28.02.2022

Russland: Ökonomen fordern Ende des Krieges – Leitzins mehr als verdoppelt

Die russische Zentralbank reagiert mit einer enormen Zinserhöhung auf Sanktionen. Der Leitzins steigt von 9,5 auf 20 Prozent - Wirtschaftswissenschaftler mit offenem Brief an Putin.
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(c) Stock.Adobe/Pavel Parmenov - Die russische Zentralbank reagiert auf die Sanktionen.

Die gegen Russland verhängten Sanktionen zeigen Wirkung. Vor Banken und Geldautomaten bilden sich lange Schlangen, der Rubel verlor gegenüber dem US-Dollar 42 Prozent und die russische Zentralbank hat den Leitzins von 9,5 auf 20 Prozent erhöht, wie die Währungshüter am Montag in Moskau ankündigten.

Die Zentralbank signalisierte zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Anhebungen. Notenbankchefin Elvira Nabiullina will die Maßnahmen im Tagesverlauf bei einer Pressekonferenz erläutern.

„Finanzielle Atombombe auf Russland“

Wie Politico berichtet, wurde nach den verhängten Beschränkungen der EU, USA, dem Vereinigte Königreich und Kanada die russische Zentralbank effektiv daran gehindert, ihre internationalen Reserven in Höhe von 630 Milliarden US-Dollar einzusetzen, um die Auswirkungen anderer westlicher Sanktionen zu mildern.

„Dies ist eine Art finanzielle Atombombe, die auf Russland fällt“, sagte Sergei Aleksashenko, ein ehemaliger stellvertretender Finanzminister und stellvertretender Zentralbankgouverneur, in einem Videoblog. „Von den verbleibenden Reserven verfüge Russland über 60 Mrd. US-Dollar in chinesischen Yuan – aber das wäre als Zahlungsmittel für die Länder, die Russland mit Konsumgütern beliefern, nicht akzeptabel.“

Gold als Alternative für Russland?

Zudem wären die 130 Milliarden US-Dollar, die Russland in Gold besitzt, nur schwer zu verkaufen. „Es könnte es in der Schweiz versuchen, die sich den westlichen Finanzsanktionen noch nicht angeschlossen hat, aber da die europäischen Länder ihren Luftraum blockieren, wäre es wahrscheinlich unmöglich, es zu liefern. Wem können wir es verkaufen?“, so Aleksashenko.

Moskau hat außerdem, wie das Handelsblatt berichtet, seinen Börsenstart verschoben. In Bezug auf andere Märkte werde eine spätere Eröffnung geprüft, hieß es. Zuvor hatte Russlands Zentralbank Wertpapierhändlern untersagt, russische Wertpapiere im Besitz von Ausländern zu verkaufen.

Offener Brief an Putin

Eine Gruppe emigrierter russischer Wirtschaftswissenschaftler hat indes Vladimir Putin in einem offenen Brief aufgefordert, den Krieg sofort zu beenden.

„Wir können mit absoluter Sicherheit die schwerwiegendsten negativen Folgen für die russische Wirtschaft vorhersagen – steigende Preise, sinkende Einkommen und Investitionen, Wertminderung von Ersparnissen, weitere Kürzungen der Sozialausgaben und den sich beschleunigenden Verlust von Humankapital aufgrund von Emigration“, heißt es in dem Brief. „Wir glauben, dass die Aktionen der russischen Führung der Zukunft Russlands großen Schaden zufügen. Indem sie einen Krieg gegen die Ukraine entfesseln, handeln die Führer Russlands gegen die Interessen der russischen Bürger. Wir fordern ein sofortiges Ende der Aggression.“

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Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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