12.05.2026
EXPANSION

Shadowmap landet exklusiven Deal mit US-Immobilienriesen Redfin

Das österreichische Startup Shadowmap bringt seine 3D-Sonnensimulation in den amerikanischen Immobilienmarkt. Gemeinsam mit der US-Plattform Redfin wurde der "Sunscore" entwickelt – ein Millionenpublikum sieht somit künftig, wie viel Sonne eine Immobilie wirklich abbekommt.
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Shadowmap
© zVg - Das Shadowmap-Team.

Es ist ein großer Meilenstein für das Wiener Startup Shadowmap von Georg Molzer: Bekannt für seine globale interaktive 3D-Karte zur Visualisierung von Sonnenverläufen und Schattenwürfen, hat es eine exklusive US-Partnerschaft mit dem Immobilien-Riesen Redfin (über 1 Mrd. US-Dollar Umsatz 2024) an Land gezogen. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist der neu gelaunchte „Sunscore“.

Shadowmap beendet das Ratespiel

Dieses neue Feature bewertet US-Immobilien auf einer Skala von 0 bis 100 und zeigt potenziellen Käufern auf einen Blick, wie viel natürliches Licht ein Haus oder eine Wohnung im Tages- und Jahresverlauf tatsächlich erhält.

„Wir wissen aus Kundenfeedback, dass Sonnenlicht für Haussuchende eine hohe Priorität hat“, sagt Ariel Dos Santos, Chief Product und Design Officer bei Redfin. „Wenn man ein Haus besichtigt, möchte man hell erleuchtete Räume sehen, in die natürliches Licht durch die Fenster strömt. Sunscore gibt Haussuchenden diese Informationen vorab auf eine leicht verständliche Weise.“

Bisher war die Sonneneinstrahlung bei der Immobilienbesichtigung oft ein Ratespiel, das stark von der Tages- oder Jahreszeit abhing. Die Technologie von Shadowmap soll das nun grundlegend für Redfin-Nutzer:innen ändern.

Sunscore basiert auf 3D-Geometrie

Der Sunscore berechnet die Einstrahlung basierend auf der 3D-Geometrie des Gebäudes sowie den umgebenden Schattenwerfern – dazu zählen Geländestrukturen, Bäume und benachbarte Gebäude. Die Oberfläche der Immobilie wird zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten analysiert. Je höher der Score, desto sonniger das Objekt. Ein Score von 80 gilt beispielsweise als „super sonnig“ und verspricht minimale Schattenbildung.

„Die Sonne beeinflusst, wie wir leben, und wirkt sich auf unsere Gesundheit, unseren Komfort und unser Wohlbefinden aus“, sagt Shadowmap-CEO Molzer. „Die Verfügbarkeit von Sonnenlicht ist jedoch beim Kauf oder der Miete einer Immobilie oft ungewiss – besonders über verschiedene Jahreszeiten hinweg. Wir bringen Klarheit. Sunscore, angetrieben von Shadowmaps 3D-Sonnenlichtanalyse-Technologie, hilft Käufern, die Sonneneinstrahlung einer Immobilie zu verstehen, bevor sie sich entscheiden, und integriert Erkenntnisse über das Sonnenlicht direkt in die Immobiliensuche von Redfin.“

Strategischer Schachzug für Redfin

Für die US-Amerikaner ist die Integration der österreichischen Technologie ein strategischer Schachzug. Laut einer aktuellen Umfrage der Plattform ist für fast 70 Prozent der Suchenden die Menge an Sonnenlicht entscheidend für die Wohnzufriedenheit. Für elf Prozent ist fehlendes Tageslicht sogar ein absolutes K.-o.-Kriterium. Denn: Sonnenlicht biete nicht nur ästhetischen Charme und stimmungsaufhellendes Serotonin, sondern habe auch praktische und finanzielle Vorteile. „Informationen über das Sonnenlicht auf Immobilienebene zeigen, wie das Solarpotenzial eines Hauses aussieht, was Hausbesitzern im Laufe der Zeit Tausende von Dollar pro Jahr an Energiekosten sparen könnte“, heißt es per Aussendung.

„Das ist eine enorme Bestätigung – nicht nur für Shadowmap, sondern auch für die Idee, dass ‚environmental intelligence‘ weltweit zum Standard von Immobiliendaten werden wird“, kommentiert Hansi Hansman (Hans(wo)men Group), der an Shadowmap beteiligt ist, per LinkedIn-Post diesen Deal.

Das Feature ist ab sofort in die Web-Suche von Redfin.com für alle gelisteten Verkaufsobjekte integriert. Im Laufe des Jahres soll der Sunscore auch in den stark genutzten iPhone- und Android-Apps des US-Konzerns ausgerollt werden.

Shadowmap-Founder: „Deal via cold outreach“

Für Shadowmap markiert dieser Schritt einen enormen Sprung in der internationalen Skalierung. Die Integration in eine Plattform, die täglich von Millionen US-Amerikanern für die Immobiliensuche genutzt wird, beweise eindrucksvoll den Product-Market-Fit der Wiener Sonnen-Analyse-Technologie, wie Molzer gegenüber brutkasten betont.

„Wir sind seit Jahren in der Real-Estate- bzw. Proptech-Branche am Netzwerken und mein CSO Dave Wallace, den ich vor eineinhalb Jahren zufällig in Dubai kennengelernt habe, hat via ‚cold outreach‘ diesen Deal an Land gezogen“, erklärt er. „Redfin war zu der Zeit gerade selbst aktiv auf der Suche nach einer Lösung, um Sonnenverfügbarkeit für ihre Immobilien klar zu kommunizieren. Wir haben uns schnell als die beste verfügbare Lösung herauskristallisiert.“

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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