20.08.2018

Scio: Linzer Startup druckt Schaltkreise auf Papier & Co.

Startup-Portrait. Das oberösterreichische Unternehmen Scio bringt Multilayer-Schaltkreise auf Trägermaterialien wie Papier und 3D-formbare Kunststoffe. Im Gespräch mit dem brutkasten sprach COO Alexander Krauser über gedruckte Elektronik.
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Scio, Leiterplatten Franz Padinger, Druck, Multilayer-Schaltkreis, Automotive, Aerospace
(c) Paul Dragu - Das Scio-Team rund um Founder Franz Padinger beim WeAreDevelopers World Congress.

Es gibt fünf Geschäftsfelder, die Scio bearbeitet: Automotive, Sensorik, Medizintechnik, Beleuchtung und Marketing. Das Unternehmen möchte in diesen Bereichen durch seine bedruckte Elektronik auf flexiblen und verformbaren Substraten das Ende der starren Leiterplatten einläuten. „Durch unsere in den letzten zehn Jahren entwickelte Technologieplattform wird es in Zukunft tausende neue Designs bei Produkten in allen Bereichen des Lebens geben, die davor, aufgrund starrer Leiterplatten nicht möglich waren“, erklärt COO Alexander Krauser.

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Exit und Konkurs

Gründer und CEO Franz Padinger hat über 20 Jahre Erfahrung als Serial Entrepreneur vorzuweisen. Seine Diplomarbeit war der Grundstock, der zum Startup Qsel in Kooperation mit dem Nobelpreisträger Alain Heeger führte. Nach dem Verkauf an eine US-Firma folgte mit Nanoident ab 2004 das nächste Projekt. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Entwicklung von gedruckten Sensoren für Biometrie und medizinische Diagnostik. Als zwei-Mann-Unternehmen gestartet, wuchs die Firma auf über 90 Mitarbeiter an. Dann kam die Wirtschaftskrise – im Herbst 2018 musste Konkurs angemeldet werden.

Neustart mit Scio

Der Unternehmer des Jahres 2007 ließ sich davon nicht beirren und startete mit Botest Printed Sensors 2008 neu, das sich auf gedruckte Elektronik für industrielle Sensorik fokussierte. 2014 wurde das Unternehmen in Scio umgetauft. Nun widmen sich Padinger und sein Team dem automatisierten Druck von komplexen Schaltkreisen auf Billigmaterialien und formbaren Kunststoffen in Rolle-zu-Rolle-Drucktechnik – und beliefern etwa seit 2017 auch den Aerospace-Bereich (beheizbaren Module für Fußbodenheizung bei Luxusjets).

Im Nachgang verformbar

Dabei hat Scio einen Prozess entwickelt um Bauteile bei niedrigen Temperaturen zu verarbeiten. Wie der Founder in einem Youtube-Interview von SmallCap Investor TV erklärt, besteht die Kernkompetenz der Firma nicht nur daraus, metallische Strukturen wie Isolatoren als Circuit zu drucken, sondern auch klassischer Verfahren, wie Löten, befähigt zu sein. In Sachen Aerospace rühmt sich das Unternehmen damit, Teile flächig zu bedrucken und im Nachgang verformen zu können. Auf Folien wird flach gedruckt, bestückt und dann entweder per Spritzgussverfahren weiterverarbeitet, in Glasfaser vergoßen oder thermogeformt.

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(c) Scio – Das Unternehmen fertigt elektronische Module im Rolle-zu-Rolle Verfahren und verformt sie im Nachgang 3-dimensional.

Gewichtsreduktion auf ein Sechstel bei Auto-Leuchten

Anwendungsbereiche für sein Unternehmen sieht Padinger unter anderem im E-Mobilitätsbereich, wo effektiv jedes Gramm zähle. Durch die Verwendung der PET-Folie gelinge, laut dem CEO, eine Gewichtsreduzierung von 2,4 Kilogramm auf 400 Gramm pro Leuchte. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen Scio auf sich aufmerksam macht. Der Erfolg scheint sich auch in der Marketingstrategie widerzuspiegeln. Denn, sie existiert nicht. „Wir benötigen keine Marketingstrategie, da unsere Kunden mittlerweile alle zu uns nach Linz kommen und wir die Aufträge nicht mehr alle abarbeiten können“, erklärt Krauser.

Scio, Automotive, Leiterplatten, Druck
(c) Youtube/SmallCap InvestorTV – Zu sehen ist eine PET-Folie, die mit LEDs bestückt ist und hinter einer Frontscheibe platziert im Automotive-Bereich verwendet werden kann.

Conda-Kampagne: 225 Investoren

Zu den nächsten Zielen des Unternehmens, das im Juni den Pitch-Contest beim WeAreDevelopers Congress in Wien gewinnen konnte, gehört, „Prozesssicherheit bei der Implementierung einer Rolle-zu-Rolle-Produktionsanlage zu garantieren, um danach mit unseren OEM-Kunden in die Massenfertigung zu gehen“, sagt Krauser. Das Unternehmen hat bisher 400.000 an Förderung erhalten. Einnahmen kommen laut Krauser derzeit zu 50 Prozent über Forschungsgelder und zu 50 Prozent durch Entwicklungen mit Kunden. Aktuell läuft zudem eine Conda-Kampagne noch etwas mehr als drei Wochen. 225 Investoren haben zum aktuellen Zeitpunkt über 263.000 Euro investiert.


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Smatrics
© Smatrics EnBW.

Smatrics, der Betreiber von E-Auto-Ladeinfrastruktur in Österreich und ein Tochterunternehmen von VERBUND und EnBW Energie Baden-Württemberg (Joint Venture), verantwortet rund 20.000 Ladepunkte und verbindet mit dem „Smatrics Depot Club“ bereits Logistikunternehmen miteinander. Über die Kooperation mit Fryte soll diese Ladeinfrastruktur nun auch außerhalb des Club-Netzwerks zugänglich werden. Fryte bietet eine Plattform für die Lade- und Routenplanung von E-Lkw.

Smatrics erweitert Ladeangebot für E-Lkw

Über die deutsche Plattform werden sowohl die Standorte des Depot Clubs als auch öffentliche Ladepunkte von Smatrics in die Routen- und Ladeplanung von Logistikunternehmen integriert. Damit sollen Fahrer:innen und Disponent:innen einen Überblick über verfügbare Ladepunkte entlang ihrer Routen erhalten. Für Betreiber von Depot-Ladeinfrastruktur eröffne die Anbindung zugleich die Möglichkeit, ihre Ladepunkte auch für externe Nutzer:innen zugänglich zu machen und dadurch deren Auslastung zu erhöhen.

Technische Grundlage der Zusammenarbeit ist OCPI, ein offener, standardisierter Kommunikationsstandard in der Elektromobilität. Da beide Partner darauf setzen, konnte die Integration der Ladepunkte rasch umgesetzt werden, heißt es: In einem ersten Schritt wurden die Standorte in der Routenplanung sichtbar und nutzbar gemacht. Ab 2027 soll auch die Reservierung ausgewählter Ladepunkte möglich sein. Perspektivisch sollen Reservierungsdaten zudem an das Energiemanagementsystem der Standorte übergeben werden, um Netz- und Ladeprozesse zusätzlich abzusichern.

Über Betreibergrenzen hinweg planbar

„Ladeinfrastruktur für E-Lkw funktioniert nur, wenn sie über Betreibergrenzen hinweg planbar ist – für die Disposition zählt nicht, wer den Ladepunkt betreibt, sondern dass er zur Route passt. Mit Smatrics öffnen wir den Zugang zu Ladepunkten vom Depot bis zur öffentlichen Schnellladesäule in Deutschland und Österreich. Die Reservierung ist der nächste Schritt, an dem wir gemeinsam arbeiten“, sagt Maximilian Zähringer, CEO von Fryte Mobility.

Und Sita Meek, Head of Product bei Smatrics, ergänzt: „Viele unserer Depot-Kunden möchten ihre Ladeinfrastruktur zeitlich gezielt für externe Nutzung öffnen, um ihre Auslastung zu maximieren. Gleichzeitig soll der Zugang aber nur bestimmten Nutzergruppen offenstehen, und sich auf den Lkw konzentrieren. Durch die Kooperation mit Fryte verbessert sich die Sichtbarkeit und die Planbarkeit. Genau so muss ein offenes Peer-to-Peer-Ökosystem in der E-Logistik funktionieren.“

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