14.08.2023

Wiener Startup möchte in Indien maßgeschneiderte Hemden verkaufen

Ein Textil-Startup aus Wien verkauft maßgeschneiderte Hemden hauptsächlich in Indien. Künftig können sich Kund:innen überall selbst abmessen.
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Fotos: The Shirt Dandy

Maßgeschneiderte Hemden – diesem Produkt hat sich das Wiener Startup The Shirt Dandy verschrieben. Die Kleidungstücke können mithilfe von KI von überall aus angepasst werden. Sie werden nicht nur B2C in Österreich, sondern vor allem in Indien verkauft. Dies habe ökonomische und ökologische Gründe, sagt Thomas Hebenstreit, Gründer und CEO des Jungunternehmens.

„Ursprünglich war die Idee, dass wir unsere Hemden in Österreich verkaufen. Bis ich dann drauf kam, dass es logistisch sehr schwierig ist und der Markt sehr kompetitiv.“ Das größte Problem sei auch, die Kund:innen zuhause bzw. vor Ort abzumessen. In Indien könne man sich diesen Service leisten. Zudem sei es günstiger, die Hemden in kleineren Losgrößen zu versenden. „In Österreich muss man immer mehrere Stück auf einmal versenden, sonst bringen dich die Transportkosten um.“ Es sei sinnvoll dort abzusetzen, wo man produziert, weil man „viel mehr Kontrolle“ hat und der Transport viel günstiger sowie nachhaltiger sei.

Potenzial in Indien

„Und Indien ist einfach ein riesiger Markt“, sagt Hebestreit, der selbst vor der Gründung dort beruflich tätig und ansässig war. Die bevölkerungsreiche Nation in Südasien zeichnet sich unter anderem durch starkes Wirtschaftswachstum, einer wachsenden Mittelschicht und steigenden Wohlstand aus. In den letzten Jahren hat sich der Subkontinent als eine chancenreiche Destination für Startups herauskristallisiert.

Es sei „keine Rocket Science“ in Indien zu produzieren, dort auch zu verkaufen sei dagegen eher unüblich, meint Hebestreit. „Ich glaube aber, dass viele Unternehmen ein bisschen Angst haben auf den Markt zugehen.“ Der Grund dafür sei, dass die Rahmbedingungen wie die Kultur und das Konsumentenverhalten „ganz anders“ sind. „Man muss länger in dem Land gewesen sein und auch die Leute kennen, damit man sich traut, dort was zu machen und auch weiß, was man dort bewegen kann.“

Die Produktion ist zurzeit aus Kostengründen ausgelagert, wie Hebenstreit erklärt. „Wir halten kein Inventar, also haben wir eigentlich kein working capital requirement. Wenn wir kein Hemd verkaufen, haben wir auch keine direkten Kosten.“ Der Lieferant wird im Nachgang bezahlt. Aktuell finanziert sich das Startup mit Eigenkapital und dem erwirtschafteten Cashflow. Laut Hebenstreit starte man demnächst eine reward-based Crowd-Funding-Kampagne. Diese soll die Marketing-Ausgaben für den Anfang decken. Sollten mögliche Investor:innen aktiv an das Unternehmen herantreten, werde man die Situation neu bewerten.

Kernabsatzmarkt außerhalb Österreichs

In Indien bietet das Startup seinen Kund:innen die Möglichkeit des mobilen Maßnehmens. Über die Webseite können sie Termine an einem Ort ihrer Wahl buchen. Aktuell wird der Service als Pilotprojekt in Delhi eingeführt. Außerdem möchte man künftig ein Netzwerk aus eigenen Shops betreiben.

Der Fokusmarkt von The Shirt Dandy sei zwar Indien, aber man verkaufe auch hierzulande Hemden. „Österreich machen wir primär mal mit, weil ich vor Ort bin und den Markt kenne“, so Hebestreit. Der Vertrieb im Inland erfolgt aus Kostengründen ausschließlich online und über Handelsagenten im Direktvertrieb. Das Netzwerk in beiden Märkten sei ein besonderer Wettbewerbsvorteil des Unternehmens im fragmentierten Markt des Landes. Dies äußere sich beispielsweise durch den schnellen Zugang zu westlicher Technologie sowie die Etablierung von Praktiken aus beiden Nationen.

3D-Konfigurator und Web-App

Für Kund:innen außerhalb Indiens dürfte es aber künftig auch viel leichter werden, maßgeschneiderte Kleidung zu bestellen. Im Oktober möchte The Shirt Dandy nämlich den indischen Markt für maßgeschneiderte Hemden mit einem 3D-Konfigurator „revolutionieren“, heißt es. Dafür habe man eine Technologie-Partnerschaft mit der italienischen Reda Gruppe. „In Österreich und Indien sind wir die ersten, die mit dieser Lösung auf den Markt gehen“, sagt der Hebestreit. Man starte mit Hemden, aber haben den Konfigurator auch schon „ready“ für Polos und Anzüge.

Ein erster Blick auf den 3D-Konfigurator. Foto: The Shirt Dandy

Zudem wird auch eine Web-App eingeführt. Mit dieser soll es möglich sein, per Foto die eigenen Maße zu ermitteln. Dafür wird es auch eine Anleitung geben: „Man muss aus zwei Metern Entfernung ein Foto in enger Kleidung machen, am besten in Unterwäsche“, erklärt Hebenstreit. Mittels AI werden dann die Maße ermittelt. Diese werden mit einem statistischen Algorithmus bewertet. „Da wird überprüft, ob es anatomisch Sinn macht, dass die Armlänge oder der Bauchumfang bei der angegebenen Größe und Gewicht den ermittelten Werten entspricht.“ In Summe sei das ein Aufwand von fünf bis zehn Minuten. Es sei zudem datenschutzkonform, da kein Foto gespeichert wird, sondern ein anonymisierter 3D-Avatar genutzt wird.

Indien und Österreich sollen auch nicht die einzigen Länder bleiben. „World Wide Shipping ist im Moment kein Problem der Technologie, sondern eher ein Ressourcenthema.“ Rückgabe und Austausch würden sich schwierig gestalten. Außerdem gebe es die sprachliche Barriere. „Aus unserer Sicht ist es recht smart, mal lokal und in Österreich zu beginnen und es dann langsam auf Nachbarmärkte zu skalieren.“

Nicht belegte Nachhaltigkeit

The Shirt Dandy verfolge eine Lokal für Lokal-Strategie. Mittelfristig strebe man an, auch jene Hemden für Europa in Europa zu produzieren. Zurzeit stammen die Hemden für österreichische Abnehmer:innen noch aus Indien. In einer Aussendung heißt es, dass ein weiterer Schwerpunkt darauf liege, maßgeschneiderte Hemden in Österreich erschwinglicher zu machen. Die Mitarbeiter:innen in der externen Fertigungsfirma werden laut Hebenstreit „marktkonform“ bezahlt. „Für uns ist es keine Lösung, nicht in Indien zu produzieren, sondern wir wollen dort unseren Beitrag leisten, die Textilbranche proaktiv mitzugestalten, zu verändern und damit nachhaltiger zu machen.“

Auch auf ökologische Nachhaltigkeit lege man sehr viel Wert. So können z. B. Kund:innen Altkleidung gegen einen Rabatt von 5 Prozent auf ihren Einkaufspreis eintauschen. Diese wird recycelt, gespendet oder verkauft, um Ressourcen zu sparen. Schwierig wird es beim Transport: Um den CO2-Fußabdruck zu „kompensieren“, zahle man bei DHL einen Aufpreis. Diese Abgaben fließen laut dem Speditionsanbieter in Klimaschutzprojekte. Die Produktionshalle in Bangalore decke einen „großen Teil des Energiebedarfs“ mit Solarstrom ab. Wie viel Prozent genau, kann Hebestreit nicht sagen. Aufgrund der ständigen Sonnenbestrahlung schätzt er, dass es 90 bis 100 Prozent seien.

Wie hoch die direkten Emissionen (Scope 1), indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2) oder innerhalb der Wertschöpfungskette (Scope 3) sind, wird derzeit nicht gemessen. „CO2 Reporting verlangt einen hohen Aufwand an Ressourcen, Expertise & spezieller Tools und Software“, sagt Hebenstreit. Derzeit baue man ein Advisory Board auf, dem auch ein Subject Matter Expert für Nachhaltigkeit angehören soll. Um Nachhaltigkeit nachzuweisen, ist es üblich, die entsprechenden Zertifikate vorzuweisen. The Shirt Dandy hat aktuell keines, dass soziale oder ökologische Nachhaltigkeit belegt. Man strebe laut Hebestreit aber ein GOTS– und OEKOTEX-Zertifikat an. „Weiters sind wir mit unseren aktuellen Partnern laufend in Gesprächen, sich zeitnah zertifizieren zu lassen.“

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Der Dreamforce-Haupteingang in San Francisco.

Anthropic- und Nvidia-CEO mit auf der Bühne

Den Auftakt zum dreitägigen Programm bestreitet Benioff nicht allein. An seiner Seite: Dario Amodei, Co-Founder und CEO von Anthropic, Jensen Huang, CEO von Nvidia, Siemens-CEO Roland Busch sowie mehrere Vertreter:innen aus dem eigenen Haus.

Die Auswahl ist alles andere als Zufall. Mit Claudeforce holt Salesforce seine Applikationen direkt in die Anthropic-Umgebung. Parallel dazu entsteht mit Nvidia das hauseigene Modell „Koa“, das auf Nvidias Nemotron-Architektur aufbaut und mit synthetischen Daten, die auf 27 Jahren Salesforce-CRM-Wissen basieren, trainiert wurde.

„Ich habe kein einziges autonomes Fahrzeug in Europa gesehen“

Geografisch spielt sich Dreamforce zwar in den Vereinigten Staaten ab, dennoch nimmt Europas Position im globalen KI-Wettlauf breiten Raum in Benioffs Eröffnungskeynote ein. Das Bild, das der Salesforce-Mitgründer zeichnet, fällt ernüchternd aus: „Ich war einige Monate in Europa und habe kein einziges autonomes Fahrzeug gesehen“, berichtet der CEO, als Sinnbild für die ungleiche globale Verteilung und die zögerliche Nutzung von KI-Technologien.

„Die Tür ist offen, aber noch nicht jeder ist hindurchgegangen“, führt Benioff aus. Kund:innen, so seine Einschätzung, seien teilweise noch in einer alten Welt verhaftet und hätten die unternehmerische Transformation durch KI noch nicht vollzogen. Genau hier will Salesforce ansetzen, um die Adoption zu beschleunigen.

AIforce vorgestellt

AIforce soll die Arbeitsweise von Unternehmen transformieren.

Konkret wird dieser Anspruch bei der zentralen Produktankündigung, die Benioff im Rahmen seiner Keynote als „die aufregendste in der Geschichte von Salesforce“ bezeichnet: Mit AIforce möchte das Unternehmen Daten, Workflows, Geschäftslogik und Governance direkt in Arbeitsumgebungen wie Slack, Claude oder Salesforce Lightning bringen, ohne dass Nutzer:innen Salesforce selbst öffnen müssen. „KI führt zu einer Revolution der Benutzeroberflächen“, so Benioff laut offizieller Ankündigung. Dabei betont Salesforce von Beginn an, dass das System auf Zero Data Retention setzt. „Deine Daten sind deine Daten“, versichert der CEO mehrfach.

Technisch stützt sich AIforce auf drei bestehende Bausteine: Data 360 liefert den einheitlichen Datenkontext, Customer 360 die Anwendungs- und semantische Intelligenz, Agentforce die digitale Belegschaft aus KI-Agenten. Zum Start zählen dazu Claudeforce, Slackforce und Agentforce Coworker.

Amodei plädiert für Industriestandards

Die Partnerschaftsmarke Claudeforce ist seit August 2026 bekannt; Amodeis Anwesenheit unterstreicht dennoch das Gewicht der Partnerschaft. Auf Benioffs Frage, was ihn zuletzt am meisten überrascht habe, antwortet Amodei: „Das Tempo, nicht nur auf technologischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Seite. Ich war schlicht überrascht, dass eine solche Geschwindigkeit in der Geschäftswelt überhaupt möglich ist.“

Auf Benioffs Frage, wie er die „Pacing“-Debatte und den aktuellen Stand der Sicherheit einschätze, antwortet Amodei mit einem Drei-Stufen-Plan, den er wenige Tage zuvor in seinem Essay „We Must Pace the Frontier“ veröffentlicht hatte: zunächst die eigenen Praktiken prüfen und in Transparenz investieren, dann gemeinsame Industriestandards erarbeiten, schließlich eine internationale Abstimmung anstoßen. Umgesetzt sei bislang erst der erste Schritt. Begleitet von drei Sicherheitskräften verlässt Amodei den Saal umgehend nach seinem kurzen Auftritt.

Huang sieht Verantwortung bei den Entwickler:innen

Salesforce-CEO Marc Benioff und Nvidia-CEO Jensen Huang bei der Eröffnungs-Keynote.

Während Amodei bei Sicherheitsfragen einen bedachten, koordinierten Kurs einfordert, vertritt Nvidia-CEO Jensen Huang eine andere Linie: „Sicherheit hat oberste Priorität, in vielerlei Hinsicht ist sie die wichtigste Aufgabe. Allerdings ist Sicherheit zugleich ein Ingenieursproblem“, ein komplexes Rechensystem wie jedes andere, das sich technisch beherrschen lasse. Sein Rezept: zunächst sichere Testumgebungen schaffen, in denen sich Systeme prüfen lassen, und Produkte erst freigeben, wenn man von deren Sicherheit überzeugt ist. Regulatorische Eingriffe des Staates lehnt er ab.

Die Devise laute stattdessen, Innovationen so rasch wie möglich voranzutreiben, ohne Sicherheit zu opfern: „Laufen Sie so schnell Sie können, doch sobald Sie das Gefühl haben, […] das Produkt werde nicht sicher sein, legen Sie eine Pause ein“, so der Nvidia-Chef. Tempo und Sicherheit seien für ihn kein Widerspruch, sondern gleichzeitig erreichbar. Ob sich Unternehmen im permanenten Wettlauf um Marktanteile tatsächlich so diszipliniert selbst bremsen, wie Huang es beschreibt, bleibt allerdings offen.

Das Mantra: „Software ist nicht tot“

Wie ein roter Faden zog sich zudem das Gegennarrativ zur „SaaSpocalypse“ durch den Vormittag. Huang bezeichnete die These vom Ende der Software als „kompletten Unsinn“, Benioff präzisierte: „Software ist nicht tot. Es ist das Ende jener Software, die Menschen die ganze Arbeit machen lässt.“ Ob sich diese Neuerfindung tatsächlich so reibungslos vollzieht, wie auf der Bühne suggeriert, wird sich außerhalb des Moscone Centers erst noch zeigen müssen.


Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten zur Dreamforce wurden von Salesforce übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.

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