10.04.2026
FTI

Silicon Austria Labs eröffnet Validation Lab in Graz

Das Grazer Forschungszentrum Silicon Austria Labs hat gestern sein neues Validation Lab eröffnet – ein Hightech-Labor, das Sensoren und elektronische Systeme unter extremen Bedingungen auf Herz und Nieren prüft. Was steckt dahinter?
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(c) SAL/Bernd Kohlmaier

Minus 70 bis plus 180 Grad Celsius, starke Vibrationen, hohe Luftfeuchtigkeit: Was klingt wie ein Horrorszenario für jede Elektronik, ist im neuen Validation Lab von Silicon Austria Labs (SAL) am Standort Graz ganz normaler Arbeitsalltag. Auf 275 m² Laborfläche werden ab sofort Sensoren und elektronische Systeme systematisch an ihre Belastungsgrenzen gebracht – und zwar schon in der Entwicklungsphase, bevor sie in der Realität versagen können.

Brücke zwischen Forschung und Markt

Die Idee dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Wer wissen will, ob ein Bauteil in einem Elektroauto, einer Windkraftanlage oder einem Satelliten jahrelang zuverlässig funktioniert, muss es vorher unter realen Bedingungen testen. Genau das leistet das neue Lab – mit Klimakammern, Vibrations- und Schocktests sowie der Möglichkeit, elektronische Systeme während des Betriebs unter Extrembedingungen zu analysieren.

„Wir schaffen eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und industrieller Umsetzung“, sagt SAL-Geschäftsführerin Christina Hirschl, die 2025 von brutkasten zum Innovator of the Year ausgezeichnet wurde. Das Lab steht künftig nicht nur der eigenen Forschung offen, sondern auch Partnern aus Industrie und Wissenschaft, die ihre Produkte unter realistischen Bedingungen testen wollen.

Strategische Infrastruktur für den Standort Österreich

„Innovationen in der Mikroelektronik sind ein zentraler Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Nicht umsonst haben wir Elektronische Komponenten und Systeme als eine von neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder in der Industriestrategie definiert“ so Innovationsminister Peter Hanke, anlässlich der Eröffnung.

Das neue Lab soll helfen, Technologien schneller zur Marktreife zu bringen – und dabei auf Qualität und Langlebigkeit zu setzen, statt auf schnellen Verschleiß. Rudolf Heer, Leiter des Bereichs Electronic Sensors bei SAL, ergänzt: „Wir simulieren im Validation Lab gezielt die Belastungen, denen Elektronik im realen Einsatz ausgesetzt ist – von extremen Temperaturen bis hin zu starken Vibrationen. So können wir frühzeitig erkennen, wie sich Systeme verhalten und ihre Lebensdauer gezielt optimieren.

SAL als Forschungsmotor

SAL wurde 2018 gegründet und betreibt Standorte in Graz, Villach und Linz. Der Fokus liegt auf elektronik- und softwarebasierten Systemen – von Mikrosystemen über Sensorik bis zu Power Electronics. Mit dem neuen Validation Lab unterstreicht SAL seinen Anspruch, nicht nur exzellente Grundlagenforschung zu betreiben, sondern Innovationen auch konsequent in die Anwendung zu bringen.

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Easelink
© Luxshare - (v.l.) Hermann Stockinger, Gründer & CEO Easelink und Harvey Yuan, General Manager Luxshare.

2022 schloss das Grazer Startup Easelink eine 8,3 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierungsrunde ab, der im Oktober 2024 ein 1,5 Mio. Euro-Investment von Verbund X Ventures folgte. Im November 2025 gründete man die Matrix Charging Interest Group (MCIG), eine Branchenkooperation zur Standardisierung der „Matrix Charging Technologie“, die vom österreichischen High-Tech-Unternehmen entwickelt wurde. Dem folgte heuer eine Kooperation mit SEG Automotive – brutkasten berichtete. Nun hat man in China den ersten Technologie-Lizenzpartner gewinnen können.

China gilt als der weltweit größte Markt für Elektromobilität und war für Easelink schon immer von zentraler strategischer Bedeutung – siehe 2018. Für die Industrialisierung und Bereitstellung von Matrix Charging verlangen die spezifischen Anforderungen des chinesischen Automobilmarkts einen Local-for-Local-Ansatz. „Mit Luxshare gewinnt Easelink einen dedizierten Lizenznehmer für China – ein weiterer Schritt in der Strategie, in allen wichtigen Automobilmärkten Lizenz- und Industrialisierungspartner für Matrix Charging aufzubauen“, liest man in der Aussendung. Die Partnerschaft hat bereits zu konkreten Marktaktivitäten geführt: Beide Unternehmen arbeiten an ersten OEM-Projekten (Original Equipment Manufacturer), um die Technologie in künftige Fahrzeugplattformen zu integrieren.

„Wir sehen großes Potenzial in unserer Zusammenarbeit mit Easelink, die es uns ermöglicht, neue Kundensegmente im Bereich der automatisierten Abrechnung zu erschließen. Darüber hinaus sind wir uns der entscheidenden Rolle bewusst, die die Standardisierung neuer Schnittstellen spielt, und setzen uns daher in der ‚Matrix Charging Interest Group‘ für die entsprechenden Standardisierungsbemühungen ein, um Interoperabilität und eine breite Marktakzeptanz sicherzustellen“, sagt Harvey Yuan, General Manager von Luxshare.

„Wachsende Präsenz in China“

Die Zusammenarbeit baut auf Luxshares Erfahrung auf, gemeinsam mit führenden internationalen Technologieunternehmen Produkte zu industrialisieren und „in großem Maßstab“ zu fertigen. Gleichzeitig wird Easelink sein lokales Team in China weiter ausbauen, um die technische und projektbezogene Zusammenarbeit mit Luxshare und chinesischen OEMs eng zu begleiten.

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit einem global so bedeutenden Unternehmen wie Luxshare – einem komplementären Partner mit starkem Engineering-Know-how“, sagt Hermann Stockinger, Gründer & CEO Easelink. „Gemeinsam konzentrieren wir uns darauf, Kunden in China vor Ort zu betreuen und Matrix Charging in bestehende Wertschöpfungsketten der Automobilindustrie zu integrieren. Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Meilenstein für unsere wachsende Präsenz in China und ein zentraler Baustein unserer Mission, den globalen Industriestandard für automatisiertes Laden zu setzen.“

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