22.10.2019

Wiener Spirituosen-Startup bringt „alkoholfreien Gin“

Als Destillat aus Fruchtsäften und Gewürzen soll der "alkoholfreie Gin" Rick Free des Wiener Bio-Spirituosen-Startups Rick Spirit ab Mitte November Nicht-Trinker überzeugen.
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Rick Spirits-Gründer Patrick Marchl bringt mit Rick Free
(c) Otto Michael / Rick Spirits: Gründer Patrick Marchl

Beim Wiener Bio-Spirituosen-Startup Rick Spirits ist man sich sicher: „Alkoholfreie Spirits sind groß im Kommen“. Der Markt dafür wachse „unaufhaltsam“, heißt es in einer Aussendung gar – tatsächlich starteten in den vergangenen Monaten und Jahren mehrere neue alkoholfreie Destillate im DACH-Raum am Markt. 2017 von Patrick Marchl gegründet brachte Rick Spirits bislang drei (alkoholische) Bio-Gin-Sorten auf den Markt. Damit holte man sich unter anderem Gold beim World Spirits Award 2019. Nun will man mit dem „alkoholfreien Gin“ Rick Free weitere Kundengruppen erschließen. Marchl hat dazu auch schon den passenden Werbespruch parat: „Rick Free ist ‚the perfect drink when you‘re not drinking‘.“

+++ Die Blaue Sau: Zweiter Versuch nach fast 20 Jahren +++ 

Rick Free: „Brennen“ ohne Alkohol

Rund zwei Jahre habe man an dem Getränk gearbeitet. Herausgekommen sei „ein komplexes zitruslastiges Destillat aus Orange, Zitrone, Grapefruit, Wacholder, Pfeffer und Ingwer“. In der Erzeugung wird – analog zum Spirituosen-„Brennen“ – durch Heruntertropfen von kondensiertem Dampf in einer Brennblase ein Kondensat hergestellt. Rick Free sei zucker- und kalorienfrei und enthalte keine künstlichen Aromen, betont man seitens des Startups. Ab Mitte November soll das Getränk erhältlich sein. Rund 30 Euro sind dann für einen halben Liter zu berappen.

„konkrete Interessenten“ aus mehreren Ländern

Erstmals öffentlich vorgestellt wurde das Getränk vom Startup nun auf dem Bar Convent Berlin – mit 14.000 Fachbesuchern eine der größten Fachmesse für Spirituosen. In Wien wird der „alkoholfreie Gin“ vor dem Release noch auf der Spirituosen Gala in der Hofburg am 28. Oktober präsentiert. Bei den ersten Verkostungen sei man auf „Begeisterung“ gestoßen, sagt Gründer Marchl. Es gebe auch schon „konkrete Interessenten“ aus den USA, Japan, Spanien, aus Deutschland und der Schweiz, mit denen man nun in „weitere Gespräche“ gehe.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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