22.06.2021

Neue Runde: Neobank Revolut will Bewertung vervierfachen

Die Neobank mit Sitz in London soll sich einem Bericht zufolge in Gesprächen mit Investoren befinden. 2020 hat Revolut seinen operativen Verlust deutlich ausgeweitet.
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Foto: vejaa/Adobe Stock

Das Finanzierungsumfeld für Fintechs ist gerade günstig – auch in Europa. Beste Beispiel: Der Zahlungsdienstleister Klarna hat kürzlich eine 639 Mio. US-Dollar schwere Runde zu einer Bewertung von 45,6 Mrd. Dollar abgeschlossen. Das nächste größere Investment für ein europäisches Fintechs könnte aber bald folgen: Wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete, befindet sich die Neobank Revolut in Gesprächen mit Investoren. Demnach soll das Fintech eine Bewertung von 20 Mrd. US-Dollar oder darüber anpeilen.

Damit könnte sich diese gegenüber den vergangenen Runde möglicherweise sogar vervierfachen. Im Februar 2020 hatte Revolut in einer Runde 500 Mio Dollar aufgenommen und war mit 5,5 Mrd. Dollar bewertet worden. Die aktuellen Gespräche seien noch in einer frühen Phase und es sei noch keine Entscheidung über den genauen Zeitpunkt oder den Umfang der Runde gemacht worden, wurden die Insider weiter zitiert. Revolut selbst wollte den Bericht nicht kommentieren.

Revolut aktuell europäisches Fintech mit dritthöchster Bewertung

In einem früheren Interview mit dem Finanzsender hatte Revolut-CEO Nikolay Storonsky zwar bestätigt, dass das Unternehmen weitere Finanzierungsrunden plane. Genauer wollte er sich aber dazu nicht äußern. Aktuell ist Revolut nach Klarna und dem britischen Zahlungsdienstleister Checkout.com das am dritthöchsten bewertete europäische Fintech. Checkout.out hatte im Jänner in einer 450 Millionen Dollar schweren Runde eine Bewertung von 15 Mrd. Dollar erreicht – eine Verdreifachung gegenüber der vorigen Finanzierungsrunde vom Vorjahr.

Der von den Wienern Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf gegründete Revolut-Konkurrent N26 wiederum ist zuletzt in einer Finanzierungsrunde im Herbst 2019 mit 3,5 Mrd. Dollar bewertet worden. Rund um die Neobank mit Sitz in Berlin gibt es immer wieder Gerüchte über einen Börsengang. Im April hatte Tayenthal dazu gesagt, dass das Unternehmen „innerhalb eines Jahres dafür bereit“ sein wolle, jedoch „keine Eile“ verspüre.

Operativer Verlust 2020 bei rund 234 Mio. Euro

Revolut hatte kürzlich außerdem einige Geschäftszahlen für 2020 veröffentlicht: Demnach hat das Unternehmen seinen Umsatz um 57 Prozent auf 261 Mio. britische Pfund (umgerechnet rund 304 Mio. Euro) steigern können. Der operative Verlust hat sich mit rund 201 Mio. Pfund (rund 234 Mio. Euro) ungefähr verdoppelt. Hauptgrund dafür waren gestiegene Kosten – vor allem im Personalbereich, in dem sich die Ausgaben ungefähr verdreifacht haben, aber auch in Bereichen wie Compliance.

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Rivero
© Rivero - (v.l.) Stephan Wächter, Fatemeh Nikayin und Thomas Müller.

Rivero, die europäische Plattform für Zahlungsoperationen, hat heute bekanntgegeben, dass Elevator Ventures, der Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International (RBI), als Investor beim Schweizer Fintech eingestiegen ist. Die Partnerschaft soll Riveros weitere Expansion in Europa unterstützen, mit besonderem Fokus auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Rivero: Kajo und Amiko

Rivero wurde von Thomas Müller, Fatemeh Nikayin und Stephan Wächter gegründet, um Intelligenz und Automatisierung in einige der besonders komplexen operativen Herausforderungen der Zahlungsbranche zu bringen. Die Technologie soll es Finanzinstituten ermöglichen, stark regulierte und ressourcenintensive Zahlungsprozesse zu modernisieren und manuelle Arbeitsabläufe durch intelligente Automatisierung zu ersetzen.

Die Compliance-Plattform von Rivero heißt Kajo und soll die Compliance in Zahlungsnetzwerken vereinfachen, indem sie Updates automatisch verteilt, eine Übersicht auf einen Blick liefert und fragmentierte Dokumente und Anforderungen der Zahlungsnetzwerke in ein KI-gestütztes Wissensverzeichnis verwandelt.

Die KI-gestützte Anwendung Amiko indes bringt agentische KI in das Streitfallmanagement (Dispute Management) und die Betrugsrückgewinnung. Die Lösung sortiere Fälle intelligent vor, koordiniere die nächsten sinnvollen Schritte und automatisiere Dispute-Workflows vom Eingang bis zur Lösung, während sie Agent:innen bei komplexen Fällen anleitet, die menschliche Spezialist:innen erfordern. Das soll Instituten helfen, Gelder schneller zurückzuholen, den operativen Aufwand zu reduzieren und ein besseres Erlebnis für Karteninhaber:innen zu bieten.

„Elevator Ventures von strategischer Relevanz“

Während Rivero in Europa expandiert, konzentriert sich das Unternehmen zunehmend nicht nur auf den Ausbau seiner Technologie, sondern auch auf die Stärkung seiner Position im breiteren europäischen Bankenökosystem. Für die nächste Entwicklungsphase von Rivero sei Elevator Ventures von besonderer strategischer Relevanz: Durch die Verbindung zur RBI Group und das Netzwerk in Zentral- und Osteuropa verfüge Elevator Ventures über umfangreiche Erfahrung darin, Technologieunternehmen, die Finanzinstitute bedienen, zu unterstützen und ihnen bei der Orientierung und Expansion in europäischen Bankenmärkten zu helfen, heißt es.

„Europas Finanzinstitute suchen nach besseren Wegen, zunehmend komplexe Zahlungsoperationen zu managen, und wir sehen eine große Chance, Riveros Technologie zu vielen weiteren Instituten auf dem Kontinent zu bringen“, sagt Thomas Müller, CEO von Rivero. „Da wir nun in die nächste Wachstumsphase eintreten, wollen wir Investor:innen am Tisch haben, die sowohl die Komplexität des Bankgeschäfts als auch die Märkte verstehen, in denen wir tätig sind. Die Expertise von Elevator Ventures im Finanzdienstleistungsbereich und ihr besonders starkes Netzwerk in Zentral- und Osteuropa machen sie zu einem hoch relevanten strategischen Partner für Rivero.“

Maximilian Schausberger, Managing Director bei Elevator Ventures, ergänzt: „Rivero adressiert eine Reihe operativer Herausforderungen, die für Banken und Zahlungsinstitute in ganz Europa immer wichtiger werden. Das Team verbindet tiefgehende Zahlungsverkehrsexpertise mit Technologie, die speziell auf die Anforderungen regulierter Finanzinstitute ausgelegt ist. Wir sehen eine starke Übereinstimmung zwischen Riveros Ambitionen und unserer Erfahrung und unserem Netzwerk im europäischen Bankwesen und freuen uns darauf, das Unternehmen bei seiner weiteren Expansion zu unterstützen.“

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