Das sind die Sieger-Startups des 11. INiTS Demo Day
Acht Startups, die zuvor das Inkubator-Programm Startup Camp durchlaufen hatten, präsentierten am 11. INiTS Demo Day ihre Lösungen. Vier der Spinoffs nahmen schließlich Preise mit nachhause.
Es war bereits die elfte Auflage des INiTS Demo Day, die kürzlich im Wiener TUtheSky ausgetragen wurde. Acht Startups hatten zuvor das mehrmonatige Startup Camp des universitären Inkubators durchlaufen, der weltweit zu den besten seiner Art zählt (6. Platz im Ranking der schwedischen Bewertungsagentur UBI global – der brutkasten berichtete). Neben den üblichen Startup-Kriterien – Innovation und Skalierbarkeit – müssen INiTS-Teilnehmer auch einen akademischen Hintergrund vorweisen. Die relativ strengen Aufnahmekriterien schlagen sich auch im Output nieder – es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten, die bei INiTS ihren Anfang nahmen.
Solche sollen, geht es nach INiTS, nun auch den aktuellen acht Alumni bevorstehen. Der thematische Fokus der acht Teilnehmer lag dieses Halbjahr klar im Bereich Digitalisierung – sechs Startups sind diesem Bereich zuzuordnen:
Visplore: Interaktive Analysesoftware, die Ingenieuren selbständig umfassende Auswertungen von Massendaten ermöglicht
Xencio: AI- und machine learning-basiertes Analysetool für automatisiertes Cash Flow Management
Greenwell Energy: Gewinnung von geothermischer Energie aus ehemaligen Öl- und Gasbohrlöchern
Unverschwendet: Intelligente Überschussbörse zur Vermittlung von regionalem Obst- und Gemüse
Trality: Trading-Bot-Tool für den digitaler Wertpapierhandel für Jedermann
Cashy: Die digitale Pfandleihe
BrightComSol: Preiswertes, umweltfreundliches Verfahren zur Steigerung der Farbqualität von TV- und Röntgenbildschirmen
myGrams: Hard- und Software, das aus dem Handy eine Präzisionswaage macht
And the winners are…
Die Jurypreise, gestiftet von der aaia (Austrian Angels Investment Association) und der Wirtschaftsagentur Wien, gewannen schlussendlich Visplore und Greenstart-Alumnus Greenwell. Jenen des Publikums teilten sich Greenstart- und 2Min2Mio-Alumnus Unverschwendet und Trality, die im Voting auf exakt die gleiche Punktezahl kamen. Beide Incubees durften sich über ein brutkasten-Medienpaket des freuen.
(c) INiTS/Conny Kucera: Die Grennwell Energy Co-Founder Robert Philipp und Asetila Köstinger
(c) INiTS/Conny Kucera: Thomas Mühlbacher und Harald Piringer von Visplore
(c) INiTS/Conny Kucera: Cornelia Diesenreiter von Unverschwendet und Moritz Putzhammer von Trality
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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