zusätzliche Flexibilität sorge. „Du kannst dann einfach die Module z.B. vom Bahnhof abmontieren und dann bei einem Fest montieren“, erklärt Schwarz.

Zudem sei die Reinigung wesentlich einfacher als bei allen anderen Systemen am Markt. Weiters passen die Module laut dem Co-Founder besser ins Stadtbild als bisherige Sammelsysteme. „Wir haben auch das Feedback bekommen, dass es einfach viel besser im öffentlichen Raum ausschaut, was natürlich eins der größten Probleme bei den Pfandringen ist“, erklärt Schwarz.

So sehen die Sammelmodule von Social Cycle aus. | © Social Cycle

Wien als nächstes Ziel

Social Cycle ist bereits an über 150 Standorten in Österreich und Deutschland vertreten, unter anderem in Bregenz, Steyr und Kahl am Main. Nur in Wien fehlen noch jegliche Pfandsammelsysteme. Auf brutkasten-Anfrage erklärt das Büro des Wiener Klimastadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass Pfandsammelsysteme auch zur „Ablagerung sonstiger Abfälle“ verwendet würden, was zu höheren Reinigungskosten führe.

„Dabei haben wir eben unser System genau so entwickelt, dass es dieses Problem nicht gibt“, erklärt Schwarz. Ab September gebe es erneut Gespräche mit der SPÖ, den NEOS und den Grünen. Der 25-Jährige ergänzt: „Wir rechnen zu 100 Prozent mit einem positiven Ausgang. Wir sind wirklich überzeugt, dass es einfach eine perfekte Lösung auch für Wien ist.“

Dem Büro des Klimastadtrats sind Gespräche im Herbst nicht bekannt. Es erklärt, dass das Einwegpfand u. a. das Ziel verfolge, Getränkeverpackungen in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. „Die Einführung von Pfandsammelbehältnissen würde diesem Grundgedanken entgegenstehen, da dadurch ein Anreiz entstehen kann, Pfandgebinde bewusst im öffentlichen Raum zurückzulassen und deren Rückführung auf Dritte zu verlagern“, ergänzt das Büro.

Präsenz in ganz Europa

Das im März 2026 gegründete Unternehmen finanziert sich mittels Bootstrapping. Investoren soll es keine geben. Als Kunden kommen für Social Cycle Städte, Gemeinden und Abfallverbände in Frage. Die Gründer wollen ihr Produkt durch konstantes Feedback verbessern und sich so gegenüber ihrer Konkurrenz durchsetzen. Dabei setzen sie auf Mundpropaganda, Medienberichte und die eigene Kommunikation z.B. mittels Mails. Schwarz und Linsbichler denken trotz langsamen Wachstums bereits an die nächsten großen Schritte. Das Startup soll u.a. nach Holland und Irland expandieren und seine Präsenz in Deutschland verstärken. Schwarz möchte mit dem Pfandsammelsystem auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. „Unser Ziel ist es wirklich, dass unsere Module in die Infrastruktur eingebunden sind wie Mistkübel, in ganz Europa“, stellt der Co-Founder fest.

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