03.12.2025
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Mit dieser IP-Strategie möchte Silana seinen Nähroboter international skalieren

Das Wiener Startup Silana entwickelt den weltweit ersten vollautomatischen Nähroboter und will damit Europas Modeproduktion wieder wettbewerbsfähig machen. Wir haben mit Co-Founder und COO Michael Mayr über Technologie, Patente und die nächsten Wachstumsschritte gesprochen. Bei seiner IP-Strategie wird das Unternehmen von der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt.
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Silana, Textilundustrie, Fussl Modestraße,
(c) silana - (v.l.) Michael Hofmannrichter, Anton Wohlgemuth und Michael Mayr.

Schlüsseltechnologien wie Robotik, KI oder Advanced Manufacturing gelten heute als zentrale Hebel, um Europas Industrie langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Sie entstehen in Bereichen, in denen Innovation und Patentschutz eng miteinander verknüpft sind. Denn gerade dort, wo sich ganze Wertschöpfungsketten verändern, entscheidet geistiges Eigentum darüber, ob ein technischer Vorsprung geschützt, skalierbar und finanzierbar bleibt.

Erste Auslieferungen für 2026 geplant

Ein Startup, das genau an dieser Schnittstelle arbeitet, ist Silana aus Wien. „Wir bauen den weltweit ersten vollautomatischen Nähroboter für die Bekleidungsproduktion und haben in den letzten Monaten extrem gute Fortschritte gemacht”, so Co-Founder und COO Michael Mayr. Das Unternehmen wurde 2022 gegründet und die ersten Maschinen sollen 2026 ausgeliefert werden. Erst im Mai 2024 gab das Unternehmen den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 1,5 Millionen Euro bekannt (brutkasten berichtete).

Europas Wettbewerbsfähigkeit

Die Besonderheit von Silanas Technologie liegt in ihrem End-to-End-Ansatz. Sie automatisiert nicht nur einzelne Schritte, sondern den gesamten Prozess: vom Handling flexibler Materialien über spezifische Bearbeitungsschritte bis hin zum vollautomatischen Nähen. Damit adressiert das Startup gleich mehrere Herausforderungen der globalen Modeproduktion – von Überproduktion über Arbeitskräftemangel bis hin zu den ökologischen Kosten internationaler Lieferketten. Durch die Automatisierung soll die Fertigung in Europa wieder wettbewerbsfähig werden. Somit möchte Silana mit seiner Technologie künftig auch einen Beitrag zur Stärkung der technologischen Souveränität leisten. 

Foto: Silana

IP ist ein Signal an Kapitalgeber

Damit diese Technologie langfristig das hält, was sie verspricht, spielte Patentschutz bei Silana von Anfang an eine zentrale Rolle. Mayr hat Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt IP studiert und war deshalb früh sensibilisiert: „IP ist ein großes Thema. Es kommt in jedem Investorengespräch vor.“ Er erzählt, dass einige Investor:innen inzwischen selbstständig in Patentdatenbanken recherchieren, bevor sie ein Startup treffen. „Für manche ist das extrem wichtig. Sie wollen sehen, dass das, was wir machen, Hand und Fuß hat.“ Patente sind für Silana damit nicht nur Verteidigungsinstrument, sondern auch ein Signal an Kapitalgeber und Industrie, dass es sich um echte, abgesicherte Technologie handelt.

Mehrere Patentfamilien: Hardware- und Prozessinnovationen

Nach dem ersten funktionierenden Prototypen begann das Team sehr früh damit, zusammen mit Patentanwält:innen und Expert:innen die patentwürdigen Elemente der Technologie zu identifizieren. Das Ergebnis ist heute ein breites Portfolio aus mehreren Patentfamilien, die vor allem Hardware- und Prozessinnovationen abdecken. Silana schützt etwa das spezielle Handling textiler Materialien, die Zuführung zu den Nähmaschinen und jene Prozessschritte, die das Zusammenspiel von Robotik, KI und Materialführung ermöglichen. “Wir haben sechs Patentfamilien und internationalisieren jetzt breit,“ sagt Mayr. “Die Bekleidungsindustrie ist global verteilt, deshalb sichern wir uns sowohl in Hochlohnländern als auch in Regionen ab, die traditionell starke Textilstandorte sind.“

Dazu gehören Europa, die USA und China, aber auch Länder wie Ägypten, Marokko oder Brasilien. Die Strategie ist damit genauso global wie der Markt, den Silana verändern will. Für ein junges Hardware-Startup bedeutet ein solch breites Portfolio allerdings enorme Kosten – nicht nur bei der Anmeldung, sondern auch bei Pflege, Monitoring und Verlängerung. „Jeder Euro, der in IP fließt, ist ein Euro, der nicht in die Produktentwicklung gehen kann,“ sagt Mayr offen. „Ohne Unterstützung wäre das in diesem Umfang gar nicht möglich gewesen.“

Unterstützung der Austria Wirtschaftsservice (aws)

Eine entscheidende Rolle spielte dabei der aws Innovationsschutz der Austria Wirtschaftsservice (aws). Silana startete mit einem niedrigschwelligen Beratungsmodul, bei dem sich Startup, aws und Patentamt gemeinsam an einen Tisch setzten. Dort wurde die Grundlage für Silanas heutige IP-Strategie gelegt – von Patenten über Geheimhaltung bis hin zu Markenrechten und Freedom-to-Operate-Analysen. „Wir haben sehr früh extrem hilfreichen Input bekommen. Das hat uns geholfen, nichts zu übersehen und die richtige Priorisierung zu treffen.“ In weiteren Schritten kamen finanzielle Förderungen hinzu, mit denen erste Anmeldungen, Erweiterungen und schließlich die internationale Phase unterstützt wurden. Silana erhielt auch Unterstützung vom neuen Förderungsangebot der aws „Innovationsschutz für Schlüsseltechnologien“, das erst im August 2025 neu eingeführt wurde. (brutkasten berichtete)

Learning für Gründer:innen: “Möglichst früh starten”

Heute zeigt Silana, wie IP-Strategie, technische Innovation und öffentliche Förderung zusammenwirken können, um eine Schlüsseltechnologie aus Österreich künftig international konkurrenzfähig zu machen. Für Mayr ist klar, dass dieser Weg früh beginnen muss. „Man kann nicht zu früh dran sein,“ sagt er rückblickend. „Man muss sich von Anfang an Gedanken machen, weil man da sehr viel zerstören kann, wenn man es falsch angeht. Wir hatten das Glück, früh die richtigen Tipps zu bekommen.“

Mit Blick auf die kommenden Jahre stehen für Silana nun die Auslieferungen, die weitere Skalierung und die nächste Phase der Patentnationalisierung an. Damit ist jener Schritt gemeint, in dem eine internationale Patentanmeldung in konkrete Länder überführt wird: Silana muss festlegen, in welchen Staaten der Schutz tatsächlich weitergeführt werden soll und dort jeweils eigene Prüf- und Anmeldeverfahren starten. Die Technologie soll schon bald bei ersten Industriekunden im Einsatz sein. Eines wird im Gespräch deutlich: Die technische Innovation allein reicht nicht – entscheidend ist, sie abzusichern. 


Disclaimer: Der Beitrag über Silana wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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