15.10.2025
INVESTMENT

Scopri: St. Pöltner-KI-Startup erhält sechsstelliges Investment von Angels United

Das Business-Angel-Konsortium Angels United, das 2024 von Karl Büche, Markus Ertler, Hermann Futter, Niki Futter und Michael Edtmayer ins Leben gerufen wurde, investiert einen sechsstelligen Betrag in das Dokumenten-Analyse-Startup Scopri.
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Scopri
© Scopri

Das von den Gründern Georg Arnold, Tobias Reitmayr und Mateo Primorac in St. Pölten gegründete Unternehmen Scopri hat eine Plattform entwickelt, die mit ihrer selbst entwickelten adaptiven KI-Technologie komplexe technologische Dokumente analysiert und damit einen zentralen Engpass in Forschung und Entwicklung lösen möchte.

Scopri: Neuer Zugang zu Wissen

Das niederösterreichische Startup beschleunigt nach eigenen Angaben Prozesse, die bisher wochenlange Recherchen benötigt und enorme Ressourcen verschlungen haben. Und möchte damit Unternehmen einen völlig neuen Zugang zu Wissen ermöglichen.

In forschungsintensiven Branchen – von Automotive über High-Tech bis Pharma und Biotechnologie – gelte die Patentrecherche als unverzichtbar, gleichzeitig aber als mühsam und teuer. Anwälte und spezialisierte Tools seien kostspielig, klassische Datenbanken zu starr.

„In meinem ersten Entwicklungsprojekt musste ich 386 Patente im Bereich der elektrischen Antriebstechnik analysieren. Es hat über zwei Monate gedauert um die Patente zu verstehen, Wissen zu extrahieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Diese Zeit fehlte für Technologieentwicklung, für Prototypenbau, für Kundengespräche – für die wirklich relevanten Tätigkeiten“, so Mateo Primorac, Co-Founder und CEO von Scopri.

Über 170 Millionen Patente in Echtzeit untersuchen

Mit der Lösung des KI-Startups soll es nun möglich sein, mit adaptiver KI-Technologie, die vom AWS Preseed Deep Tech Programm gefördert wird, Millionen von Dokumenten in Sekundenbruchteilen zu durchsuchen, relevante Zusammenhänge zu erkennen und Ergebnisse so aufzubereiten, dass Forscher:innen und Ingenieur:innen unmittelbar damit arbeiten können. Statt Wochen oder gar Monaten dauere die Analyse nur wenige Minuten, so das Versprechen der Niederösterreicher. Aktuell ließen sich mehr als 170 Millionen Patente von offiziellen Quellen in Echtzeit durchsuchen.

Die Architektur der Plattform ist von Beginn an darauf ausgelegt, auch komplexe Dokumenttypen zu erschließen – von wissenschaftlichen Publikationen über technische Standards bis hin zu juristischen Texten. Damit adressiere Scopri ein Problem, das weit über Forschung und Entwicklung hinausreiche: Wissensfülle sei vorhanden, werde aber oft nicht genutzt. Individuelle KI-Assistenten wie jene von Scopri sollen dieses Potenzial heben.

„Wir beginnen mit Patenten, doch unser Anspruch ist viel weiter: Wir wollen eine holistische Software-Plattform schaffen, mit der Forscher:innen und Ingenieur:innen, sowie Innovationsabteilungen, Universitäten und Technologietransfer-Büros automatisch aus jedem hochkomplexen Dokument relevante Erkenntnisse extrahieren. Und das in Minuten, nicht in Monaten“, präzisiert Primorac.

Expansion geplant

Karl Büche von Angels United sieht in Scopri einen breiten Hebel für intelligente Dokumentenanalyse: „Nicht nur Patente, sondern alle Arten von technischen und juristischen Dokumenten lassen sich künftig mit individueller KI erschließen. Das ist ein enormer Zukunftsmarkt. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit dem Scopri-Team ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuknabbern.“

Mit dem Investment will Scopri konkret seine Produktentwicklung beschleunigen, weitere Märkte erschließen und den Ausbau der Plattform für zusätzliche Dokumenttypen vorantreiben. Parallel dazu soll das Team gestärkt werden, um die wachsende Nachfrage aus Forschung und Industrie zu bedienen. Erste Testkunden arbeiten mit dem Prototypen von Scopri seit August 2024.

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SCCH
© dbrains academy - (vlnr): Leon Hiebl, Romana Pusch, Dominik Pühringer, Markus Manz (SCCH), Patrick Urmann und Notar Rüdiger Kriegleder.

Das Software Competence Center Hagenberg (SCCH) vermeldete vor kurzem, dass es seine Forschung künftig auch über eigene Unternehmensbeteiligungen verwertet – siehe hier. Die im Juli gegründete SCCH Innovations GmbH soll bis 2030 und darüber hinaus rund 30 Unternehmen aufbauen, wie CEO Markus Manz gegenüber brutkasten im September erklärte. Damals war bereits die erste Beteiligung fix: das MLOps-Startup LUML eines SCCH-Mitarbeiters.

SCCH: Tech-Transfer um Weiterbildung erweitern

Nun beteiligt man sich mit zehn Prozent Anteilen an dbrains academy. Mit diesem strategischen Schritt möchte das Forschungszentrum seinen Technologietransfer um Beratung und Weiterbildung erweitern, die dbrains academy erhält indes direkten Zugang zu aktueller KI-Forschung. Das gemeinsame Ziel: Unternehmen sollen KI wirksam im Arbeitsalltag einsetzen. Die Anteile hält die SCCH Innovations GmbH, die Beteiligungsgesellschaft des Forschungszentrums — über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Kooperation besteht schon seit 2025

Das SCCH steuert bei dieser Kooperation wissenschaftliche Expertise in Künstlicher Intelligenz, Data Science und Software Science bei. Die dbrains academy begleitet Unternehmen vom KMU bis zum Konzern in Österreich und Deutschland, von der KI-Strategie über den Kompetenzaufbau bis zur Umsetzung konkreter Anwendungen, in Workshops oder mehrmonatigen Begleitungen. Ein E-Learning soll zudem zeit- und ortsunabhängig KI-Kompetenz gemäß dem EU AI Act vermitteln.

„Technologietransfer endet für uns nicht mit der Entwicklung einer Lösung. Er ist dann erfolgreich, wenn neues Wissen in den Unternehmen ankommt und dort tatsächlich genutzt wird. Die dbrains academy bringt das Know-how mit, Unternehmen strategisch zu begleiten und dieses Wissen praxisnah zu vermitteln. Darin ergänzen wir uns ideal“, erklärt Markus Manz, CEO des SCCH.

Kooperation besteht seit 2025

Das Software Competence Center und dbrains academy arbeiten seit 2025 zusammen. Im gemeinsamen Lehrgang „AI Excellence Program for Pioneers“ bringen sie Forschung und Unternehmenspraxis zusammen, damit Teilnehmende eigene KI-Ideen bis zur Umsetzung führen. Nach dem ersten Durchgang, dem am 25. November 2026 der nächste folgt, entschied man sich für die Beteiligung.

Für das SCCH erreichen Forschungsergebnisse damit nicht mehr nur einzelne Projektpartner, sondern ganze Belegschaften. Zugleich fließen Fragestellungen aus der Praxis in die Forschung zurück. Die dbrains academy bringt neue Erkenntnisse früher in Strategieprojekte und Trainings ein und entwickelt KI-Lösungen gemeinsam mit dem SCCH. Kund:innen erhalten Strategie, Weiterbildung und Umsetzung auf dem aktuellen Stand der Forschung aus einer Hand. Die Geschäftsführung der dbrains academy bleibt unverändert.

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