22.04.2025
SICHERHEIT

Recommerce: Wiener Startup stellt AI-Avatare gegen sexuelle Belästigung zur Verfügung

Das Wiener Startup Minimist testet Tools gegen sexuelle Belästigung im Recommerce. Mithilfe von AI-generierten Models sollen Userinnen besser geschützt werden.
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Mimimist, Vinted, sexuelle Beläsztigung, Verkaufen, AI-Avatare
© Minimist - KI-Model von Minimist.

Die Plattform des Wiener Startups Minimist nutzt Machine Learning für Objekterkennung und Preisvorschläge, um den Verkaufsprozess von Second-Hand-Plattformen zu optimieren. Es wurde 2024 vom ehemaligen Google- und Spotify-Produktmanager Stephan Hofmann und dem Serienfounder Henrik Feldt in Wien gegründet und konnte sich im Jänner eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 350.000 Euro sicher – brutkasten berichtete. Uptraded-Founderin Anna Greil stieg im April als Late-Co-Founderin und COO ein.

Vinted als Beispiel

Nun reagiert das Startup auf eine investigativ-journalistische Zusammenarbeit zwischen dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ), die zeigt, dass Nutzerinnen der Onlinebörse systematisch belästigt werden.

Vinted, ehemals Kleiderkreisel, gilt als eine der beliebtesten Plattformen für den Kauf und Verkauf von Secondhand-Mode und weiteren Produkten und verfügt über mehr als 65 Millionen Nutzende weltweit. Wie auch der Standard beschreibt, gibt es dort, ebenso wie auf anderen Second-Hand-Plattformen, alltäglich sexuelle Belästigung. Viele Frauen präsentieren demnach ihre Kleidung an sich selbst, weil es die Verkaufschancen erhöht und erhalten dann oftmals zweideutige Nachrichten.

Zudem kursieren die Fotos der Anbieterinnen folglich in sexuell konnotierten Telegram-Kanälen: „Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wurden Bellas Fotos (Anm.: Userin der Verkaufsplattform) – und die von mindestens 100 weiteren Frauen – in einem sexualisierten Telegram-Kanal geteilt. Ohne ihr Wissen und ohne ihr Einverständnis“, gibt das Netzwerk ein konkretes Beispiel von der Belästigungsmechanik.

Minimist testet AI-Models

Nun testet Minimist erste technologische Ansätze, um Abhilfe zu schaffen. Konkret arbeiten die Wiener an Tools, mit denen Kleidung – und andere Gegenstände – professionell, anonym und automatisiert dargestellt werden können. Mithilfe von AI-generierten Models, smarter Bildbearbeitung und zukünftiger Kommunikationsautomatisierung sollen Nutzer:innen künftig im digitalen Recommerce besser geschützt werden.

Minimist, Uptrade, Anna Greil
© Minimist – Anna Greil Late-Co-Founderin sowie COO, Stephan Hofmann und Henrik Feldt von Minimist.

Der Fokus dabei liegt auf der anonymen Präsentation von Kleidung:
● Automatische Bildbearbeitung: Hintergründe werden entfernt, Lichtverhältnisse verbessert – für neutrale, hochwertige Produktdarstellungen.
● AI-generierte Models: Kleidung wird auf künstlich erzeugten, realistisch wirkenden Avataren gezeigt – ohne dass Nutzer:innen selbst auf den Fotos zu sehen sind.
● Ausblick: Perspektivisch sollen auch Tools zur Moderation oder Automatisierung von Nachrichten auf Recommerce-Plattformen entwickelt werden – damit Nutzer:innen weniger ungewollter Kommunikation ausgesetzt sind.

Sicherheit im digitalen Raum

„AI kann Angst machen – aber sie kann auch Schutz bieten“, sagt Hofmann, CEO von Minimist. „Neben Kreislaufwirtschaft und technischer Effizienz ist uns vor allem wichtig, dass digitale Räume sicherer werden – insbesondere für Frauen. Unsere Lösungen sind ein kleiner, aber konkreter Beitrag dazu.“

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Hivesense
© Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer - Alexander Moosmann (l.) und Florian Entleitner von Hivesense.

Die beiden FH-Absolventen Florian Entleitner und Alexander Moosmann teilen eine Leidenschaft namens IT-Security. Daraus ist ein Startup geworden: Mit Hivesense entwickelten beide eine sogenannte Deception-Plattform, die Cyberangriffe frühzeitig erkennt, indem sie Angreifende mit gezielt platzierten digitalen Fallen aufdeckt und dadurch wichtige Informationen für Cyberdefense liefert. Dabei setzen sie bewusst auf europäische Infrastruktur und digitale Souveränität. Die Idee entstand im Studium an der FH Salzburg.

Hivesense mit „Deception Technology“

Konkret haben sich Entleitner und Moosmann im Studium Informationstechnik & System-Management an der FH Salzburg kennengelernt. Die Idee für das Startup entstand schließlich im Rahmen von Entleitners Abschlussarbeit. „Ich habe mich in meiner Masterarbeit intensiv mit sogenannten ‚Honeypots‘ beschäftigt, einem Teilbereich der Täuschungstechnologie. Dabei wurde mir klar, wie viel Potenzial in diesem Ansatz steckt“, erklärt er.

Die Founder pitchten ihre Idee beim FHStartup Center und wurden im Herbst 2025 in die Startup Factory des Netzwerks Startup Salzburg aufgenommen. Im März 2026 gründeten sie schlussendlich ihr Unternehmen.

Hivesense entwickelt – wie erwähnt – eine „Deception Technology“, eine – eigenen Angaben nach – noch wenig verbreitete Form der Cyberabwehr. Das Prinzip: Im Netzwerk eines Unternehmens werden gezielt „Stolperdrähte“ platziert. Angreifer, die sich im System bewegen, sollen dann darauf stoßen und erkannt werden, so der Claim.

„Wir bauen keine klassische Schutzmauer“, sagt Entleitner. „Wir legen bewusst falsche Spuren und warten, bis jemand darüber stolpert – vergleichbar mit einem Stolperdraht, an dem ein Glöckchen platziert wurde.“ Moosmann ergänzt: „Viele Sicherheitslösungen erkennen nur bekannte Bedrohungen. Wir gehen einen Schritt weiter: Wir erkennen Verhalten und interagieren direkt mit Angreifern.“ Dabei setzt Hivesense im Inneren des Netzwerks an, einem der, wie beide Gründer sagen, kritischsten Bereiche.

Erste Pilotkunden

Die Decoy-Plattform von Hivesense befindet sich im Einsatz bei ersten Pilotkunden. Das Team treibt den Markteintritt im DACH-Raum aktiv voran und sucht weiterhin nach Unternehmen, die die Plattform in ihrer Infrastruktur einsetzen und gemeinsam mit Hivesense weiterentwickeln möchten.

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