31.07.2017

Sanierung nicht möglich: endgültiges Aus für Neovoltaic

In einem Schreiben, das dem Brutkasten vorliegt, informiert Neovoltaic-Gründer Werner Posch die Aktionäre, dass das steirische Startup mit 27. Juli geschlossen wurde.
/artikel/sanierung-nicht-moeglich-endgueltiges-aus-fuer-neovoltaic
Werner Posch mit Ex-Siemens-Generaldirektor und Investor Alfred Ötsch.

Erst vor knapp mehr als einer Woche, am 20. Juli, wurde bekannt, dass das Hartberger Energie-Startup Neovoltaic AG Insolvenz anmelden musste. Bei unterm Strich rund 2,5 Millionen Euro Schulden (drei Millionen Euro Passiva zu einer halben Million Aktiva) trat die Zahlungsunfähigkeit ein. 470 Gläubiger sind betroffen. Nun ist es gewiss: Die Prüfung hat ergeben, dass kein Sanierungsverfahren durchgeführt werden kann. Bereits eine Woche nach dem Insolvenzantrag, am 27. Juli, wurde die Neovoltaic geschlossen. Dem Brutkasten liegt dazu ein Schreiben von Gründer Werner Posch vor, das heute Montag (31. Juli) um drei Uhr Früh an die Aktionäre erging. In der knapp gehaltenen E-Mail bedankt sich Posch bei den Teilhabern und informiert, dass das Insolvenzverfahren weiter andauert und noch Leistungen an die Insolvenzverwaltung erbracht werden.

+++ Neovoltaic meldet Insolvenz an +++

Das Schreiben im Wortlaut:

Geschätzte Aktionäre!

Die Sanierung bzw. Weiterführung des Unternehmens konnte nicht umgesetzt werden. Mit Freitag, den 28.7.2017 wurde die Schließung der neovoltaic AG durchgeführt.
Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen Aktionären bedanken, für Ihr Investment, für die Zeit, die Sie mit uns gegangen sind. Die letzten Tage waren für das gesamte Team nicht leicht, wiewohl es für jeden Einzelnen einsichtig war, dass dieser Schritt unter den gegebenen Rahmenbedingungen getan werden musste. Das Insolvenzverfahren dauert noch an, es werden auch noch Leistungen an die Insolvenzverwaltung erbracht. Diesbezüglich halte ich Sie auf dem Laufenden.

Mit freundlichen Grüßen,
Werner Posch

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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