07.05.2026
FINANZIERUNG

Reploid: Welser Scaleup erhält achtstelligen Kredit von RBI Growth Financing Program

Mit der Wachstumsfinanzierung will das auf Insektenmast-Anlagen spezialisierte Scaleup die internationale Expansion weiter vorantreiben.
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Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

„Wir sind ein klassisches Nicht-Startup“, sagte Reploid-Gründer Philip Pauer vor fast einem Jahr im Gespräch mit brutkasten. Damals stand das Scaleup – knapp vier Jahre nach seiner Gründung – kurz vor dem Börsengang im „Direct Market Plus“ der Wiener Börse. Und nicht nur damit wurde das Unternehmen der „Nicht-Startup“-Ansage des Gründers seitdem durchaus gerecht. Auch in Sachen Finanzierung geht Reploid nicht den klassischen VC-Kapital-basierten Startup-Weg.

Mehrere Millionenfinanzierungen ohne VC-Beteiligung

So holte man sich im November vergangenen Jahres eine umsatzbasierte Millionenfinanzierung, diesen März schloss man eine Crowdinvesting-Kampagne in Millionenhöhe ab. Nun kommt eine erstmals achtstellige Wachstumsfinanzierung hinzu – und zwar in Form eines Kredits.

Gewährt wird dieser von der Raiffeisen Bank International (RBI) über das RBI Growth Financing Program, in dem insgesamt 250 Millionen Euro für Kredite für Scaleups „mit bewährtem Geschäftsmodell“ bereitgestellt werden. Die aktuelle Finanzierung bestehe sowohl aus einem Darlehen mit einer Laufzeit von vier Jahren als auch einer revolvierenden Kreditlinie mit einer Laufzeit von rund drei Jahren, heißt es von Reploid. Darüber hinaus werde bereits über weitere Finanzierungen gesprochen.

„Für zentrale Kundengruppen des Raiffeisensektors von hoher Relevanz“

„Mit der RBI gewinnen wir einen international erfahrenen Bankpartner, der unser Geschäftsmodell versteht und unsere Expansion auf mehreren Ebenen begleitet. Der gesamte Prozess war von großer Professionalität geprägt. Ich freue mich, die RBI nun als eine unserer Hausbanken bezeichnen zu dürfen“, kommentiert Gründer Pauer.

Und Harald Kröger, Head of Group Structured Finance & Investment Banking der RBI, meint: „Wir haben uns in den vergangenen Wochen sehr intensiv mit dem Geschäftsmodell von Reploid auseinandergesetzt. Das Unternehmen ist in Bereichen tätig, die für zentrale Kundengruppen des Raiffeisensektors von hoher Relevanz sind. Wir freuen uns, mit Reploid ein äußerst innovatives Unternehmen aus der Region auf seinem dynamischen internationalen Wachstumskurs zu begleiten.“

Große Wachstumspläne für dieses Jahr

Mit dem Kapital soll nun die internationale Expansion „in Europa und ausgewählten weiteren Märkten“ vorangetrieben werden. Reploid hat 2025 seine Belegschaft mehr als verdoppelt und will das 2026 wiederholen. Zudem wolle man die Anzahl verkaufter „ReFarmUnits“ deutlich steigern und gleichzeitig das Düngemittel- und Tierfuttergeschäft weiter stärken.

In diesen „ReFarmUnits“ werden Lebensmittel- bzw landwirtschaftliche Abfälle mit Junglarven der Schwarzen Soldatenfliege verwertet. Genutzt werden sowohl die Larven selbst (etwa im Futtermittelbereich) als auch ihre Ausscheidungen (als Dünger). Unter den Referenzkunden ist etwa die deutsche Premium Food Group (ehem. Tönnies).

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(c) Ruiz Cruz
(c) Ruiz Cruz

Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.

Strategiearbeit im Fokus

Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.

(c) Ruiz Cruz

Mehr Role Models?

Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”

Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Die Frage des Budgets?

Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”

(c) Ruiz Cruz

Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.

Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.

Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen

Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.

Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.

Verbündete in der Politik?

Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

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