14.06.2019

Das sind die Sieger-Startups des 11. INiTS Demo Day

Acht Startups, die zuvor das Inkubator-Programm Startup Camp durchlaufen hatten, präsentierten am 11. INiTS Demo Day ihre Lösungen. Vier der Spinoffs nahmen schließlich Preise mit nachhause.
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Harald Piringer von Visplore freut sich über den Sieg beim 11. INiTS Demo Day
(c) INiTS/Conny Kucera: Harald Piringer von Visplore freut sich über den Sieg beim 11. INiTS Demo Day

Es war bereits die elfte Auflage des INiTS Demo Day, die kürzlich im Wiener TUtheSky ausgetragen wurde. Acht Startups hatten zuvor das mehrmonatige Startup Camp des universitären Inkubators durchlaufen, der weltweit zu den besten seiner Art zählt (6. Platz im Ranking der schwedischen Bewertungsagentur UBI global – der brutkasten berichtete). Neben den üblichen Startup-Kriterien – Innovation und Skalierbarkeit – müssen INiTS-Teilnehmer auch einen akademischen Hintergrund vorweisen. Die relativ strengen Aufnahmekriterien schlagen sich auch im Output nieder – es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten, die bei INiTS ihren Anfang nahmen.

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8 Startups beim 11. INiTS Demo Day

Solche sollen, geht es nach INiTS, nun auch den aktuellen acht Alumni bevorstehen. Der thematische Fokus der acht Teilnehmer lag dieses Halbjahr klar im Bereich Digitalisierung – sechs Startups sind diesem Bereich zuzuordnen:

  • Visplore: Interaktive Analysesoftware, die Ingenieuren selbständig umfassende Auswertungen von Massendaten ermöglicht
  • Xencio: AI- und machine learning-basiertes Analysetool für automatisiertes Cash Flow Management
  • Greenwell Energy: Gewinnung von geothermischer Energie aus ehemaligen Öl- und Gasbohrlöchern
  • Unverschwendet: Intelligente Überschussbörse zur Vermittlung von regionalem Obst- und Gemüse
  • Trality: Trading-Bot-Tool für den digitaler Wertpapierhandel für Jedermann
  • Cashy: Die digitale Pfandleihe
  • BrightComSol: Preiswertes, umweltfreundliches Verfahren zur Steigerung der Farbqualität von TV- und Röntgenbildschirmen
  • myGrams: Hard- und Software, das aus dem Handy eine Präzisionswaage macht

And the winners are…

Die Jurypreise, gestiftet von der aaia (Austrian Angels Investment Association) und der Wirtschaftsagentur Wien, gewannen schlussendlich Visplore und Greenstart-Alumnus Greenwell. Jenen des Publikums teilten sich Greenstart- und 2Min2Mio-Alumnus Unverschwendet und Trality, die im Voting auf exakt die gleiche Punktezahl kamen. Beide Incubees durften sich über ein brutkasten-Medienpaket des freuen.

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Der Prototyp auf dem PROTEAS-Forschungsgelände des Cyprus-Instituts in Zypern © Waldstein

„Ich habe erstmal aus Meerwasser destilliertes Wasser getrunken. Es schmeckte sehr gut“, berichtet Carl Albrecht Waldstein, Geschäftsführer der Wiener Seawater BV GmbH im brutkasten-Gespräch über die gelungene Inbetriebnahme der ersten solaren Meerwasser-Entsalzungsanlage des Desertgreener-Projekts in Limassol, Zypern.

Mit einer Kombination aus Parabolspiegeln und energetischem Recycling will man dem weltweiten Wassermangel, der aktuell über 2 Milliarden Menschen betreffe, begegnen. Was vor zwei Jahrzehnten an einer verdorrenden spanischen Küste als kühnes Gedankenspiel begann, soll nun globale Wucht entfalten.

Die Vision: Wasser für eine wachsende Welt

„Wir saßen am Ufer des Meeres an der spanischen Mittelmeerküste. Vor uns unendlich viel Meer und hinter uns trocknete alles aus. Also haben wir gesagt, das kann nicht sein, dass das Wasser vor uns die Probleme hinter uns nicht löst“, erinnert sich der Geschäftsführer an die Anfänge der Lösung eines der herausforderndsten Probleme unserer Zeit.

Die Technologie soll Süßwasser so günstig verfügbar machen, dass nicht nur Trinkwasser gesichert wird, sondern auch die wasserintensivere Landwirtschaft, Industrie und der Bergbau versorgt werden können. Bereiche, die klassische Entsalzung aus Kostengründen kaum bedient. Das Potenzial reicht laut Waldstein von der Rettung versalzter Agrarflächen über die Begrünung von Wüstenregionen bis zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und Ammoniak als Dünger- und Treibstoffalternative.

Perspektivisch positioniert sich Desertgreener damit als Anbieter einer Basisinfrastruktur, die – wenn sie im großen Maßstab umsetzbar ist – wasserarmen Regionen weltweit neue wirtschaftliche und ökologische Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Wasserkreislauf der Natur als Vorbild

Statt auf energieintensive Umkehrosmose zu setzen, soll die Anlage im Kleinen kopieren, was die Natur im Wasserkreislauf im Großen macht: Sonne verdampft Meerwasser, der Dampf kondensiert wieder zu Süßwasser. Bewegliche, der Sonne nachgeführte Spiegel bündeln dafür die Sonnenstrahlen direkt auf einen mit Meerwasser gefüllten Behälter und bringen es zum Kochen. Laut Unternehmen werden so über 90 Prozent der Sonnenenergie direkt genutzt.

Der entstehende, salzfreie Dampf wird von einer Turbine abgesaugt und in ein Röhrensystem gepresst. Dabei kondensiert er sofort wieder zu Wasser und gibt seine Wärme an das noch kochende Meerwasser zurück. „Wir schicken 83 Prozent der Energie ständig im Kreis“, erklärt Waldstein. Dadurch lasse sich mit derselben Menge Sonnenenergie ein Vielfaches an Wasser verdampfen, statt sie nach einmaliger Nutzung zu verlieren.

Finanzierung über Utility-Token

Um die kapitalintensive Serienproduktion nun vorzubereiten, meidet die Seawater BV GmbH bewusst Banken und Venture Capital. Man wolle unabhängig bleiben: „Wir wissen, wir stören auch viele“, so Waldstein. Stattdessen gelangt man über den Verkauf des eigenen „DGRX“ Utility-Tokens bereits an über zehn Millionen Euro, wie der Gründer im Interview erwähnt.

Verkauft wird der Token über die DGRX Sales GmbH, welche daraus wiederum schrittweise Anteile an der Seawater BV GmbH erwirbt (bis zu 24%). Weitere sechs Millionen Euro sollen nun über die Token-Finanzierung folgen, um die Serienproduktion voranzutreiben.

1,8-Milliarden-Bewertung von „Big Four“-Prüfungsgesellschaft

Zu den anvisierten Kunden zählen Regierungen, Kommunen sowie große Agrar- und Bergbaukonzerne. „Um den Markt mache ich mir null Sorgen. Wo ich hintippe, schreien die Leute, wann könnt ihr liefern“, kommentiert Waldstein die Nachfrage. Laut ihm bewertete eine „Big Four“-Prüfungsgesellschaft die Firma Ende 2025 mit 1,8 Milliarden US-Dollar. Mit der aktiven Pilotanlage steige der Wert laut Waldstein kalkulatorisch auf 2,9 Milliarden Dollar.

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