29.02.2016

Rudolf Dömötör: WU Gründungszentrums-Leiter im Interview

Er ist ein Urgestein der Entrepreneurship-Szene: Dr. Rudolf Dömötör, der Mann mit den vielen „ö“ im Namen, bleibt einem nicht nur wegen dieser Besonderheit gerne in Erinnerung.
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Ein Entrepreneurship-Urgestein: Dr. Rudolf Dömötör leitet das WU Gründungszentrum. (c) Florian Godovits

Rudolf Dömötör ist als Direktor des WU Gründungszentrums ein wichtiger Mann in der Wiener Gründerszene. Diesen Job hat er seit Juni 2015 inne. Im Interview mit dem Brutkasten spricht er über österreichs Startup-Landschaft und gibt Gründern Tipps, die durchstarten möchten.

+++Mehr zum Thema: WU Wien mit Gründungszentrum als Sprungbrett für Startups+++

Ist es eine Genugtuung, zu sehen, wie viel sich in den vergangenen Jahren im Bereich Entrepreneurship in Österreich getan hat?

Im Jahr 2002 habe ich am Institut für Entrepreneurship und Innovation (E&I) begonnen – damals musste man den Begriff „Entrepreneurship“ noch erklären. Heute ist das Thema hier am WU Campus direkt sichtbar verortet. Das ist eine gute Entwicklung.

Haben Sie in Ihrem Leben auf diese Entwicklung langfristig hingearbeitet?

Ich hatte nie einen Zehn-Jahres-Plan, komme aber aus einer Unternehmerfamilie. Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben, die etwas ändern und bewegen wollen. So war es für mich immer faszinierend, an einem Lehrstuhl wie E&I zu arbeiten.

Als es dann zum Abschluss der Dissertation ging, war mir aber klar, dass eine wissenschaftliche Karriere nicht meins ist. Ich bin der WU und dem Institut aber weiterhin verbunden geblieben.

Traditionell geht es an Wirtschaftsunis ja um die Ausbildung von Managern, nicht von Unternehmern…

Ja. Es fehlt an Awareness über die Karriereoption Unternehmensgründung. Historisch betrachtet sind die Wirtschaftsunis mit den großen Unternehmen entstanden. Die WU wurde ja auch als „k.k. Exportakademie“, später „Hochschule für Welthandel“, gegründet – es drehte sich also vor allem um Import und Export.

Hier setzt das WU Gründungszentrum an?

Das E&I-Institut von Professor Franke wurde vor 15 Jahren gegründet. Damals wurde er von wohlmeinenden Kollegen noch gewarnt: Er solle den Ball flach halten – niemand würde sich wirklich für Entrepreneurship interessieren.

Das hat sich definitiv geändert.

 Eindeutig. Heute sendet die WU ein starkes Signal aus: „Ja, dieses Thema ist uns wichtig!“ Dabei geht die Vernetzung über den normalen universitären Raum hinaus. Wir wollen wie die Kaffeehäuser in der Gründerzeit sein: ein Treffpunkt und ein Kristallisationspunkt für Ideen. Die Verknüpfung von verschiedenen Disziplinen finde ich sehr spannend.

Wir wollen wie die Kaffeehäuser in der Gründerzeit sein: ein Treffpunkt und ein Kristallisationspunkt für Ideen. 

Welche konkreten Aktivitäten werden für diese Verknüpfung gesetzt?

Das passiert auf den unterschiedlichsten Ebenen. So macht das E&I-Institut Innovationsprojekte mit Gründern und Unternehmen. Weitere wichtige Outreach-Aktivitäten, die aus der WU heraus entstanden sind, sind der Social Impact Award, das Entrepreneurship Center Network (ECN) oder unser jüngstes Baby, die Entrepreneurship Avenue. Das E&I-Institut ist ein guter Nährboden für gute und mutige Leute.

Die Gründer des Pioneers Festivals und von Startup Live haben an der WU studiert…

So ist es. 2010 haben wir auch mit der „E&I Garage“ begonnen. Das ist ein Startup-Kurs zusammen mit den anderen Wiener Unis, in dem gemeinsam Ideen entwickelt werden können.

Das klingt nach einem großen Projekt – wie viele Studenten in Wien betrifft Entrepreneurship wirklich?

Wir haben 180.000 Studenten in Wien. Davon kommt nur ein bis zwei Prozent mit Entrepreneurship in Berührung.

Unser sichtbarstes Aushängeschild, um diese Zahl zu erhöhen, ist die Entrepreneurship Avenue. Das ist ein offener Entrepreneurship-Kurs für Studenten aller Studienrichtungen, um Ideen entwickeln zu können. Im Vorjahr hatten wir gut 1500 Teilnehmer.

Wichtig: Die Zielsetzung ist nicht, hinzukommen, um das nächste Google zu bauen, sondern: Komm vorbei und schau´s dir mal an. Der eine oder andere kommt dadurch erst auf den Geschmack und beginnt, über eine eigene Gründung nachzudenken.

Dömötör: Startup-Gründer sollten sich fragen, welches Problem ihr Produkt löst. (c) Florian Godovits
Dömötör: Startup-Gründer sollten sich fragen, welches Problem ihr Produkt löst. (c) Florian Godovits

Was sind Ihre wichtigsten Tipps für Startup-Gründer?

Kein Startup kommt darum herum, sich irgendwann einmal zu fragen: Welches Problem will ich lösen? Je früher ich das tue, umso besser.

Im ersten Moment und Überschwang denkt man meist in Produkten und vergisst dabei: Kann ich damit überhaupt jemandem helfen?

Es lohnt sich, den Fokus auf die Stärken und die wertschöpfenden Tätigkeiten zu richten. Und nicht zu vergessen, Partner und Experten zu nutzen.

Und wie sieht es mit dem Gründungszentrum als „Startup“ aus – steht es da nicht in massiver Konkurrenz zu Privaten wie den Hubs?

Nein – wir fokussieren schon auf die ganz frühen Phasen und versuchen, Studenten zu aktivieren. Wir sehen uns dabei eher als Zulieferer für das restliche Ökosystem und arbeiten mit anderen Initiativen zusammen – sei es die ÖH, studentische Clubs, Inkubatoren, Co-Working Spaces und so weiter.

Wie beurteilen Sie generell die Situation für Startups in Österreich?

Allgemein finde ich es interessant, dass mittlerweile fast jedes neue Unternehmen als Startup bezeichnet wird. Oft fehlt mir da die Abgrenzung: Ein Startup ist durch seinen hohen Innovationsgrad und das hohe Wachstumspotenzial gekennzeichnet. Den Blumenladen ums Eck kann ich nur schwer skalieren – im Gegensatz zu Uber und AirBnB.

Wie sieht es mit Venture Capital in unseren Landen aus?

Wo Österreich gut aufgestellt ist, ist im Bereich der Frühphase. Da gibt es auch viele Business Angels. Der Knackpunkt liegt dann darin, eine Geschäftsidee ganz groß zu machen und eine internationale Marktdurchdringung zu erreichen. An der Schwelle zum Abheben fehlt dann die Finanzierung. Typische „Series A-Runden“ sind schwer in Österreich. Da ist die österreichische Finanzierungslandschaft so gut wie nicht vorhanden.

International positiv hervorstechende Länder sind hingegen die USA, Großbritannien und Israel. Deutschland ist im Kommen.

Wie könnte man in Österreich gegensteuern?

Eine steuerliche Absetzbarkeit solcher Investments, wie etwa in Großbritannien, würde etwas bringen.

Was wären sinnvolle Maßnahmen, um unternehmerisches Denken in Österreich zu fördern?

Langfristig wäre es sinnvoll, Entrepreneurship schon sehr früh im Bildungssystem zu verankern beziehungsweise den Kindern ihre Neugier zu bewahren. Kinder wollen ja gerne entdecken und haben weniger Angst vor Fehlern.

Danke für das Gespräch.

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Das Gründungs-Trio von AYB: Dominik Jöbstl, Robert Haidl und Fabio Steiner (v.l.) © AYB

„Ausgewaschene Baumwollunterhosen fühlen sich mit der Zeit an wie so ein 40er Schleifpapier“, zumindest, wenn es nach Fabio Steiner, Dominik Jöbstl und Robert Haidl geht. Die drei Grazer wollten sich mit diesem Problem nicht länger abfinden und begannen so an der „perfekten Boxershorts“ zu tüfteln. Daraus geworden ist im November 2025 die AYB Underwear GmbH. AYB steht hier für „About Your Balls“. Seit Mitte Juli 2026 kann man sich vom Website-Claim „kein Zwicken. kein Kratzen.“ nun selbst überzeugen.

Zwei Jahre Materialsuche

Rund zwei Jahre arbeiteten die Gründer mit der Grazer Schneiderin Sarah Kohlendorfer zusammen, testeten laut eigenen Angaben mehr als 30 Stoffe und zwölf Prototypen, ehe die Wahl auf Tencel Modal Micro der oberösterreichischen Lenzing AG fiel.

Auch der Schnitt wurde mehrfach überarbeitet: An der Hüfte, „dort ist der Punkt, wo die Unterhose am meisten spannt“, wie Steiner im Interview erklärt, verzichtet AYB auf eine Naht. Stattdessen verlaufen die Nähte vorne und hinten. Daraus ergeben sich zwei zusätzliche Nähte, dafür aber ohne Druckstellen an der empfindlichsten Zone, wie die Gründer ausführen.

Made in China

Produziert wird in einer Partnerfirma im chinesischen Guangdong. Dort würden laut Steiner „90 Prozent aller Unterhosen der Welt produziert“, die Lieferketten seien entsprechend eingespielt. Eine Produktion in Europa hätte man laut Steiner deutlich teurer kalkulieren müssen: „Wir hätten das Dreifache verlangen müssen.“

Preislich positioniert sich AYB zwischen Billiganbietern und Premiummarken, ein Dreierset kostet 44,90 Euro. Über die genaue Marge wollten die Gründer keine Angaben machen, sie sei aber „für das Textilgeschäft üblich“, erwähnt man im Interview.

Verkaufszahlen übertreffen die eigenen Erwartungen

Die ersten Pre-Sale Bestellungen von AYB wurden selbst ausgeliefert. © AYB

Mitte Juli 2026 ging AYB mit einer ersten Bestellung von 1.000 3er-Sets in den regulären Verkauf. Ursprünglich hatten die Gründer mit 50 verkauften Sets pro Monat kalkuliert „und jetzt haben wir halt einfach mehr als das Zehnfache verkauft“, sagt Steiner.

Rund 600 Dreiersets wurden bislang abgesetzt, eine zweite Bestellung über 2.000 weitere Sets ist bereits unterwegs. Finanziert wird sie aus dem laufenden Cashflow: „Es läuft aktuell in einem positiven Cashflow, was uns sehr happy stimmt“, bestätigt Steiner gegenüber brutkasten. Auf Investor:innen verzichten die drei laut eigenen Angaben bewusst. Man wolle es soweit wie möglich bootstrappen.

Vom Marketingbüro zum Boxershort-Business

Steiner und Jöbstl betreiben parallel eine eigene Marketingagentur, aus deren Einnahmen unter anderem die GmbH-Gründung über 12.000 Euro von AYB mitfinanziert wurde. Aktuell laufen beide Geschäfte parallel. „Um auch zu schauen, was funktioniert am Ende des Tages einfach besser“, meint Steiner. Bis man sich bei AYB etwas auszahlen könne „dauert sicher noch zwei, drei Jahre“, fügt er hinzu.

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