12.11.2025
REVENUE BASED

Reploid: Welser Insekten-Scaleup holt Millionenfinanzierung

Reploid nimmt eine umsatzbasierte Finanzierung in Millionenhöhe von Tauros Capital auf. Das Geld soll in die Expansion fließen.
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Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Es wird nicht leise um das Welser Scaleup Reploid, das Industriesysteme für die Zucht von Insektenlarven anbietet. Im Juli machte dieses mit seinem Börsengang nur vier Jahre nach der Gründung Schlagzeilen – mit verhaltenem Start, wie brutkasten berichtete. Im August verkündete man, den deutschen Lebensmittelriesen Premium Food Group (ehem. Tönnies) als Partner gewonnen zu haben. Im Oktober kommunizierte das Unternehmen seinen Einstieg beim Petfood-Unternehmen Herosan Healthcare. Nun ist wieder das Thema Finanzierung an der Reihe.

„Wachstumskapital in Millionenhöhe“ ohne Anteilsabgabe für Reploid

Wie Reploid heute bekanntgab, erhält es eine umsatzbasierte Finanzierung von Tauros Capital aus Wien. Das „Wachstumskapital in Millionenhöhe“ wird dabei nicht genau beziffert. Mit seinem „Revenue based Financing“-System nimmt Tauros für das ausbezahlte Kapital keine Unternehmensanteile, sondern wird an künftigen Umsätzen beteiligt. Mit dem Kapital sollen das weitere Wachstum, die Expansion und die Marktdurchdringung vorangetrieben werden.

Bereits 80 Mitarbeiter:innen und umfassende Expansionspläne

Die Insektenmastanlagen des Scaleups verwerten täglich jeweils bis zu 40 Tonnen organischer Reststoffe. Aus den Larven und deren Ausscheidungen werden Proteinmehle, Fette und Öle für die Nutz- und Heimtierfutterproduktion, Treibstoff, Kosmetik und organischer Dünger hergestellt. Aktuell beschäftigt Reploid bereits rund 80 Mitarbeiter:innen und ist in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Frankreich aktiv. Rumänien und Spanien sollen laut Unternehmen „demnächst“ folgen, zudem stünden Gespräche mit Unternehmen in Australien, Neuseeland sowie Nord- und Südamerika an.

Reploid-Gründer: „Streben danach, zum weltweiten Technologieführer zu werden“

„Wir streben danach, zum weltweiten Technologieführer im Bereich modularer Insektenproduktion zu werden. Mit dem Wachstumskapital von Tauros Capital kommen wir dieser Vision einen großen Schritt näher“, kommentiert Reploid-Gründer Philip Pauer in einer Aussendung. Werner Edlinger, Mitglied der Tauros-Geschäftsführung, sieht im Scaleup „eine attraktive Beteiligung mit signifikantem Zukunftspotenzial“. „Die strategische Ausrichtung ergänzt unser Portfolio in idealer Weise um den zukunftsweisenden Bereich der nachhaltigen Rohstoffgewinnung. Das Geschäftsmodell bietet darüber hinaus langfristig sehr gute Perspektiven hinsichtlich Skalierbarkeit, Rentabilität und gesellschaftlicher Relevanz“, so Edlinger.

Zwei Klappen mit einer Fliege

Bis 2050 wird in einer von Reploid zitierten Studie eine 52-prozentige Steigerung des globalen tierischen Proteinbedarfs prognostiziert. Gleichzeitig würden weltweit laut Schätzungen jährlich 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel verschwendet. Die Verwertung dieser Lebensmittel mit Fliegenlarven soll die beiden Herausforderungen gleichzeitig adressieren.

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v.l.n.r: Daniela Gassner (RLB), Steve Jeitler (Business Angel), Verena Kraßnig (RLB), Georg Lackner (SUPASO), Olivia Pinter (RLB), Fabian Gems (SUPASO), Jörg Schönbacher (FMMS) | (c) Supaso

Im Juli 2025 hatte Supaso am Rande des Business Angel Summit in Kitzbühel angekündigt, eine Finanzierungsrunde vorzubereiten (brutkasten berichtete). Diese Runde ist nun abgeschlossen: Angeführt wird sie von der Gerald Jeitler GmbH, beteiligt sind außerdem die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark und die FMMS Beteiligungs GmbH.

Die Supaso FlexCo aus Hartberg produziert Isolierverpackungen aus recyceltem Altpapier, die Styropor (EPS) in der temperaturgeführten Logistik ersetzen sollen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten ausbauen und international wachsen. Zur Höhe des Investments macht Supaso allerdings keine Angaben.

Transportkosten begrenzen den Lieferradius

„Das größte Problem bei Verpackung ist natürlich die Distanz“, sagt Mitgründer Fabian Gems im Gespräch mit brutkasten. Gut liefern lasse sich in einem Radius von 300 bis 400 Kilometern. „Alles, was darüber hinausgeht, geht meistens auf die eigene Marge, weil die Transportkosten einfach steigen.“

Gems nennt dazu Zahlen: Der Warenwert einer LKW-Ladung liege zwischen 6.000 und 8.000 Euro, die Transportkosten nach Madrid bei 3.500 Euro. Eine Zustellung in die Schweiz inklusive Verzollung kostete im Vorjahr 1.900 Euro, mittlerweile 2.700 Euro. Weitergeben lasse sich das nur bedingt, ohne näher gelegenen Wettbewerbern eine Chance zu geben.

Fünf Partner, erste Pilotanlage ab Q1

Supaso setzt deshalb auf ein Machine-as-a-Service-Modell, das unter dem Namen Modular Up Cycling Hub (MUCH) vorbereitet wird: Statt fertige Dämm-Inlays quer durch Europa zu transportieren, sollen Partnerbetriebe mit eigenem Papier- und Kartonabfall vor Ort produzieren. Das Kapital fließt laut Gems in die Serienreife der Produktionslinien und in erste Testpiloten im In- und Ausland.

Fünf Partner hat Supaso nach eigenen Angaben identifiziert, darunter ein Styroporhersteller, der selbst unter Druck steht. Der Start ist für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant, zunächst mit einer Anlage. Zwei weitere sollen nach Möglichkeit folgen. Die Validierungsphase soll bis etwa 2028 laufen, danach ist die nächste Finanzierungsrunde vorgesehen. Als besonders dynamische Märkte nennt Gems Kroatien und Slowenien.

Wie abgerechnet wird, ist offen. Getestet werden Varianten von der Leasinganlage mit Lizenzgebühr bis zu Pay-per-Use. Eine eigene Großfabrik schließt Gems aus: „Davon bin ich absolut nicht überzeugt. Wir wollen uns direkt in die Wertschöpfungskette bei Verpackungs- und Kartonageherstellern und Papierfabriken einbauen.“

Bewusst österreichische Investoren

Seit dem Business Angel Summit in Kitzbühel im Vorjahr habe man mit vielen Kandidaten gesprochen und dabei eine Erkenntnis gewonnen, so Gems: „So ein ganz klarer VC-Fall sind wir nicht.“ Man sei erstens Hardware und zweitens relativ erklärungsbedürftig. Die Präferenz sei deshalb auf österreichisches Kapital mit langem Atem gefallen, einen Exit in zwei Jahren strebe man nicht an: „Wir wollen das jetzt wirklich groß machen.“

Die FMMS Beteiligungs GmbH mit Sitz in Frohnleiten wurde Ende 2024 im Firmenbuch eingetragen und gehört zur FMMS Holding GmbH, der Beteiligungsholding von Franz Mayr-Melnhof-Saurau. Zum Portfolio zählen die Mayr-Melnhof Holz Holding, der größte Privatforstbetrieb Österreichs und ewe Küchen, insgesamt rund 2.000 Mitarbeitende in vier Ländern. Als Schwerpunkte nennt die Holding unter anderem Ressourcenwirtschaft und Greentech.

Die RLB Steiermark bringt neben Kapital vor allem Know-how bei der Ausgestaltung der Abrechnungsmodelle ein, sagt Gems – ein Punkt, der bei einem noch offenen Machine-as-a-Service-Geschäftsmodell zwischen Leasing und Pay-per-Use nicht unerheblich ist. Die Landesbank, die als größte Regionalbank im Süden Österreichs auftritt, hat ihr Beteiligungsgeschäft zuletzt gezielt ausgebaut: Für Startups, Scaleups und KMU steht ein Beteiligungsvolumen von 100 Millionen Euro bereit, wovon bereits 40 Millionen Euro investiert sind. Nachhaltige und regionale Zukunftsbranchen zählen dabei explizit zu den Investitionsschwerpunkten der Bank

Supaso wurde 2021 gegründet. Im August 2023 zählte das Unternehmen 190 Kund:innen in neun Ländern (brutkasten berichtete), im Juli 2025 über 300 in zehn Ländern, aktuell sind es nach eigenen Angaben „Hunderte“ in zwölf europäischen Ländern. Die Nachfrage nach kreislauffähigen Verpackungen wird unter anderem durch die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) getrieben.

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